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Weihnachtszeit

Wir konnten noch vor Weihnachten die geplante Pergola in Tena aufstellen und so der neuen Besitzerin übergeben. Durch die gute Planung und Vorarbeit waren wir schneller als gedacht.

Nachdem der Zement ausgehärtet war, half Michi die Hängematte aufzuhängen. Er war ein wenig nervös, ob die Konstruktion dem Schaukeln standhalten würde. Zur Freude von allen steht die Pergola wie eine EINS. Das war der letzte anstehende Auftrag, den wir hatten.

Pergola mit Hängematte

Als Bernd uns Besuchen kam, konnten wir mal einige Tage sorgenfrei wegfahren. Daraus wurde eine ganze Woche, die wir seit langem wieder einmal zusammen verbringen konnten. Wir waren in den Anden und haben zum ersten Mal (fast) alle grossen Vulkane gesehen – das heisst, der Sangay hat sich uns auch dieses Mal nicht gezeigt. Nun ist er der letzte Vulkan Ecuadors, den wir noch nie gesehen haben. Wir sind ins Refugio (Schutzhütte) vom Chimborazo hochgefahren, das liegt auf 4800 m.ü.M. Der Chimborazo ist mit 6263 Metern Höhe der höchste Berg (Vulkan) Ecuadors.

Anfahrt zum Chimborazo

Vom Refugio aus sind wir zur nächsthöheren Hütte gewandert, die befindet sich auf 5000 m.ü.M. Die Luft ist da schon sehr dünn und man kommt nicht mehr so schnell voran.

5000 m.ü.M. reichten, mehr musste wirklich nicht sein

Michi hatte noch etwas mehr Puste und Motivation und ist bis zum Gletschersee weiter gegangen der sich auf 5100 m.ü.M. befindet.

In diesen Ferien haben wir auch die Lagune vom Quilotoa zum ersten Mal gesehen. Wir waren bereits vor zwei Jahren da, aber da regnete es und der Nebel war sehr dick. Dieses Mal zeigte sie sich von ihrer schönsten Seite. Der Vulkansee wird häufig als der schönste von ganz Südamerika betitelt, was wir gut glauben können.

Wir liessen uns vom schönen Wetter und der traumhaften Aussicht hinreissen und sind den Kraterrundweg gegangen – einmal rund herum. Der Weg befindet sich (konstant) auf 4000 m.ü.M., mit einigen Hügeln dazwischen. Die Wanderung war wunderschön, aber auch sehr anstrengend. An dieser Stelle sei gesagt, dass man für diesen Weg schwindelfrei sein muss.

Zum Abschluss unserer kleinen Andenreise, genossen wir noch die heissen Quellen von Papalacta. Von unserm Pool aus hatten wir die perfekte Sicht auf den Antisana. Wir konnten es so richtig geniessen, denn wir wussten ja, dass unser Haus und Hof bei Bernd in guten Händen sind. Nochmals DANKE, lieber Bernd, und wir werden dich ja sicher bald wieder sehen 😊.

Antisana

Und zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln und Staunen: Unsere Gemeinde Ahuano ist, was die Bevölkerungszahl betrifft, nicht besonders gross und zählt lediglich rund 4.000 Einwohner. Leider ist Ahuano jedoch weithin bekannt für die sich dort befindenden illegalen Goldminen. Innerhalb der gesamten Provinz Napo liegt hier das zweitgrösste illegale Abbaugebiet. Es werden täglich rund 20 kg Gold illegal gewaschen. Die grossen Minen werden von den Drogenkartellen geleitet und die Korruption in der Gemeinde ist riesig. Um die Bevölkerung zu besänftigen, die unter der immensen Umweltzerstörung, zunehmender Kriminalität und Prostitution leidet hat die Gemeinde ein Fussballstadion gebaut. Brot und Spiele – das haben auch schon die Römer so gehalten. Ein Fussballstadion klingt zunächst nicht nach etwas Besonderem, aber das ist es durchaus wenn es das erste Fussballstadion dieser Grösse der ganzen Provinz Napo ist. Nicht einmal die Provinzhauptstadt Tena hat ein Stadion diesen Ausmasses. Und was auch sehr erstaunlich ist, es gibt hier keine Mannschaft, die in einer Liga spielt. In dieser Region wird fast ausschliesslich «Indoor» gespielt. Das bedeutet, die Spielfelder sind kleiner und es spielen nur sieben Personen pro Mannschaft. Bei der Eröffnungsfeier Ende Oktober, waren dann aber alle korrupten Politiker anwesend und haben es sich nicht nehmen lassen ein Spiel zwischen der Provinz- und der Gemeinderegierung zu machen. Der Einsatz war, man höre und staune, die Installation der Lichtmasten. Ja, es gibt keine Spiele nach 18.00 Uhr, denn es hat kein Licht im Stadion. So war das Fest dann auch bereits um 18.30 Uhr vorbei. Übrigens die Provinzregierung hat gewonnen, aber bis heute gibt es noch immer kein Licht und das Stadion wurde auch nie wieder benutzt.

Wir wünschen allen noch weiterhin erholsame Festtage. Allen ein grosses Dankeschön die uns immer wieder unterstützen mit Spenden, mit aufmunternden Gesprächen, guten Ideen, oder auch mit ihren guten Gedanken.  Ein spezielles Dankeschön denen die bei uns tatkräftig mit anpacken und immer wieder vor Ort mithelfen.  Euch allen wünschen wir einen guten Start ins neue Jahr.

Links im Hintergrund die Spitze vom Altar und rechts der Tungurahua
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Alle (halbe) Jahre wieder!

Gastbeitrag von Bernd Villwock

Gerade einmal ein halbes Jahr ist vergangen, seit ich zuletzt auf der Finca war! Joëlle hat nur gelacht, als sie es erfuhr – genau das hatte sie mir beim letzten Besuch prophezeit. Die Blog-Einträge aus den vergangenen Monaten hatten mich schon ein wenig auf die jüngsten Entwicklungen vorbereitet, aber vor Ort war das natürlich noch sehr viel eindrücklicher.

Viele Veränderungen in kurzer Zeit!

Als Erstes fiel mir das neue, tolle Büro von Joëlle ins Auge, später dann entdeckte ich auch eine Reihe weiterer von Michis neuesten Arbeiten. Er hat nicht nur ein gutes Händchen für schöne Möbel, sondern auch für kunstvolle Dekorationen. Inklusive „Upcycling at it’s best“! – zum Beispiel in Form von in die Wände eingelassenem Buntglas und fantasievollen Kerzenhaltern.

Schon bei der ersten gemeinsamen Tour durch den Schutzwald sind aber auch die Zerstörungen durch die letzten Starkregen nicht zu übersehen. Wo sich vorher Wald oder Kuhweiden befanden, ragen nun an verschiedenen Stellen senkrechte Absturzkanten auf. Leider hat es auch einen von Joëlles Spazierwegen erwischt. Er endet nun unversehens mit einer einsamen Stufe…

Natürlich lässt sich Michi davon nicht unterkriegen. In einem anderen Teil des Farm-Geländes, ausgehend vom Aussichts-Turm, entsteht gerade ein neuer, noch schönerer Weg. César hat den Wegesverlauf bereits freigeschlagen, der auch an einem kleinen Wasserfall vorbeiführt. Am folgenden Tag gehen Michi und César den Weg gemeinsam ab und verabreden letzte Veränderungen.

An einer anderen Absturz-Stelle, mitten im Wald, zeigt Michi mir einen wunderschönen großen Urwaldbaum. Um ihn herum stehen hunderte, aus den Baumsamen ausgekeimte Sprösslinge. Die stärksten davon werden César und Michi ausgraben, erzählt er mir, um sie auf der ehemaligen Kuhweide unterhalb der Absturzstelle einzupflanzen. So wird die Wiederbewaldung Stück für Stück fortgeführt, ein wirklich schöner Gedanke!

Als ziemlich bedrückend dagegen empfinde ich, wie sehr das Gold-Schürfen in den letzten Monaten näher an die Finca herangerückt ist: Unmittelbar neben dem Gelände der Casa Liza zum Beispiel ist eine Sand- und Lehm-Wüste mit großen eckigen Löchern entstanden, die mit Wasser vollgelaufen sind. Nachdem an dieser Stelle bereits einmal das Schutzgebiet von Selva Viva missachtet wurde, bringt Michi nun an der Gebietsgrenze weitere Schilder an, auf denen vor einer Anzeige gewarnt wird. Eines davon tauschen wir aus, denn es wurde von einer Machete zerstört. Bei anderer Gelegenheit stoßen wir etwas weiter entfernt am Rio Napo auf die ersten Vorbereitungen für eine neue illegale Schürfstelle…

Beim Nachrecherchieren finde ich die Erläuterungen von Michi und Joëlle bestätigt: Mit dem astronomisch hohen Goldpreis haben sich die illegalen Goldminen wie ein Krebsgeschwür im tropischen Regenwald Südamerikas ausgebreitet und erschreckende Dimensionen angenommen. Und speziell der Einzugsbereich des Rio Napo, zu dem auch die Fließgewässer in und um Selva Viva gehören, hat es inzwischen zu einer traurigen internationalen Berühmtheit gebracht (siehe z. B. den Fernsehbeitrag: „Ecuador – Kampf gegen illegalen Goldabbau im Regenwald“; 09.11.2025 ∙ Weltspiegel ∙ ARD Beitrag in der ARD Mediathek – hier klicken).
-> die Comunidad Serena, von der in diesem Beitrag die Rede ist, befindet sich nur ca. 40 km Flussaufwärts von der Finca Don Sigifredo und Selva Viva

Joëlle und Michi kämpfen rund um Selva Viva weiter dagegen an, wenn auch nach offenen Anfeindungen und Drohungen etwas vorsichtiger. Und mit ihrer Hartnäckigkeit haben sie inzwischen eine Gruppe von Unterstützern aktivieren können, zu denen neben touristischen Einrichtungen auch heimische Kichwa-Initiativen gehören. Auch wenn Joëlle sich zurzeit nicht viele Hoffnungen macht: mit der „Nachrichten-Kette“ und der gemeinsamen Veröffentlichung ihres „Manifestes“ gegen das Gold-Schürfen setzen sie Zeichen und bringen auch Aktionen in Bewegung.

Ein paar Tage „Einhüten“

Wie schon bei meinen Besuchen zuvor nutzen Joëlle und Michi die Gelegenheit, für ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich halte sehr gerne die Stellung und kümmere mich um die Tiere. Wie immer gibt es dabei Überraschungen: Dieses Mal ist es die Hündin Hera, die ausgerechnet in dieser Zeit zum ersten Mal läufig wird. Das beschert ihr schon bald einen Fanclub von Hunden aus der Nachbarschaft, die Hector, Odin und ich jedoch mit vereinten Kräften abwehren können. Trotzdem muss Hera leider ein paar Tage lang an der Leine bleiben.

Die Hühner hingegen sind dieses Mal eine uneingeschränkte Freude – nicht nur wegen der zuverlässig gelegten Eier! Wenn sie, einige schneeweiß, frühmorgens im Gelände ausschwärmen und an der Terrasse vorbeiziehen, hat das etwas Engelsgleiches. Die fünf Küken, noch im Laufstall, schauen ihnen zu und träumen von der Freiheit. Zwei andere Hühner, noch nicht ganz ausgewachsen, machen immer alles anders als der Rest und brauchen jeden Abend eine Extraeinladung zum Schlafen gehen. Das ist wirklich lustig!

In der Mehrzahl der „Einhüte-Tage“-Tage sind auch wieder Vorarbeiter César und seine Frau Hilda bis zum Nachmittag auf der Finca. Wie immer erzählt César über das Leben und die Geschichte der Menschen, die wie er und seine Familie auf der anderen Seite vom Fluss auf „der Insel“ leben. Das ist besonders interessant, weil César selbst seit seiner Jugend mit Ausländern zu tun hat, schon ziemlich viel gereist ist und deshalb beide „Welten“ kennt. Umso deutlicher wird mir wieder einmal, wie sehr sich das ländliche Kichwa-Leben immer noch von meinem eigenen unterscheidet. Sehr schade finden die beiden – wie auch ich selbst – die Entwicklung ihres jüngsten Sohns, Lizandro. Er war der letzte Schützling des Studentenhauses des Schulvereins und alle hofften, dass er die Schule abschließen würde. Noch in der kleinen Urwaldschule hatte ich Lizandro vor sechs Jahren kennengelernt und als besonders begabt erlebt. Nun aber hat er letztlich doch abgebrochen und sich entschieden, in einer weit entfernten legalen Goldmine zu arbeiten…

Immer wieder schön!

Nachdem ich mich wie immer ein wenig an das Klima und die Stechtiere in Puerto Barantilla gewöhnen musste, sind die letzten Tage auf der Finca wieder ein großartiges Naturerlebnis. Jeder Morgen und jeder Abend haben etwas unvergleichbar Schönes.
Und wenn ich mit den Hunden durch den Wald streife, freue ich mich über die Vögel und die Bäume und die kunstvoll verschlungenen Lianen…

Rund um das Haus sind es dieses Mal vor allem die Insekten, die mir interessante Erlebnisse bieten. Zum Beispiel baut eine Lehmwespe am Eingangsgitter ein Nest aus Lehm. Über mehrere Tage baut sie verschiedene Röhren an, in die sie jeweils eine gefangene Spinne als Futter für ihre zukünftigen Larven einmauert. Faszinierend!

Eines Tages hat sich eine Königin der äußerst schmerzhaft stechenden Konga-Ameise in die Küche verirrt (ich fange sie ein und setze sie an einem weit entfernten Ort aus). Vor dem Schulhäuschen verspeist eine besonders schöne Spinnenart eine Raupe. Und während meiner Siesta auf dem Balkon schwärmt unmittelbar daneben ein Wespenvolk herbei und beginnt, sein neues Haus zu bauen. Nach der Rückkehr von Joëlle und Michi kann ich dann auch noch etwas mehr bei den Arbeiten mit anpacken. Ich putze die Stufen auf den älteren von „Joëlles“ Wegen rund um die Finca von Lehm und Blättern frei und schneide nochmal für eineinhalb Stunden Bambus-Triebe. Am letzten Tag helfe ich César ein klein wenig dabei, zwei Tore an Joëlles neuem Rundweg zu installieren. César macht das in seinem gewohnten handwerklichen Geschick und seiner Improvisationskunst.

Am letzten Tag komme ich sogar noch in den Genuss eines von Joëlle und Michi ausgerichteten Weihnachtsessens für die Waldhüter von Selva Viva. Ohne die Waldhüter wäre es mit den beständig wachsenden Herausforderungen sicher nicht möglich, den Schutz des Stiftungswaldes auch in Zukunft zu gewährleisten. Und dieses große Anliegen verlieren Joëlle und Michi nie aus dem Blick.

Bis bald, liebe Joëlle und lieber Michi, und danke für euren Einsatz!
Bis bald, liebe Tiere und faszinierende Natur!
Bis bald, Puerto Barantilla!

Anmerkung von Joëlle und Michi:
Vielen herzlichen Dank lieber Bernd, dass du uns so regelmässig besuchst! Wir freuen uns jedes Mal wenn du bei uns bist.
Bis bald, lieber Bernd (in einem halben Jahr?)

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Sach- und Lachgeschichten

Wir sind bekannt dafür, dass wir einen verfügbaren Stock von Bambus haben, und darum meldet man sich bei uns, wenn es eilt. Aber manchmal können auch wir nicht helfen. Besonders interessant ist die Auffassung des Wortes «Stock». Sowohl für uns als auch hier bedeutet das «Lager». An Lager haben wir natürlich nur, was schon behandelt ist und direkt zum Bauen verwendet werden kann. Also, wenn sich ein Architekt bei uns meldet, weil er morgen 150 grüne Stangen benötigt, ist das nicht verfügbar; denn frisch geerntet an Lager – wie soll das gehen? Wir benötigen gut zwei Wochen für Ernte und Behandlung. Ja, wir können viel, aber das ist auch für uns unmöglich. Zuletzt hatten wir eine Expresslieferung nach Quito. Das war auch so ein unmöglicher Auftrag, den wir aber mit einer Nachtschicht erfüllen konnten. Sie brauchten zur Deko für eine Neueröffnung eines Restaurants 300 Bambuslatten, auf 4 cm zugeschnitten, in richtiger Länge und Breite, und dazu noch 50 dünne Bambusse. Das hatten wir zum Glück im Stock und innert zwei Tagen bereitgestellt. Nun ist unser Lager gerade wieder mal etwas leerer. Wir haben schon vor Längerem einen kleinen Auftrag in Tena erhalten, wo wir eine Pergola bauen dürfen. Wir haben versprochen, dass sie zu Weihnachten stehen wird. Also haben wir letzte Woche damit begonnen, das Fundament vorzubereiten, sodass wir am Montag zementieren können. Deshalb muss die Lageraufstockung jetzt etwas warten.

Vor rund einem Jahr haben wir berichtet, dass die Hauptbrücke über den Río Napo zwischen uns und Tena repariert werden musste und sie deswegen zwei Monate lang gesperrt war. Nun gut, sie wurde so gründlich repariert, dass sie jetzt wieder gesperrt ist und erneut repariert werden muss – diesmal sogar für ein halbes Jahr. Aber es gibt noch die kleine Brücke; da dürfen leider nur Fahrzeuge bis maximal 15 Tonnen drüberfahren. Zum Glück wiegt ein voller Reisebus nur 14 Tonnen – wenn man beide Augen zudrückt. Für LKW wurde eine Fähre eingerichtet. Da passt aber kein Sattelschlepper darauf. Die müssen nun die Umfahrungsstrasse via Coca nehmen. Das bedeutet, sie müssen bei uns durch den Regenwald – erst 100 Kilometer bis nach Coca, wo sich die nächste Brücke befindet, und von dort weitere 150 Kilometer über Loreto nach Tena. Die Umfahrung dauert nur rund sieben Stunden. Vor fünf Jahren gab es noch eine Brücke in Misahuallí; die wurde aber von einem LKW zerstört. Zweimal wurden schon Gelder für den Neubau gesprochen, und zweimal sind die jeweiligen Bürgermeister damit verschwunden. So wurde die Brücke nicht mehr aufgebaut. Für uns bedeutet die Reparatur der Brücke am Río Napo vor allem, viel Geduld zu bewahren, denn die kleine Brücke kann nur einspurig befahren werden.

Vorne auf der Brücke ist bereits ein Reisebus

Wer uns schon mal besucht hat und mit Michi einen Waldspaziergang machte, kennt die Instruktionen, bevor es losgeht. Eine Regel lautet: «Halte dich an nichts fest – niemals, denn man kann nie wissen, was dort ist». Michi hat vor Kurzem mit den Hunden eine grössere Runde durch den Wald gemacht, wo er dann auch die Waldhüter von Selva Viva, Ruben und Jairo, antraf. Sie kamen ins Gespräch, und Michi stützte sich an einem kleinen Baum ab. Immer gut, wenn sich der Führer selbst nicht an das hält, was er erzählt. Sogleich schoss ihm ein Schmerz durch die Hand, als ob ihm jemand einen Nagel reinhauen würde. Nach Betrachtung des Baumes durch Ruben stellten sie ein Konganest fest. Der Stich der Konga, oder auf Deutsch der 24-Stunden-Ameise, ist der schmerzhafteste Insektenstich der Welt. Michi musste einmal mehr die Schmerzhaftigkeit spüren. Selbst schuld, wenn man seinen eigenen Anweisungen nicht folgt.

Abends, wenn wir unsere Hühner in den Stall begleiten, nehmen wir auch immer gleich die gelegten Eier raus, und das gibt uns immer ein Gefühl von Ostern. Unsere zusammengewürfelte Hühnerschar besteht zurzeit aus einer schwarzen, drei braunen und drei weissen Hennen (davon ein Schweizerhuhn) mit unserem Schweizerhahn. Alle Eier sind unterschiedlich gefärbt – von schneeweiss über verschiedene Brauntöne bis zu olivgrün.

Wir haben eine kleine Brutmaschine gekauft, um sicherzustellen, dass wir ab und zu Küken haben. Die Naturbrut ist hier etwas schwieriger als in der Schweiz, da es viel mehr Fressfeinde gibt. Abgesehen vom Tayra (sowas wie ein Marder), der am Tag vorbeikommt, über das Opossum, das in der Nacht unterwegs ist, und die Schlangen, die immer kommen, gibt es da auch noch die Eifersucht untereinander. Das beste Beispiel dafür sind Maria und Maite. Sie sind Geschwister, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Maria ist schwarz gefiedert und legt die olivgrünen Eier, und Maite ist weiss gefiedert und legt cremefarbene Eier. Sie kommen immer gleichzeitig ins Brutverhalten, und natürlich lassen wir ihnen auch immer einige Eier. Die beiden wechseln die Nester und klauen sich jeden Tag gegenseitig die Eier. Wir wissen nicht genau, wie sie das anstellen, aber dabei gehen immer welche zu Bruch. Wieder ist nur ein Küken geschlüpft, und erneut teilen sich die beiden Hennen die Aufzucht eines einzigen Kükens. Sie haben bereits Erfahrung darin, denn das haben sie schon zweimal gemacht. Sehr lustig mit anzusehen – man könnte sie durchaus als Helikoptermütter betiteln.

Leider haben wir ein kleines Problem. Seit wir den Schweizerhahn haben, schlüpfen immer nur Hähne – wir hatten mittlerweile schon 20. Zum Glück lassen sie sich gut verkaufen.

Unsere lustige Hühnerschar
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Hera, Odin und unser Einsatz für den Regenwald

Unsere jungen Hunde, Hera und Odin, wachsen rasant und sie werden langsam, aber sicher beeindruckende Wächter. Sie sind gerade in der Sturm und Drangphase und beim Spielen geht es nicht mehr immer ums Spiel, sondern auch wer ist der Stärkere und vor allem wer wird die Nummer zwei hinter Hector werden. Hera und Odin könnten vom Charakter her nicht unterschiedlicher sein. Odin ist jetzt schon der bullige Beschützer und ein grosser, eifersüchtiger Hund der lieber im Büro von Joëlle ist als stundenlang durch den Wald zu laufen.

Hera ist eher der Typ alarmierender Wachhund mit viel Respekt vor Neuem aber mit einem Bewegungsdrang und einer ausgeprägten Vorliebe fürs Wasser. Gut, dass wir einen Fischteich hinter dem Haus haben. Beide sind noch nicht kastriert und wir warten damit, solange es geht, damit sich sowohl der Charakter als auch der Körperbau ausprägen kann. Was wir sicherlich nicht wollen, sind Junge.

Hinten Hector, rechts Hera, unten Odin

Unsere Arbeit hier hat sich in den letzten Monaten erneut recht geändert. Wir sind nach Ecuador gekommen mit dem Gedanken, einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Schutze der Natur zu leisten. Wir haben uns immer wieder neu erfinden müssen, wobei wir stets unserem Grundgedanken und unseren Prinzipien treu blieben, obwohl wir immer wieder aufs Neue auf die Probe gestellt wurden. Der illegale Goldabbau nimmt leider sehr viel Zeit in Anspruch. Nun können wir auf das Problem nicht mehr so detailliert eingehen wie früher. Wie in einem vorangegangen Blog schon mal angedeutet, werden wir über unser Blog von Leuten ausspioniert, die leider dann Informationen absichtlich falsch weitergeben und uns auch vor Ort somit das Leben gefährlich machen. Dies ganz klar mit dem Gedanken, uns endlich doch noch zu verscheuchen. Traurig ist, dass man glaubt, diese Personen stünden auf unserer Seite. Wir wissen jedoch, welches falsches Spiel hier getrieben wird. Bei einer illegalen Goldmine, über die wir bereits berichteten, wurde herausgefunden, dass hinter den Betreibern Drogenkartelle stehen. Wenn man da mit den falschen Informationen kommt, wird es wie erwähnt gefährlich für uns. Somit müssen wir uns leider bedeckt halten und können nicht mehr so offen wie zuvor berichten. Aber bitte macht euch keine Sorgen, diese Mine wurde auf Druck der örtlichen Bevölkerung, die unterhalb am Fluss wohnt und auf das saubere Wasser angewiesen ist, von der Armee geräumt. Hier geht’s zum Facebook Beitrag der Armee betreffend ihrer Aktion: Ejército Ecuatoriano

Michi wollte mit verschiedenen Organisationen, die wie wir mit Selva Viva zusammenarbeiten, eine Allianz bilden. Vor einer Woche fand ein Treffen auf unserer Finca statt. Ziel des Treffens war die Erörterung von Möglichkeiten, unseren Standpunkt klarzumachen und auf das grosse Problem in der Region hinzuweisen. Lester, der Geschäftsführer von Selva Viva, schlug ein Manifest vor, welches dann auch von anderen Umweltschutzorganisationen, touristischen Betrieben und Anwohnern unterzeichnet werden kann, um so mehr Stärke zu zeigen. Zusammen (Finca Don Sigifredo, Selva Viva, Pakashka Sacha, amaZOOnico) erarbeiteten wir ein vierseitiges Dokument.

Danach wurde eine Gruppe mit weiteren potenziellen Verbündeten gegründet, um eine möglichst grosse Allianz zu bilden. Lester und Joëlle übernahmen von da an die Kommunikation. Noch am gleichen Abend stieg die Allianz auf 14 Organisationen an. Innert einer Woche hatten wir dann 17 Allianzmitglieder, die das Manifest unterzeichnet haben. Am Montag wird es an verschiedene Verantwortliche und Behörden überreicht. Was für ein grosser Erfolg für die Natur! Dass es in so kurzer Zeit zustande kam, ist ausschliesslich dem stundenlangen Einsatz von Lester und Joëlle zu verdanken.

Während des Aufgleisens des Manifests hatten wir auch noch einen «Jahrhundert-Regen». In der Nacht vom ersten auf den zweiten Oktober regnete es sage und schreibe 216 mm pro Quadratmeter. Das war innert weniger Stunden so viel wie im ganzen Monat August und das war auch für uns zu viel. Auf der Strasse zu uns gab es gleich mehrere Erdrutsche, wir waren den ganzen Tag abgeschnitten.

Auch wir haben mehrere Erdrutsche auf unserem Land. Zum einen ist Joëlles Weg auf ca. 100 Metern verschüttet und zum anderen hatten wir einen Murgang bei unserer Wasserfassung. Michi versuchte das am gleichen Tag noch zu reinigen, aber keine Chance. Erst als am nächsten Tag César und ein zusätzlicher Arbeiter zur Hilfe kamen, schafften sie es das Ganze freizuschaufeln und wieder fliessendes Wasser ins Haus zu bringen. Wir wissen nicht was schlimmer ist, 36 Stunden ohne Wasser oder ohne Strom. Doch, Wasser ist natürlich viel wichtiger als Strom. Vor allem wenn die Flüsse so voll sind, dass es Lebensgefährlich ist sich darin zu baden und es aufgrund des hohen Quecksilbergehalts ohnehin nicht mehr empfehlenswert ist.

Neues Büro

Im letzten Monat hat Michi unser neues Büro fertig gestellt und Joëlle konnte endlich einziehen. Und nun kommen noch all die kleinen Extras für die neuen Möbel – da noch ein Regal, und das fehlt auch noch und, und, und…

Michi kann sich endlich wieder einmal in der Gestaltung der Möbel ausleben. Einiges muss aber hintenanstehen, da wir ab und an kleine Aufträge haben. Unser Stock im Bambuslager geht zur Neige. Michi und César sind mit Hochdruck auf der Suche nach neuem Bambus. Die einen wollen nicht verkaufen, da für sie der Preis zu niedrig ist und sich mit Gold mehr verdienen lässt und die anderen haben bereits die Flussufer mit Goldwaschen zerstört. Es wird schwieriger und wir müssen unseren Einkaufs-Radius erweitern.

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Zwischen Hoffnung und Herausforderung

Die Trockenzeit hat mit rund zwei Monaten Verspätung endlich begonnen. Nun wird es sich zeigen ob die Regierung von Ecuador sich vorbereitet hat oder ob wir auch dieses Jahr wieder Strohmunterbrüche zwecks Wassersparens haben werden. Wir sind gespannt, aber wer uns kennt weiss, dass wir gut darauf vorbereitet sind. In der Trockenzeit fallen die Pegel der Flüsse und das Goldwaschen wird wieder einfacher. Leider hatten wir schon mehrere Vorfälle in der direkten Nachbarschaft. Dank der Allianz die wir geschlossen haben, funktioniert die Alarmierung immer noch schnell und gut. Letztens hat uns der Präsident von der Nachbarsgemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass gerade ein Bagger mit Waschmaterial den Fluss Arajuno überquert hat. Michi ging sofort zu ihm, um mit der Drohne nachzuschauen. Die Bilder und die genauen Koordinaten gab er dann dem Geschäftsführer von SelvaViva der noch am selben Tag eine Meldung machte.

Bagger beim Goldwaschen auf der Insel Anaconda

Zwei Tage später kam dann auch die Polizei und nahm den Tatbestand auf. Den Goldwäschern wurde es zu gefährlich und sie sind noch in der gleichen Nacht mit samt dem Bagger und den Waschmaterialien gegangen. Sonst wäre das Militär gekommen und hätte alles verbrannt. Einmal mehr war das schnelle Handeln nur möglich, dank der guten Zusammenarbeit mit verschiedenen Personen, die alle das gleiche wollen: Einen gesunden Lebensraum für die Tiere und für uns. Während des Schreibens dieses Abschnitts erreicht uns die Nachricht, dass an der Grenze zum Schutzwald von SelvaViva erneut Bagger aufgefahren sind. Michi ist gleich losgefahren und nachschauen gegangen. Schockiert musste er feststellen, dass beim Nachbarn, da wo noch vor vier Tagen eine schöne Kakaoplantage stand, nun ein riesiges Loch in der Landschaft ist und die Bagger immer weiterarbeiten. Michi gab sich als besorgter Nachbar aus und stellte fest, dass sie bereits rund zwei Meter über die Grundstücksgrenze hinaus waren. Die Besitzerin des Grundstücks wurde herbeigerufen, um den angeblichen Grenzstreit zu klären. Sie hat den Goldwäschern das Land «verkauft». Das bedeutet, sie hat das schnelle, einmalige Geld angenommen und stellt dafür den Goldwäschern eine Fläche zur freien Verfügung. Was sie sicherlich nicht weiss ist, dass sie somit die Auftraggeberin des Goldwaschens ist und so ist zu hundert Prozent dafür verantwortlich. Denjenigen die das grosse Geld machen passiert nichts, ausser dass sie ihre Bagger verlieren könnten (aber die sind Verbrauchsmaterial und können innert kürzester Zeit wieder ersetzt werden). Natürlich hat Michi, als er wieder zu Hause war, sofort den Geschäftsführer von SelvaViva informiert. Mal schauen, wie es weiter geht. Dieser Blogg ist sicher schneller geschrieben.

Vor zwei Wochen haben Michi und die Waldhüter von SelvaViva, bei ihrer regelmässigen Sitzung, die Fotofallen vom Schutzwald ausgewertet. Wir haben ja schon des Öfteren berichtet, dass uns immer mehr Raubtiere und auch vermehrt seltene Tiere vor die Linsen laufen, aber dieses Mal rieb sich Michi die Augen. Was uns da in die Fotofalle ging, liess sein Tierpfleger Herz höherschlagen: Es war ein Kurzohrfuchs. Das hört sich jetzt nicht so spektakulär an, denn die meisten finden den Jaguar, Tapir oder Puma spannender. Aber der Kurzohrfuchs ist eines der scheusten Säugetiere. Er ist kaum erforscht und es gibt nur ganz wenige Berichte über ihn. Er lebt normalerweise nur im Primärwald, weit weg von der Zivilisation. Er ist ein Geist des Regenwaldes und die meisten Leute hier wissen nicht einmal, dass es ihn gibt. In solchen Momenten wird uns wieder bewusst, wofür wir das alles hier machen.  

Kurzohrfuchs in SelvaViva

Joëlle war in der Schweiz in den Ferien und Michi hatte sich viel vorgenommen, wahrscheinlich zu viel, aber das ist was anderes. Er hat das Bad umgebaut und dabei eine Duschwand aus Flaschen gebaut. Dazu kam eine starke, heisse Regenwalddusche und noch ein, zwei andere Dinge. Das Einziehen des Warmwassers gestaltete sich schwieriger als erwartet.

Endlich eine heisse Dusche, was für ein Luxus!

Gleichzeitig war er auch daran, ein neues Büro zu bauen. Das Fundament dafür hatten wir noch vor Joëlles Abreise gegossen. Dann bauten wir die Bambuskonstruktion und das Dach. Auch bei diesem Bau gaben wir einigen jungen Männern die Chance mitzuarbeiten. Das Grundgerüst war schnell aufgestellt und auch das Dach war schnell drauf. Für die Wände hatte Michi mal wieder eine spezielle Idee mit Flaschenrecycling. Es sollte eine Mischung aus Lehmsteinen und alten Flaschen geben, aber dafür brauchten wir einen guten Maurer den wir zum Glück auch fanden.

Die Fenster und der Türrahmen machte uns Carmelo, der zurzeit bei uns ist. Für ihn war es eine Herausforderung die Ramen aus Bambus zu bauen. Er hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Nun ist der Rohbau fertig und wir können mit den Details beginnen. Jetzt braucht Michi aber erst einmal eine kleine Auszeit. So kann er dann mit neuer Energie und vielen neuen Ideen weiter arbeiten.

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Sommerschule 2025

Gastbeitrag von Britta Scheunemann

Zum dritten Mal durfte ich nun schon die Sommerschule in Puerto Barantilla im Schulhäuschen auf der Finca Don Sigifredo durchführen – es ist ein bisschen wie Heimkommen und es ist schön zu wissen, dass auf die Sommerschule gewartet wird: Joëlle und Michi sind schon Monate vorher danach gefragt worden.

Rund 26 Kinder konnten wir in diesem Jahr erreichen – das sind ein paar weniger als im vergangenen Jahr. Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren: Ist die Information möglicherweise nicht an alle gelangt? Es scheint Animositäten zwischen einigen Familien zu geben und auch die Kinder mussten zum Teil erst lernen, sich alle gegenseitig zu respektieren. Ich habe vorgängig versucht über alle möglichen Whatsappkontakte und natürlich über Joëlle und Michi die Information zu streuen, aber ich vermisse doch einige Kinder der letzten Jahre, insbesondere aus dem Colegio und Bachillerato. Und auffällig ist auch, wie wenig Mädchen aus den höheren Grados anwesend sind.

Dafür entwickelt sich das Ganze in diesem Jahr weitaus mehr zu einem Sommercamp, was ja ursprünglich meine Idee gewesen ist: Die Kinder und Jugendlichen kommen an mehreren Tagen, die in etwa ihrem Niveau entsprechen, oft auch ohne an einer fixen Einteilung an dem Grado (Schulstufe), in dem sie sich befinden, festzuhalten. Für die Eltern sind damit natürlich auch Betreuung und Verpflegung gesichert, aber als positiver Effekt sind deutliche Lernfortschritte bei denjenigen zu bemerken, die mehrmals in der Woche kommen. Mit zwei fortgeschritteneren Gruppen konnten wir im Englisch richtig vorwärtskommen und auch einige Mathedefizite aufarbeiten….wobei wir natürlich weit entfernt sind von dem, was wir aus unserem Schweizer Schulsystem kennen und erwarten. Nachsprechen und Auswendiglernen sind nach wie vor in allen Grados verbreitet und ich musste selbst die Arbeitsweise der Lückentexte wieder einmal erklären. Viele Kinder warten einfach darauf, dass ihnen die Lösung vorgesagt wird oder sie abschreiben können und es braucht nach wie vor viel Geduld und viele ganz kleine Spielchen, um sie an das Arbeiten zu zweit oder in Kleingruppen heranzuführen. Und leider gibt es immer noch einige Kinder, die weder lesen noch schreiben oder rechnen können.

Unsere Tage sind immer sehr strukturiert, das hilft den Kindern, sich zu orientieren. Ich danke immer noch den KollegInnen, die «Today’s Program» eingeführt haben, das wir jeden Morgen nach dem Begrüssungslied laut vorlesen.

Highlight sind jeden Tag die Essenzubereitungen (Haferbrei mit Obst und Mittagessen), aber auch Basteln und Experimente kommen gut an. Dazu später noch mehr.

Beim Essen gilt es immer noch zu warten, bis alle etwas auf dem Teller haben und gemeinsam zu beginnen. Neu in diesem Jahr habe ich eingeführt, dass wir auch warten, bis alle aufgegessen haben, dann die Teller durchreichen, stapeln und erst danach aufstehen. Ansonsten sprang jede und jeder auf, wenn er oder sie fertig war, trug seinen Teller in die Küche, um ihn mit viel Überschwemmung abzuwaschen und liess alle anderen am Tisch sitzen. Wir haben in diesem Jahr sogar regelmässig mit Servietten gedeckt und einen Dessertlöffel zu platzieren gelernt. Meine Schwiegermutter sagt zu ihm immer «kleiner Prophet» und so nennen wir ihn auch hier «profeta».

Natürlich haben wir nicht nur Englisch, Mathe und Lengua (Spanisch) gemacht, sondern auch diverse Dinge gebastelt und produziert; Anhänger, Seifen, Blumen aus Krepp und einiges mehr.  Niederschwellige physikalische Experimente mit den Grados des Colegio sorgen immer wieder für Erstaunen und mit der recht kleinen, aber neugierigen Freitagsgruppe habe ich sogar eine Einheit zu Mikroplastik durchführen können. Dafür mussten sie Sand mitbringen, den wir trocken, im Wasser und in Salzwasser unter einer Lupe angeschaut haben und so das Mikroplastik erkennen konnten. Dazu galt es, die Ergebnisse und Erkenntnisse auf einem Bogen zusammenzufassen und Evaluationfragen zu beantworten. Das Müllproblem ist ja nach wie vor recht erheblich und wir sammeln jeden Tag vom Bootsanleger bis zur Bushaltestelle rund einen kleinen Sack Müll auf – an der Sensibilisierung beissen sich ja schon seit Jahrzehnten die Unterrichtenden die Zähne  aus. Ausserdem habe ich die Grösseren Wasserproben mitbringen lassen, um einen Schnelltest auf Quecksilber zu machen. Zwar habe ich in den letzten Wochen keine Dragas gesehen und der Fluss führt sehr viel Wasser aufgrund der grossen Regenmengen, aber generell ist die Situation natürlich beunruhigend.  Und so haben wir uns dann an einem Freitag mit dem Thema «Mercurio» (d.i. Quecksilber auf Spanisch beschäftigt).

Mit einer ersten Ideensammlung ging es los, dann durfte im Internet nach Informationen gesucht werden (mit welchen Schlagwörtern muss man suchen, um Infos zu bekommen und was bedeutet eigentlich IA?) und dann haben wir uns noch einen eindrucksvollen Film zur Verseuchung des Rio Napo aufgrund der illegalen Goldwäscherei angeschaut. Und schliesslich haben wir die sehr groben Teststreifen in die Wasserproben hineingehalten und Farbvergleiche gemacht. Dabei stellten sich mindestens zwei Proben als eindeutig auffällig heraus. Ich werde nun Wasserproben mit in die Schweiz nehmen und dort in ein Labor geben und auf Schwermetalle untersuchen lassen. Die Lust aufs Baden oder auf Fisch ist mir aber erst einmal leicht vergangen.

Die Zeit ist wieder einmal rasend schnell vergangen und es gäbe noch viel mehr zu berichten, was diesen Blog vermutlich sprengen würde. Daher nur kurz zwei meiner schönsten Momente:

Der eine ist dieses unscheinbare Bild, aber die Situation dahinter hat mein Lehrerinnenherz höher schlagen lassen.

Wir hatten 10 Minuten Pause nach anstrengenden Matheübungen, die mit individuellen Aufgaben in einer Lernapp beendet wurden. Der junge Mann ganz rechts war so fasziniert von der schriftlichen Subtraktion, dass ihm die Pause egal war und er weitergearbeitet hat, der Junge in der Mitte hatte entdeckt, dass es in der App auch Aufgaben zur Geschichte gab und hat sich vollkommen fasziniert die Geschichte der Steinzeit angehört und Aufgaben gemacht und der Junge ganz hinten auf dem Boden hat mit seiner Schwester in der Pause ein Lernspiel (Wörter finden) gespielt. Einzig der Junge mit dem orangenen T-Shirt hat die Pause eingesetzt, um am Ipad zu spielen (dazu können die mit der Lernapp erworbenen Punkte eingesetzt werden und die 10 Minuten sind das einzige Zeitfenster am Tag, dies zu tun). Es war ein Montessorimoment !

Und der andere schöne Moment: Mehrere Mädchen stehen um mich herum und sagen «Maestra, te amamos».

Zum Abschluss haben die Kinder, die regelmässig da waren (teilweise bis zu 10 Mal) stolz ihre Teilnahmediplome erhalten und ihre Zahnbürsten sowie diverse Vorratsreste mit nach Hause genommen. Die Fertigrösti, die ich aus der Schweiz mitgebracht hatte, waren dabei besonders begehrt. Ihre Unterrichtsmappen haben sie «hasta el próximo año» im Schulhäuschen gelassen – wie könnten wir da die Sommerschule nicht weiterführen?!

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Wintereinbruch

Wir haben Hilfe bekommen, Carmelo ist gerade für einige Zeit bei uns und hilft tatkräftig mit. Auch Britta, die Lehrerin, ist wieder da und hält den Sommerkurs für die Kinder ab. Bei uns ist gerade viel Betrieb auf der Farm. Da wir so viele Leute bei uns haben, wollten wir uns eine kleine Auszeit nehmen, aber eben: wollten. Auf Grund der starken Niederschläge in den Voranden hat es viele Erdrusche und Murgänge gegeben. Die direkte Strasse Tena-Quito ist verschüttet und/oder abgerutscht, sie wird für längere Zeit geschlossen sein. Auf der anderen Seite in Richtung Baños ist die Strasse auch immer wieder geschlossen wegen Murgängen. Die dritte Strasse via Macas ist auch nicht dauerhaft offen. So ist Tena immer wieder abgeschnitten. Deshalb haben wir uns entschieden unsere Auszeit zu verschieben.

Odin, zusammengerollt kuschelt er sich fest an Hera

Die anhaltenden Regenfälle in den Voranden haben den Winter bei uns so richtig eingeläutet. Die kalten Fallwinde aus den Bergen kühlen alles ab. Die Temperaturen sind in der letzten Woche kaum über 23°C gestiegen und in der Nacht sind sie unter 20°C gefallen. Ja, wir wissen in der Schweiz wünschen sich das einige. Hier haben wir eine viel höhere Luftfeuchtigkeit rund 85 bis 95 Prozent, darum ist das Kälteempfinden bei uns anders. Auch Britta, Carmelo und die Einheimischen tragen Fliesjacken und hoffen auf die wärmende Sonne.

Neue T-Shirts werden eingepackt

Wir haben neue T-Shirts machen lassen. Sie sind uns ausgegangen da wir sie auch als Arbeitskleidung abgeben. Wir mussten uns eine neue Schneiderei suchen, denn die letzte ist umgezogen und wir wissen nicht wohin. Für uns ist es wichtig die T-Shirts wieder in der Region herzustellen zu lassen. Sie sind zwar fast doppelt so teuer, als wenn wir sie direkt in China bestellen würden. Die T-Shirts werden nicht nur hier bedruckt, sie werden auch hier zugeschnitten und zusammengenäht und dies wird sicher ohne Kinderarbeit gemacht. In der Schneiderei haben wird zumindest keine gesehen. Dieses Mal konnten wir die T-Shirts auch in Grössen für «Durchschnittseuropäer» anfertigen lassen.

Einige junge Frauen von der Insel Anaconda haben uns gefragt, ob wir ihnen beim Aufbau eines Auftritts ihres Unternehmens in den sozialen Medien helfen würden. Ihr Wunsch ist es, den Auftritt selbständig zu verwalten. Da ist Joëlle der Profi, da sie ein Tourismusstudium mit Fokus auf Marketing absolviert hat. Joëlle organisierte einen Schulungstag und half den jungen Frauen in einem ersten Schritt beim Erstellen eines eigenen Kontos und beim Hochladen der ersten, einfachen Inhalte. Sie kreierten auch ein neues Logo, denn das alte gefiel ihnen nicht.

Rosy, Fidencia und Joëlle kreiren das neue Logo

Joëlle gab ihnen praktische Tipps und riet ihnen regelmässig Aktualitäten zu veröffentlichen und mit aussergewöhnlichen und neuen Ideen ihr Profil interessant zu gestalten. Das Ganze so einfach wie möglich, damit die Frauen sich selbst um die Administration und Bearbeitung kümmern können. Wir fragten beim Förderverein der Schule Sacha Yachana Wasi nach, ob sie einen Kostenbeitrag zum Schulungstag übernehmen würden. Sie waren begeistert von der Erwachsenenbildung und übernahmen gerne die Verpflegungskosten. Das Ganze ist natürlich noch nicht abgeschlossen, es werden weitere Schulungstage stattfinden und für Fragen und weitere Hilfe ist Joëlle weiterhin für sie da. Vorerst können sie mit dem neu erworbenen Grundwissen arbeiten und ihre Erfahrungen sammeln, um dann Schritt für Schritt ihren digitalen Auftritt zu verbessern.

Mit dicken Jacken sitzen wir am Computer

Michi hat die ruhige Zeit genutzt mal wider seine Kreativität ausleben zu können. Er machte verschiedene Windlichter sowohl kleine als auch grosse für den Garten. Klar ist es nie so richtig ruhig bei uns, aber wir haben zumindest den Druck nicht mehr des Grossauftrags. Da werden nächste Woche die letzten Bambusstangen und Bambusmatten ausgeliefert. Für kleinere Aufträge haben wir auch schon wieder einen Stock an Lager. Wir werden das Lager nun kontinuierlich wieder auffüllen. Wir haben die Zeit auch genutzt, um ein weiteres Projekt anzugehen. Joëlle wünscht sich schon länger ein separates Büro. Michi hat es geplant und er wird es als Lehrobjekt umsetzen. Selbstverständlich wird es aus Bambus gebaut. Zudem soll es auch ein Vorzeigebungalow für allfällige Interessenten werden. Nächste Woche wird der Spatenstich erfolgen. Wir sind gespannt, ob es so herauskommt, wie Michi es sich vorstellt.

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Aktuelle Entwicklungen, Wildtiere und Strassenbau

Die letzten Monate waren von der Bambusernte und dem illegalen Goldwaschen sehr geprägt. Wir haben mit dieser Mondphase die letzten Bambusstangen für den Grossauftrag geerntet und im Becken zur Behandlung eingelegt. Ende Juli werden wir die letzten Stangen und Matten ausliefen. Dann können wir unser Lager wieder füllen und uns um Kleinanfragen kümmern; aber vor allem können wir uns auch wieder anderen Dingen widmen, die leider etwas zu kurz gekommen sind. Die letzte Zeit hat bei uns Spuren hinterlassen, ganz besonders das Goldwaschen mit den Problemen drum herum.

Leider gibt es einige Personen, denen es gar nicht recht ist, wenn wir die Wahrheit sagen oder, wie hier, in unserem privaten Blog schreiben. Denen sei Folgendes gesagt: Wenn ihr die Wahrheit nicht ertragen könnt, lest einfach unseren Blog nicht! Denn alles, was wir sagen oder schreiben, können wir belegen. Wer das Material einsehen möchte, darf das gerne tun – wir stellen es zur Verfügung. Wir haben von einem Freund ein Zitat zu diesem Thema erhalten, welches zu unserer Aufheiterung gedacht war. Es trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf:

«Ich habe nicht schlecht über dich geredet. Ich habe nur erzählt, was passiert ist. Wenn dich das schlecht dastehen lässt, liegt das nicht an mir.»

Entschuldigung an alle die das nicht betrifft, aber es musste jetzt mal raus.

Die Regenzeit geht dem Ende zu und die Niederschlagsmengen werden langsam weniger und sind nicht mehr so intensiv. Das lässt auch wieder vermehrt längere trockene Waldspaziergänge zu. Als Michi letzte Woche die Wildkameras kontrollieren ging haben wir mit Freude festgestellt, dass wir wieder vermehrt Jaguare auf unserem Land haben. Die letzten Jahre waren sie nur jeweils ca. einen Monat lang bei uns. Jetzt sieht es so aus, als dass ein Jaguar unser Land zu seinem Kernrevier gemacht hat, da er regelmässig, jeden Monat, von den Wildkameras aufgenommen wurde.

Jaguar

Wir haben mehrere Kameras an wichtigen Wegpunkten und Tierpfaden auf unserem Land platziert. So haben wir einen guten Überblick, wer wann und wo durch unsere Grundstücke läuft. Seit der Jaguar vermehrt da ist, ging der Bestand von Hirschen, Pekaris (so eine Art Wildschweine) und Pakas (sowas wie grosse und nachtaktive Meerschweinchen) zurück. Erstaunlicherweise hat es jetzt viel mehr Bodenvögel wie z. B. Tinamus, Tauben, Wildhühner und Hokkos. Die wiederum ziehen Jaguarundis (Wieselkatze) und Ozelote an. Auch ein Margay (Baumozelot) ist uns zum ersten Mal vor die Linse gelaufen. Es freut uns sehr, dass der Wald bei uns wieder so eine Dynamik bekommt. Das sicherlich auch, weil wir die Wilderei verbannt haben und sie nicht zulassen. Seit der Anzeige gegen den Wilderer, wegen des Diebstahls der Wildkameras, haben wir keine Jäger mehr auf den Fotos.

Hokko

Seit Jahren wird davon gesprochen, dass man die Strasse, die bei uns vorbeiführt, verbreitern und asphaltieren wird. Wir haben bereits einige Male darüber berichtet. Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob es gemacht werden wird. Vor einiger Zeit hat Michael Personen gesehen, die auf einigen Bäumen Nummern angebracht haben. Als sie das auch auf unserem Land taten, fragte er sie was und warum sie es tun. Sie meinten das gehöre zur Studie für die Stassenverbreiterung. Sie markierten alle Bäume, die gefällt werden müssen. Die Bäume werden gezählt und auch katalogisiert, um festzustellen ob es wertvolles Holz ist oder nicht. Bei uns werden mehr als 50 Bäume gefällt werden. Die Strasse durch Selva Viva ist um vieles länger, dort sollen sogar mehr als 350 Bäume gefällt werden. Der Witz am Ganzen ist, das sind nur die Bäume die innerhalb der Verbreiterung stehen. Die Bäume, die gefällt werden müssen um eine Brücke oder Stützmauer zu bauen, sind da nicht mit einbezogen. Bei den hiesigen topographischen Verhältnissen sind das aber leider sehr viele mehr. Ja, den Fortschritt kann man nicht aufhalten und sicherlich darf man ihn niemandem verwehren. Wir werden bestimmt noch einige Male darüber berichten, denn das Ganze ist sicherlich nicht in einer Woche gebaut.

Baum Nr. 188 auf unserem Grundstück
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Unsere Hunde

Nach unserem letzten Blogbeitrag über die Eskalation am Rio Punino wollen viele wissen, wie es bei uns nun aussieht. Nach einer dreitägigen Staatstrauer wird jetzt mit aller Kraft gegen die Goldwäscher, Drogenbanden und «Comandos de la Frontera» (ex FARC) vorgegangen. Das ecuadorianische Verteidigungsministerium hat am 12. Mai 2025 auf seiner Website folgendes veröffentlicht: «[…]. Nos vamos con todo. Esta guerra es contra los terroristas.» (Übersetzung: «Wir gehen aufs Ganze. Dieser Krieg ist ein Krieg gegen die Terroristen.»). Die Militärischen Zugriffe sind immer noch im Gange und die Erfolge werden täglich präsentiert. Das Ziel ist es die hauptsächlich aus Kolumbien kommenden Narco-Banden über die Grenzen zurückzudrängen. Es hat schon dutzende Tote gegeben. Wir spüren hier nicht so viel davon ausser, dass es eine vielfach höhere Militärpräsenz gibt. Wir werden sehen, wie es weiter geht und lassen es auf uns zukommen. Da wir gerade sehr viel Arbeit haben lenkt uns das gut ab und wir können nicht so viel darüber nachdenken.

Der erhoffe Bambus-Folgeauftrag ist eingegangen und ist sogar noch grösser als erwartet. Es war gerade Vollmond, als der Auftrag einging und so konnten wir direkt die aktuelle Mondphase des abnehmenden Monds ausnutzen. Wir hatten die letzten 14 Tage immer zwischen 7 – 14 Personen, die bei der Ernte und Vorbereitung zur Behandlung mitgearbeitet haben.

An dem Tag waren wir insgesamt 15 Personen beim Essen

Wir versuchen trotz Regenzeit das vorgegebene Ziel zu erreichen. Aber das mit dem Trocknen des Materials können wir leider nicht beeinflussen. Michi musste spüren, dass er sich mehr auf das Koordinieren und das Kontrollieren der Arbeit konzentrieren sollte als überall mit anzupacken. Die letzten zwei Wochen haben wir viel gelernt. Wir hoffen, dass wir es dann auch in den nächsten drei Monaten umsetzen können. Aber jetzt haben wir vorerst wieder eine ruhigere Zeit vor uns bis wir dann ab dem 11. Juni wieder ernten werden können. Langweilig wir es uns trotzdem nicht. Wir müssen nun Bambus einkaufen gehen, um den Auftrag erfüllen zu können. Es hat viele Pflanzungen in der Region, sei es «Bambus Gigante» oder der einheimische Guadua (kleiner Bambus). Viele wollen ihn uns verkaufen, doch leider werden wir uns oft beim Preis nicht einig oder die Qualität ist zu schlecht. César und Michi gehen den Bambus immer zuerst besichtigen. Kriterien für das Festsetzen des Preises sind Alter, Wachstum, Löcher durch Spechte und vor allem wo er sich befindet; ist er in der Nähe der Strasse oder des Flusses und was wächst rund herum; ernten wir oder erntet der Verkäufer. So kann der Preis für eine Stange zwischen 50 Cent und 3 Dollar schwanken. Wir haben sogar schon Bambus ausgeschlagen, weil die Einnahmen des Verkaufs die Kosten des Arbeitsaufwands nicht gedeckt hätten.  

Hera und Odin unsere zwei jungen Hunde halten uns ebenfalls auf Trab. Sie werden rasant grösser und wir können ihnen fast zuschauen, wie sie wachen. Odin musste leider für mehrere Tage in die Tierklinik da er nichts mehr gegessen und getrunken hat. Leider hat man nichts rausgefunden, ausser dass er eine Infektion hat. Aber woher sie kam, wissen wir bis heute nicht. Ihm wurden Infusionen gesetzt, um ihm genügend Flüssigkeit zukommen zu lassen. Nach zehn Tagen war gut für uns und wir haben ihn gegen den Willen der Tierärzte nach Hause genommen. Michi hatte Angst, dass er einen psychischen Schaden davontragen könnte, wenn er weiterhin so alleine in einer Box bleiben müsste. Leider sind die Standards in Ecuador nicht einmal im Ansatz vergleichbar mit denen in der Schweiz – besonders in Tena.

Odin in der kleinen Box

Wir haben ihn noch am gleichen Tag dazu gebracht wieder selber zu essen und auch selber zu Trinken. Es war ein Austesten des Futters, aber Michi (der erfahrene Tierpfleger) hat es geschafft und Odin ist wieder voll fit auch braucht keine zusätzlichen Medikamente mehr. Was er nach dieser Tortur vor allem brauchte, war viel Liebe und Zuneigung. Die bekam er natürlich von uns und Hera, und auch Hektor hat sich hinreissen lassen.

Die zwei Junghunde beherrschen schon den Grundgehorsam. Naja, so gut das halt bei Junghunden geht. Sie werden natürlich immer noch schnell abgelenkt, aber bei Spaziergängen durch den Wald laufen sie ohne Leine. Der «Wachhund» ist bei Odin schon etwas ausgeprägter als bei Hera. Odin mag, wie Hektor auch, keine Kinder. Da müssen wir immer gut aufpassen, wenn Besuch kommt.

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Goldrausch

Wir haben ja bereits der Öfteren über den illegalen Goldabbau berichtet. Nun hat es ein Ausmass angenommen, welches uns sehr nachdenklich stimmt. Wir müssen uns gut überlegen, was wir hier noch machen können, aber vor allem abwarten ob und wie die Regierung auf die Eskalation der letzten Tage reagiert. Das wird für uns wegweisend sein. Aber hier erst einmal was geschehen ist: Diese Woche wollte die Armee eine der grössten illegalen Minen im ecuadorianischen Amazonasbecken schliessen. Die mehrere Kilometer lange Mine befindet sich am Rio Punino an der Provinzgrenze zwischen Napo und Orellana. Es wurden mehrere Quadratkilometer Regenwald gerodet und der Fluss Punino ist für Tod erklärt worden, wegen der hohen Schwermetallbelastung. Aber tausende Indigene leben an und von diesem Fluss. Die Minenbetreiber sind Mitglieder von Narco-Banden und/oder Anhänger von Ablegern der ehemaligen FARC aus Kolumbien. Als die Soldaten ankamen, wurden sie von den Betreibern beschossen und mit Sprengstoff zurückgedrängt. Es starben elf Soldaten! Der Rio Punino liegt Luftlinien etwa 75 Kilometer von uns entfernt. Untenstehender Link führt zum detaillierten Bericht (Plan V ist eine digitale Plattform für investigativen Journalismus, Nachrichten und Analysen).

Masacre en el Alto Punino revela el avance de los Comandos de la Frontera en la Amazonía – Plan V

Diese Aktivitäten sind so aus dem Ruder gelaufen, dass sie sogar ganz einfach in GoogleMaps sichtbar sind:

Link zu GoogleMaps – Alto Punino

„Unsere“ illegale Mine hinter Ahuano nimmt auch solche Züge an. Keiner kennt die Leute die dort Gold waschen, man weiss lediglich, dass ein korrupter Exbürgermeister die Fäden vor Orte in der Hand hat. Wer aber genau dahintersteckt, weiss niemand der es preisgeben würde.

Treffen der lokalen Akteure
Foto: Sebastian Jahnke, 03.05.2025

Da auch die Gemeinderegierung von Ahuano die hohle Hand macht und deshalb in die andere Richtung schaut, wird sehr offensichtlich nichts dagegen unternommen. Denn „wo kein Kläger – da kein Richter“. All diejenigen die das bis jetzt schöngeredet haben, können sich den Tatsachen nicht mehr entziehen. Leider sind das auch Personen von befreundeten Organisationen. Solange der Goldpreis so hoch ist und immer weiter steigt, wird sich das auch nicht ändern.

Ohne den Versuch es zu Verschleiern, wird direkt an der Strasse gebaggert
Foto: Sebastian Jahnke, aktuelle Aufnahme vom 03.05.2025

Auch diese Tätigkeiten sind auf GoogleMaps sichtbar:

Link zu GoogleMaps – Huambuno (Ahuano)

Leider hat das auch Auswirkungen auf andere illegale Tätigkeiten wie z. B. die Jagd. Es gibt viele neue Personen, die gerne mal Wildfleisch essen und dadurch die illegale Jagd fördern. Wir wissen gleich von zwei Fällen, wo man einen Tapir geschossen und auf der Strasse an die Goldwäscher verkauft hat. Es sind leider die altbekannten Jäger die übrigens sehr aktiv im Nachbarsgrundstück illegal Goldwaschen und dabei die Gelegenheit zum Jagen nutzen. Die illegale Jagd nimmt wieder sichtlich zu. Wir, aber auch die Waldhüter von Selva Viva, haben vermehrt Unterstände oder Hochsitze an strategischen punkten gefunden und dann sofort zerstört. Seit die Tierauffangstation amaZOOnico wieder Tapire auswildert, hatte sich der Bestand in der Region erholt. Nun aber nimmt er rasant ab. Leider interessiert sich der Besitzer vom amaZOOnico nur dafür, was auf seinem eigenen Land geschieht. Wenn die Tiere auf fremden Grundstücken geschossen werden, will er nichts unternehmen. Verständlich, die altbekannten Jäger sind seine Freunde. Wir, die Finca Don Sigifredo, haben mit Selva Viva, Hotel La Casa del Suizo, Grand Selva Lodge, Comunidad 27 de Febrero, Comunidad Campococha, Frauenorganisation Campococha und weiteren Privatpersonen und Nachbarn eine kleine Allianz gebildet die sich gegenseitig hilft und im Fall eines illegalen Eindringens sofort warnt. Leider will der amaZOOnico und die Liana Lodge davon nichts wissen und sie hatten bis jetzt einfach keine Zeit. Auch bei der letzten Einladung zu einem Treffen wegen einer akuten Situation, hatten sie keine Zeit und so haben sie einmal mehr keine Stellung gegenüber des illegalen Goldwaschens bezogen. Traurig.

Das grüne Paradies ist am Untergehen. Sei es wegen des Abholzens für die Goldwäscher oder durch das Verschmutzen der Flüsse durch Schwermetalle als Folge des Goldwaschens. Wir versuchen das Paradies so lange es geht zu schützen. Durch die Aufklärungsarbeit, die wir betreiben und durch den Schutz des Waldes von Selva Viva hoffen wir und unsere Verbündeten das wir noch lange was davon haben. Der Schutz des Waldes ist aber teuer. Nicht alle arbeiten ehrenamtlich so wie wir. Die Waldhüter von Selva Viva bekommen Löhne und die Anwälte arbeiten zwar zum Selbstkostenpreis, aber verständlicherweise auch nicht gratis. Selva Viva braucht Unterstützung und sucht immer wieder Genossenschafter oder Spender, die mithelfen den Regenwald zu schützen. Du kannst unter Angabe des Zwecks direkt Spenden an:

Postfinance: CH42 0900 0000 1514 4267 7
BIC: POFICHBEXXX
Genossenschaft zum Schutz des Regenwaldes (GSR)

Oder einen Anteilsschein für CHF 1 000 per Einzahlung an obenerwähntes Konto erwerben. Wichtig, bei der Einzahlung den Hinweis «Anteilsschein» nicht vergessen.