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Cédula – eine Lebensaufgabe

Mitte Dezember sind wir nach Quito gefahren, weil wir endlich unseren Termin für die Autorisierung unserer ecuadorianischen Identitätskarte (Cédula) hatten. Den Termin haben wir bereits im August vereinbart, vier Monate Wartezeit ist ja auch kein Ding. Wir hatten unser Terminfenster (ja Fenster, keinen persönlichen Termin) zwischen 8.00 und 9.00 Uhr. Um 10.00 Uhr waren wir dann tatsächlich an der Reihe. Obwohl wir dachten wir seien super vorbereitet und mit allen nötigen Dokumenten ausgerüstet, fehlten natürlich noch einige lustige Papierchen. Hinzu kam noch, dass wir alle Dokumente gelocht und abgeheftet in einer Kartonmappe präsentieren mussten. Das war nirgends erwähnt, aber man scheint das wissen zu müssen. Hinzu kam auch noch, dass die Kopie unserer Pässe zu schlechte Qualität hatte – die Informationen schienen nicht lesbar zu sein. Deshalb sind wir wieder raus aus der Ausländerbehörde wo uns eine sehr nette Frau, spezialisiert auf dumme Ausländer, mit allen zusätzlichen Dokumenten, neuen Passkopien, einem Locher und Kartonmappen geholfen hat. Natürlich gegen Entgelt. Um 11.00 Uhr hielten wir dann endlich die Autorisierung in Händen und wurden zum Schalter für die Ausstellung der Cédula geschickt. Dort standen wir erneut eine halbe Stunde in einer Warteschlange nur um dann zu hören, dass nicht mehr als 100 Cédulas pro Tag ausgestellt werden können, dies sei die maximale Kapazität. Wir versuchten es dann auf die blonde Art und sagten wir wohnen so weit weg und ob es denn nicht irgendeine Möglichkeit für eine Ausnahme gäbe. NEIN, auch nicht für uns. Danach haben wir frustriert die fünf-stündige Fahrt nach Hause angetreten. Am nächsten Tag hat sich Joëlle beim Zivilstandsamt in Tena erkundigt, ob wir evtl. dort ausnahmsweise unsere Cédula ausstellen lassen könnten. Nee, is nich! Für Ausländer ist das nur in Quito und Guayaquil möglich. Aaaaaaber, aufgrund der Information auf der Autorisierung müssten wir dann auch noch unsere Geburtsurkunden sowie einen Auszug aus dem Heiratsregister präsentieren. Diese Dokumente müssen natürlich international in fünf Sprachen ausgestellt und apostilliert sein.

Und dann war Michis Unfall… deshalb konnten wir nicht rechtzeitig zurück nach Quito um die Cédula ausstellen zu lassen. Zudem ist die Autorisierung nur 15 Tage gültig. Es war deshalb klar, dass wir den ganzen Prozess von vorne beginnen müssen. In der Zwischenzeit sind die Heirats- und Geburtsurkunden per DHL in die Schweizer Botschaft geliefert worden. Dies weil es in Ecuador ja keine Post mehr gibt. Das ist Service Public der Schweizer Botschaft. Vielen Dank an die Zivilstandregister Rorschach, Wolhusen und Laufenburg für den prompten Service und die unkomplizierte Hilfe. Und natürlich einen riesigen Dank an Jürg, der für uns die Dokumente gesammelt und per DHL weitergeleitet hat!

Warteschlange bis zum Ende des Gebäudes

Zweiter Anlauf: Diesmal haben wir vorgesorgt und eine Rechtsanwältin engagiert, spezialisiert auf solche Aufgaben, die uns helfen konnte. Nochmal das Ganze von vorne, aber diesmal mit „Unfallbonus“ wegen Michis Beinbruch. Er geht an Krücken und kann nicht sehr lange stehen, deshalb wurden wir beim Anstehen jeweils bevorzugt. Diesmal bekamen wir die Autorisierung innert 30 Minuten, das ist rekordverdächtig. Bei der anschliessenden Ausstellung der Cédula wurde festgestellt, dass wir bereits vor neun Jahren eine Cédula hatten. Die Autorisierung war aber für eine Cédula die neu ausgestellt werden soll, wir hätten aber eine Verlängerung beantragen müssen – hoppla! Zudem haben wir in der Zwischenzeit geheiratet und Joëlle hat den Namen Wüst angenommen. Deshalb mussten wir zuerst im ecuadorianischen Zivilstandsregister die neun Jahre alten Daten ändern lassen. Nur so konnten wir eine neue Autorisierung für eine Verlängerung bekommen. Da es mittlerweile Mittag war als wir die neue Autorisierung in den Händen hielten, war es nicht mehr möglich am gleichen Tag die Cédula ausstellen zu lassen. Am nächsten Morgen waren wir um ca. 7.40 Uhr wieder beim Zivilstandsamt. Dort warteten in einer langen Schlange schon sehr viele Leute auf den Einlass ins Gebäude. Doch ein sehr freundlicher Wachmann hat uns wegen Michis Krücken vorgelassen und so ging es sehr rasch vorwärts. Bereits um 9.30 hielten wir unsere Cédulas in den Händen! Mit diesen Ausweisen können wir ab sofort legal agieren. Wir werden endlich César einen richtigen Arbeitsvertrag für eine Festanstellung geben können und auch Steuern dürfen wir jetzt bezahlen.

Zuchtbeet

In unserem Projekt wachsen die Pflanzen fleissig weiter. Tina und Thomas sind für Michi eingesprungen und haben rund 250 Pflanzen pikiert. Es sind verschiedene Fruchtbäume die wir in unseren Kuhweiden pflanzen werden. Unsere spanischen Zedern sind so gut gewachsen, dass wir mit der Auspflanzung begonnen haben. Das ist der Beginn der Wiederaufforstung unseres Waldes. Auch unsere Kühe sind sehr fruchtbar, insgesamt haben wir bis jetzt vier Kälbchen die munter mit ihren Müttern in der Herde unterwegs sind. Ausserdem haben wir noch weitere vier trächtige Kühe die in den nächsten Wochen werfen sollten.

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Jahreswechsel

Wir wünschen allen einen guten Start ins neue Jahr und dass wir alle gesund bleiben und uns bald wieder in die Arme nehmen können.

Den Jahreswechsel haben wir mit einem ecuadorianischen Brauch gefeiert. Man baut sich eine Puppe (Muñeco) in der man die negativen Energien vom alten Jahr verarbeitet, Dinge und Ereignisse die man einfach hinter sich lassen und abschliessen möchte. Es können aber auch positive Dinge sein die man ins neue Jahr mitnehmen möchte. Wichtig ist ein geschriebenes Testament das man der Puppe beigibt. Um 24 Uhr wird die Puppe angezündet und abgebrannt. Die Flammen und der Rauch sollen die verbrannten Gedanken zu den Naturgeistern bringen, auf dass es so kommen wird wie im Testament festgehalten. Auch wir bauten eine Puppe und legten ihr ein Testament bei. Beim Jahreswechsel zündeten wir sie an und stiessen darauf an. Beim Bau der Puppe war natürlich klar, dass wir Michis Beinbruch hinter uns lassen wollen. Am liebsten hätten wir die Puppe auf dem Unglücksholz verbrannt was aber nicht möglich war, da das Holzstück noch immer nicht bis zum Haus gekommen ist. Und dies trotz intensivster Bemühungen. Ja, es ist ein Unglücksholz. Michis Bruder Thomas, der gerade auf Besuch ist und zwei Freunde, die gerade im amaZOOnico sind, haben es versucht. Dem Einen ist es auf den Fuss gefallen und er ist mit einer starken Prellung davon gekommen, der Andere hatte einen Zuckersturz und der Dritte ist im Sumpf knietief eingesunken, so dass er hinfiel und die Holzplatte jetzt im Sumpf liegt. Die Übung wurde abgebrochen bevor ein weiterer Unfall passieren konnte. Zumindest liegt die Platte jetzt 200 Meter näher beim Haus.

„Woher stammt das Unglücksholz eigentlich?“ wurden wir oft gefragt. Wie ihr evtl. wisst versuchen wir ja so wenige Bäume wie möglich zu schlagen und suchen deshalb immer nach gefallenem Holz am Fluss und im Wald. Einer der Waldhüter von Selva Viva hatte uns gesagt, dass auf unserer obersten Weide ganz hinten ein Mahagonibaum gefällt wurde. Er wurde vor rund zwei Jahren von unserem Vorpächter gefällt. Warum ist uns unklar denn er stand ganz hinten direkt am Waldrand. Jetzt lag er da und drohte zu verrotten. César sollte ihn sich anschauen und einen Probeschnitt machen. Der Weg bis zum Baum dauert ohne Gepäck ca. 30 Minuten. Als César den Schnitt machte war schnell klar, dass der Kern kein Loch hat und das Holz deshalb gut ist. Wir vermassen den Stamm und stellten fest, dass er 21 Meter lang ist und einen Durchmesser von ca. 110 Zentimetern hat. Es war klar, dass César den Stamm nicht schneiden konnte. Er ist super für kleinere Schnitte aber für diesen Stamm musste ein Profi her. Wir fragten Wilbert, er ist der Spezialist wenn es um solche Arbeiten geht. Er machte uns einen Kostenvoranschlag für das Schneiden und den Transport des Holzes. Aufgrund der Distanz und des Gewichtes des Holzes wurde der Transport etwas teuer und wir vereinbarten, dass er nur die Vierkanthölzer (24 cm x 12 cm x 240 cm) runter bringen sollte. Die zehn runden Platten wollte ich selber tragen. Hätten wir mal besser nur neun Platten schneiden lassen… Er bekam den Auftrag und begann dann gleich mit dem Zersägen des Stammes. Roter Mahagoni ist sehr hartes Holz und mit einer Dichte von ca. 1,6 bis 1,8 auch sehr schwer. Er konnte aus dem Stamm 42 Balken schneiden und verbrauchte dabei eine neue Kette der Säge. Wilbert ist ein Meister der Kettensäge und ich staune immer wieder, wie er auf rund 2 mm genau Balken schneidet. Man kann einen rechten Winkel hinlegen und er stimmt und das bei einem Holz in das man einen Nagel nur schwer einschlagen kann. Die ganze und erweiterte Familie von Wilbert, auch Frauen und Kinder, halfen dann die Balken zu transportieren. Ein Balken wiegt gut 150 bis 200 kg.

An einem Tag halfen bis zu 14 Personen mit beim Schleppen. Innert drei Tagen war das Holz vor unserem Haus. Jetzt haben wir ca. vier Kubikmeter rotes Mahagoni das wir verwenden können für Möbel- und Hausbau. Auch wenn das mit dem Hausbau noch zwei bis drei Jahre warten muss, verrottet das Holz nicht. Leider wurde aber ein sehr wertvoller Primärbaum vor zwei Jahren gefällt. Wir machen nun einfach noch das Beste aus ihm, so dass er nicht ganz um sonst gefällt wurde.

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Familienzuwachs und Glück im Unglück

Als wir vor zwei Wochen (freiwillig) in Quito waren konnten wir unsere neue Hündin Yuma abholen. Wir hatten zuvor unserer Tierärztin, Ellen, geschrieben ob sie jemand kennen würde der einen grossen kurzhaarigen Hund platzieren möchte. Sie hörte sich um und fand tatsächlich einen. Ellen schickte uns Fotos und wir schliessen das Hündchen gleich ins Herz. Einen Tag später war dann die Hündin bei der Tierärztin zur Kontrolle. Eine schöne Überraschung war das als uns Ellen sagte, dass Yuma schon etwas kleiner sei als sie auf dem Foto aussieht. Sie wog nur 6,5 kg, dafür war sie schon unterbunden und das mit nur fünf Monaten. Wir adoptierten sie trotzdem. Die Fahrt in ihr neues zu Hause meisterte sie gut. Zuhause angekommen warteten Sinchi und Bombi schon auf uns. Die zwei alten Herren ignorierten Yuma aber und hatten mehr Freude, dass wir wieder nach Hause gekommen waren. Es dauerte eine Weile bis sie merkten, dass da noch was Neues ist. Yuma wuchs in der Stadt Quito in einer Wohnung auf und kannte noch nichts von der Welt. Natürlich wusste sie auch nicht wo sie auf die Toilette gehen muss, nämlich nach draussen. Wir mussten einige Male den Boden aufwischen bis sie es kapiert hat. Beim ersten längeren Spaziergang lief sie super mit und war danach fix und foxi. Wir hoffen nun, dass Sinchi und Bombi ihr noch ganz viel beibringen können. Die Meute macht es bis jetzt super und sie harmonieren von Tag zu Tag besser.

Yuma mit ihrem 1. Knochen

Der letzte Beitrag ist schon ein rechtes Weilchen her. Ich hatte Glück im Unglück. Als ich den letzten Holzabschnitt von einer Weide runtertragen wollte, brach ich mir das Bein. Aber schön der Reihe nach. Die Geschichte vom Baum erzählen wir ein anderes Mal. Ich wollte nur noch das letzte Holzstück holen. Ein Holzteller von ca. 50 kg. Neun Stück hatte ich bereits in der letzten Woche geholt. Der Rückweg führt über einen steilen Abhang der etwa in der Mitte des Weges liegt. Ich pausierte noch bevor ich runter ging.

Unglücksort

Als ich losging rutschte ich aus, verdrehte das Bein und hörte ein lautes knacken und fiel sogleich zu Boden. Zuerst dachte ich noch ich sei auf einen Ast getreten, da sah ich aber schon meinen verdrehten Fuss und wusste sofort was Sache ist. Schien- und Wadenbein waren gebrochen. Der Schmerz und das Adrenalin schossen in mir hoch. Nun musste ich Ruhe bewahren und schauen wie ich das meistere. Glücklicherweise bin ich an einer Stelle hingefallen wo es Handyempfang gibt. Um neun Uhr rief ich Joëlle an und die war innert Rekordzeit bei mir oben. Sie musste aber noch weiter hoch zu unseren Arbeitern rennen, die nochmals 15 Minuten. weiter entfernt waren. Sie haben meine Hilferufe nicht gehört da sie auf der anderen Seite des Hügels arbeiteten. Nach gut 20 Minuten kamen dann César und die ganze Familie die bei uns gerade gearbeitet haben angerannt. Wir schienten das Bein mit Ästen und meinem Rucksack. Joëlle rannte wieder zum Haus zurück und versuchte dabei unsere niederländischen Nachbarn zu erreichen. César und Widinson bauten eine Trage aus Ästen und Bettlaken die Widinson im Haus bei Joëlle holte. Die Äste schnitten sie mit den Victorinox die wir ihnen zum Glück geschenkt hatten. Unsere Nachbarn waren jetzt auch da um mich runterzutragen. Nach 30 Minuten Weg lag ich dann endlich auf der Ladefläche unseres Pickups und bekam die ersten drei 800er Ibuprofen Tabletten die mir Joëlle aus dem Haus brachte. Ja, solche Tabletten hat man im Haus wenn man im Wald lebt. Jetzt folgte eine Stunde Fahrt nach Tena ins Spital die sehr schmerzhaft wegen den Vibrationen war. Hier gibt es keine Rega und keine Krankenwagen die einen holen kommen. Hier muss man selber schauen wie man sich rettet. Punkt zwölf Uhr waren wir im Spital. Dort wurde ich geröntgt und jetzt war es sicher, dass beide Knochen gebrochen waren. Ich bekam super Schmerzmittel und Joëlle musste sich um den Papierkram kümmern. Im Spital in Tena konnte ich nicht bleiben da sie nicht eingerichtet sind für solche Operationen. So richteten sie mir nur das Bein und machten einen Stützgips. Richten ist etwas übertrieben zu sagen, sie stellten mein Bein von einem 90 auf einen 45 Grad Winkel – aber nicht gerade. Joëlle regelte alles mit der Versicherung und wir durften nach Quito in ein Privatspital. Ja aber der Transport? Auch das organisierte Joëlle, aber dies war erst am nächsten Tag möglich. Eine Nacht im Spital in Tena ist nicht schön. Zum Glück bekam ich starke Medikamente. Joëlle fuhr in der Nacht nach Hause um alles mit dem Haus und den Tieren zu regeln. César und seine Familie haben sofort eingewilligt dort zu schlafen und die Arbeiten mit den Tieren zu übernehmen. So konnten wir beruhigt beide nach Quito hoch. Am nächsten Morgen hatten wir dann einen privaten Ambulanzdienst der uns nach Quito fuhr. Man hat uns schon im Hospital Metropolitano erwartet. Um 14 Uhr waren wir da und der Arzt hat sich mein Bein gleich angeschaut. Er besprach die OP mit uns besser gesagt mit Joëlle, denn ich hatte sehr farbige Träume von den Schmerzmitteln. Bevor wir ein Zimmer bekamen musste ich noch einem Coronatest machen der zum Glück negativ war. Um 17 Uhr waren wir im Zimmer und um 20 Uhr wurde ich bereits operiert. Viel bekam ich nicht mit von der OP. Nun habe ich einen langen Nagel im ganzen Schienbein der mit fünf Schrauben fixiert ist.

Da ich ein Einzelzimmer bekam konnte Joëlle auch im Spital bei mir schlafen. Am nächsten Morgen bei der Visite sagte uns der Doktor, dass ich bereits nach dem Mittag wieder gehen kann. Sie gaben mir eine Tüte voller Medikamente, Krücken und sagten was ich machen und was ich nicht machen soll und wann sie mich wieder zur Nachkotrolle sehen wollen. Super, nach Hause. Wir blieben noch eine Nacht in Quito bei Freunden.

Im Casa Helbling bei unseren Freunden Jessie und Claus

Joëlle organisierte ein Privattaxi das uns dann wieder nach Tena brachte. Der Bus war keine Option mit meinem Bein. Nun sind wir wieder im Wald und ich bin arbeitsunfähig für eine ganze Weile. Unsere Projekte kommen jetzt wieder sehr ins Stocken. Ausgerechnet jetzt wo alles so richtig Fahrt aufgenommen hatte und so viele Arbeiten anstehen. Wir hatten bis zum Unfall einen super Monat. Bis ich wieder voll arbeiten kann werden ca. 90 Tage vergehen. Das wird uns viel Geld und Geduld kosten da wir jetzt noch jemanden einstellen müssen für diese Zeit. Joëlle kann nicht alle Arbeiten von mir auffangen und César muss auch mal frei haben. Wir sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und dass wir so gute Mitarbeiter wie César und Widinson haben. Auch die Nachbarschaftshilfe ist super und wir können nicht genug Danke sagen. Ich humple nun im Haus rum mit einer Tasche um den Hals, so dass ich alles selber holen kann und Joëlle so etwas entlaste und ihr nicht auf die Nerven gehe. Hoffentlich bin ich schnell wieder auf beiden Beinen und kann bald wieder mit anpacken.

Michi ist mobil

Wir wünschen allen schöne Weihnachten! Passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Limonen, Tierärzte und die Post

Wir haben bisher auf unseren Weiden zehn verschiedene Zitrusbäume gefunden. Von Mandarinen über Grapefruit bis hin zu sieben verschiedenen Limonen, die Auswahl ist gross. Wie die Limonen genau heissen weiss niemand, hier unterteilt man sie in Orangenlimonen, Mandarinenlimonen, grosse Limonen, kleine Limonen, Grapefruit, Lima (Zuckerlimone) und Mandarinen. Die Mandarinen tragen gerade keine Früchte darum haben wir leider kein Bild von ihnen. Wer nun denkt, dass die orangefarbenen am süssesten sind der täuscht sich sehr. Im Gegenteil dies sind die sauersten. Uns sind die grossen, schrumpelig aussehenden Limonen am liebsten weil sie am wenigsten Säure haben. Wir nennen Sie Titilimonen wegen eines Erlebnisses mit dem Totenkopfäffchen Titi, damals im amaZOOnico. Die Lima schmeckt wie Zuckerwasser und ist sehr erfrischend. Die Grapefruit ist auch sehr erfrischend und lange nicht so bitter wie die, die man in der Schweiz kaufen kann. Wir haben begonnen Grapefruit und Lima zu ziehen und sie zu pflanzen, so dass wir mehr von ihnen haben oder die Setzlinge verkaufen können. Sie sind nämlich selten geworden und die Leute lieben sie. An Vitamin C wird es uns also niemals mangeln.

Unser Kuhsammelplatz (Corral) ist fertig und die Kühe und wir können nun ohne grosse Schlammschlacht dort die Behandlungen und Impfungen durchführen. Obwohl wir täglich unsere Rindviecher anschauen gehen nehmen wir trotzdem jede zweite Wochen alle Kühe in den Corral und schauen sie dort genauer an. Sie bekommen extra Kraftfutter und Mineralsalze zugefüttert. Letzte Woche stellten wir fest, dass eine Kuh das Schultergelenk ausgekugelt hatte und wir nahmen sie sofort in den Corral. Es war ein grosser Schreckmoment, denn eine ausgekugelte Schulter ist hier ein Todesurteil. Wir informierten um 8.30 Uhr den Tierarzt vom Veterinäramt da wir sicher gehen wollten, dass es auch wirklich so ist. Der meinte ein Kollege komme gleich vorbei. Der Kuh hat die Isolation nicht gefallen und sie versuchte über die Abzäunung zu springen mit dem Gelenk das 20 cm vorstand. Ja, sie hat es dann tatsächlich gemacht und bei der Landung auf den Vorderbeinen sprang dann das Gelenk wieder rein. Sie hatte aber sehr grosse Schmerzen und belastete das Bein nicht. Also die Kuh wieder zurück in den Corral und auf den Tierarzt warten. Je länger wir warteten belastete sie mehr und mehr das Bein. Tja, wenn hier ein Tierarzt sagt er komme gleich bedeutet das er kommt erst um 17.30 Uhr. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt als er endlich auftauchte. Er schaute sie dafür gut und gründlich an und konnte keine Frakturen oder Musskelabgänge feststellen. Er verordnete ihr Schmerzmittel für vier bis fünf Tage. Nein er verabreichte ihr nichts, denn Tierärzte gehen hier ohne Medikamente auf Krankenbesuch. Er schrieb uns den Namen des Medikaments auf und Michael fuhr am nächsten Morgen nach Tena und kaufte einfach so Schmerzmittel vom Stärksten. Keiner hier interessiert sich für was man es braucht und ein Rezept benötigt man nicht. Die Kuh hat das Schmerzmittel bekommen und ist nun wieder in der Herde zurück. Sie läuft normal mit den andern rum und es scheint als ob nie etwas gewesen wäre. Unsere Erleichterung ist riesengross, da wir bis zum ersehnten Eintreffen des Tierarztes mit dem Schlimmsten gerechnet hatten.

Wir werden häufig angefragt ob wir schon etwas aus der Schweiz vermissen würden und ob man uns was schicken könne. Da gibt es natürlich schon einige Gelüste aber uns kann man leider nichts schicken. Nachdem die Corona Krise ausbrach musste gespart werden in Ecuador und so schloss man als eine der ersten Institutionen die Post. Kaum vorstellbar für den Europäer ohne Postversand zu leben, insbesondere in dieser Krise wo die Post wieder extrem an Wichtigkeit zugenommen hat. Es gibt hier zwar einige private Zustellservice die liefern aber nicht über Landesgrenzen hinweg. Darum danken wir allen die uns was zukommen lassen wollten. Der Wille zählt und es ist schön zu sehen, dass wir nicht in Vergessenheit geraten sind.

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SOLIDARITÄTSMARSCH IN WÜRENLOS

Bericht von Patrick Cagliuli

Am Donnerstag den 17. September 2020 um 13.30 Uhr haben die Klassen ab der Mittelstufe bis zur Oberstufe am Würenloser Solidaritätsmarsch teilgenommen. Wegen der besonderen Lage mussten die Abstandsregeln eingehalten werden und auch die Spendensuche war nur im engeren familiären Umfeld angesagt.

Aber vor allem in diesen besonderen Zeiten ist die Solidarität sehr wichtig. Für uns in der Schweiz kaum spürbar was es bedeutet, denn bei uns funktioniert alles bestens. Wenn wir erkranken dann haben wir Ärzte und Spitäler, was in einem Drittweltland Kampf ums Überleben bedeutet.
In diesem Jahr hat sich die Mittelstufe der Schule Würenlos für ein Projekt vom ehemaligen Klassenlehrer Beni Brügger entschlossen.

Die Unterstützung von Strassenkindern in Kongo – Im „House of Grace“ werden für diese Strassenkindern gute Lebensmöglichkeiten geboten, in der Stadt Bunia werden Mahlzeiten, Schulmöglichkeiten und eine Unterkunft gegeben.

Die Oberstufe der Schule Würenlos hat sich für den Schutz des Regenwaldes eingesetzt.
Ehemalige Angestellte des Zürcher  Zoo’s sind nach Ecuador in den Amazonas ausgewandert, um dort einen nachhaltigen Schutz des Regenwaldes zu gewähren. Das Projekt heisst Finca Don Sigifredo und es handelt sich um ein Schulungszentrum für den nachhaltigen Schutz des Regenwaldes um so die Einheimischen in der Pflege und der örtlichen Natur auszubilden.

Die Schule Würenlos hat in den letzten Jahren für folgende Projekte gesammelt:
Projekt 2019 „Milel Elimu Centre“ zu Gunsten einer Schule in einem Armenviertel von Mombasa
Projekt 2018 „Bessere Schul- und Berufsbildung in einem Dorf der Savannenregion von Nord-Togo“ Aufbau eines Lernateliers für Schneiderei-Lehrtöchter sowie die Beschaffung von Unterrichtsmaterial für die Primarschule im Dorf Bombouaka
Alle Projekte werden durch die Drittweltgruppe Würenlos organisiert. Diese besteht bereits seit 25 Jahren. Sie bieten Hilfe für:
Bildung und Ausbildung von Kindern, Frauen, Bauern, Handwerkern etc…
Aufklärung über Hygiene, Gesundheitsvorsorge, AIDS, Familienplanung etc…

Was mich am meisten beeindruckt und mich motiviert am Solidaritätsmarsch teil zu nehmen ist das Motto der Drittweltgruppe Würenlos:

„Gibst du einem Hungernden einen Fisch, so hat er zu essen für einen Tag. Lernst du ihn aber fischen, so hat er zu essen ein Leben lang“

http://drittweltgruppe-wuerenlos.ch
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Solidaritätsmarsch und Vanille

Noch vor unserer Abreise nach Ecuador haben wir am Geburtstag von Michis Freund, Sascha, dessen Nachbarn Michael Fux kennengelernt. Wir kamen ins Gespräch und erzählten ihm was wir vorhatten. Es stellte sich heraus, dass er Lehrer ist und jedes Jahr für die Drittwelgruppe Würenlos mit Schülern einen Solidaritätsmarsch veranstaltet. Er schlug unser Projekt vor und wir wurden zusammen mit einem Projekt für Strassenkinder im Kongo für den Marsch ausgewählt. Wir sollten am 31. August oder 1. September das Projekt in der Schule vorstellen. Aber da waren wir natürlich schon im Regenwald und konnten das nicht persönlich tun. Marco Lengg und Tina Schwizer wollten das für uns übernehmen. Beide waren früher schon einmal in Ecuador und kennen unser Vorhaben und die Region in der wir sind sehr gut. Es war Tina die am 31. August sich dann Zeit nahm unser Projekt den Kindern in der Schule vorzustellen und sie zu begeistern viele Kilometer für uns zu laufen. Am 17. September wurden dann viele Kilometer zurückgelegt und die Schüler haben für uns Fr. 4300 erlaufen. Wir hoffen, dass sie keinen zu grossen Muskelkater am nächsten Tag hatten. Herzlichen Dank an die Schüler der Schule Würenlos und die Drittweltgruppe Würenlos für das grosse Engagement mit dem sie für uns gelaufen sind! Das Geld können wir sehr gut brauchen und werden es sinnvoll investieren. Wenn dann unsere Cedros (Spanische Zeder) etwas grösser sind und wir sie im Wald pflanzen können werden wir einen Baum den Schülern widmen. Die Pflänzchen sind noch etwas klein und müssen noch in der Baumschule bleiben bis sie gross genug sind um für die Aufforstung ausgepflanzt zu werden.

Unsere Vanilleplantage ist im Aufbau und braucht jetzt viel Pflege. Wir haben mittlerweile ca. 45 Setzlinge gepflanzt. Wir möchten aber auf rund 300 Pflanzen erweitern. Der Platz ist da und wir suchen auch schon neue Wildpflanzen wovon wir Stecklinge ziehen können. Wichtig ist, dass wir immer wieder verschiedene Mutterpflanzen finden um die genetische Vielfalt zu verbessern und uns etwas abzusichern falls eine Pflanze nicht so gut sein sollte. Ein Steckling ist genetisch immer gleich wie die Mutterpflanze und hat somit auch die gleichen Anfälligkeiten aber natürlich auch die guten Eigenschaften. Die bereits gepflanzten Stecklinge wachsen gut und schnell. Es dauert einfach seine Zeit bis wir dann Vanille ernten können. Eine Pflanze braucht rund zwei Jahre bis sie blüht und dann müssen die Vanilleschoten noch ca. neun Monate an der Pflanze bleiben. Das ist eine langfristige Angelegenheit und da kann viel passieren. Dafür ist der Erlös sehr hoch, denn Vanille ist das drittteuerste Gewürz der Welt und es wächst bei uns einfach so im Wald. Leider gibt es nicht für alle Vanillesorten einen Absatzmarkt darum sind wir immer auf der Suche nach DER einen Sorte.

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Wildkamera und wieder online

Wir haben drei Wildkameras aus der Schweiz mitgebracht um zu schauen was für Tiere in unserem Wald leben. Sie sind immer im Einsatz und haben auch schon einige Tiere fotografisch fest gehalten. In Chorongo Alpa sind uns Tayra (Marderartig), Kleiner Ameisenbär (Tamandua), Gürteltier, Rehe, div. Opossums, Agutis, Warane, Pekaries und div. Vögel in die Falle gegangen. Leider haben wir bis jetzt noch nicht das Glück gehabt einen Tapir oder eine grosse Katze vor die Kamera zu bekommen. Wir haben es am Rio Rodriguez versucht. Auf einem Spaziergang am Fluss haben wir einen schönen Pool gefunden wo auch Tapir Spuren zu sehen waren. Gleich haben wir zwei Kameras gestellt an verschiedenen Orten, so ausgerichtet, dass sie den Tierpfad gut im Fokus hatten. Als wir nach rund 20 Tagen die Kameras holen wollten mussten wir mit schrecken feststellen, dass eine gestohlen wurde. Die Befestigung wurde durchgeschnitten und von der Kamera war weit und breit nichts zu sehen. Die beim Pool war zum Glück noch da. Als wir die Bilder zu Hause auswerteten stellten wir fest, dass keine Tiere auf den Fotos waren sondern Wilderer. Leider waren es nur Nachtfotos auf denen man die Personen nicht so gut erkennt. Sie haben der Kamera leider auch den Rücken zugedreht und direkt zum Tierpfad geschaut. Wir vermuten, dass die Wilderer die zweite Kamera entdeckt haben und sie verschwinden liessen. Natürlich haben wir versucht rauszufinden wer das auf den Bildern ist und haben die Fotos unseren Mitarbeitern und den Waldhütern von Selva Viva gezeigt. Leider erkannte sie niemand. Wir haben nun vielen Personen erzählt, dass bei uns im Wald Kameras versteckt sind. Das macht schnell die Runde in der Gemeinde und wir hoffen, dass sich die Wilderer so etwas abschrecken lassen. Nun fehlt uns eine und leider kann man die hier in Ecuador nicht kaufen. Wir arbeiten einfach mit den zwei die wir noch haben weiter und hoffen bald auf eine Neue, die Michaels Bruder aus der Schweiz mitbringen wird.

Hurra, wir haben wieder Zugang zum Internet. Es ist erstaunlicherweise sehr schnell gegangen. Gestern um 16.00 Uhr ist ein Techniker gekommen der die nötige Ausrüstung installiert hat. Das dauerte aber etwas. Bein Initialisieren stellte er fest, dass es einen Fehler in der Software gibt. Um das zu beheben brauchte der Techniker aber selber Internet. Hier gibt es zwar Handyempfang, aber nur mit einem E und manchmal mit einem H+ Netz – zu langsam. Also fuhren wir schnell zu unseren Nachbarn die den gleichen Anbieter haben wie wir. Sind ja nur vier Kilometer bis dorthin. Leider ist der Empfang bei ihnen auch nicht besser als bei uns und deshalb ebenfalls zu langsam. Nun gut das nächste gute Netz ist in Misahuallí, rund 35 Minuten von uns entfernt. Also fuhr der Techniker dorthin um seine Initialisierungs-App zu aktualisieren und den Fehler zu suchen. Um 18.00 Uhr war er wieder da und es ging nichts. Nach einem Telefongespräch mit seinem Chef fuhr er nochmals nach Misahuallí. Um 22.30 Uhr stand er wieder bei uns und startete den nächsten Versuch. Um genau 23.00 Uhr hatten wir wieder Zugang. Langsam, aber immerhin Internet. Der Techniker musste nachher noch nach Tena fahren und dann konnte auch er Feierabend machen.

Satelitenempfang für Internet

Wir haben schon wieder Zuwachs in unsere Kuh Herde bekommen. Redonda hat ihr Kalb geworfen. Es ist ein Bübchen und trägt den Namen Sascha. Er ist gesund und springt auch schon hinter der Mutter her.

Sascha

Sinchi, unser treuer Gefährte, wird langsam aber sicher alt. Er hatte letzte Woche einen Gehörsturz und hört nun nicht mehr so gut. Jetzt ist es sehr schwierig mit ihm Spaziergänge im Wald zu machen. Wir können ihn nicht mehr so gut abrufen und müssen immer schauen, dass wir ihn auf Sichtkontakt behalten. Leider versteht er das nicht so richtig und erschreckt sich jedes Mal wenn wir ihn anstupsen weil wir weiter laufen wollen. Er macht es aber super für sein Alter und Bombi hilft ihm auch dabei. Wir schauen uns auch schon um für einen Nachfolger, tun uns damit aber schwer. Leider haben wir noch keinen gefunden oder wir zögern es einfach raus, da Sinchi die Messlatte für seinen Nachfolger sehr hoch gelegt hat.

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Kuhsammelplatz, Wasser, Offline und andere Probleme

Hier kämpfen wir mit etwas anderen Problemen als man das in der Schweiz tut. Der Strom ist hier nicht immer konstant. Die Schwankungen sind enorm und das bekommen die Elektrogeräte zu spüren. Beispiel: unser Luftkompressor würde theoretisch 8 Bar Leistung bringen. Wenn aber die Stromspannung gerade wieder schlecht ist, und das ist sie meistens, bringt er nur 3 Bar hin. Da muss man durch und manche Elektromaschinen laufen dann halt nur auf halber Leistung. Natürlich haben wir auch einige Stromausfälle. Die sind aber meistens nur kurz während zwei bis drei Stunden. Das Längste das wir hatten waren 36 Stunden ohne Strom. Da muss man sich gut überlegen was man zum Kühlschrank raus nimmt, denn die Türe muss schnell wieder geschlossen werden sonst wird alles warm und verdirbt. Ab 18.00 Uhr braucht man dann Kerzen, die immer im Haus sein müssen. Kein Strom zu haben ist nicht so schlimm, schlimmer ist es wenn das Wasser ausgeht. Wir hatten dieses Problem letzte Woche. Die Arbeiter haben beim Betonieren den ganzen Wassertank gelehrt und Luft angezogen. Unsere Quelle ist rund 1,5 km weit entfernt. Durch die Luft in der Leitung haben sich feine Ablagerungen gelöst und die Leitung verstopft. Michael ist in der Nacht noch schauen gegangen ob er ein Loch in der Leitung findet. Als nach einer Stunde die Taschenlampe den Geist aufgab war uns klar: kein Wasser in dieser Nacht. Wir mussten sehr sparsam mit dem Resten den wir noch hatten umgehen. Am nächsten Morgen ging Michi gleich nach Sonnenaufgang wieder auf die Suche des Problems, denn die Arbeiter mussten weiter Betonieren können. 1500 Meter Leitung durch den Wald mussten kontrolliert werden. Man fängt von hinten an damit man so wenig Wasser wie möglich verliert. Nun gut, das Problem lag bei der ersten Kupplung. Das heisst die ganze Leitung hatte sich mit Luft gefüllt. Wir Lösten die Verstopfung und hofften, dass es bald wieder fliesst. Das war so ein Tag wo man besser nicht aufgestanden wäre. Es kam Wasser aber nur tröpfchenweise. Michi hatte eine Idee und brauchte dazu aber eine Ansaugpumpe. Er also los, mal schnell in den Baumarkt (HA HA), nach Tena gefahren um eine Pumpe, 10 Sack Zement und sonstige Kleinigkeiten zu kaufen. Das dauert nur ca. drei bis vier Stunden. Aber die Pumpe war dann da. Nachdem Michi sie installiert hatte floss schon mal etwas mehr Wasser aber mit viel Luft gemischt. Um 18.00 Uhr, als wir schon gar nicht mehr daran geglaubt haben, kam auf einmal der ganze Dreck aus der Leitung und das Wasser floss wieder normal, aber nur mit Hilfe der Pumpe. Um 19.00 Uhr haben wir dann die Pumpe ausgeschaltet und ab da floss es wieder so als ob nichts gewesen wäre. Ohne Strom kein Problem – ohne Wasser nicht schön!

Als wir mit dem Schreiben dieses Blogs angefangen haben, hatten wir noch Internet. Aber seit letztem Freitag nicht mehr. Joëlle hat den ganzen Montag in Tena verbracht um rauszufinden, dass durch eine Kette von Missverständnissen und Missgeschicken unser Vertrag für den Internetzugang unwiderruflich aufgelöst wurde. Das bedeutet, wir müssen jetzt einen neuen Internetanbieter finden. Das wird sicherlich einige Zeit dauern, wir hoffen aber, dass wir bis Ende Jahr wieder Internet in unserem Zuhause haben werden. Jetzt müssen wir für alle „online Sachen“ (seit der Corona Krise alles) nach Tena zu unserem Freund Sigi fahren. Er hat zum Glück seit letzter Woche einen Zugang. Bei ihm hat’s ungefähr drei Monate gedauert, bis er online war.

Die Bauarbeiten des Corrals (Sammelplatz der Kühe) sind sehr schnell vorwärts gegangen. In den letzten regenfreien Tagen konnten wir das Zementieren des Bodens fertig stellen. Auch ohne fliessendes Wasser mussten die Arbeiten weitergehen. Schwups schnappten wir uns zwei 60 – 70 Liter Tanks und trugen Wasser vom Fluss hoch. Das verlangsamte die Arbeiten und es wurde etwas schwieriger. Aber wir sind froh, dass der Corral jetzt fertig ist und nächste Woche (wenn der Zement getrocknet ist) für die Kühe in Betrieb genommen werden kann. Denn die Deparasitierung der Tiere steht an.

Übrigens hat am 1. November Torrera ihr erstes, bei uns geborenes, Kalb geworfen. Es ist ein Mädchen das wir Sherry tauften.

Sherry versteckt sich bei der Mama
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Edelholz und Internet

Wie wir schon in einem früheren Beitrag berichteten, fanden wir verschiedene Stämme von Edelhölzern am Fluss. Nach dem Ansteigen des Flusses hat der Rio Arajuno einen neuen Schatz preisgegeben. Eigentlich hat Michi Holz für Pfosten zum Reparieren der Weidezäune gesucht. Er gab César den Auftrag diesen freigeschwemmten Stamm zu Pfosten zu schneiden. Als César mit der Kettensäge losschnitt wurde ihm schnell klar, dass dieses Holz für Pfosten zu kostbar ist. Es handelte sich um Mindal (leider haben wir bis jetzt weder den deutschen, englischen oder lateinischen Namen herausgefunden). Das ist einer der seltensten Bäume die es im Regenwald von Ecuador gibt. Wenn man das Holz schneidet ist es leuchtend Pink. Dieses Holz ist so selten, dass auch Widison (er ist 19 Jahre alt) es noch nie in seinem Leben gesehen hat. César schnitt für uns den Stamm so zu, dass wir nun Bretter verschiedenster Art haben. Damit fertigen wir Möbel für unseren eigenen Bedarf an. Dies ist nicht ganz legal, da es sich dabei ja um sehr stark geschütztes Holz handelt. Aber der Baum wurde ja bedauerlicherweise bereits gefällt und wir haben den Stamm im Fluss gefunden wo er vermutlich die letzten zwanzig Jahre gelegen hatte. Es wär zu schade dieses Holz kaputt gehen zu lassen. Wenn das Holz trocknet verliert es diese wunderschöne leuchtende Farbe und wird braun. Michi experimentiert deshalb mit verschiedenen Techniken um die Farbe zu konservieren und diesen pinken Farbton zu erhalten. Er holt sich deshalb immer wieder Rat beim Farb- und Lackspezialisten in der Schweiz, DANKE Jürg!

Unser Engagement im Waldschutz beansprucht uns Zurzeit sehr. Wie bereits mehrmals erwähnt ist leider der Holzdiebstahl allgegenwärtig. Im Moment haben wir zwei Fälle in Selva Viva. Bei unseren Nachbarn und auch bei uns auf der Plantage wurden ebenfalls Palmen gefällt. Da Joëlle für Selva Viva arbeitet ist sie Zurzeit stark eingebunden betreffend des Vorgehens und der Anzeigen gegen die Diebstähle in Selva Viva. Leider machen wir uns damit nicht nur Freunde und unsere eigenen Arbeiten hinken deshalb auch hinterher.

Widison arbeitet ab und zu auch bei uns. Anfang des neuen Studienjahres wurde er nicht für das dritte Jahr zugelassen. Es hiess, dass er mit der Materie zu weit hinter den Anderen her hinkt. Dies war deshalb so, weil ab März kein Unterricht mehr stattfand und er keinen Zugang zum Internet hatte. Vor einigen Wochen hiess es plötzlich, falls er den Stoff nachholt und eine Prüfung ablegt würde er dann doch zugelassen werden. Er fragte uns ob es möglich sei nur morgens zu arbeiten um nachmittags den verpassten Stoff nachzuholen. Wir dachten an seine Zukunft und baten ihn vorläufig gar nicht mehr zu arbeiten. Doch das wollte er auf keinen Fall, da er ja mit seinem Einkommen auch einen Beitrag zur Unterstützung seiner Familie leistet. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass er das (momentan) unbenutzte Schulhäusschen hier auf Chrigis und Sigis Grundstück nutzen darf. Er hat die Zulassungsprüfung geschafft. Jetzt darf er am Nachmittag dem Online-Unterricht folgen. Aber wie gesagt, seine Familie hat kein Internet. Deshalb stellen wir ihm unseren Internetzugang gratis zur Verfügung. Die Verbindung ist leider sehr, sehr langsam. Wer schon mal mit uns per Whatsapp telefonierte weiss das leider allzu genau. Aber eine langsame Leitung ist immer noch besser als gar kein Unterricht. Wir freuen uns sehr, dass wir so Widison unterstützen können und dass er diese Chance nutzt.
Bis jetzt gibt es zwar bis zu einem gewissen Punkt auf der Insel Anaconda ein Internetkabel das von den Hotels und vom amaZOOnico genutzt wird. Doch das ist mehr als ein Kilometer von uns entfernt. Wenn wir das Kabel bis auf unser Grundstück ziehen lassen wollten, würde uns das ca. 3000 US-Dollar kosten. Da wir wegen Corona bisher schon viele unvorhergesehene Ausgaben hatten ist dieser Budgetpunkt für dieses Jahr bereits ausgeschöpft. Wir können uns im Moment solche Zusatzkosten nicht leisten weil sonst dringlichere Arbeiten wie z. B. der Aufbau der Plantage nicht realisiert werden kann.

Widison beim Lernen im Schulhäusschen
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Offizielle Autobesitzer und Vanillebauern

Es war fast eine Lebensaufgabe unser Auto auf unseren Namen einlösen zu können. Wir haben es bereits im März vom Neffen einer guten Freundin gekauft, weil wir damals noch glaubten wir würden bereits Anfang April nach Ecuador reisen können. Als wir dann endlich Anfang Juli hier ankamen, haben wir das Auto direkt am Flughafen übernommen. Doch leider stand zur der Zeit das Leben, und somit auch alle Ämter, noch still hier. Vor drei Wochen sind wir nach Quito gefahren, um den Kaufvertrag des Autos notariell beglaubigen zu lassen. Ohne diese Beglaubigung kann hier kein Auto auf einen neuen Besitzer umgeschrieben werden. Obwohl wir bereits im Voraus alle nötigen Informationen wie Namen, Passnummer, Geburtsdatum und Schuhgrösse bekannt gaben war es dann doch so, dass wir bei der Notarin nochmals ganz genau alle diese Daten erfassen lassen mussten. Sie hatten bereits im Voraus unsere Passkopie erhalten und wir haben auch unsere originalen Pässe zum Termin mitgebracht. Es wäre also rein theoretisch möglich gewesen alles vorzubereiten aber dies wäre wohl etwas zu effizient für ein Notariat in Ecuador gewesen. Deshalb haben wir eine gute Stunde damit verbracht ganz brav alle gestellten Fragen mündlich zu beantworten mit dem jeweiligen Hinweis auf die Passkopie bei Zweifeln über die Schreibweise von z.B. Joëlle oder Wüst. Danach war es dann tatsächlich so, dass im Zentralcomputer der Autozulassungsbehörde der Name von Joëlle Wüst als Besitzerin des Autos erfasst war. Ja wirklich, das gibt es hier. Doch die Papiere bei der Notarin mussten jetzt noch unterschrieben, gestempelt, kopiert, gescannt nochmals unterschrieben und gestempelt werden. Deshalb konnten wir den beglaubigten Kaufvertrag nicht direkt mitnehmen. Dieser wurde unserem Anwalt, ja das braucht man hier um einen Kaufvertrag beglaubigen lassen zu können, zwei Tage später ausgehändigt. Der Anwalt hat uns dann den Vertrag per Kurierdienst nach Tena senden lassen wo wir ihn im Büro eben dieses Kurierdienstes abholen konnten. Mit dem Vertrag musste Joëlle zur Bank (irgendeine, spielt keine Rolle welche, geht bei jeder) um die Mehrwertsteuer des Autos zu bezahlen. Mit der Quittung konnte sie dann zum Strassenverkehrsamt um die Überschreibung zu beantragen. Dort wurden erneut, obwohl ja bereits alle Daten im Zentralcomputer der Autozulassungsbehörde erfasst waren, alle Daten nochmals abgefragt. Auch hier hat Joëlle schön brav alles beantwortet ebenfalls mit dem jeweiligen Hinweis, bei Zweifeln über die Schreibweise von z.B. Joëlle oder Wüst, auf die Passkopie, den Vertrag, die Quittungen und den Zentralcomputer. Die Überschreibung war nicht günstig, die kostete 25 $. Die Strassenbenützungsgebühr hingegen war ein echtes Schnäppchen, nur 8 $ kostet das. Nach der Überschreibung war eine Fahrzeugkontrolle fällig. Da wurde geprüft ob alle Lichter, Blinker und das Lämpchen des Rückwärtsgangs funktionieren. Ebenfalls ob man ein Ersatzrad bei sich hat sowie einen Feuerlöscher, Warndreiecke und eine Notfallapotheke. Keine Bremsen, Stossdämpfer, Abgase oder sonstige Funktionen wurden angeschaut. Der Motor lief während dieser Kontrolle kein einziges Mal. Da aber leider die Internetverbindung zum Zentralcomputer an diesem Tag nicht funktionierte, konnten wir unseren neuen Fahrzeugeisweis nicht mitnehmen da dieser nicht ausgedruckt werden konnte. Also ging Joëlle am darauffolgenden Montag erneut zum Strassenverkehrsamt um endlich das lang ersehnte Papier abzuholen. Jetzt sind wir endlich offiziell eingetragene Besitzer unseres Autos das wir bereits im März gekauft hatten.

Das Auto gehört uns

Wir haben angefangen unsere Vanilleplantage zu bepflanzen. Nachdem wir eine verwucherte Weide bereits zurückgeschnitten hatten begannen wir mit der Bepflanzung. Die ersten 15 selbgeszogenen Stecklingen gedeihen sehr gut. Wir haben auch bereits neue Stecklinge gesammelt die noch Wurzeln schlagen müssen. Hier gibt es mehrer Vanillesorten. Darum versuchen wir an verschiedenen Orten die Vanille zu integrieren. Mit der «Waldvanille» haben wir einen Versuch gestartet sie in die alte Kakaoplantage zu integrieren da diese Art nicht so viel Licht benötigt. Jetzt müssen wir abwarten und schauen ob und wie sich die Pflanzen an ihre neue Umgebung gewöhnen. In der Zwischenzeit suchen wir weiter nach Pflanzen die bereits im Wald und auf dem Grundstrück wachsen um sie kultivieren und Stecklinge zu ziehen.