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Normal oder typisch Ecuador?

Da wir momentan keine grossen Aufträge haben, können wir uns wieder der Aufforstung unserer alten Weideflächen widmen. Als Michael in der Schweiz war, hat er eine Spende für die Aufforstung von rund einer Hektare erhalten. Nochmals vielen Dank dafür an unsere lieben Freunde! Wir haben die alten Weiden zunächst zwei bis drei Jahre sich selbst überlassen. In dieser Zeit konnten sie gut verbuschen, und es sind bereits einige Sekundärbäume gewachsen. Die Böden konnten sich erholen und das Gras ist weitgehend verschwunden. Auf einigen Weideflächen gibt es allerdings sehr hartnäckige Gräser, weshalb sich dort bisher noch kein dichter Bewuchs entwickeln konnte. Da braucht es noch etwas mehr Geduld. In den letzten Jahren haben wir unsere gut 100 Hektaren Wald immer besser kennengelernt und wissen inzwischen ziemlich genau, wo welche Baumarten wachsen. Für die jetzige Aufforstung haben wir Jungpflanzen von Primärbäumen verwendet. Diese Baumarten wachsen natürlicherweise im Schatten der Sekundärbäume und können sich deshalb gut in den bereits nachgewachsenen Flächen entwickeln. Bei verschiedenen Baumarten haben wir zunächst geschaut, ob es rund um die Mutterpflanzen bereits genügend Jungpflanzen gibt, die wir vorsichtig ausgraben und an anderer Stelle wieder einsetzen können. Insgesamt haben wir 64 Jungpflanzen von fünf verschiedenen Baumarten umgesetzt. Besonders schwierig war es, Jungpflanzen der wilden Fruchtbäume zu finden. Zum Glück gab es im vergangenen Jahr sehr viele Früchte, von denen die Tiere nicht alle fressen konnten. Natürlich gibt es auch eine natürliche Verbreitung der Samen und Nüsse. Diese ist jedoch räumlich stark eingeschränkt. Wenn die Früchte der wilden Zapote reif sind, werden sie zuerst von den Vögeln und besonders von den Affen gefressen. Die Samen sind allerdings zu gross, um sie im Ganzen zu verschlucken, und werden deshalb fallen gelassen. Am Boden finden sie dann Nagetiere wie beispielsweise Agutis oder Pakas. Diese haben zeitweise Futter im Überfluss und machen es ähnlich wie die Eichhörnchen: Sie vergraben ihre Nahrungsvorräte für schlechtere Zeiten. Der Radius, in dem sie ihre «Schätze» verteilen, beträgt allerdings meist nur rund 50 Meter.

Aguti vergräbt einen «Schatz»

So verbreiten sich die wilden Zapote nur sehr langsam. Mit dem Auspflanzen ist die Aufforstung allerdings noch lange nicht abgeschlossen. Während der nächsten zwei Jahre werden wir die jungen Pflanzen immer wieder aufsuchen und von Kletterpflanzen und anderen Schmarotzern befreien. Erst wenn sie gross und kräftig genug sind, können sie sich selbst gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Aufforstung bedeutet deshalb nicht nur, Bäume zu pflanzen. Es bedeutet vor allem, ihnen die Zeit und die Bedingungen zu geben, die sie brauchen, um wieder zu einem Teil des Waldes zu werden.

Schon des Öfteren haben wir über unsere Strasse berichtet. Jetzt ist sie so kaputt, dass man sie kaum noch befahren kann. Seit mehr als einem Jahr wurde nichts mehr gemacht oder repariert. Wer kein Fahrzeug mit genügend Bodenfreiheit hat, kommt inzwischen nicht mehr zu uns durch. Letzte Woche hat die Ölgesellschaft mal wieder ihre Infrastruktur ausgetauscht. Das bedeutete, dass mehr als 50 schwer beladene Sattelschlepper zu den Förderplattformen hineinfuhren und anschliessend auch wieder herauskamen.

Container für die Ölgesellschaft mit Überbreite, da gibt es kein Vorbeikommen

Die Strasse ist allerdings in einem derart schlechten Zustand, dass die schweren LKW im weichen, mit Schlaglöchern übersäten Strassenbett immer wieder stecken blieben. Teilweise reichte die Bodenfreiheit nicht aus, sodass einige der Löcher zunächst mit Steinen aufgefüllt werden mussten. Wenn ein LKW darüberfuhr, wurden die Steine jedoch wieder herausgedrückt und das Loch musste für den nächsten Sattelschlepper erneut aufgefüllt werden. Besonders problematisch waren die Steigungen. Die LKW blieben dort stecken, weil sie wegen der schlechten Strassenverhältnisse nicht genügend Schwung holen konnten. Also wurde kurzerhand ein Abschleppfahrzeug organisiert, das einen Sattelschlepper nach dem anderen durch die schlimmsten Stellen hinaufziehen musste.

Ein Sattelschlepper wird hochgezogen

Da die LKW zudem überbreit waren, kam irgendwann niemand mehr durch. Der Verkehr kollabierte und es entstand ein regelrechtes Verkehrschaos direkt bei uns vor dem Haus, mitten im Wald.

Stau vor der Bambusanlage

Man muss sich das einmal vorstellen: Mitten im Regenwald, auf einer völlig heruntergekommenen Strasse, stehen plötzlich dutzende Sattelschlepper, ein Abschleppfahrzeug ja ein ganzer Konvoi und nichts geht mehr. Und währenddessen warten wir weiterhin darauf, dass irgendwann vielleicht auch einmal jemand auf die Idee kommt, die Strasse selbst zu reparieren.

Stau im Wald

In Ecuador muss man sein Auto jedes Jahr vorführen, um für ein weiteres Jahr die Strassenzulassung zu erhalten. Die sogenannte technische Kontrolle wird durch das Strassenverkehrsamt (ANT) vorgenommen. In Tena findet man dort die absolute Ineffizienz in Perfektion. Denn Termine werden nicht im Voraus vergeben. Man muss sich persönlich, ab 6.00 Uhr morgens, in die Warteschlange stellen, um hoffentlich noch am selben Tag die Kontrolle durchführen lassen zu können. Dabei wird weder zwischen Motorrädern und Autos unterschieden, noch danach, ob die Besitzer der Fahrzeuge Privatpersonen, Firmen, Taxiunternehmen oder touristische Betriebe sind. Hat man einmal eine Nummer erhalten, heisst es warten, bis man aufgerufen wird. Erst dann werden am ersten Schalter die ersten Abklärungen seitens der ANT vorgenommen: Wurde der Strassenverkehrsbeitrag bezahlt? Gibt es noch unbezahlte Bussen? Ist man überhaupt der rechtmässige Besitzer des Fahrzeugs? Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass sich ausschliesslich der im Fahrzeugausweis eingetragene Besitzer zur Kontrolle melden kann. In unserem Fall also nur Joëlle. Mit einer durch einen Notar beglaubigten Vollmacht wäre es zwar auch Michi möglich, das Fahrzeug vorzuführen, aber das kostet noch mehr Zeit und Geld. Sind all diese Fragen geklärt, darf man weiter zum zweiten Schalter. Dort wird die Rechnung für die Kontrolle im System erfasst. Den entsprechenden Betrag muss man in bar direkt am Schalter bezahlen. Es gibt weder die Möglichkeit, den Betrag im Voraus per Überweisung zu begleichen, noch kann vor Ort elektronisch bezahlt werden. Danach geht es weiter zum dritten Schalter, wo nochmals kontrolliert wird, ob auch wirklich alles stimmt. Erst dann wird im System der eigentliche Kontrollauftrag erfasst. Bis man überhaupt so weit gekommen ist, also bis zur Erfassung des Kontrollauftrags, hat man bereits mehrere Stunden mit Warten verbracht. Ja, und jetzt geht das Warten erst einmal weiter. Denn all die Menschen, die vor einem bereits diesen Prozess durchlaufen haben, warten draussen bei der Inspektion darauf, dass ihr Fahrzeug kontrolliert wird. Da aber, wie bereits erwähnt, bei den vorgängigen Abwicklungen nicht unterschieden wird, ob man ein Auto oder ein Motorrad vorführen muss, kommt es in logischer Konsequenz dazu, dass zeitweise eine grosse Anzahl Motorräder, aber nur wenige Autos (oder umgekehrt) auf die Kontrolle bei der jeweiligen «Kontrollgasse» warten.

So hat Joëlle letzte Woche gut sieben Stunden wertvolle Lebenszeit verloren. Und dabei hat sie sich nicht zum ersten Mal, aber doch sehr ernsthaft, gefragt, ob man die ecuadorianischen Behörden überhaupt ernst nehmen kann. Dieses Erlebnis gehört nicht einfach in die Kategorie «anderer Kontinent = andere Kultur». Es hat vielmehr beinahe schon Vorzeigecharakter, wenn man den Versuch unternehmen will zu erklären, weshalb hier so viele Dinge einfach nicht funktionieren und sich wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit nichts daran ändern wird.

dieser Aufkleber ist das ersehnte Ziel der techn. Revision
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Sommerschule

Und wieder einmal Sommerschule

Beitrag von Britta Scheunemann

Die langen Ferien in Ecuador haben begonnen und wir haben Ende Juni mit der vierten Sommerschule in Sacha Yachana Wasi Puerto Barantilla gestartet.

Meine eigenen Lernenden in der Schweiz sind am Freitag zuvor in die Ferien entlassen worden, und so bin ich direkt am Samstag in den Flieger gestiegen und nach schneller Migration und einer verloren gegangenen Tasche in strömendem Regen mit Bergrutsch sofort nach Tena weitergefahren, wo Michi mich am Sonntag abgeholt hat. Zum Glück hatte Joëlle schon vorgängig meine Einkaufsliste abgearbeitet, so dass ich nur noch die letzten fehlenden Kleinigkeiten organisieren musste.

Und dann war ich auch schon wieder im Schulhäuschen, das aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden musste. Material sichten, Regale auswischen, Drucker kontrollieren, die iPads laden und überprüfen… Letztere leiden schon sehr im Dschungel und kommen so langsam in die Jahre. Eines hat sich leider komplett verabschiedet, vier weitere müssen dauerhaft geladen werden. Aber immerhin haben wir insgesamt noch 10 mehr oder weniger funktionierende iPads, was allerdings spätestens dann leicht problematisch wird, wenn wir 13 Kinder im Schulhäuschen haben, doch dazu später.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre, habe ich an mehreren Tagen die Gruppen bewusst geöffnet, um etwas mehr Campcharakter in das Ganze zu bringen. Dazu gehörte auch, dem Essen (noch) mehr Priorität zu geben und im Unterricht verstärkt auf Englisch und Mathematik sowie diverse niederschwellige Projekte und Bastelarbeiten zu setzen. Da die Mehrheit mittlerweile doch halbwegs alphabetisiert ist, haben wir Spanisch nur gemacht, wenn wirklich die Zeit blieb. Das ist sowohl für die Kids als auch für mich entspannter und hetzt uns etwas weniger durch den Tag.

Im Juni hatte ich mit der Information gestartet, wobei schon im März klar war, dass ich kommen würde. Auch die Lehrpersonen der kleinen Dschungelschule unten am Fluss haben die Infos weitergegeben und sich bei mir gemeldet – und alles andere lief dann im wahrsten Sinne des Wortes über den Buschfunk. Es erschliesst sich mir immer noch nicht, woher Jairo, unser Schulbootfahrer seit der ersten Sommerschule, eigentlich genau weiss, wo er nun Kinder abholen soll…

Insgesamt 30 Kinder sind während der Sommerschule dabei gewesen, davon zehn «neue» Kinder, während die übrigen schon seit mehreren Jahren dabei sind. Einige wenige kamen nur ein einziges Mal, die meisten aber waren regelmässig an zwei Tagen pro Woche dabei und konnten so zum Abschluss stolz ihr «certificado» in Empfang nehmen. Durch die Öffnung der Gruppen waren an einigen Tagen bis zu 13 Kinder anwesend, da ist das Schulhäuschen schon an die Kapazitätsgrenze gelangt und die Kinder mussten sich Tische und Tabletts teilen, was nicht allen gleich gut gelang – Material teilen und Rücksicht aufeinander nehmen scheint grösstenteils unbekannt und so sichert jede und jeder zunächst einmal für sich selbst.

Tja, und dann ging alles seinen gewohnten Gang, mit den üblichen Schockmomenten für mich, wenn ich merke, dass Gruppenarbeiten so gar nicht funktionieren, selbst die grösseren Kinder Hunderter und Einer nicht richtig unterscheiden und zusammenzählen können, die Colegiolernenden kaum in der Lage sind ein Wort Englisch herauszubringen oder zu lesen – ich weiss wirklich nicht, was die dort eigentlich machen –  und ich nach der Erklärung, dass wir gerade einen Mandelkuchen zum Dessert hatten gefragt werde, was denn Mandeln sind.

Die Entschädigung erfolgt durch die  tollen Momente, wenn ich mit einem Mal sehe, dass sie sich in Dreiergruppen zusammen Vokabeln abfragen, dass die Oberstufenschülerin feststellt, dass 70 x 6 ja sogar im Kopf gerechnet werden kann, weil sie ja weiss, dass 7 x 6 = 42 sind und sie nur noch eine Null anhängen muss, wenn die «Neuen», die zu Beginn so verschüchtert sind, dass sie kein Wort sagen, plötzlich mitmachen, wenn wir Gewichte mit der Waage bestimmen und alle fasziniert von der Statik der Eierschalen sind, die so viel Gewicht tragen können, wenn zwar niemand weiss, wieviel Gramm eine libra hat, aber man mir sofort sagt, dass es ungefähr fünf mittelgrosse Kartoffeln sind (was stimmt), wenn wir das Uno Spielen entdecken und das Lieblingsspiel eines ist, bei dem es ums Worte finden und Buchstabieren geht, wenn jedes noch so simple physikalische Experiment mit Freude beobachtet und nachgemacht wird.

Und natürlich, wenn ich sehe, mit welcher Hingabe sie mit der Lernapp Anton arbeiten. Was ich an dieser geförderten App der EU besonders mag, ist die Tatsache, dass ich jedem Kind eigene Übungen zuordnen kann und das leidige Abschreiben verhindere, mit dem sich viele durch die gesamte Schulzeit schlängeln.

Mein grosses Ziel für dieses Jahr war das Lesen der Uhr, das ich mit allen Grados an jedem einzelnen Tag geübt habe. Dort waren riesige Fortschritte zu verzeichnen und der Abschlusswettbewerb, bei dem zwei ausrangierte aber noch super funktionierende Sportuhren gewonnen werden konnten, sorgte für viel Ehrgeiz. Der Gewinner bei den Jungs war einer der Jüngeren mit ausgeprägt schneller Auffassungsgabe, für dessen Handgelenk die Uhr viel zu gross war, so dass das Band noch ein paar mehr Löcher haben muss, aber er war hin und weg und hatte nach 15 Minuten alle Funktionen erfasst, für die ich selbst immer das Handbuch konsultieren muss. Meine verstorbenen Eltern hätte sicherlich ebenso viel Freude wie ich daran, ihre Sportuhren nun im Dschungel zu sehen.

Das Wichtigste an den Tagen aber waren immer die Mahlzeiten. Zum einen der traditionelle Haferbrei auf Milchbasis mit Zimt, Vanille und viel Obst (und neuerdings auch noch etwas Sahne), der in der ersten Pause verspeist wird und dann natürlich das Mittagessen mit Nachtisch. Je älter die Kinder, desto eher sind sie übrigens bereit, auch mal etwas Unbekanntes zu probieren – so gab es für viele zum ersten Mal Kichererbsen und Spinat (wir hatten einen regelrechten Spinatfan, der den gesamten Resttopf aufgegessen hat) oder Blumenkohl. Bei den jüngeren Kindern hingegen gibt es sehr viel Ablehnung gegenüber Neuem, selbst die Nudeln mit Bolognesesosse stiessen dort nicht auf grosse Begeisterung, was vermutlich auch damit zu tun hat, dass die meisten noch nie Nudeln gegessen hatten und nur die kleinen Suppennudeln kennen. Reis hingegen funktioniert immer – auch wenn ich persönlich diesen weissen Reis ernährungstechnisch höchst fragwürdig finde. Aber es gelingt mir dann doch ein paar Vitamine in Form von Mais oder Erbsen mit hineinzumogeln. Da viele Kinder sich auch weigern, Karotten zu essen, gibt es die immer nur in geraspelter Form, so dass sie weder im Reis noch im Eintopf allzu sehr auffallen. Und bei Karottenmuffins sagt dann sowieso niemand mehr nein. Tischdecken (sogar mit Servietten), warten bis alle am Tisch sind, gemeinsam essen, warten bis alle aufgegessen haben und gemeinsam abräumen funktioniert immer besser. Viele versuchen sogar für sie völlig ungewohnt mit Messer und Gabel zu essen, weil ich das so mache. Das finde ich dann schon recht rührend. Normalerweise essen sie ja nur mit einem Löffel.

Und nach einem knappen Monat ist dann schon wieder alles vorbei und ich werde gefragt, warum ich nicht bleibe. Es wäre toll, noch weitere Freiwillige für den Monat August zu haben, um das Angebot verlängern zu können. ¡Hasta la próxima Sacha Yachana Wasi!

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Leben in Ecuador – Der ganz normale Wahnsinn

Auch an uns geht der Gott Fussball nicht einfach so vorbei. Ecuador ist ein fussballfanatisches Land. Die ganze Nation fiebert und leidet mit, wenn ihr Team „La Tri“, spielt. Auch bei uns im Regenwald. Am Tag des Spiels tragen geschätzt 75 Prozent aller Leute das Nationaltrikot und das schon früh morgens. In einigen Supermärkten und sogar in Banken wird es ganz selbstverständlich zur Uniform. Ausser der Polizei und dem Militär tragen alle die Nationalfarben. Als Ecuador den Überraschungssieg gegen Deutschland schaffte und so eine Runde weiterkam, stand alles kopf. Die Hälfte der Leute konnte am nächsten Tag nicht zur Arbeit gehen, da sie immer noch betrunken waren. Auch so bei uns mit César, aber er rief wenigstens an. Als danach Ecuador gegen Mexiko ausschied, war auch aufs Mal die WM vorbei; zumindest hier bei uns im Regenwald. In den Grossstädten ist das Interesse auch auf ein Minimum geschrumpft. Wir fieberten mit der Schweiz mit und für uns waren die Anspielzeiten viel freundlicher. Nun nur noch das Finale und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Odin ist Fan der Schweizer Nati

Michael wollte ein zweites Bankkonto mit höheren Zinsen eröffnen und das bei der Bank, wo er schon ein Konto hat. Ja, ein Geschäftskonto hat hier einen normalen Zins von 4.75%. Das ist wie früher, als wir als Kinder ein Sparbüchlein mit dem gleichen Zinssatz hatten. Da unsere kleine Firma auf Joëlles Steuernummer läuft, musste sie versichern, dass Michael da arbeitet. Ausgesprochen – und gut wars. Also bekam Michael das neue Konto. Das heisst, nachdem er die Hürde mit der Unterschrift schaffte. Ganz wichtig beim Unterzeichnen ist es, dass die Unterschrift ganz genau so aussieht wie auf der Identitätskarte. Nun kann man sich gut vorstellen, dass eine Unterschrift auf einer kreditkartengrossen Karte in einem kleinen Feld nie gleich aussieht wie eine Unterschrift auf einem A4 Dokument – das muss sie aber! In der Schweiz genügt es, wenn sie sehr ähnlich ist. Abhängig von der Tagesform und der emotionalen Stimmung verändert sich die Unterschrift auch mal. Das aber darf sie bei der Bank in Ecuador nicht. Deshalb prägte sich Michael seine Unterschrift genau ein und übte dann auch ein wenig auf einem neutralen Blatt. Der erste Versuch wurde dann prompt nicht akzeptiert. Die Bankangestellte musste das Dokument erneut ausdrucken und bat Michael um mehr Genauigkeit. Schon lustig, dass man in der Bank seine eigene Unterschrift üben muss. Das ging nicht nur Michael so; wir kennen da eine Person die A4-Blätter voll mit ihrer Unterschrift üben musste 😉. Ein Waldhüter von Selva Viva hat sogar bei seiner neuen Identitätskarte eine neue und viel einfachere Unterschrift eingesetzt; sie besteht jetzt nur noch aus seinen Initialen.  

Wir haben gerade Streitigkeiten über Grundstücksgrenzen mit einem Nachbarn oder eher mit dem Onkel der Frau dieses Nachbarn. Tja, das gibt es leider auch hier. Obwohl wir fast komplett von geschütztem Wald umgeben sind (Selva Viva und Schutzwald von Casa del Suizo), gibt es ein Nachbarsgrundstück, das sich eine Familie vor vier Jahren unrechtmässig angeeignet hat. Wir wussten damals bereits davon, hofften jedoch, dass alles seine Richtigkeit habe – vor allem, weil der damalige Geschäftsführer von Selva Viva stark involviert war. Heute wissen wir es leider besser. Als damals die Grenzen vermessen wurden, stimmten diese mit unseren Papieren sowie den langjährigen Grenzpunkten und -linien im Gelände überein. Heute, nur vier Jahre später, soll das plötzlich nicht mehr gelten. Die Grenze wurde erneut ohne unser Wissen und ohne unser Einverständnis neu vermessen. Dabei wurden die Grenzpunkte frech um rund 20 Meter zu unseren Ungunsten verschoben.

Berechtigterweise wollten wir wissen, warum die Grenze nach nur vier Jahren neu vermessen werden musste und weshalb sie so stark abweicht. Den offiziellen Besitzer des Grundstücks können wir nicht kontaktieren, da uns niemand seine Nummer geben will. Stattdessen hat sich herausgestellt, wie könnte es auch anders sein, dass der ehemalige Geschäftsführer von Selva Viva einmal mehr involviert ist. Er war übrigens auch derjenige, der die Neuvermessung in Auftrag gegeben und seine Leute zum Freischneiden geschickt hat. Auf Michaels Nachfrage zu dieser unverständlichen Situation, kam seine allbekannte und arrogante Antwort die er jedes Mal, wenn er in die Enge getrieben wird von sich gibt: „Das geht dich nichts an!“ und „Warum hinterfragst du, was ich hier mache?“. Michaels logische Antwort, dass wir die Besitzer des Nachbargrundstücks sind und es uns sehr wohl etwas angeht, blieb unkommentiert. Der Topograf selbst bestand darauf, dass er nur den ihm übertragenen Auftrag ausführe und keinen direkten Kontakt zu den offiziellen Eigentümern habe.

Topograf und sein Mitarbeiter

Bei uns wirft das viele Fragen auf, und wir werden das keinesfalls einfach so hinnehmen. Anfangs hatten wir Vermutungen, die sich durch weitere Recherchen erhärtet haben. Da nicht nur unsere Grenze, sondern auch jene von Selva Viva betroffen ist, werden weitere Abklärungen folgen müssen. Besonders auffällig ist, dass die Grenze von Selva Viva so verschoben wurde, dass laut neuer Vermessung nun ein Gebiet mit mutmasslich viel Goldvorkommen zum Grundstück ebendieses Besitzers gehört, den wir nicht erreichen können. Unsere logische Frage lautet daher: Warum lässt man eine Grenze, die vier Jahre lang der historischen und dokumentierten Grenze entsprach, plötzlich neu vermessen? Die naheliegendste Antwort für uns ist, dass die Gier nach Gold und Bestechlichkeit eine grosse Rolle spielen. So kann man Grenzen schön flexibel zugunsten der zahlenden Partei hin- und herschieben. Wir werden sehen, was da noch alles auf uns zukommt. Mit Sicherheit werden wir herausfinden, wer alles dahintersteckt.

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Der Wald braucht Schutz, mehr denn je

In unserem letzten Beitrag haben wir über die Wespen bei uns berichtet und wie wir immer wieder Begegnungen der schmerzhaften Art hatten. Es gibt über 600 Wildbienenarten in Ecuador. Die meisten leben im Amazonasbecken und sind die wichtigsten Bestäuber. Was alle Wildbienen in Ecuador gemeinsam haben, ist, dass sie keinen Stachel besitzen. Sie produzieren alle Honig, aber nur gerade so viel, wie sie wirklich für ihr Volk brauchen. Wenn Personen einen Wildbienenstock finden, wird er meist geöffnet und der Honig rausgenommen. Dabei stirbt die Königin meistens und als Folge stirbt das ganze Volk. Es gibt nur eine einheimische Biene, die man für die Honiggewinnung nutzt. Sie wird oft in Bioplantagen eingesetzt, da sie sehr sensibel ist. Die meisten Honigbienen werden aber aus Zuchten aus Amerika oder Europa importiert und haben dann auch wieder einen Stachel. Sie sind leider sehr invasiv und verdrängen die einheimischen Bienen und auch andere Insekten. Die ecuadorianischen Wildbienen können zwar nicht stechen, aber sie können durchaus nerven oder sogar Panikattacken bei Menschen auslösen. Eine Erdbienenart hat sich als Verteidigung ihres Stockes etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie fliegt in die Haare und beginnt sogleich daran zu zupfen und mit den Flügeln zu schlagen. Wer langes Haar hat, bringt die Bienen nicht mehr so einfach raus. Die Einheimischen nennen diese Biene auch «Haarschneider-Biene» und das ist wirklich passend. Es gibt aber auch Elfenbienen, die so klein und dünn sind, dass man sie kaum sehen kann. Die kleinsten Bienen sind nur rund ein bis zwei Millimeter gross und auch die können sehr nervig werden, besonders dann, wenn sie in die Augen fliegen, um die Mineralien zu holen, die in der Augenflüssigkeit sind. Einige Bienen leben in Termitenbauten oder in Nestern der Blattschneiderameisen. Dort leben sie in Symbiose mit den Termiten und Ameisen: Das eine Volk beschützt das andere und sie warnen sich gegenseitig vor Fressfeinden und anderen Gefahren.

In den letzten Wochen wurden wir immer mal wieder durch dumpfes Knallen aus dem Schlaf geholt. Das erste Mal wussten wir noch nicht, was los war. Auch César wurde geweckt und hatte keine Ahnung, was es war. Nach längerem Recherchieren hat Joëlle herausgefunden, dass die Armee dafür verantwortlich ist. Das Militär geht nun noch schärfer gegen das illegale Goldwaschen vor und hat seine Taktik geändert. Eine Sondereinheit spioniert am Tag in Zivil die Region aus und schlägt dann in der Nacht zu. Früher mussten die Bagger bei der Arbeit sein, um festzustellen, dass sie für das Goldwaschen eingesetzt werden, worauf die Bagger angezündet wurden. Jetzt reichen Bilder aus, die zeigen, wie mit dem jeweiligen Bagger Gold gewaschen wurde. Wenn das belegt ist, werden die Bagger in der Nacht mit Sprengstoff gesprengt. Dabei geht es darum, dass niemand sehen kann, dass die Soldaten kommen.

Allein in unserer direkten Umgebung wurden in diesem Monat mehr als 10 Bagger und unzählige Goldwaschmaterialien vernichtet. In einem Fall wurden USD 15 000 und 200 Gramm Gold beschlagnahmt. Leider liegt der Fokus der Armee vorwiegend auf den Baggern und nicht auf den schwimmenden Goldwaschanlagen (Dragas), die seit geraumer Zeit überall wie die Pilze an den Flüssen und Bächen aus dem Boden schiessen. Auch unser Wald wird von Goldwäschern durchquert.

Da sie auf einem Nachbargrundstück waschen, können wir nichts dagegen unternehmen. Auf unseren Wildkameras haben wir wieder vermehrt Wilderer, die auch gleichzeitig Goldwäscher sind.

Diese bewaffnete Person gehört zur Familie…
…dieses weitherum bekannten Wilderers und Goldwäschers, welcher uns bereits nachweislich mind. zwei Fotofallen gestohlen hat.

Eine Anzeige bringt nichts, da wir zu weit draussen im Wald leben und die Polizei dafür keine Zeit hat. Wir fühlen uns sehr allein und hilflos. Besonders befremdlich ist für uns, dass sich selbst die benachbarte Organisation, die Tiere auswildert und ihnen damit eine vermeintliche zweite Chance gibt, nicht gegen die Wilderei ausspricht. Da sie weder mit uns kommuniziert noch öffentlich Stellung bezieht und ihr Verhalten teilweise sogar kontraproduktiv erscheint, entsteht bei uns der Eindruck, dass diesem Problem nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wir waren letzte Woche auf unserem neuen Grundstück in Cosanga und haben einem Nachbarn einige Arbeiten in Auftrag gegeben. Mal schauen, ob das was wird. Wir müssen die Fläche, auf der wir unser Haus bauen wollen, vorbereiten. Denn voraussichtlich im August wird durch die Gemeinde der Flusslauf des angrenzenden Rio Cosanga «korrigiert» werden. Bei dieser Gelegenheit werden wir unseren Bauplatz mithilfe der Bagger einebnen und ein Steinfundament machen lassen. Zudem werden Drainagen gemacht, um Wasser in den Hängen auszuleiten. Aufs Neue waren wir von unserem Grundstück verzaubert. Wir haben so viele Ideen und Vorstellungen. Mal schauen, ob und wie wir alles umsetzen können.

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Langeweile? Nicht bei uns!

Bei uns hat die Regenzeit begonnen. Bis jetzt hatten wir in unserer Region noch nicht viel Niederschlag, aber es regnet täglich. In den Voranden regnet es hingegen stark und intensiv. Das hat zur Folge, dass es vermehrt Erdrutsche und Murgänge gibt. Die Strasse nach Quito ist immer wieder gesperrt und es ist jedes Mal eine kleine Lotterie, ob man bis nach Quito kommt, wenn man dorthin muss. Das viele Wasser lässt auch die Flüsse ansteigen, was wiederum zur Folge hat, dass die am Rio Napo liegenden Orte zum Teil überschwemmt werden. Auch die Insel Anaconda ist davon betroffen und die niedriger angelegten Plantagen werden überschwemmt. Aber im Moment, also heute, fehlen noch rund 1,5 Meter, bis die ganze Insel überschwemmt wird. Eine Überschwemmung bedeutet zwar, einen Ernteausfall zu erleiden, aber der Sand und die Sedimente, die neu abgelagert werden, sind so nährstoffreich, dass die Plantagen mit super Biodünger angereichert werden. Der Rio Napo und der Arajuno steigen jeweils sehr schnell an, laufen aber auch genauso schnell wieder ab. Ob wir den Höchststand erreicht haben, werden wir sehen. Bei all dem Wasser darf man aber nicht vergessen: Auch bei uns scheint die Sonne trotzdem täglich mindestens eine Stunde lang.

Riesen Brama Küken

Als Michael aus der Schweiz zurückkam, hat er die Eier von den Riesen Brahma Hühnern mitgenommen, darüber haben wir im letzten Blog berichtet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft. Leider haben wir einige Eier aufgrund des Stromausfalls in den ersten drei Nächten verloren. Genau wegen solcher Ereignisse haben wir einige Eier bei unseren Nachbarn ausbrüten lassen. Insgesamt haben wir fünf Küken, die wir mit grosser Vorsicht aufziehen. Sie sind schon ein kleiner Hingucker und mit ihren befiederten Füssen sind sie sehr lustig.

Küken verstecken sich hinter ihrem Häusschen

Die Riesen Brahmas sind die grösste Hühnerrasse der Welt, sie wachsen sehr schnell und man kann ihnen dabei zusehen. Viele Leute, die sie bei uns sehen, wollen jetzt unbedingt auch diese Rasse haben. Mal abwarten, wie die Geschlechtsverteilung ist. Es steht bereits fest, dass ein Hahn zur Blutauffrischung zu unserem Nachbar geht.

Wir haben bereits mehrmals über Joëlles Wanderweg berichtet, nun ist er fertig. Begehen konnte man ihn schon lange. Michael hat einfach immer noch mehr Verbesserungen gemacht, bis es für Joëlle stimmte.

neue Bank beim Wasserfall

Er hat auch eine Bank gebaut, sie befindet sich am tiefsten Punkt des Weges. Man kann sich da etwas ausruhen, bevor man den Anstieg in Angriff nimmt oder man kann auch einfach nur den Wasserfall geniessen oder den Kolibris dabei zusehen, wie sie Nektar aus den vielen Helikonien trinken.

Insgesamt hat es auf dem ganzen Rundweg sechs verschiedene Helikonienarten.

Es gibt in Ecuador mehrere hundert Wespenarten. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Dies beruht auf der einzigartigen Vielfalt Ecuadors mit den verschiedensten Klimazonen und Klimaregionen, vom Meer über die Anden hinunter zum Amazonasregenwald und nicht zu vergessen Galapagos. Die meisten Arten sind sehr friedlich und lassen einen in Ruhe, wenn man sie nicht in ihrem Nest belästigt. Bei uns am Haus leben vier verschiedene Wespenarten, die man gar nicht bemerkt. Man sagt, dass die Wespen am Haus das Haus bewachen.

Wir haben eine für uns neue Wespenart entdeckt, die Weissflügelwespe. Sie ist schwarz und die Flügelenden sind weiss – daher der Name. Wir hatten schon einige Wespenstiche, meistens trifft es jedoch Michael im Wald, wenn sich ein Nest unterhalb eines Blattes befindet und er es mit dem Fuss berührt. Dann heisst es einfach rennen. Ok, César, unser Mitarbeiter, sagt, man soll stehen bleiben und sich nicht bewegen. Aber das ist Quatsch, auch er rennt, wenn er im Wald einem aufgeweckten, wildgewordenen Schwarm begegnet. Michael hat die Weissflügelwespen, die an unserem Hühnerhaus ein Nest gebaut haben, nicht gesehen, aber dafür gespürt. Er hat sich an der Verstrebung, an der sich das Nest befindet, festgehalten, als er die Hühner reingebracht hat.

Nest der Weissflügelwespen am Hühnerhaus

Die Vibrationen haben gereicht, dass einige der Wespen losflogen und Michael rennen musste. Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft, im Vergleich dazu ist der Stich einer Schweizer Biene Wellness. Jetzt, wo wir wissen, dass sie dort nisten, leben wir gut miteinander. Aber nicht alle Wespen leben im Schwarm. Es gibt viele Arten, die nur in ganz kleinen Gruppen leben (vier bis zwölf Tiere) und es gibt sogar einige Arten, die alleine unterwegs sind, wie z. B. die Hummel in Europa. Eine ganz spezielle Wespenfamilie sind die Wegwespen. Nun werden sich alle, die sich vor Spinnen fürchten, über diese Wespen freuen. Die Wegwespen bauen Höhlen aus Erde oder graben sogar Löcher direkt in die Erde. Dann betäuben sie eine Spinne und tragen diese in ihre Höhle. Nun legen sie ein Ei auf die Spinne und verschliessen das Loch. Die Larve schlüpft und nistet sich in der betäubten Spinne ein, die ihre Nahrung ist, und sie frisst die Spinne auf.

Je nach Wegwespenart und Grösse sind auch die Spinnen grösser oder kleiner. Die Wespe «Tarantulafalke» ist die grösste der Familie und macht, wie der Name schon sagt, Jagd auf Taranteln, die sie in ein Erdloch zieht und so ihre Nachkommen ernährt.

einige Arten bilden Lebendnester

Bei uns läuft gerade sehr viel. Wir knüpfen bereits die ersten wichtigen Kontakte bei unserem neuen Grundstück in der Gemeinde Cosanga. Da werden wir nächstes Wochenende den Bürgermeister treffen. Er wird mit den Leuten aus der Region besprechen, wie man den Fluss bzw. das Flussufer sicherer machen kann. Wenn dann die schweren Maschinen vor Ort sein werden, möchten wir das gleichzeitig auch für das Fundament und die Zufahrt unseres neuen Hauses nutzen. Die Zusage dafür haben wir bereits bekommen. Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Michael arbeitet gerade auch sehr viel für SelvaViva, denn da stehen «Grenzreinigungen» an. Das ist mal wieder so eine Sache, denn der eine Nachbar von SelvaViva ist (wenig überraschend) einmal mehr nicht einverstanden und benimmt sich komplett daneben. Über das leidige Thema der Goldwäscher können wir leider keine Infos mehr geben, da wir über unsere eigene Homepage ausspioniert werden. Kein Scherz! Aber so viel sei gesagt: Wir bleiben dran.

Fluss Cosanga
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Ein Koffer voll mit Geschenken und neue Herausforderungen

Michael ist wieder zurück aus seinen Ferien. Er hat viele Geschenke und auch einiges für das leibliche Wohl mitgebracht. Ein grosses Dankeschön an alle die uns so grosszügig beschenkt haben. Zum ersten Mal wurde Michael bei der Einreise nach Ecuador kontrolliert, das war bisher nie der Fall. Die Beamten hatten beim Röntgen eines seiner Koffer verdächtig viele Wildkameras entdeckt. Michael musste den Koffer öffnen und zeigte sie ihnen sofort in der Hoffnung, dass sie den Rest des Koffers nicht interessierte. Sie wollten den Kaufpreis der acht Wildkameras wissen. Das waren aber Geschenke. Michael zeigte ihnen im Internet die Preise und so war der Warenwert unter den erlaubten $ 300 Freibetrag für die Einfuhr und er konnte den Koffer wieder schliessen. Zum Glück, denn wenn sie genauer hingeschaut hätten, wäre da noch viel mehr gewesen! Vor allem, wenn sie den zweiten Koffer mitgerechnet hätten. Da waren nochmals fünf Wildkameras drin und natürlich noch viel mehr. Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn man freundlich ist und mithilft, kann man viel erreichen. Die 26 Bruteier von den Riesen Brahma Hühnern, die höchst illegal eingeführt wurden, sind jetzt bereits im Inkubator. Ein Teil der Eier ist bei uns und ein Teil bei unseren Nachbarn.

Wildkamera

Wir hatten letzte Woche über drei Tage hinweg keinen Strom bei uns. Glücklicherweise haben wir einen Generator, den wir aber nur während des Tages laufen lassen. Gut, dass wir einen Teil der Bruteier unseren Nachbarn gegeben haben, denn die sind an einer anderen Stromline angeschlossen. Aber was war denn überhaupt geschehen? Letze Woche kamen Verantwortliche der Stromgesellschaft auf die Insel Anaconda und nahmen alle Haushalte, welche die Stromrechnung schon länger nicht bezahlt haben vom Netz (länger bedeutet zwei bis drei Jahre und aufgelaufene Beträge in der Höhe zwischen $600 bis $900). Das hat sehr viel Missmut verursacht und es wurden Bäume so gefällt, dass sie die Stromleitungen runtergerissen haben. Einige haben sich direkt mit dem Stromnetz verbunden und so einen Kurzschluss verursacht. Die Techniker der Stromgesellschaft wurden stark beschimpft und bedroht was dazu führte, dass bis jetzt einige noch immer keinen Strom haben. Viele haben das Gefühl, dass sie alles bekommen ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Es sind leider die Familien, mit den grossen Alkoholproblemen und das sind nicht gerade wenige.

abendlicher Ausblick vom Aussichtstrum

Bevor Michael in die die Ferien ging, hatten wir noch viel Bambus eingekauft. César musste die Arbeiten noch zu ende bringen. Das hat er auch getan unter dem kontrollierenden Auge von Joëlle. Nun ist unser Lager wieder gefüllt und wir können wieder tüchtig Abverkaufen. Leider haben wir keinen Grossauftrag, dafür aber immer wieder kleinere Verkäufe. Die Architekten kaufen lieber an der Küste ein; mit diesen Preisen können wir nicht mithalten. Dafür liefern die aber auch viel Schlechtes und das Material muss dann ersetzt werden und da kommen wir wieder ins Spiel. Wir haben «Laufkundschaft», die auch mal nur zwei oder drei Stangen für Dekorzwecke kaufen.

Heuschrecke

Wir engagieren uns sehr für den Umweltschutz und machen uns bekannterweise nicht nur Freunde damit. Wir mussten uns eingestehen, dass wir oft nicht «abschalten» können und wir uns Tag und Nacht mit diesem Thema beschäftigen. Besonders dann, wenn wieder neue Goldminen gefunden werden oder der Waldschutz von benachbarten Organisationen mit Füssen getreten wird. Das geht auf die Dauer nicht gut und schadet unserer Gesundheit. Wir müssen ab und zu etwas Distanz gewinnen und dabei abschalten können. Für uns hat sich eine riesen Chance ergeben. Wir haben ein Grundstück gefunden, das zwar etwas entfernt liegt aber dennoch genügend nah, um es innert nützlicher Zeit zu erreichen. Es liegt in den Voranden auf 2200 m ü. M. Gemeinsam mit unseren niederländischen Nachbarn, Ciska und André, haben wir 14 ha Nebelwald gekauft. Das Ziel ist es einen Rückzugsort zu bauen, wo wir uns wirklich erholen können – einen Ort wo es kein Gold gibt, den wir für uns alleine haben und den wir ausschliesslich mit unseren Freunden teilen werden. Dennoch werden wir unsere Projekte nicht aufgeben und wir werden uns weiterhin für den Natur- und Umweltschutz einsetzen, einfach mit einem Rückzugsort. Wie wir das genau Managen werden, wissen wir auch noch nicht. Ideen haben wir einige; ob wir sie umsetzen können, wird sich zeigen. Zuerst müssen wir jetzt wieder Sparen, so dass wir uns ein Haus bauen können. Und dann wird sich sicher wieder eine Türe öffnen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.

Odin reicht ein Bettchen nicht…

Zum Schluss noch dies: Als Michael in der Schweiz war wurde er von einem lieben Freund gefragt, warum er all die Strapazen und Schwierigkeiten auf sich nimmt, und was die Motivation dahinter sei. Michael ist durch und durch Tierpfleger und wenn er solche Wildtieraufnahmen in unserem Wald machen kann und weiss, dass diese Tiere nur noch da sind, weil wir uns für sie einsetzten, ist das Motivation genug.

Jaguar

Leider können wir hier nicht alle Aufnahmen zeigen, aber in den letzten zwei Monaten hatten wir vor der Linse: Jaguar, Tapir, Ozelot, Margay, Aguti, Paka, Pekari, Schneebussard, Hirsche und noch viele Tiere mehr.

Agutis sind unsere fleissigen Helfer bei der Aufforstung
neugieriger Tapir
scheue Pekaris durchstreifen unseren Wald
zwei entspannte Tapire
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Guadua, Hera und unsere Grundsätze

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, sind wir dabei, unser Bambuslager zu füllen. Wir hatten die Chance, über 700 Stangen einzukaufen und so unser Lager auf einen Schlag wieder aufzufüllen. Die Verhandlungen gestalteten sich etwas schwieriger als erwartet. Der Verkäufer hatte leider keine Ahnung von Guadua. César und Michael besichtigten vorab den Guaduawald, der einer Plantage weichen musste. Es waren sehr schöne Stangen, und wir einigten uns auf einen Preis und trafen eine Abmachung. César half die ersten zwei Tage bei der Ernte mit, sodass er ihnen das korrekte Schneiden und den richtigen Umgang mit den Stangen zeigen konnte. Sie hatten für die Ernte genau 14 Tage Zeit, und nach fünf Tagen bekamen wir auch schon die erste Lieferung von 350 Guaduas. Aber leider war die Qualität nicht so überwältigend wie ursprünglich vereinbart. Wir zahlten dafür aber auch einen niedrigeren Preis, was dem Verkäufer natürlich gar nicht gefiel. Nun, im Nachhinein ist man immer schlauer, und so wissen wir, dass Michael besser auf einen anderen Deal hätte bestehen sollen.

Die zweite Lieferung war dann doch etwas besser. Um die Stangen zu säubern, zuzuschneiden, zu lochen und in Matten zu schlagen, hatte César wieder eine Gruppe von Frauen und jungen Männern organisiert.

Die Frauen waschen die Stangen

Leider haben wir es noch nicht ganz geschafft, fertig zu werden, bevor Michael in seine grossen Ferien in die Schweiz geht. César, unser langjähriger Mitarbeiter, weiss aber, was noch zu tun ist.

die ersten Stagen sind bereits draussen und werden besonnt

Hera, unsere Hündin, wurde vor einer Woche kastriert. Sie hat nun ein Spielverbot, das sie überhaupt nicht versteht. Erstaunlicherweise leckt sie nicht an der Wunde, sodass sie den lästigen Kragen nach zwei Tagen ausziehen und ihn gegen ein T-Shirt eintauschen konnte.

Joëlle ist Ersatzmutter eines Hühnerkükens. Leider ist aus den letzten Eiern nur ein Küken geschlüpft, und keine Ammenmutter wollte es akzeptieren. So ist es nun im Büro, bis es gross genug ist, in den Hühnerstall umzuziehen.

So süss das kleine Ding auch ist, es kann bereits gewaltig nerven. Dann zum Beispiel, wenn Joëlle nur kurz das Büro verlässt oder für den Zwerg nicht mehr sichtbar ist. Dann ruft es laut und rennt herum; es kommt sogar ins Haus hinein, um nach uns zu suchen. Wer das Haus kennt, in dem wir wohnen, weiss, dass es keinen eigentlichen Eingangsbereich hat, sondern man direkt die Küche betritt. Wenn also das kleine Vögelchen in der Küche herumrennt und dabei seine Notdurft verrichtet (was Vögel bekanntlich sehr häufig und ohne Zurückhaltung tun), ist das nicht besonders hygienisch…

zum Glück schläft es auch ab und zu

Die vergangenen Wochen waren von intensiven Herausforderungen geprägt. Der ständige Einsatz die bekannten Goldwäscher von Selva Viva und unserem Land fernzuhalten, kostet uns enorm viel Kraft und bindet wesentliche Ressourcen. Besonders zermürbend sind Auseinandersetzungen mit Akteuren, deren Auftreten und Verhalten die Situation zusätzlich verschärfen und konstruktive Lösungen verhindern.

Momentan können wir aus politischen Gründen noch keine Details offenlegen. Klar ist jedoch: Wir werden die bestehenden Missstände nicht mehr stillschweigend hinnehmen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Transparenz zu schaffen. Zu gegebener Zeit werden wir einen Beitrag verfassen, in dem wir die Vorgänge umfassend darstellen und Missstände sowie Verantwortlichkeiten klar benennen und dies mit entsprechenden Beweisen untermauern.

Aber Michael wird jetzt erst einmal eine kleine Auszeit nehmen. Er fliegt in die Schweiz, um sich zu erholen und frische Energie zu tanken, um dann mit neuem Mut und Motivation wieder ans Werk zu gehen.

Orchideen
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Blitze und Goldrausch, unser Alltag im Regenwald

Im Dezember hatten wir wieder einmal einen richtigen Gewittertag. Michael machte gerade eine Siesta und Joëlle war noch im Büro als ein Blitz am Haus vorbei zischte und es um ein Haar getroffen hätte. Michael stand senkrecht im Bett und Joëlle schrie und kam rennend aus dem Büro. Zum Glück hat er aber in den Fluss eingeschlagen. Einmal tief durchgeatmet und den Schreck halb verdaut, merkten wir schnell, dass etwas mit unserem Internet nicht mehr stimmte. Wir haben Satelliteninternet. Durch die Überspannung, die der Blitz verursacht hatte, war der WLAN-Router hinüber. Auch allen Ladegeräten der Werkzeuge, die gerade am Strom waren, hat die Überspannung nicht gutgetan und es hat sie «gelupft». Nun hatte Joëlle eine neue Mission, es galt rauszufinden, wo genau bei der Internet-Installation das Problem lag. Das kann in Ecuador recht schnell zu einer Lebensaufgabe werden. Zuerst mal aber musste sie mit Starlink, dem Internetanbieter, in Kontakt treten. Die haben umgehend Ersatzteile geschickt. Leider wurde aber dadurch nicht der Fehler behoben. Kulanterweise tauschten sie nun das ganze System aus und wir sollten die Ausrüstung der neuesten Generation erhalten. Um Zeit zu sparen, durften wir es in Ecuador kaufen und sie schrieben uns den Kaufpreis auf unserem Konto gut. Wir bestellten es im Online-Shop eines spezialisierten Anbieters und konnten es eine Woche später in deren Filiale in Tena abholen gehen. Da staunten wir dann nicht schlecht. Im Online-Shop kostete es USD 311.00, aber wenn man es direkt im Laden und auf Raten kauft, kostet es USD 848.88. Nicht schlecht… Nach gut zwei Monaten haben wir nun wieder alles wie beim Alten und auch unsere Kameras sind wieder online.

So kostet das Set unglaubliche 173 % mehr!

Unsere beiden jungen Hunde, Hera und Odin, hatten Geburtstag und sind ein Jahr alt geworden. Sie wachsen und ihre Charakter kommen immer mehr zur Geltung. Bei Odin unserem American Bully zeigt sich immer mehr, dass er lieber zu Hause bleibt und Joëlle bewacht als mit den anderen beiden eine Streiftour durch den Wald zu unternehmen. Er ist sehr gesellig aber auch ein aufmerksamer Wachhund, sein Charakter ist stark und er hat einen extremen Beschützerinstinkt.

Hera ist unsere Rottweilerdame. Sie liebt es rumzurennen und stundenlang mit Odin und Hector zu spielen. Bei ihr zeigt sich sehr schön, dass die körperliche Grösse nichts mit innerer Grösse zu tun hat. Manchmal glauben wir, dass sie sich für einen kleinen Hund hält. Sie sucht sich Streicheleinheiten und versucht immer ganz sanft einem auf den Schoss zu klettern. Zum Glück springt sie nicht hoch, denn mit ihren bereits 35 kg ist sie schon recht schwer für ein «Schosshündchen».

Hera, das zu gross geratene Schosshündchen

Wenn wir Besuch haben müssen wir immer gut aufpassen, dass sich der Besuch beim ersten Mal nicht erschrickt. Natürlich darf sie das nicht, aber bei Fremden kann man es ja trotzdem mal probieren. Wenn es um das Bewachen geht, steht sie lieber hinter Hector und Odin. Sie ist misstrauisch und hat eher Angst und geht lieber ins Haus. Das ist auch gut so, mit ihrem Aussehen und dem leider schlecht behafteten Ruf der Rottweiler, schreckt sie genug ab. Hector macht seine Sache als unangefochtene Nummer eins sehr gut und die zwei Jungen lernen viel von ihm.

Einer unserer Holzbänke ist leider der Witterung erlegen. Michael hatte wieder eine spezielle Idee für eine neue Bank die dauerhaft halten sollte. Aus Zement und Altglas machten César und Michael unsere neue Bank, wo wir nun den Kolibris beim Nektar suchen zu schauen können.

Neue Sitzbank

Wir sind gerade daran eine grössere Menge Bambus einzukaufen. Wir haben uns entschieden unser Lager zu füllen, um Reserven zu haben, falls es mit dem Tourismus wieder hoch gehen sollte und alle wieder investieren. Ja, die Hoffnung stirbt zum Schluss. Wir haben so auch wieder einmal Arbeit für einige Personen und können weitere junge Leute schulen.

Unser Lager wird wieder aufgefüllt

Leider zieht sich das Thema mit dem Goldwaschen seit einigen Jahren wie ein roter Faden durch unser Leben was extrem an unserer Energie zerrt. Wir sind in diese Region gekommen, um Umweltschutz und insbesondere Waldschutz mit Einbezug der lokalen Bevölkerung zu betreiben. Da der Goldpreis aber stetig steigt und die Bevölkerung immer gieriger wird, gestaltet sich das zunehmend schwieriger. Besonders schwierig ist für uns zu sehen, dass es ansässige Organisationen gibt, die beim maschinellen Goldwaschen vor der eigenen Haustüre einfach wegschauen und nichts dagegen unternehmen. Unserer Meinung nach ist das Doppelmoral und dadurch belügt man auch seine Gönner. Für Organisationen, die sich den Umweltschutz auf die Flagge schreiben ist nichts zu tun genauso schlimm, wenn nicht sogar schlimmer. Wenn Goldwäscher keinerlei Konsequenzen erfahren, entsteht der Eindruck sie seien im Recht und ihr Handeln habe keine Folgen.

Wir unterstützen das illegale Goldwaschen nicht. Es widerspricht unserem Verständnis von nachhaltiger Entwicklung und verantwortungsvollem Umgang mit der Umwelt. Unsere Haltung ist klar: Unser Engagement gilt dem Schutz der Wälder und Tiere und der Unterstützung nachhaltiger Perspektiven für die Region, nicht der kurzfristigen Ausbeutung ihrer Ressourcen.

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Die Ungewissheit

Das Jahresende haben wir mit Christine, die uns wieder besucht hat, und unseren niederländischen Nachbarn verbracht. Christine hatte dafür extra Käsefondue aus der Schweiz mitgebracht. Es war sehr lecker und Ciska und Andre assen sogar das erste Mal Fondue. Auch dieses Jahr haben wir den Jahreswechsel mit den Sandwich-Insel gefeiert. Wir haben wieder Puppen gebastelt und verbrannt. Damit lassen wir das alte Jahr hinter uns und wünschen uns, dass das neue Jahr das Gute bringt, was wir uns erhoffen.

Leider hat aber das neue Jahr gleich begonnen wie das alte aufgehört hat. Schon in der ersten Woche sind die Goldwäscher bei uns in den Wald gegangen und haben mit Waschen begonnen. Die Waldhüter von Selva Viva haben sie dabei ertappt und uns dies gleich mitgeteilt. Wir haben daraufhin viele Kamerafallen sowohl in unserem als auch im Schutzwald von Selva Viva aufgestellt, um sie direkt bei der Arbeit zu filmen. Nur so haben wir genügend Beweise für eine allfällige Anzeige. Es handelt sich wie immer um die gleiche Familie die neben dem Goldwaschen auch illegal Jagt. Sie haben sich wohl ertappt gefühlt und sind nicht mehr gekommen, das heisst sie sind einfach auf das Nachbargrundstück weitergezogen und waschen nun da die Ufer der kleinen Bäche ab. Wir haben die Nachbarn informiert.

Seit wir in Ecuador sind, misst Michael täglich den Regen. Bis anhin tat er dies von Hand mit einem selbst umfunktionierten Regenmesser. Der war aber nur auf 0.5mm genau. Neu hat sich Michael eine kleine Wetterstation zugelegt, die den Regen genauer misst und zudem noch viele andere Daten erfasst. Die gesammelten Daten sind nicht nur für uns interessant, auch Institutionen wie z. B. die Universität IKIAM in Tena haben Interesse daran. Prof. Wilfredo Franco kommt regelmässig bei uns vorbei, um die neuesten Messungen abzuholen. Wir wurden auch schon zu einem Umweltforum mit dem Thema Klimawandel eingeladen. Da hat Joëlle gerne teilgenommen, aber nur als Gast. Wir stellten Wilfredo alle unsere gesammelten Daten zur Verfügung und er hat sie dann vorgetragen und dabei die regionalen Unterschiede hervorgehoben. Die verschiedenen Vorträge waren sehr spannend, aber noch wichtiger waren die Begegnungen mit vielen neuen Personen. So können wir unser Netzwerk stets vergrössern.

Joëlle durfte Anfang Januar eine Reisegruppe als Übersetzerin begleiten. Sie war zehn Tage mit der Gruppe unterwegs und musste feststellen, dass der Tourismus nicht nur bei uns Tod ist, er ist im ganzen Land zum Stillstand gekommen. In fast allen Hotels waren sie jeweils alleine und auch bei den Ausflugzielen gab es kein anderes Bild. Ecuador befindet sich in einer tiefen Krise und das mehr denn je zuvor. Der Drogenkrieg welcher in ganz Südamerika herrscht schreckt viele ab. Nach dem die USA Venezuela angriffen hat und Kolumbien ebenfalls bedrohten ist die Lage hier recht unübersichtlich geworden. Der Präsident Ecuadors hat die Landgrenzen zu Kolumbien (bis auf eine die sehr genau kontrolliert wird) geschlossen um die grossen Drogenrouten zu schliessen – aber Kolumbien hilft da nicht mit, weshalb der Präsident Ecuadors die Zölle auf Importe aus Kolumbien erhöht hat. Ecuador bezieht sehr viel Elektrizität aus Kolumbien, was wiederum dazu führte, dass Kolumbien die Stromlieferungen einstellte. Nun steht uns ein Wirtschaftskrieg mit Kolumbien bevor. Ecuador ist das grösste Transitland für Drogen aus Kolumbien und Peru. Der Präsident würde ja gerne mit den Amerikanern gegen die Drogenkartelle und die damit verbundene Korruption vorgehen, kann es aber nicht, da sich die Opposition dagegen wehrt. Wir sind gespannt, wie es weiter geht, es wird auf jedenfall richtungsweisend sein.

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Weihnachtszeit

Wir konnten noch vor Weihnachten die geplante Pergola in Tena aufstellen und so der neuen Besitzerin übergeben. Durch die gute Planung und Vorarbeit waren wir schneller als gedacht.

Nachdem der Zement ausgehärtet war, half Michi die Hängematte aufzuhängen. Er war ein wenig nervös, ob die Konstruktion dem Schaukeln standhalten würde. Zur Freude von allen steht die Pergola wie eine EINS. Das war der letzte anstehende Auftrag, den wir hatten.

Pergola mit Hängematte

Als Bernd uns Besuchen kam, konnten wir mal einige Tage sorgenfrei wegfahren. Daraus wurde eine ganze Woche, die wir seit langem wieder einmal zusammen verbringen konnten. Wir waren in den Anden und haben zum ersten Mal (fast) alle grossen Vulkane gesehen – das heisst, der Sangay hat sich uns auch dieses Mal nicht gezeigt. Nun ist er der letzte Vulkan Ecuadors, den wir noch nie gesehen haben. Wir sind ins Refugio (Schutzhütte) vom Chimborazo hochgefahren, das liegt auf 4800 m.ü.M. Der Chimborazo ist mit 6263 Metern Höhe der höchste Berg (Vulkan) Ecuadors.

Anfahrt zum Chimborazo

Vom Refugio aus sind wir zur nächsthöheren Hütte gewandert, die befindet sich auf 5000 m.ü.M. Die Luft ist da schon sehr dünn und man kommt nicht mehr so schnell voran.

5000 m.ü.M. reichten, mehr musste wirklich nicht sein

Michi hatte noch etwas mehr Puste und Motivation und ist bis zum Gletschersee weiter gegangen der sich auf 5100 m.ü.M. befindet.

In diesen Ferien haben wir auch die Lagune vom Quilotoa zum ersten Mal gesehen. Wir waren bereits vor zwei Jahren da, aber da regnete es und der Nebel war sehr dick. Dieses Mal zeigte sie sich von ihrer schönsten Seite. Der Vulkansee wird häufig als der schönste von ganz Südamerika betitelt, was wir gut glauben können.

Wir liessen uns vom schönen Wetter und der traumhaften Aussicht hinreissen und sind den Kraterrundweg gegangen – einmal rund herum. Der Weg befindet sich (konstant) auf 4000 m.ü.M., mit einigen Hügeln dazwischen. Die Wanderung war wunderschön, aber auch sehr anstrengend. An dieser Stelle sei gesagt, dass man für diesen Weg schwindelfrei sein muss.

Zum Abschluss unserer kleinen Andenreise, genossen wir noch die heissen Quellen von Papallacta. Von unserm Pool aus hatten wir die perfekte Sicht auf den Antisana. Wir konnten es so richtig geniessen, denn wir wussten ja, dass unser Haus und Hof bei Bernd in guten Händen sind. Nochmals DANKE, lieber Bernd, und wir werden dich ja sicher bald wieder sehen 😊.

Antisana

Und zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln und Staunen: Unsere Gemeinde Ahuano ist, was die Bevölkerungszahl betrifft, nicht besonders gross und zählt lediglich rund 4.000 Einwohner. Leider ist Ahuano jedoch weithin bekannt für die sich dort befindenden illegalen Goldminen. Innerhalb der gesamten Provinz Napo liegt hier das zweitgrösste illegale Abbaugebiet. Es werden täglich rund 20 kg Gold illegal gewaschen. Die grossen Minen werden von den Drogenkartellen geleitet und die Korruption in der Gemeinde ist riesig. Um die Bevölkerung zu besänftigen, die unter der immensen Umweltzerstörung, zunehmender Kriminalität und Prostitution leidet hat die Gemeinde ein Fussballstadion gebaut. Brot und Spiele – das haben auch schon die Römer so gehalten. Ein Fussballstadion klingt zunächst nicht nach etwas Besonderem, aber das ist es durchaus wenn es das erste Fussballstadion dieser Grösse der ganzen Provinz Napo ist. Nicht einmal die Provinzhauptstadt Tena hat ein Stadion diesen Ausmasses. Und was auch sehr erstaunlich ist, es gibt hier keine Mannschaft, die in einer Liga spielt. In dieser Region wird fast ausschliesslich «Indoor» gespielt. Das bedeutet, die Spielfelder sind kleiner und es spielen nur sieben Personen pro Mannschaft. Bei der Eröffnungsfeier Ende Oktober, waren dann aber alle korrupten Politiker anwesend und haben es sich nicht nehmen lassen ein Spiel zwischen der Provinz- und der Gemeinderegierung zu machen. Der Einsatz war, man höre und staune, die Installation der Lichtmasten. Ja, es gibt keine Spiele nach 18.00 Uhr, denn es hat kein Licht im Stadion. So war das Fest dann auch bereits um 18.30 Uhr vorbei. Übrigens die Provinzregierung hat gewonnen, aber bis heute gibt es noch immer kein Licht und das Stadion wurde auch nie wieder benutzt.

Wir wünschen allen noch weiterhin erholsame Festtage. Allen ein grosses Dankeschön die uns immer wieder unterstützen mit Spenden, mit aufmunternden Gesprächen, guten Ideen, oder auch mit ihren guten Gedanken.  Ein spezielles Dankeschön denen die bei uns tatkräftig mit anpacken und immer wieder vor Ort mithelfen.  Euch allen wünschen wir einen guten Start ins neue Jahr.

Links im Hintergrund die Spitze vom Altar und rechts der Tungurahua