Wir sind bekannt dafür, dass wir einen verfügbaren Stock von Bambus haben, und darum meldet man sich bei uns, wenn es eilt. Aber manchmal können auch wir nicht helfen. Besonders interessant ist die Auffassung des Wortes «Stock». Sowohl für uns als auch hier bedeutet das «Lager». An Lager haben wir natürlich nur, was schon behandelt ist und direkt zum Bauen verwendet werden kann. Also, wenn sich ein Architekt bei uns meldet, weil er morgen 150 grüne Stangen benötigt, ist das nicht verfügbar; denn frisch geerntet an Lager – wie soll das gehen? Wir benötigen gut zwei Wochen für Ernte und Behandlung. Ja, wir können viel, aber das ist auch für uns unmöglich. Zuletzt hatten wir eine Expresslieferung nach Quito. Das war auch so ein unmöglicher Auftrag, den wir aber mit einer Nachtschicht erfüllen konnten. Sie brauchten zur Deko für eine Neueröffnung eines Restaurants 300 Bambuslatten, auf 4 cm zugeschnitten, in richtiger Länge und Breite, und dazu noch 50 dünne Bambusse. Das hatten wir zum Glück im Stock und innert zwei Tagen bereitgestellt. Nun ist unser Lager gerade wieder mal etwas leerer. Wir haben schon vor Längerem einen kleinen Auftrag in Tena erhalten, wo wir eine Pergola bauen dürfen. Wir haben versprochen, dass sie zu Weihnachten stehen wird. Also haben wir letzte Woche damit begonnen, das Fundament vorzubereiten, sodass wir am Montag zementieren können. Deshalb muss die Lageraufstockung jetzt etwas warten.



Vor rund einem Jahr haben wir berichtet, dass die Hauptbrücke über den Río Napo zwischen uns und Tena repariert werden musste und sie deswegen zwei Monate lang gesperrt war. Nun gut, sie wurde so gründlich repariert, dass sie jetzt wieder gesperrt ist und erneut repariert werden muss – diesmal sogar für ein halbes Jahr. Aber es gibt noch die kleine Brücke; da dürfen leider nur Fahrzeuge bis maximal 15 Tonnen drüberfahren. Zum Glück wiegt ein voller Reisebus nur 14 Tonnen – wenn man beide Augen zudrückt. Für LKW wurde eine Fähre eingerichtet. Da passt aber kein Sattelschlepper darauf. Die müssen nun die Umfahrungsstrasse via Coca nehmen. Das bedeutet, sie müssen bei uns durch den Regenwald – erst 100 Kilometer bis nach Coca, wo sich die nächste Brücke befindet, und von dort weitere 150 Kilometer über Loreto nach Tena. Die Umfahrung dauert nur rund sieben Stunden. Vor fünf Jahren gab es noch eine Brücke in Misahuallí; die wurde aber von einem LKW zerstört. Zweimal wurden schon Gelder für den Neubau gesprochen, und zweimal sind die jeweiligen Bürgermeister damit verschwunden. So wurde die Brücke nicht mehr aufgebaut. Für uns bedeutet die Reparatur der Brücke am Río Napo vor allem, viel Geduld zu bewahren, denn die kleine Brücke kann nur einspurig befahren werden.

Wer uns schon mal besucht hat und mit Michi einen Waldspaziergang machte, kennt die Instruktionen, bevor es losgeht. Eine Regel lautet: «Halte dich an nichts fest – niemals, denn man kann nie wissen, was dort ist». Michi hat vor Kurzem mit den Hunden eine grössere Runde durch den Wald gemacht, wo er dann auch die Waldhüter von Selva Viva, Ruben und Jairo, antraf. Sie kamen ins Gespräch, und Michi stützte sich an einem kleinen Baum ab. Immer gut, wenn sich der Führer selbst nicht an das hält, was er erzählt. Sogleich schoss ihm ein Schmerz durch die Hand, als ob ihm jemand einen Nagel reinhauen würde. Nach Betrachtung des Baumes durch Ruben stellten sie ein Konganest fest. Der Stich der Konga, oder auf Deutsch der 24-Stunden-Ameise, ist der schmerzhafteste Insektenstich der Welt. Michi musste einmal mehr die Schmerzhaftigkeit spüren. Selbst schuld, wenn man seinen eigenen Anweisungen nicht folgt.


Abends, wenn wir unsere Hühner in den Stall begleiten, nehmen wir auch immer gleich die gelegten Eier raus, und das gibt uns immer ein Gefühl von Ostern. Unsere zusammengewürfelte Hühnerschar besteht zurzeit aus einer schwarzen, drei braunen und drei weissen Hennen (davon ein Schweizerhuhn) mit unserem Schweizerhahn. Alle Eier sind unterschiedlich gefärbt – von schneeweiss über verschiedene Brauntöne bis zu olivgrün.


Wir haben eine kleine Brutmaschine gekauft, um sicherzustellen, dass wir ab und zu Küken haben. Die Naturbrut ist hier etwas schwieriger als in der Schweiz, da es viel mehr Fressfeinde gibt. Abgesehen vom Tayra (sowas wie ein Marder), der am Tag vorbeikommt, über das Opossum, das in der Nacht unterwegs ist, und die Schlangen, die immer kommen, gibt es da auch noch die Eifersucht untereinander. Das beste Beispiel dafür sind Maria und Maite. Sie sind Geschwister, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Maria ist schwarz gefiedert und legt die olivgrünen Eier, und Maite ist weiss gefiedert und legt cremefarbene Eier. Sie kommen immer gleichzeitig ins Brutverhalten, und natürlich lassen wir ihnen auch immer einige Eier. Die beiden wechseln die Nester und klauen sich jeden Tag gegenseitig die Eier. Wir wissen nicht genau, wie sie das anstellen, aber dabei gehen immer welche zu Bruch. Wieder ist nur ein Küken geschlüpft, und erneut teilen sich die beiden Hennen die Aufzucht eines einzigen Kükens. Sie haben bereits Erfahrung darin, denn das haben sie schon zweimal gemacht. Sehr lustig mit anzusehen – man könnte sie durchaus als Helikoptermütter betiteln.

Leider haben wir ein kleines Problem. Seit wir den Schweizerhahn haben, schlüpfen immer nur Hähne – wir hatten mittlerweile schon 20. Zum Glück lassen sie sich gut verkaufen.































































