Da wir momentan keine grossen Aufträge haben, können wir uns wieder der Aufforstung unserer alten Weideflächen widmen. Als Michael in der Schweiz war, hat er eine Spende für die Aufforstung von rund einer Hektare erhalten. Nochmals vielen Dank dafür an unsere lieben Freunde! Wir haben die alten Weiden zunächst zwei bis drei Jahre sich selbst überlassen. In dieser Zeit konnten sie gut verbuschen, und es sind bereits einige Sekundärbäume gewachsen. Die Böden konnten sich erholen und das Gras ist weitgehend verschwunden. Auf einigen Weideflächen gibt es allerdings sehr hartnäckige Gräser, weshalb sich dort bisher noch kein dichter Bewuchs entwickeln konnte. Da braucht es noch etwas mehr Geduld. In den letzten Jahren haben wir unsere gut 100 Hektaren Wald immer besser kennengelernt und wissen inzwischen ziemlich genau, wo welche Baumarten wachsen. Für die jetzige Aufforstung haben wir Jungpflanzen von Primärbäumen verwendet. Diese Baumarten wachsen natürlicherweise im Schatten der Sekundärbäume und können sich deshalb gut in den bereits nachgewachsenen Flächen entwickeln. Bei verschiedenen Baumarten haben wir zunächst geschaut, ob es rund um die Mutterpflanzen bereits genügend Jungpflanzen gibt, die wir vorsichtig ausgraben und an anderer Stelle wieder einsetzen können. Insgesamt haben wir 64 Jungpflanzen von fünf verschiedenen Baumarten umgesetzt. Besonders schwierig war es, Jungpflanzen der wilden Fruchtbäume zu finden. Zum Glück gab es im vergangenen Jahr sehr viele Früchte, von denen die Tiere nicht alle fressen konnten. Natürlich gibt es auch eine natürliche Verbreitung der Samen und Nüsse. Diese ist jedoch räumlich stark eingeschränkt. Wenn die Früchte der wilden Zapote reif sind, werden sie zuerst von den Vögeln und besonders von den Affen gefressen. Die Samen sind allerdings zu gross, um sie im Ganzen zu verschlucken, und werden deshalb fallen gelassen. Am Boden finden sie dann Nagetiere wie beispielsweise Agutis oder Pakas. Diese haben zeitweise Futter im Überfluss und machen es ähnlich wie die Eichhörnchen: Sie vergraben ihre Nahrungsvorräte für schlechtere Zeiten. Der Radius, in dem sie ihre «Schätze» verteilen, beträgt allerdings meist nur rund 50 Meter.
So verbreiten sich die wilden Zapote nur sehr langsam. Mit dem Auspflanzen ist die Aufforstung allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Während der nächsten zwei Jahre werden wir die jungen Pflanzen immer wieder aufsuchen und von Kletterpflanzen und anderen Schmarotzern befreien. Erst wenn sie gross und kräftig genug sind, können sie sich selbst gegen die Konkurrenz durchsetzen.


Aufforstung bedeutet deshalb nicht nur, Bäume zu pflanzen. Es bedeutet vor allem, ihnen die Zeit und die Bedingungen zu geben, die sie brauchen, um wieder zu einem Teil des Waldes zu werden.
Schon des Öfteren haben wir über unsere Strasse berichtet. Jetzt ist sie so kaputt, dass man sie kaum noch befahren kann. Seit mehr als einem Jahr wurde nichts mehr gemacht oder repariert. Wer kein Fahrzeug mit genügend Bodenfreiheit hat, kommt inzwischen nicht mehr zu uns durch. Letzte Woche hat die Ölgesellschaft mal wieder ihre Infrastruktur ausgetauscht. Das bedeutete, dass mehr als 50 schwer beladene Sattelschlepper zu den Förderplattformen hineinfuhren und anschliessend auch wieder herauskamen.

Die Strasse ist allerdings in einem derart schlechten Zustand, dass die schweren LKW im weichen, mit Schlaglöchern übersäten Strassenbett immer wieder stecken blieben. Teilweise reichte die Bodenfreiheit nicht aus, sodass einige der Löcher zunächst mit Steinen aufgefüllt werden mussten. Wenn ein LKW darüberfuhr, wurden die Steine jedoch wieder herausgedrückt und das Loch musste für den nächsten Sattelschlepper erneut aufgefüllt werden. Besonders problematisch waren die Steigungen. Die LKW blieben dort stecken, weil sie wegen der schlechten Strassenverhältnisse nicht genügend Schwung holen konnten. Also wurde kurzerhand ein Abschleppfahrzeug organisiert, das einen Sattelschlepper nach dem anderen durch die schlimmsten Stellen hinaufziehen musste.

Da die LKW zudem überbreit waren, kam irgendwann niemand mehr durch. Der Verkehr kollabierte und es entstand ein regelrechtes Verkehrschaos direkt bei uns vor dem Haus, mitten im Wald.

Man muss sich das einmal vorstellen: Mitten im Regenwald, auf einer völlig heruntergekommenen Strasse, stehen plötzlich dutzende Sattelschlepper, ein Abschleppfahrzeug ja ein ganzer Konvoi und nichts geht mehr. Und währenddessen warten wir weiterhin darauf, dass irgendwann vielleicht auch einmal jemand auf die Idee kommt, die Strasse selbst zu reparieren.

In Ecuador muss man sein Auto jedes Jahr vorführen, um für ein weiteres Jahr die Strassenzulassung zu erhalten. Die sogenannte technische Kontrolle wird durch das Strassenverkehrsamt (ANT) vorgenommen. In Tena findet man dort die absolute Ineffizienz in Perfektion. Denn Termine werden nicht im Voraus vergeben. Man muss sich persönlich, ab 6.00 Uhr morgens, in die Warteschlange stellen, um hoffentlich noch am selben Tag die Kontrolle durchführen lassen zu können. Dabei wird weder zwischen Motorrädern und Autos unterschieden, noch danach, ob die Besitzer der Fahrzeuge Privatpersonen, Firmen, Taxiunternehmen oder touristische Betriebe sind. Hat man einmal eine Nummer erhalten, heisst es warten, bis man aufgerufen wird. Erst dann werden am ersten Schalter die ersten Abklärungen seitens der ANT vorgenommen: Wurde der Strassenverkehrsbeitrag bezahlt? Gibt es noch unbezahlte Bussen? Ist man überhaupt der rechtmässige Besitzer des Fahrzeugs? Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass sich ausschliesslich der im Fahrzeugausweis eingetragene Besitzer zur Kontrolle melden kann. In unserem Fall also nur Joëlle. Mit einer durch einen Notar beglaubigten Vollmacht wäre es zwar auch Michi möglich, das Fahrzeug vorzuführen, aber das kostet noch mehr Zeit und Geld. Sind all diese Fragen geklärt, darf man weiter zum zweiten Schalter. Dort wird die Rechnung für die Kontrolle im System erfasst. Den entsprechenden Betrag muss man in bar direkt am Schalter bezahlen. Es gibt weder die Möglichkeit, den Betrag im Voraus per Überweisung zu begleichen, noch kann vor Ort elektronisch bezahlt werden. Danach geht es weiter zum dritten Schalter, wo nochmals kontrolliert wird, ob auch wirklich alles stimmt. Erst dann wird im System der eigentliche Kontrollauftrag erfasst. Bis man überhaupt so weit gekommen ist, also bis zur Erfassung des Kontrollauftrags, hat man bereits mehrere Stunden mit Warten verbracht. Ja, und jetzt geht das Warten erst einmal weiter. Denn all die Menschen, die vor einem bereits diesen Prozess durchlaufen haben, warten draussen bei der Inspektion darauf, dass ihr Fahrzeug kontrolliert wird. Da aber, wie bereits erwähnt, bei den vorgängigen Abwicklungen nicht unterschieden wird, ob man ein Auto oder ein Motorrad vorführen muss, kommt es in logischer Konsequenz dazu, dass zeitweise eine grosse Anzahl Motorräder, aber nur wenige Autos (oder umgekehrt) auf die Kontrolle bei der jeweiligen «Kontrollgasse» warten.


So hat Joëlle letzte Woche gut sieben Stunden wertvolle Lebenszeit verloren. Und dabei hat sie sich nicht zum ersten Mal, aber doch sehr ernsthaft, gefragt, ob man die ecuadorianischen Behörden überhaupt ernst nehmen kann. Dieses Erlebnis gehört nicht einfach in die Kategorie «anderer Kontinent = andere Kultur». Es hat vielmehr beinahe schon Vorzeigecharakter, wenn man den Versuch unternehmen will zu erklären, weshalb hier so viele Dinge einfach nicht funktionieren und sich wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit nichts daran ändern wird.






























































































