Michael ist wieder zurück aus seinen Ferien. Er hat viele Geschenke und auch einiges für das leibliche Wohl mitgebracht. Ein grosses Dankeschön an alle die uns so grosszügig beschenkt haben. Zum ersten Mal wurde Michael bei der Einreise nach Ecuador kontrolliert, das war bisher nie der Fall. Die Beamten hatten beim Röntgen eines seiner Koffer verdächtig viele Wildkameras entdeckt. Michael musste den Koffer öffnen und zeigte sie ihnen sofort in der Hoffnung, dass sie den Rest des Koffers nicht interessierte. Sie wollten den Kaufpreis der acht Wildkameras wissen. Das waren aber Geschenke. Michael zeigte ihnen im Internet die Preise und so war der Warenwert unter den erlaubten $ 300 Freibetrag für die Einfuhr und er konnte den Koffer wieder schliessen. Zum Glück, denn wenn sie genauer hingeschaut hätten, wäre da noch viel mehr gewesen! Vor allem, wenn sie den zweiten Koffer mitgerechnet hätten. Da waren nochmals fünf Wildkameras drin und natürlich noch viel mehr. Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn man freundlich ist und mithilft, kann man viel erreichen. Die 26 Bruteier von den Riesen Brahma Hühnern, die höchst illegal eingeführt wurden, sind jetzt bereits im Inkubator. Ein Teil der Eier ist bei uns und ein Teil bei unseren Nachbarn.

Wir hatten letzte Woche über drei Tage hinweg keinen Strom bei uns. Glücklicherweise haben wir einen Generator, den wir aber nur während des Tages laufen lassen. Gut, dass wir einen Teil der Bruteier unseren Nachbarn gegeben haben, denn die sind an einer anderen Stromline angeschlossen. Aber was war denn überhaupt geschehen? Letze Woche kamen Verantwortliche der Stromgesellschaft auf die Insel Anaconda und nahmen alle Haushalte, welche die Stromrechnung schon länger nicht bezahlt haben vom Netz (länger bedeutet zwei bis drei Jahre und aufgelaufene Beträge in der Höhe zwischen $600 bis $900). Das hat sehr viel Missmut verursacht und es wurden Bäume so gefällt, dass sie die Stromleitungen runtergerissen haben. Einige haben sich direkt mit dem Stromnetz verbunden und so einen Kurzschluss verursacht. Die Techniker der Stromgesellschaft wurden stark beschimpft und bedroht was dazu führte, dass bis jetzt einige noch immer keinen Strom haben. Viele haben das Gefühl, dass sie alles bekommen ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Es sind leider die Familien, mit den grossen Alkoholproblemen und das sind nicht gerade wenige.

Bevor Michael in die die Ferien ging, hatten wir noch viel Bambus eingekauft. César musste die Arbeiten noch zu ende bringen. Das hat er auch getan unter dem kontrollierenden Auge von Joëlle. Nun ist unser Lager wieder gefüllt und wir können wieder tüchtig Abverkaufen. Leider haben wir keinen Grossauftrag, dafür aber immer wieder kleinere Verkäufe. Die Architekten kaufen lieber an der Küste ein; mit diesen Preisen können wir nicht mithalten. Dafür liefern die aber auch viel Schlechtes und das Material muss dann ersetzt werden und da kommen wir wieder ins Spiel. Wir haben «Laufkundschaft», die auch mal nur zwei oder drei Stangen für Dekorzwecke kaufen.

Wir engagieren uns sehr für den Umweltschutz und machen uns bekannterweise nicht nur Freunde damit. Wir mussten uns eingestehen, dass wir oft nicht «abschalten» können und wir uns Tag und Nacht mit diesem Thema beschäftigen. Besonders dann, wenn wieder neue Goldminen gefunden werden oder der Waldschutz von benachbarten Organisationen mit Füssen getreten wird. Das geht auf die Dauer nicht gut und schadet unserer Gesundheit. Wir müssen ab und zu etwas Distanz gewinnen und dabei abschalten können. Für uns hat sich eine riesen Chance ergeben. Wir haben ein Grundstück gefunden, das zwar etwas entfernt liegt aber dennoch genügend nah, um es innert nützlicher Zeit zu erreichen. Es liegt in den Voranden auf 2200 m ü. M. Gemeinsam mit unseren niederländischen Nachbarn, Ciska und André, haben wir 14 ha Nebelwald gekauft. Das Ziel ist es einen Rückzugsort zu bauen, wo wir uns wirklich erholen können – einen Ort wo es kein Gold gibt, den wir für uns alleine haben und den wir ausschliesslich mit unseren Freunden teilen werden. Dennoch werden wir unsere Projekte nicht aufgeben und wir werden uns weiterhin für den Natur- und Umweltschutz einsetzen, einfach mit einem Rückzugsort. Wie wir das genau Managen werden, wissen wir auch noch nicht. Ideen haben wir einige; ob wir sie umsetzen können, wird sich zeigen. Zuerst müssen wir jetzt wieder Sparen, so dass wir uns ein Haus bauen können. Und dann wird sich sicher wieder eine Türe öffnen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.

Zum Schluss noch dies: Als Michael in der Schweiz war wurde er von einem lieben Freund gefragt, warum er all die Strapazen und Schwierigkeiten auf sich nimmt, und was die Motivation dahinter sei. Michael ist durch und durch Tierpfleger und wenn er solche Wildtieraufnahmen in unserem Wald machen kann und weiss, dass diese Tiere nur noch da sind, weil wir uns für sie einsetzten, ist das Motivation genug.
Leider können wir hier nicht alle Aufnahmen zeigen, aber in den letzten zwei Monaten hatten wir vor der Linse: Jaguar, Tapir, Ozelot, Margay, Aguti, Paka, Pekari, Schneebussard, Hirsche und noch viele Tiere mehr.
























































































