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Bambusernte

Unser treuer Freund Sinchi wäre fast gestorben. Er hatte einen kleinen Tumor hinten am Sprunggelenkt der auf einmal rasant gewachsen und aufgeplatzt ist. Dann mussten wir leider das tun was wir vermeiden wollten. Er musste operiert werden und das mit seinen 13 ½ Jahren. Wir suchten also den «besten» Tierarzt in Tena und fuhren los. Er wurde sofort operiert und wir durften ihn noch am gleichen Tag wieder mit nach Hause nehmen. Leider hat er die Narkose nicht ohne Folgen überstanden und er ist nicht mehr derselbe. Er ist in unserer Wahrnehmung um mind. zwei Jahre gealtert und wir befürchteten, dass er das Ganze nicht überleben wird. Bei der nächsten Kontrolle und Verbandswechsel beim Tierarzt haben wir unsere Bedenken geäussert und die behandelnde Ärztin hat verstanden, dass wir unseren Sinchi in Würde gehenlassen wollen und nicht noch lange experimentiert werden soll. Sie gab ihm eine Spritze mit einem Wundermittel… Aber wir bekamen auch eine aufgezogene Spritze mit Euthanasierungsmittel um im Notfall Sinchi erlösen zu können. Aber Sinchi ist noch immer ein Kämpfer und es geht im wieder besser. Mittlerweile sind wir uns sicher, dass er die ganze Aufmerksamkeit geniesst und das hat er sich auch verdient. Dennoch sind wir uns aber schmerzlich bewusst, dass es auf einmal sehr schnell gehen kann.

Vor kurzem besuchten uns Michaels Nichte und ihr Freund. Anja und Samuel tourten durch Peru und Ecuador und haben sich bei uns eine Auszeit gegönnt. Das war natürlich der perfekte Zeitpunkt selber etwas kürzer zu treten und ihnen alles zu zeigen. Die ersten Tage war das noch eher schwierig aber Michi nahm sie überall hin mit und so konnten sie die Gegend und die Leute von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Michael nahm sie auch mit auf der Suche nach Bambus den wir kaufen wollten und so sahen sie dann auch gleich wie man hier verhandelt. Sie waren gut zehn Tage bei uns und Michael begleitete sie dann noch drei Tage nach Cuenca. Das waren seine ersten freien Tage seit über 14 Monaten. Das hat ihm gut getan und war auch dringend nötig.

Kaum zurück ging es auch gleich mit der Arbeit weiter. Wir haben einen Auftrag in Aussicht der, wenn wir gutes Material liefern, sehr gross werden kann. Darum haben wir mit der Ernte von Bambú Gigante (Riesenbambus) begonnen. In der Zwischenzeit kam auch schon der nächste Besuch, Sebastian und seine beiden Freunde Laura und Mark. Sie konnten gleich mithelfen bei der Bambus Ernte. Trotz der körperlich extremen Anstrengung war das auch für sie sehr spannend. Das Schneiden von solchen Halmen muss gelernt sein. César ist mittlerweile ein richtiger Spezialist und er hat ein Auge dafür entwickelt welche Stangen wie der Reihe nach geschnitten werden müssen.

Wir haben eine Bambusmatte gekauft mit einem Durchmesser von über vier Metern. Dort stehen rund 100 Bambushalme von über 30 Metern Länge. Das Schneiden ist die eine Sache, aber das Abtransportieren die Andere. Wir brauchen sechs Meter Stangen und die können schnell mal über 150 kg wiegen. Zum Bauen können wir von einem geschnittenen Halm die untersten 12 Meter nutzen. Die nächsten sechs Meter kann man noch für die Produktion von Bambuslatten oder Bambusmatten brauchen und den Rest liessen wir liegen. Fürs Erste brauchen wir jetzt 100 gute Stangen. Der Bambus soll nur bei abnehmendem Mond geschnitten werden sonst leidet die Qualität.

Die Ernte und Immunisierung des Riesenbambus läuft gleichzeitig mit dem Hausbau. Da sind wir auch schon etwas weiter und wir haben begonnen die einzelnen Pfeiler und Balken zusammen zu bauen. Leider können César und Michael nicht überall gleichzeitig sein um es den Leuten beizubringen, deshalb muss immer mal wieder etwas warten. Uns fehlen kurzgesagt erfahrene Arbeiter. Wir beschäftigen deswegen auch vorwiegend junge Leute auf temporärer Basis ohne festen Anstellungsvertrag. Wir hoffen, dass sie viel lernen und uns so künftig entlasten können. Bei den älteren Leuten ist es oft sehr schwierig da sie gegenüber Neuem zu festgefahren sind in ihrer Meinung. Jedoch hätten die ganz alten Leute noch das Wissen über Bambus und seine Handhabung. Zurzeit haben wir gleich zwei Schulabgänger von Christines Schule was natürlich praktisch ist für Michael denn die können noch sehr gut Deutsch. So haben sie die Möglichkeit wieder mehr Deutsch zu sprechen und es weiterhin beizubehalten. Um ein richtiger Lehrbetrieb zu werden fehlen uns leider noch die finanziellen Mittel, aber wer weiss wenn wir genügend Bambus und Früchte verkaufen können, steht dem vielleicht irgendwann nichts mehr im Wege. Vorläufig machen wir es nach dem Motto «Lernen bei der Arbeit».

Bambus wird gewaschen

In der Nacht des 19. Novembers ist Joëlles Papa gestorben. Deshalb ist sie kurzfristig in die Schweiz gereist und wird bis Mitte Dezember dort bleiben. Wir sind dankbar, dass er ohne zu leiden einfach einschlafen durfte. Wir vermissen ihn sehr.

Papi, tu nous manques!
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Irgendwie fehlt uns die Zeit

Wir haben noch so viel vor aber uns fehlt irgendwie die Zeit. Das letzte Mal haben wir berichtet, dass wir ein Bambushaus bauen dürfen. Da sind wir gerade mitten in der Planung und den Vorbereitungen. Aber es ist etwas schwierig zu planen da das Haus auf der Insel Anaconda gebaut wird. Das bedeutet, dass alle Materialien über den Fluss und dann ca. 200 Meter ins Innere der Insel transportiert werden müssen. Die Insel wird mindestens einmal pro Jahr überschwemmt und deshalb muss das Haus auf Stelzen gebaut werden. Das wiederum bedeutet, dass wir viel Sand und Zement benötigen um die Stelzen zu bauen. Es ist bereits jetzt schon klar, dass da viel getragen werden muss. Dafür wird dann die Familie, die das Haus bekommt und deren erweiterte Familie, zuständig sein. So können Kosten gespart werden. Das Ganze zu koordinieren ist recht schwierig denn es hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab, allen voran das Wetter. Bei Regen sind die Materialien doppelt so schwer und bei Sonnenschein ist es nachmittags viel zu heiss. Ja, das ist für uns eine grosse Herausforderung und wir werden sicher nicht mit Schweizer Pünktlichkeit fertig werden, aber wir sind ja auch nicht in der Schweiz. Mal schauen wie wir uns schlagen, auf jeden Fall werden wir euch auf dem Laufenden halten.

Wir haben uns einen Lastenanhänger fürs Auto gekauft der uns das Leben um einiges erleichtert. Nun können wir den Bambus vom Flussufer die ca. 200 Meter zu unserer Anlage fahren und müssen ihn nicht mehr hochtragen. Es ist zwar nicht allzu weit aber eine Bambusstange wiegt durchschnittlich 50 kg und bei einer Anlieferung von 100 Stangen ist man sehr viel schneller und schont den Rücken. Michael hat am Anhänger noch einige Verbesserungen vorgenommen, so dass wir sechs Meter langen Bambus problemlos transportieren können. Wir sind nun auch flexibler beim Einkaufen des Bambus. Da wir jetzt einen Anhänger haben können wir der Strasse entlang einkaufen gehen. Hier in Ecuador braucht man zum Glück keine Anhängerprüfung, die ist „inbegriffen“, etwa so wie früher in der Schweiz. Eine technische Abnahme vom Anhänger braucht es auch nicht. Er darf einfach nicht breiter als 160 cm sein und nicht mehr als 1750 kg Gesamtgewicht haben. Wenn er kein Licht hat darf man nur tagsüber damit fahren und am Ende des Anhängers muss ein rotes Tuch oder Pannendreieck befestigt werden.

Wir sind am Ende der Trockenzeit angelangt, dieses Jahr machte sie ihrem Namen alle Ehre. Wochenlang gab es keinen Regen und wenn er mal kam war das kaum der Rede wert. Die Trockenzeit hat dieses Jahr viel früher eingesetzt als letztes Jahr, bereits anfangs August. Die Flüsse hatten Tage lang einen extrem tiefen Pegelstand, so dass die Kanus nicht mehr normal fahren konnten. Es mussten Fahrrillen ausgehoben und tausende Steine aus dem Weg geräumt werden. Unsere Wasserzufuhr zum Fischteich versiegte und der Wasserspiegel fiel auf einen sorgenerregenden Tiefstand. Zum Glück haben wir Fischarten in diesem Teich die das gut aushalten. Die Schotterstrasse die bei uns vorbei führt löste sich bei jedem vorbeifahrenden Fahrzeug (im wahrsten Sinne des Wortes) in Staub auf.

Strasse löst sich in Staub auf

Der Staub wurde dann mit dem Wind überall ins Haus hinein getragen. So intensiv hatten wir das noch nie erlebt, vor allem nicht über einen so langen Zeitraum. Zum Glück regnet es jetzt wieder ab und zu und die Situation normalisiert sich zusehends.

Wenn das Morgenrot so intensiv ist regnet es am Abend

Viele haben unseren neuen Hund Hector schon einige Male auf Bildern gesehen und er wurde auch schon, als Michael ihn überfahren hatte, in einem Blog erwähnt. Nun wollen wir ihn endlich richtig vorstellen. Hector haben wir von einer befreundeten Farm bekommen. Wir kennen also seine Vorgeschichte und vor allem seine Eltern was eine recht interessante Mischung ist. Die Mutter ist ein rassenreiner sibirischer Husky und der Vater ist ein rassenreiner  Shar-Pei. Als Hector noch kleiner war schien er mehr nach dem Vater zu kommen doch nun hat er die Grösse und Körperform der Mutter, aber die Färbung ist noch die des Vaters. Da beide Eltern Hofhunde sind und klare Aufgaben wie die Bewachung des Hofes und den Schutz der Familie haben, hat unser Hector das quasi schon etwas in den Genen. Die Intelligenz und Treue hat er bestimmt von beiden Rassen und das zeigt sich schon sehr. Er gehorcht super und schaut sich alles von den drei älteren Hunden ab. Natürlich ist er immer noch ein junger Hund und hat Flausen im Kopf. Am liebsten möchte er den ganzen Tag mit Yuma spielen oder mit Michael herum laufen. Den Bewegungsdrang hat er sicherlich von der Mutter. Wenn er so richtig aktiv drauf ist und er Bombi versucht zum Spielen zu bringen erteilt ihm dieser jeweils eine sehr klare und bestimmte Absage die Hector dann aber auch ganz schnell akzeptiert. Er kennt die Hierarchie und an der kann er noch nicht rütteln. So lange unser treuer Gefährte Sinchi noch da ist, wird es da sowieso keine Veränderung geben. Die vier Hunde sind ein gutes Gespann und Hector wird hoffentlich einmal so beeindruckend wie Sinchi oder Bombi werden, die Grösse hat er auf jeden Fall schon bald erreicht. Hoffentlich werden wir noch viele Stunden mit den Vieren verbringen können.

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Wir haben noch viel vor

Für unser Bambusprojekt sind die Lagerhalle und die ersten Regale endlich fertig errichtet und wir haben bereits begonnen sie langsam zu füllen. Wir hatten extra ein Becken von 13 Metern gebaut um zwölf Meter Stangen immunisieren zu können, was wir nun auch das erste Mal taten.

Der Riesenbambus (bambú gigante) ist über 20 Meter lang und hat einen Durchmesser von bis zu 25 cm am Fuss. Er wächst auch in unserer Region und bei einigen Familien ist er erntereif. Wir haben uns mit Remigio geeinigt, dass wir zehn Stangen ernten dürfen um so Erfahrung sammeln zu können. Denn Riesenbambus so zu schneiden das er nicht splittert und dadurch unbrauchbar wird, muss gelernt werden. Wir hatten uns zum Glück gute Instruktionen von einem Spezialisten geholt und so ist uns tatsächlich keine Stange kaputt gegangen. Remigio staunte darüber nicht schlecht, denn ihm sind leider alle gesplittert. Wir schnitten den Bambus auf die richtige Länge zu und danach transportierten wir die Stangen per Kanu und zu Fuss bis zum Becken. Das ist einfacher gesagt als es getan war. Zwölf Meter (frischer) Bambus hat ein Gewicht von über 500 kg. Fünf starke Männer brauchte es um die Stangen zu tragen.

Bevor die Stangen ins Becken gelegt werden können, müssen sie zuerst gewaschen und danach durchbohrt werden. Dafür hat Michael extra einen Bohrer XXL von 7 Metern hergestellt in dem er den Bohrer auf ein Armierungseisen schweisste. Zu Dritt werden dann damit die Stangen durchbohrt. Nach diesem Arbeitsschritt müssen die Stangen vom Riesenbambus für 14 Tage im Becken bzw. in der Salzwasserlösung bleiben. Da wir schon einige Erfahrung damit haben sechs Meter Stangen aus dem Becken zu nehmen ist das für uns „einfach“ geworden. Zwölf Meter Stangen sind jedoch etwas anderes und wir haben bei der ersten schon gemerkt, dass wir die Höhe des Daches leider etwas knapp berechnet haben. Wir mussten gut überlegen wie wir die Stangen wieder aus dem Becken rausbringen, so dass kein zu grosser Wasserverlust entsteht. Nach der vierten Stange hatten wir den Dreh raus. Das aufrechte Besonnen geht leider nicht, das hatte sich Mich doch etwas zu einfach vorgestellt. Diese Stangen werden nun liegend besonnt und danach gehen sie ins Regal zum Trocknen.

Wir haben viel gelernt und können nun auf Wunsch zwölf Meter Stangen behandeln und liefern. Wir werden nächsten Monat nochmals zehn Stangen Riesenbambus einkaufen, zum einen um zu üben und zum anderen um einen kleinen Vorrat anzulegen. Wir sind aber auch dabei den Vorrat der sechs Meter Stangen zu erhöhen, vor allem da wir für das nächste Jahr einen Grossauftrag in Aussicht haben. Das alles kostet Geld und unsere Reserven neigen sich dem Ende zu. Da ist uns jetzt im richtigen Augenblick ein Auftrag in den Schoss gefallen, wir dürfen ein kleines Bambushaus bauen. Es ist ein Geschenk von der Mutter von Christine von Steiger an ihren (mittlerweile erwachsenen) Patensohn. Für uns und seine Familie ist es ein Lehrobjekt. Unser Ziel ist es aufzuzeigen, dass man ganz ohne Holz ein Haus bauen kann. Das Budget ist leider nicht so hoch und die Familie die es bekommt, muss unentgeltlich mit helfen. Das machen sie aber gerne. So ist Michi nun am Planen, Rechnen und Vorbereiten – er wird jetzt auch noch „Architekt“. Nein, es wird eine ganz einfache Konstruktion sein die aber trotzdem geplant werden muss.

Wir schreiben so viel über das Bambusprojekt und dabei geht oft vergessen, dass wir ja noch viele andere Projekte am Laufen haben. Wir haben es endlich geschafft die Kakaoplantage fertig aus zu schneiden bzw. zu putzen – sie hatte dringend einen Verjüngungsschnitt nötig. Dabei haben wir sie auch gleich erweitert und ca. 50 neue Kakaobäume gepflanzt. In die Erweiterung der Plantage haben wir auch gleich noch einige Chuncho-Bäume gepflanzt. Das sind Bäume mit gutem Holz die man in zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren ernten werden kann. Die Vanille wächst gut und deshalb überlegen wir uns die Plantage zu vergrössern.

Leider brauchen die Kühe die meiste Aufmerksamkeit und viel zu viel Geld. Der Unterhalt der Weiden braucht viel Zeit und ist sehr teuer geworden. Leider hat der letzte Generalstreik dem Fleischpreis nichts gebracht, er ist noch immer auf demselben Stand wie vor zwölf Jahren. So vieles ist teurer geworden auch Kraftfutter, Mineralsalz, Medikamente und sogar der Transport der Tiere und dies obwohl der Benzinpreis gesenkt wurde. Wir haben unsere Kosten erneut durchgerechnet und sind zum Schluss gekommen, dass wir die Kuhherde verkleinern müssen damit wir weniger Weidefläche brauchen. Wir haben leider fast keine geraden Flächen die einfach und schnell von Unkräutern zu reinigen sind. In der Schweiz würden wir mit unseren Weideflächen wahrscheinlich «Subventionen für Bergbauern» bekommen doch verständlicherweise gibt es so etwas in Ecuador nicht. So haben wir uns schweren Herzens entschieden von elf auf vier Mutterkühe zu reduzieren, der Stier und die Kälber bleiben. Nun sind wir auf der Suche nach Käufern. Einige Kühe sind schon so alt, dass sie mit den jungen Stieren zum Metzger gegeben werden müssen. Da wir nun auf die Zucht von zukünftigen Zuchttieren umstellen behalten wir die vier schönsten und unserer Meinung nach besten Kühe. Wir sind nicht die Einzigen die unter dem Preisdruck leiden, auch unsere Niederländischen Nachbarn sind aus der Milchwirtschaft ausgestiegen. Sie bekamen für die Kuhfladen (als Dünger) mehr Geld als für die Milch. Jetzt haben sie noch ca. elf Tiere die zum einen ein Hobby sind und zum anderen als Düngerlieferant für ihre Vanilleplantage dienen.

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Es ist viel passiert

Lange ist es her seit wir den letzten Beitrag veröffentlichten. Bei uns ist viel los, Joëlle ist seit Mitte August in der Schweiz und Michael managt die Finca alleine.

Der Bau der Trocknungsanlage und des Lagers für unsere Bambusanlage konnten wir bereits abschliessen. Uns fehlen nur noch die Regale und dann ist alles bezugsbereit. Für die Arbeiten haben wir extra einen Meister im Bambusbau angestellt. Peter kommt aus Mindo und wir kennen ihn seit dem Bau in Macas wo César ihm helfen durfte um praktische Erfahrungen zu sammeln. Peter war der Bauleiter und César war seine rechte Hand da César so viel wie möglich von Peter lernen sollte. Dani und William, zwei junge Männer von der Insel Anaconda, waren die Helfer. Beide sind gerade 20 Jahre alt geworden und sind bereits Familienväter. Wir haben mit der Urwaldschule von Christine von Steiger die Abmachung, dass Schulabgänger die keinen festen Job haben bei uns arbeiten dürfen und so praktische Erfahrung sammeln können, Bambusbauten sind schon was Spezielles. So haben sie innert zwei Wochen den Unterbau erstellt und das Dach drauf gesetzt.

Michi konnte leider nicht viel mithelfen da es noch ganz viele andere Arbeiten gab. Wir sind mächtig stolz auf die Halle, vor allem weil wir kein bisschen Holz verwendet haben. Auch bei den Fundamenten haben wir komplett auf Holz verzichtet. Sie bestehen aus mit Zement gefüllten Autoreifen. Als wir im Voraus ankündigten, dass wir den Bau ohne Holz machen werden haben uns einige sehr zweifelnd angeschaut.

Nun konnten wir zeigen, dass es anders und vor allem auch günstiger geht. Gutes Bauholz wird in Ecuador immer seltener und dadurch auch viel teurer. Klar gibt es noch Harthölzer, die stehen aber sehr weit im Wald drin und die rauszuholen ist sehr teuer. Das können sich nur noch Reiche leisten. Wir versuchen der lokalen Bevölkerung gute Alternativen aufzuzeigen und leben diese aus Überzeugung vor.

Die fertige Anlage

Ja und dann hat Michi die Woche eingezogen in der einfach alles schief ging. Maschinen gingen kaputt und alles was er anpackte ging schief. Kühe sind durchgebrannt und haben einen Zaun zerstört als ob da nie einer war. Tja, das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist bekanntlich immer grüner und schmeckt viel besser… aber doch bitte nicht beim Fischteich! Die Kühe haben alle gepflanzten Bäumchen nieder gewalzt. Nichts lief mehr bei Michi und als sich dann auch noch unser neuer Hund Hector vor das Auto warf und er ihn überfuhr war es bei ihm vorbei mit der Zuversicht und dem Glauben an das Gute. Hector hat es zum Glück ohne schwere Verletzungen überlebt, auch wenn das Vorderrad gut zehn Sekunden auf ihm drauf war. Hector hat jetzt natürlich Angst vor Autos und rennt davon wenn eins kommt (was gar nicht so schlecht ist). Zum Glück hat sich Hector nicht schwer verletzt, aber Michis Zuversicht das alles gut wird hat schon sehr darunter gelitten.

Auch bei Joëlle in der Schweiz läuft es gerade nicht so wie erhofft. Dieses Wochenende wollte sie einen Vortrag über unsere letzten zwei Jahre in Ecuador halten mit dem Ziel Spenden zu sammeln. Leider war das Datum von uns sehr unglücklich gewählt, in einigen Kantonen waren noch Ferien und auch sonst waren viele Leute bereits verabredet. Deshalb gab es kein Publikum und der Vortrag wurde abgesagt. Es scheint, als sei Regenwaldschutz im Moment gerade gar kein Thema mehr in Europa. Deshalb müssen wir jetzt, bis wir mit unseren Aktivitäten ein gesichertes Einkommen generieren können, auf Aufforstung und andere Projekte verzichten. Da wir keine Reserven mehr haben beschränken wir uns auf täglich nötige Arbeiten und so können wir, immerhin vorläufig, César weiterhin beschäftigen.

Wie ihr lesen könnt bleibt nicht allzu viel Zeit für einen grossen Beitrag und dafür entschuldigen wir uns. Wir werden sobald alles etwas ruhiger ist wieder einen ausführlicheren Bericht schreiben.

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Visum Teil 2

Der Generalstreik wurde zum Glück nach 18 Tagen aufgehoben. Der Präsident bzw. seine Vertreter haben sich mit den Parteien an einen Tisch gesetzt. Bei einem Punkt wurde sofort eingelenkt, die Spritpreise wurden sogleich um 15 Cent gesenkt. Neu kostet nun eine Gallone Benzin $ 2.40. Um die anderen neun Punkte zu erfüllen hat die Regierung 90 Tage Zeit bekommen. Falls sie nicht innert dieser Frist erfüllt sein werden geht das ganze wieder von vorne los. Mal schauen wie es weiter geht. Bei uns hat sich nach dem Streik fast alles normalisiert und man bekommt auch wieder viele Produkte. Aber es wird schon noch etwas dauern bis wirklich alles wieder erhältlich sein wird.

Hector völlig erschöpft nach einer Klopapier-Party

Der Streik hatte auch Auswirkungen auf Joëlles Visum, die waren aber eher positiv. Da auch in Quito nicht gearbeitet werden konnte verlängerte sich die Eingabefrist beim Amt und so konnte unsere Anwältin alles rechtzeitig einreichen. Michael hatte ja bereits sein Visum erhalten da dafür als Sicherheit unser Land diente welches auf seinen Namen lautet. Joëlles Visum sollte einfach an Michis Visum angehängt werden weil wir ja verheiratet sind. Und dafür brauchte es, wie bereits berichtet, erneut per Express die internationale und apostillierte Heiratsurkunde. Am letzten Montag bekamen wir dann Bescheid, dass wir beide uns am Donnerstag bei der Ausländerbehörde in Quito einfinden müssen um zu prüfen ob wir eine Scheinehe führen. Dafür brauchte Michael aber natürlich schon wieder eine Migrationsbescheinigung der Ausländerpolizei wo drin steht wie oft und wann er ins Land ein- und ausgereist ist. Seine letzte Bescheinigung war nicht mehr gültig denn, wie könnte es auch anders sein, sie war älter als ein Monat. Weshalb dieses Dokument so enorm wichtig ist bleibt für uns ein Rätsel, denn man holt es bei der Ausländerpolizei und bringt es dann der Ausländerbehörde. Also fuhren wir einmal mehr nach Quito hoch. Das dauert ja auch grad mal nur vier bis fünf Stunden (wenn die Strasse in gutem Zustand ist). Für Michael organisierten wir einen Übersetzter der ihm bei der Befragung helfen würde. Die Beamten in Quito haben leider nicht viel Geduld und die Erfahrung zeigte, dass sie Fragen nicht gerne widerholen oder auch nur ansatzweise langsamer sprechen würden. Tatsächlich mussten wir, getrennt voneinander, einen schriftlichen Fragebogen mit 32 Fragen ausfüllen. Da wollten sie dann z.B. wissen was die jeweilige Lieblingsfarbe ist, was der Partner nicht gerne isst, wie die Geschwister heissen, was einem am Partner stört und wann und wo wir uns kennenlernten. Wir mussten sogar beschreiben wie das Haus in dem wir wohnen aussieht, wie viele Zimmer es hat, wie viele Fernseher wir haben und in welchen Zimmern sie sich befinden. Ja wir kamen uns etwas doof vor, vor allem auch deshalb weil die Überschrift des Fragebogens „Ehe von Ecuadorianern mit Ausländern“ hiess. Die Beamtin schaute die Fragenbögen kurz zwei Minuten durch und dann endlich bekam Joëlle ihr Visum. jetzt sind wir beide wieder legal in Ecuador, denn unsere Visa waren am 2. Juni abgelaufen. Nun steht aber schon der nächste Bürokratiewahnsinn an. Die Cédula (Identitätskarte) sollte theoretisch innert 20 Tagen nach Bewilligung des Visums gemacht werden. Tja Michael hat seinen Termin am 23. August beim Zivilstandsregister, um da einen Termin zur Erneuerung der Cédula zu beantragen. Hä? Genau: beim diesem Termin wird nur die Richtigkeit des Visums (welches man ja gerade vom Ausländeramt erhalten hat) und der erneut einzureichenden Dokumente geprüft. Joëlle hat ihren Termin übrigens erst am 16. September. Ja wir werden noch viel Zeit, Geld und Nerven brauchen bis wir alles haben.

Michi schweisst das Tor

Michael hatte noch vor dem Streik mit der Konstruktion eines Tors für die Bambusanlage begonnen. Leider musste das auch warten da wir nicht alle Materialien besorgen konnten. Nun ist es aber fertig und Michael ist mächtig stolz darauf, er hat es von A – Z selber gemacht und es sieht wirklich super aus. Natürlich musste er schon einige Leute um Rat bitten, besonders Thomas sein Bruder der Schlosser ist. Aber es ist ja schliesslich auch Michaels erstes selber konstruiertes Tor.

Diese Woche hatten wir zwei Mal Besuch von Gruppen aus Gemeinden in der Nähe von Tena. INBAR (International Bamboo and Rattan Organisation) hat das mit dem Ziel eines interkulturellen Austauschs organisiert. INBAR ist eine weltweit tätige Organisation die den Anbau und die Verarbeitung von Bambus und Rattan fördert. Der Chef von INBAR Tena war schon einmal privat bei uns zu Besuch und war sehr begeistert von unserm Konzept. Er findet unsere vielen kleinen aber nachhaltigen Projekte super. Sie fragten uns an ob wir unsere Modellfarm, den Schutzwald und natürlich unser Bambusprojekt vorstellen würden. Es kamen zwei Gruppen von je 15 Personen. Jaime, der Waldhüter von Selva Viva hat die Wald Tour gemacht und César hat unsere Finca und unsere Projekte vorgestellt. Da sowohl die Teilnehmer als auch unsere Mitarbeiter alle Kichwa sprechen, konnte der komplette Anlass in Kichwa durchgeführt werden. Für uns war es sehr erstaunlich, dass die Hälfte der Teilnehmer noch nie im Primärwald war und so einen Teil ihrer eigenen Natur kennen lernten. Zum Abschluss der jeweiligen Besuche hat uns Hilda, die Frau von César, ein typisches Mittagessen zubereitet. Es gab Fisch im Bananenblatt mit Yuca und Kochbanane. Die Teilnehmer waren allesamt begeistert und wir werden nächste Woche nochmals zwei Gruppen begrüssen dürfen. Viel verdienen wir dabei leider nicht, aber wir haben jetzt zumindest „einen Fuss in der Türe“ bei INBAR und wer weiss vielleicht fragen sie uns ja erneut an. Dann werden wir sicher nochmals über den Preis verhandeln. Aber für uns ist es vor allem wichtig anderen Leuten zu zeigen wie es auch anders gehen kann und ihnen neue Ideen mit auf den Weg zu geben.

César erklärt der Gruppe die Bambuskonstruktion unserer Hühnervilla
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Generalstreik – mittendrin und live dabei

Bereits im letzten Blog haben wir über den Generalstreik in Ecuador geschrieben. Mittlerweile sind fast zwei Wochen vergangen und ein Ende ist leider noch nicht in Sicht. Der Streik betrifft das ganze Land aber er wirkt sich am stärksten in sechs Provinzen aus. Eine davon ist unsere Provinz Napo wo es bis jetzt zum Glück noch recht friedlich zu und her geht. Seit einer Woche ist Tena komplett abgeschlossen. Dies zum einen weil alle Zufahrtsstrassen blockiert sind aber zum anderen auch weil die angrenzenden Provinzen ebenfalls blockiert werden. Laut Medienberichten sind zehntausende Indigene an den Protesten beteiligt. Leider sind nicht alle freiwillig dabei und stehen nicht unbedingt hinter ihrem Anführer. Wie kann das sein, haben wir uns gefragt. Sie werden regelrecht gezwungen. In einer unserer Nachbargemeinden sind Kleintransporter eingefahren welche die Leute zwangen mitzukommen. Falls sich die Leute weigern sollten bekommen sie Bussen von ihren Organisationen und werden in Zukunft von sozialen Anlässen ausgeschlossen.

Immerhin sind die Organisatoren so fair, dass immer mind. eine männliche Person zuhause bleiben darf um Arbeiten weiterzuführen und das Haus zu beschützen. So wurden tausende Personen, teils gegen Ihren Willen, nach Quito gefahren. Da diese Leute weit weg von zuhause sind führte dies zu chaotischen Zuständen und Vandalismus bis hin zum Abbrennen von Polizeistationen und sehr gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Toten und vielen Verletzten.

Foto: Ecuador Willana

Von unseren Mitarbeitern wissen wir, dass sich die Leute in Ahuano und auf der Insel Anaconda „verstecken“ weil sie nicht abgeholt werden wollen. In Tena begannen die Proteste erst diese Woche. Die Protestierenden kommen alle aus der Region und somit befinden sie sich in ihrer eigenen Provinzhauptstadt. Sie stehen nicht alle hinter der CONAIE (Dachorganisation der indigenen Völker Ecuadors) und auch nicht hinter allen Forderungen. So kommt es, dass gestern in Tena das Gebäude der Provinzregierung eingenommen wurde aber dies auf sehr friedliche Art. Die Protestierenden haben sich vor dem Gebäude aufgestellt um es einzunehmen und die Polizei ist einfach zur Seite getreten. Die Protestanten sind aber nicht ins Gebäude eingedrungen sondern warten friedlich vor dem Gebäude auf die Regierung. Die Blockaden haben leider zur Folge, dass seit zwei Wochen weder frische Lebensmittel noch Benzin nach Tena durchkommen. Wenn dann doch ein kleiner Laster durchkommt, der natürlich bei jeder Blockade Bestechungsgeld zahlen musste, führt dies zu extrem hohen Preisen. So kostete gestern eine Lage Eier (30 Stück) sechs bis acht Dollar, der normale Preis wäre ca. drei Dollar. Dies wiederum schürt den Unmut der Bewohner Tenas gegen die Streikenden.

Auch wir können natürlich nicht mehr nach Tena, da es ja komplett abgeriegelt ist. So leben wir noch von unseren letzten Vorräten die wir hier haben. Das Arbeiten bei uns wird auch schwieriger, da wir keine Materialien mehr für die Konstruktionen beziehen können. Somit steht jetzt alles still und wir erledigen die täglichen Arbeiten soweit das möglich ist. Zum Glück hatten wir vor vier Wochen unseren letzten Kakao geerntet. Den könnten wir ja jetzt nicht mehr verkaufen und er würde hier einfach verrotten. Ab Montag können wir keine zusätzlichen Arbeiter mehr anstellen, da wir kein Geld und zu wenig Lebensmittel für das Mittagessen im Haus haben. Nicht nur wir haben keine Arbeit mehr, sämtliche Bauarbeiten mussten eingestellt werden. Es ist ein Teufelskreis, wegen der Blockaden ist der erst seit kurzem wieder aufkommende Tourismus erneut komplett weg was wiederum zu Lohnausfall führt. Das Wenige was es noch gibt kann sich fast niemand mehr leisten, es gibt kein Öl, Reis, Zucker usw. mehr. Tatsächlich gibt es jetzt sogar noch weniger als während des Lockdowns in der Corona Krise.

Trotzdem steht bei uns nicht ganz alles still. Diese Woche starteten wir den Versuch einer natürlichen Immunisierung von Bambus (Caña Boracha). Rund 40 Bambusstangen wurden präpariert um eine natürliche Fermentation in Gang zu setzten.

Die Immunisierung im Becken ist wegen des Streiks jetzt nicht mehr möglich da wir dafür Arbeiter bräuchten, César und Michi können das alleine nicht machen. So erledigen wir hier draussen unsere täglichen Arbeiten und geniessen dabei die Ruhe. Da es kein Benzin mehr gibt hat es keinen Verkehr auf der Strasse, keine Kanus und keine Flugzeuge. Man muss es ja doch auch etwas positiv sehen. Aber keine Sorge, wir werden nicht verhungern. Unsere Vorräte an Lebensmitteln reichen noch ein Weilchen und sollten sie aufgebraucht sein können wir von den Familien um uns herum Yucca, Bananen, Ananas und andere Früchte kaufen. Eier haben wir genug, dank unsere Hühner. Das Hundefutter könnte etwas knapp werden, aber zum Glück haben wir ja unseren Fischteich. Davon können sowohl wir als auch die Hunde essen. Ach, und Bier haben wir auch noch.

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Visum Teil 1 und Generalstreik

Da wir bereits seit fast zwei Jahren zurück in Ecuador sind, mussten bzw. müssen wir uns gerade um eine permanente Aufenthaltsbewilligung kümmern. Das bedeutet einmal mehr unzählige Behördengänge und das Beschaffen von Dokumenten die allesamt bereits vor zwei Jahren fürs erste Visum und letztes Jahr für unsere Ecuadorianischen Identitätskarten eingereicht wurden. Selbstverständlich müssen alle einzureichenden Dokumente notariell beglaubigt und apostilliert sein und sie dürfen auf keinen Fall älter als ein Jahr sein. Und leider hat uns die Erfahrung gelehrt, dass man einen solchen Antrag nicht ohne Anwalt durchbringt. Das Beschaffen der Dokumente und die Honorare der Notare und des Anwalts kosten Unmengen von Geld. Weil wir schon viel Erfahrung mit Ecuadorianischen Behörden haben, reichten wir recht früh den Antrag für das „Visa permanente“ ein. Damit begann ein monströser bürokratischer Prozess der an Absurdität kaum übertroffen werden kann. Als erstes mussten wir gemeinsam nach Quito um persönlich je einen Antrag bei der Ausländerbehörde einzureichen. Unsere Anwältin hatte uns eine lange Liste von benötigten Dokumente geschickt und wir dachten wir hätten alles beisammen. Doch es stellte sich heraus, dass der Kontoauszug unseres gemeinsamen Bankkontos jeweils auf den Namen von Joëlle und von Michi lauten musste. Dies aber wurde uns erst nach drei Stunden warten und nur einer guten Stunde vor Schalterschluss mitgeteilt. Da man im Online Banking nur Auszüge von max. drei Monaten ausdrucken kann, die Behörde aber einen von der Bank gestempelten und unterschriebenen Auszug eines ganzen Jahres will rannten wir los zur nächstgelegen Filiale unserer Bank. Was für ein Schreck als wir sahen, dass dort um die hundert Personen vor und in der Bank drin am Anstehen waren. Doch die Anwaltsgehilfin hat es irgendwie fertig gebracht, dass wir es bis in die Bank rein schafften. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir endlich an der Reihe um einen Bankauszug auf Michis Namen zu beantragen. Mittlerweile war es zehn Minuten vor Schalterschluss der Ausländerbehörde und wir joggten dorthin zurück. In der letzten Minuten schafften wir es ins Gebäude rein und gnädiger Weise nahm die zuständige Sachbearbeiterin unsere Dossiers trotz des „Feierabends“ noch entgegen. Obwohl wir die original Landpapiere und die original Zahlungsbelege der Landsteuern dabei hatten, teilte sie uns mit sie benötige diese nicht. So kehrten wir am nächsten Morgen etwas erschöpft aber zufrieden zurück nach Hause. Doch bereits am nächsten Tag erhielten wir die Aufforderung die original Landpapiere und die original Zahlungsbelege der Landsteuern nachzureichen. Dies mit einer Frist von 20 Tagen. Da wir natürlich nicht die Originale „verlieren“ wollten mussten wir beim Notar beglaubigte Kopien in zwei Ausführungen (jeweils für Joëlles und Michis Dossier) per Express beantragen. Hat ja auch grad nur schlappe 280 Dollar gekostet. Nachdem unsere Anwältin diese Dokumente nachreichte erhielt Michi nach zwei Tagen die Bestätigung, dass sein Visum bewilligt wurde. Wir überwiesen der Anwältin die Visumsgebühr, damit sie diese persönlich beim Amt bezahlen würde. Denn eine Banküberweisung an die Ausländerbehörde ist leider nicht möglich und die Zahlungsfrist beträgt drei Tage. Als sie die Zahlung am nächsten Tag tätigen wollte wurde ihr mitgeteilt, dass nur und ausschliesslich der Antragsteller bezahlen darf. So musste Michi noch am gleichen Tag nach Quito fahren um am nächsten Tag persönlich die Gebühr zu zahlen.

Joëlles Visum ist an Michis Visum „angehängt“. Das bedeutet, dass wir zwar je ein Dossier einreichen mussten aber schlussendlich alles an Michis Visum hängt. Wir sind ja bekanntlich verheiratet und das steht auch so auf unseren Identitätskarten. Dennoch müssen wir dies erneut mit internationalem und appostiellierten Eheschein der nicht älter als ein Jahr alt sein darf nachweisen. Wir hatten die gleiche Situation bereits letztes Jahr als wir unsere Identitätskarten beantragt hatten. Also bemühten wir wie letzes Jahr die liebe Frau Wirthlin vom Standesamt in Laufenburg den Eheschein per super express auszustellen und appostillieren zu lassen. Wie letztes Jahr funktionierte die Abwicklung extrem schnell und unbürokratisch. Und wie letzes Jahr wurde der Eheschein an den lieben Jürg geschickt der wiederum wie letztes Jahr das Dokument per DHL an die schweizer Botschaft schickte. Und wie letzes Jahr hier ein SUPERDUPEREXTRAGROSSES Dankeschön an Frau Wirthlin und Jürg für ihre Hilfe. Der Eheschein muss auf der Ecuadorianischen Zivilstandsbehörde und nicht beim Ausländeramt registriert werden. Jedoch machen die das nicht einfach so, dazu benötigt man einen Termin und dieser Termin übersteigt die Frist der Ausländerbehörde für das Einreichen der Bestätigung der Registrierung der Ehe bei der Zivilstandsbehörde. Wohlwissend was noch auf uns zu kommen würde haben wir bereits vor zwei Wochen eine notariell beglaubigte Vollmacht für unsere Anwältin ausstellen lassen. Mit dieser Vollmacht darf sie uns jetzt offiziell bei der Zivilstandsbehörde und beim Ausländeramt vertreten und sämtliche Dokumente und Anträge in unserem Namen einreichen. Ironischerweise mussten wir gemeinsam zum Notar da wir ja verheiratet sind und wir nur gemeinsam eine Vollmacht für unsere Angelegenheiten bei der Zivilstandsbehörde und beim Ausländeramt erstellen dürfen die ja aber wiederum nicht glauben, dass wir verheiratet sind weil die Eheurkunde ja erst mal registriert werden muss. So kommt es, dass Michi sein Visum bereits seit etwas mehr als zwei Wochen hat, aber Joëlle noch darauf wartet. Die Frist für das Nachreichen der Bestätigung der Zivilstandsbehörde ist abgelaufen aber Dank der Vollmacht konnte unsere Anwältin eine Fristverlängerung beantragen. Ob diese akzeptiert wurde wissen wir nicht, aber wir hoffen darauf, dass in diesem Fall keine Nachrichten guten Nachrichten sind.

Nach Bewillungung des Visums hat man normalerweise 20 Tage Zeit um eine neue Identitätskarte zu beantragen. Aber dafür benötigt man eben auch wieder einen Termin. Noch am gleichen Tag als Michi nach Quito fuhr um die Visagebühr zu bezahlen hat er einen Termin beantragt den er auch bekommen hat. Allerdings ist der nächste freie Termin erst am 23. August. Unsere jetzigen Identitätskarten sind nur bis am 12. Juli 2022 gültig. Ebenfalls nur bis zu diesem Datum sind auch unsere ecuadorianischen Führerscheine gültig. Wir haben noch einen langen, anstregendenden und nur halb legalen Weg (da Joëlle im Moment kein Visum hat und unsere Dokumente bald ablaufen werden) vor uns.

Strassenblockade – Bild: Canalabierto

Diesen Montag wurde von der CONAIE (Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador) ein landesweiter unbegrenzter Streik ausgerufen. Die CONAIE ist Dachorganisation aller indigenen Völker Ecuadors. Diese Organisation hat vor mehr als einem halben Jahr zehn Punkte die sie erfüllt haben wollen beim neuen Präsidenten eingereicht. Bei den zehn Punkten handelt es sich um folgendes:

  1. Senkung und kein weiterer Anstieg der Kraftstoffpreise.
  2. Moratorium von mindestens einem Jahr und Neuverhandlung der Schulden mit Senkung der Zinssätze im Finanzsystem. Nein zur Pfändung von Vermögenswerten wie Häusern, Grundstücken und Fahrzeugen bei Nichtzahlung.
  3. Gerechte Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse.
  4. Beschäftigung und Arbeitsrechte
  5. Ein Moratorium für die Ausweitung des Bergbaus und der Erdölförderung
  6. Achtung der kollektiven Rechte: Interkulturelle zweisprachige Erziehung, indigene Gerechtigkeit, freie, vorherige und informierte Konsultation, Organisation und Selbstbestimmung der indigenen Völker.
  7. Stoppen der Privatisierung strategischer Sektoren (Banken, Wasserkraftwerke, Sozialversicherung, Telefon und Internet, Strassen, Gesundheit, u.a.).
  8. Preiskontrollpolitik und Spekulation auf dem Markt für Grundbedarfsartikel.
  9. Dringende Haushaltsmittel zur Behebung des Arzneimittel- und Personalmangels in den Krankenhäusern. Gewährleistung des Zugangs zu höherer Bildung für junge Menschen und Verbesserung der Infrastruktur in Schulen, Hochschulen und Universitäten.
  10. Sicherheit, Schutz und Schaffung wirksamer öffentlicher Massnahmen, um die Welle der Gewalt, der Auftragsmorde, der Kriminalität, des Drogenhandels, der Entführungen und des organisierten Verbrechens zu stoppen.

Leider hat der Präsident nicht auf die Forderungen reagiert und einen Dialog verweigert. Und wie es in Ecuador nun mal läuft, ist das letzte Mittel sich Gehör zu verschaffen das ganze Land lahm zu legen. Allerdings scheinen nicht alle am Streik teil zu nehmen. In Tena ist davon nicht viel zu spüren, ausser dass die Tanklastwagen von der Küste nicht an den Strassebarrikaden vorbeikommen und es im Moment deshalb kein Benzin mehr gibt. Da wir nicht wissen wie lange der Streik dauern wird, haben wir uns mit unseren holländischen Nachbarn auf eine Fahrgemeinschaft für die Wocheneinkäufe geeinigt. Das bedeutet, dass jeweils eine Woche wir fahren und die andere sie. Sie und wir haben zum Glück noch je fast einen vollen Tank und so können wir während mehrer Wochen sicherstellen, dass wir zu Lebensmitteln kommen und auch im Falle eines Notfalls ein Fahrzeug zur Verfügung stehen wird.

Strassenblockade mit brennenden Reifen in Puyo – Bild: Telesur

Leider ist der Zeitpunkt eines solchen Streiks extrem schlecht gewählt. Denn jetzt wo endlich Lockerungen betreffend der Coronamassnahmen stattfanden gab es wieder vermehrt Tourismus. Gerade unsere Region ist extrem darauf angewiesen. Doch wegen der Barrikaden und des fehlenden Benzins können die Touristen kaum reisen und so bleibt erneut der Tourismus und damit verbundene Einkünfte aus. Wir können durchaus verstehen und auch nachvollziehen, dass einige der Forderungen dringend nötig sind. Aber auf der anderen Seite sehen wir eben auch, dass sie sich mit dem Streik vor allem selbst schaden.

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Baggermangel in Tena

Heute Mal was Anderes zum Anfang. Im Napo Fluss gibt es bekanntlich viel Gold und da der Goldpreis in den letzten Jahren stark gestiegen ist lohnt es sich nun auch das Gold abzubauen. So entstand ganz in der Nähe von Tena ein unvorstellbar grosses Abbaugebiet am Rio Napo, wo man mit Baggern die Ufer und angrenzendes Land abgetragen hat umso an das Gold zu kommen. Die Bevölkerung hat während mehrerer Monate immer wieder dagegen protestiert. Es wurde kurzerhand auch einfach bewirtschaftetes Land umgebaggert und hat so viele Leute von ihrem zu Hause vertrieben. Da das ganze illegal war, und schon seit 2018 keine Lizenzen mehr für den Abbau von Gold vergeben werden, wurden leider auch Chemikalien wie Quecksilber eingesetzt. Das hat dann auch Umwelt Organisationen und die Presse auf den Platz gerufen. Der Druck auf die Behörden wurde schlussendlich zu stark. In einer grossangelegten Aktion sind das Militär und die Polizei auf gefahren und haben die Mine geschlossen. Vorgängig wurde weiträumig alles abgesperrt (ca. drei Quadratkilometer) und dann fand der Zugriff statt. Sämtliche Maschinen wurden beschlagnahmt und alle Anwesenden wurden verhaftet, auch wenn sie nur für gerade einen Tag ins Gefängnis mussten. Während drei Wochen wurde das beschlagnahmte Material abtransportiert und auf dem Polizeigelände geparkt. Es waren mehr als 150 Bagger, über 20 grosse und unzählige kleine Waschanlagen. Der Parkplatz war so voll, dass wir das Ausmass nicht auf ein einzelnes Foto gebracht haben. Mit der Drohne durften wir kein Foto machen da wir nicht von der Presse sind.

Nun hat es in der Provinz Napo zu wenig Bagger, weil jeder der keinen Bauauftrag hatte da am Goldwaschen war. Wenn man jetzt einen Bagger braucht muss man lange warten bis er kommt, denn um einen Bagger auszulösen muss man tief in die Taschen greifen. Zwischen 20`000 bis 30`000 Dollar kostet das Auslösen, das ist hier extrem viel Geld. Alle Maschinen die nicht innerhalb von zwei Jahren ausgelöst sein werden, werden dann versteigert. Solange stehen sie einfach rum und rosten vor sich hin. Es gibt immer noch viele kleine illegale Minen entlang des Napos. Die werden aber von Familien betrieben und dort wird von Hand abgetragen und häufig wird kein Quecksilber eingesetzt. Denn dafür haben die Meisten kein Geld und so ist der Schaden an der Umwelt auch nicht ganz so gross.

Der Jaguar geht bei uns um und macht die Kühe sehr nervös. Als Michael letzte Woche unsere Kühe kontrollieren ging stellte es fest, dass sie alle sehr dicht beieinander standen. Sie waren auf der hintersten Weide direkt am Waldrand. Obwohl es noch genügend Grass hatte, wollten sie nicht da bleiben. Michael war etwas irritiert wegen ihres Verhaltens. Auf dem nachhause Weg nahm er die Wildkameras mit die um die Weide herum platziert waren. Beim Auswerten der Fotos wurde ihm klar warum die Kühe so nervös waren. Nur vier Stunden zuvor hatte die Kamera einen Jaguar aufgenommen und das nur 100 Meter neben der Kuhweide. In den letzten vier Wochen wurden die Kameras dreimal durch den Jaguar ausgelöst.

Jaguar ganz in der Nähe unserer Kühe

Normalerweise zieht ein Jaguar herum und bleibt nicht so lange am gleichen Ort. Warum er nun so lange da ist wissen wir nicht, wir können nur spekulieren. Vielleicht blieb er länger weil es wieder mehr Wild bei uns hat.

Der Jaguar ist sogar am Tag unterwegs

Auf Grund der Kameraauswertungen wissen wir, dass der Wildbestand in den letzten Monaten zugenommen hat. Es wurden auch vermehrt seltene Tiere aufgenommen wie zum Beispiel Tayra, Tamandua (Kleiner Ameisenbär) oder auch Krabbenwaschbären. Uns freut es sehr wenn der Wald wieder anfängt zu leben und unsere Kühe sind zum Glück noch alle da. Ja, in der Schweiz haben die Schäfer es mit dem Wolf zu tun und wir hier mit dem Jaguar.

Krabbenwaschbären

Unser Bambus Projekt nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir müssen auch sicherstellen, dass wir in Zukunft zu genügend Bambus kommen. Wir können uns da nicht nur auf die einheimische Bevölkerung verlassen. Darum haben wir einen Vertag mit unseren Niederländischen Nachbarn gemacht. Sie haben ca. drei Hektaren Bambus den wir für die nächsten vier Jahre ernten können. Diese Woche haben wir das erste Mal geerntet. Der Bambus wächst direkt an einem Fluss der in den Arajuno mündet der wiederum vor unsere Haustür vorbei fliesst. So haben wir kurzum die geschnittenen Stangen zu Flössen zusammen gebunden und sind den Fluss runter getrieben.

Touristen zahlen viel Geld dafür sich mal auf einem Floss den Fluss runter treiben zu lassen. Mal schauen ob wir das nächste Mal zahlende Begleitung finden. So sind nun die nächsten 65 Bambusstangen im Becken und wir fangen langsam an einen Grundstock an immunisiertem Bambus anzulegen.

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Das Bambusbecken ist in Betrieb

Letze Woche war es endlich soweit, dass wir unser Becken für die Immunisierung von Bambus in Betrieb nehmen konnten. Es hat viele Arbeitstage und noch mehr schlaflose Nächte gebraucht bis es endlich so weit war. Uns ist eine schwere Last von den Schultern gefallen als wir das gefüllte Becken sahen. Michi hat sich so sehr gefreut, dass er beim rumalbern hingefallen ist und sich einige Schürfwunden und Prellungen zu zog. Aber alles war nur halb so schlimm, er hatte mal wieder Glück im Unglück. Ja, das passiert halt wenn man das Gefühl hat noch zwanzig zu sein.

Bambusanlieferung

Bis eine Stange ins Becken eingelegt werden kann sind einige Arbeitsschritte nötig. Zuerst müssen sie Stangen gewaschen werden, danach werden sie auf die richtige länge zugeschnitten und dann müssen sie noch durchbohrt werden. Man muss alle Kammern öffnen, so dass der Bambus nicht an der Oberfläche schwimmt und die Boraxsalzlösung in die Stange reinfliessen kann. Damit die osmoseartige Wirkung (Austausch von Stärke mit Borax) erzielt wird muss sich der ganze Halm unter Wasser befinden. Das durchbohren von sechs Meter langen Stangen ist eine Herausforderung, Michi hat dafür extra einen dreieinhalb Meter langen Bohrer zusammen geschweisst.

Widinson und César durchbohren die Bambushalme

Wenn alle Schritte durchlaufen sind kommen die Stangen für fünf bis zehn Tage, je nach Dicke der Kammerwände, in die Salzwasserlösung. Jeder Schritt wird jetzt mit der «Stoppuhr» gemessen damit wir den Arbeitsaufwand für eine Stange berechnen und so auch einen Verkaufspreis kalkulieren können.

Nach dem Immunisierungsbad geht der Bambus in die Besonnungsanlage, da wechselt er die Farbe von Grün auf Braun, eine erste Trocknung findet schon statt. Anschliessend werden die Stangen im Trocknungsraum gelagert wo sie einfach noch etwas rumliegen. Unsere Trocknungsanlage bzw. Lagerhalle werden wir mit dem ersten selber immunisierten Bambus bauen. Bis dahin nutzen wir ein Provisorium gleich neben dem Becken.

Leider zeigt der Krieg in der Ukraine auch hier seine Auswirkungen. Wir hatten Kaufzusicherungen für Bambus von zwei Bauprojecken. Diese Projekte sind aber bis auf weiteres auf Eis gelegt worden da jetzt die Finanzierung aus Europa fehlt. Mit dem Bau sind wir ein hohes Risiko eingegangen und haben unsere letzten finanziellen Reserven reingesteckt. Da wir aber das einzige, fix gebaute, 13 Meter Immunisierungsbecken von ganz Ecuador-Amazonien haben stehen die Chancen trotzdem gut in den Markt zu kommen. Joëlle bemüht sich mit verschiedenen Organisationen in Kontakt zu treten und uns so bekannt zu machen. Als wir mit dem ersten Einkauf von den ersten 100 Stangen begonnen haben sind nur wenige Tage später viele Familien auf uns zu gekommen um Bambus zu verkaufen. Es hat sich sehr schnell rumgesprochen und wir könnten tatsächlich tausende von Stangen kaufen. Leider müssen wir momentan die Familien auf später vertrösten. Wir erklären ihnen aber dennoch wie sie ihre Bambushaine pflegen sollten, so dass wir ihn dann später kaufen können. Wir kaufen nur guten, zur richtigen Zeit frisch geernteten, Bambus weil wir viel Wert auf gute Qualität legen. Die hohe Qualität wird dann auch unser Verkaufs Argument sein.

Die letzte Woche haben wir Holz verkauft. Der starke Regen hatte die Böden so sehr aufgeweicht, dass gleich fünf Pigüe Bäume die an der Strasse standen umzufallen drohten. Pigües sind Sekundärbäume aus deren Holz man Kisten oder Verschalungsbretter herstellt. Wir haben uns entschieden sie zu fällen bevor sie umfallen und so keinen Nutzen mehr haben werden. Viel verdient man aber nicht damit. Immerhin wurden unsere Kosten gedeckt und zwei Personen hatten für drei Tage Arbeit.

Yuma hilft bei der Kakaoernte

Die Kakaoernte ist in vollem Gange und wir konnten wieder über 100 kg ernten. Wir werden sicher noch drei bis vier Mal ernten können. Danach müssen wir die Bäume richtig zurück schneiden um nächstes Jahr mehr Ertrag erzielen zu können. Unsere Mittarbeiter können es jetzt schon kaum glauben, dass wir so viel ernten ohne Chemie einzusetzen.

Uriel und Café au Lait

Unsere Kuh „Café au Lait“ hat ihr erstes gesundes Kalb geboren. Sie hatte letztes Jahr leider eine Todgeburt, vermutlich weil sie noch zu jung war. Darum hielten wir sie die letzten Wochen ganz besonders im Blick. „Uriel“ ist ihr erstes Kalb und sie macht es hervorragend. Sie liess den Kleinen in den ersten fünf Tagen nicht aus den Augen, wenn er sich ausruhen musste stand sie daneben und beschützte ihn. Nicht so wie die anderen erfahreneren Kühe die Ihr Junges ins Gebüsch legen und dann einfach fröhlich weiter Grasen gehen. Der Kleine wächst schnell und sie lässt ihn jetzt auch schon mit den andern Kälbern rumtollen.

Uriel

Letzte Woche haben wir erneut eine alte Plantage aufgeforstet. Wir liessen das Gelände bewusst ein Jahr zuwachsen. Jetzt haben wir Wege frei gemacht, so dass wir im Schatten der Sekundärbäume die über hundert Primär- und Fruchtbäume pflanzen konnten. Da unsere Pflanzenschule immer grösser wird konnten wir ein breit gefächertes Sortiment auspflanzen und hoffen so eine bessere Durchmischung einzubringen. Wir haben trotz der vielen Arbeit mit dem Bambusprojekt die Grundidee des Waldschutzes durch Aufforstung nicht vernachlässigt.

Aufladen der Pflänzchen zum Transport für die Aufforstung
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Unsere ersten Fische

Wir haben vor rund einem dreiviertel Jahr einen grossen Fischteich angelegt und zwei verschiedene Arten von Fischen eingesetzt. Im Februar wollten wir wissen wie gross sie mittlerweile sind. Dazu mussten wir sie erst mal fangen und das ist einfacher gesagt als getan. Michael hatte eine Idee für ein „Schleppnetz“. Also kauften wir ein Netz und zogen es dann durch den Teich. Beim ersten Mal war nichts drin und beim zweiten Mal auch nicht. Ja Tilapias und Schwarze Pakus sind Fische die sich bei Gefahr am Grund in den Schlamm eingraben, da kannst du es mit einem Schleppnetz vergessen… Deshalb musste eine andere Lösung her. Michael baute aus dem Netz einen Fischergalgen, der tatsächlich auch funktionierte. Die Fische waren aber zu klein und wir liessen natürlich den ganzen Fang wieder zurück ins Wasser. Am Gründonnerstag war es dann soweit und wir wollten frischen Fisch zum Mittagessen unseren Mittarbeiter servieren. Der Galgen hat beim ersten Hochziehen gut funktioniert. Die Pakus sind jetzt genug gross zum Essen und Verkaufen. Die Tilapias sind aber leider noch zu klein.

Als wir das zweite Mal das Netz des Galgens hoch zogen waren da zwar Fische drin aber nur die kleinen Tilapias. Wir haben es noch mehrmals versucht aber jedes Mal ohne Erfolg. Tilapias sind anscheinend etwas dümmer als die Pakus. Es musste also eine andere Lösung her. César liess sich von seinen Kindern sein Wurfnetz bringen und wir probierten es auch sofort aus. Michael kann zwar mit einem kleinen Wurfnetz umgehen aber das von César hat einen Durchmesser von drei Metern. Das Fischen mit einem so grossen Netz muss gelernt sein. Nach dem Wurf vom Profi waren über 40 Fische im Netz.

Erfolg mit dem Wurfnetz

Das Beste, es waren alles Pakus drin. Tja, zwei Fischarten die man mit zwei verschiedene Methoden fangen muss. Wir assen die ersten Fische aus unserm Teich und er hat super lecker geschmeckt.

So konnten wir auch schon unsere ersten Fische verkaufen. Man lernt bekanntlich nie aus und wir haben wieder einmal viel dazu lernen können.

Fischverkauf

Über die Blattschneider Ameisen haben wir ja schon einmal berichtet. Die faszinierenden Plagegeister sind einmal mehr über unsere Jamaikas (Hibiscus) hergefallen und haben sie innert einem Tag kahl geschnitten. Michael hat sich gleich auf die Suche nach ihrem Bau gemacht aber nichts gefunden. Am nächsten Tag haben sie sich die Badeas vorgenommen, ja vorgenommen… Es gibt nicht viele Fressfeinde der Blattschneider Ameisen aber genau rechtzeitig tauchte eine Armee von Militär- bzw. Wander Ameisen auf. Militär Ameisen gehören zur Familie der Legionärs Ameisen und sind reine Fleischfresser. Sie haben kein festes Nest und laufen immer vom Hunger getrieben auf Futtersuche durchs Land. Es sind Millionen von Ameisen die im strengen Regiment daher kommen.

Auch da gibt es verschiedene Ameisen, von der Königin über die Soldaten, den Eierträgern bis hin zu den Wachen. Die letzteren sind die Schlimmsten. Sie haben rund zwei Millimeter grosse Zangen am Kopf mit denen sie sich an allem was sie bedroht festzwicken. Man kann sie nicht einfach abstreifen, nein man muss sie regelrecht ausfädeln.

So eine Armee läuft auf einer Fläche von 10 x 50 Metern in eine Richtung und frisst alles in ihrem Weg auf. Was zu gross ist wird vertrieben. Sie sind super nützlich und sie haben auch den Blattschneider Ameisen innert Minuten den Gar ausgemacht aber wir konnten uns nicht mehr richtig bewegen. Wir hofften einfach, dass sie nicht ins Haus kommen. Naja, wir hätten dann keine Insekten mehr darin gehabt aber leider auch keine Geckos und andere Nützlinge und leider auch die Schweinerei die sie hinterlassen. Sie fressen alles bis zu der Grösse einer Ratte. So schnell wie sie kommen so schnell sind sie auch wieder weg. Jetzt hat es keine Insekten und Kleintiere mehr in unserem Garten und das bedauern unsere Hühner sehr.

Mit unserem Bambusprojekt geht es jetzt endlich in die Produktionsphase. Wir haben letzte Woche die Böden fertig zementiert und sind nun bereit Bambus einzukaufen. Es muss schon noch einiges getan werden, das können wir aber erst machen wenn wir Bambus haben um so gleich von Anfang an alles richtig und praktisch zu bauen.

Es gibt noch einiges zu tun

Diese Woche besuchten wir Personen die uns Bambus verkaufen wollen. Wir haben uns angeschaut ob die Qualität des Bambus stimmt und haben ihnen auch erklärt wann sie ihn ernten sollen und auf was sie achten müssen.

Besuch bei Mishu, unserem Nachbarn

Das Ernten von Bambus ist ein wichtiger Faktor für die Qualität. Man darf Bambus nur bei rückläufigem Mond schneiden. So hat es weniger Wasser in den Halmen und die Fasern sind härter. Wir mussten uns natürlich auch noch auf einen Preis einigen. Gute Qualität hat seinen Preis. Wir werden für eine sechs Meter lange Stange, auf Platz geliefert, 3 USD bezahlen. Für den ersten Versuch haben wir 100 Stangen bestellt die nächste Woche geerntet und geliefert werden und dann können wir endlich loslegen. Der erste Bambus wird dann auch gleich für unsere Lagerhalle gebraucht werden. Die wollen wir aus Bambus bauen um so zeigen zu können, dass man mit Bambus richtig gut bauen kann.

Bambushain

Die Kakaoernte ist in vollem Gange und wir haben bereits weitere 100 kg Bohnen geerntet. Leider ist der Verkauf etwas schwieriger geworden und wir können ihn nicht mehr feucht verkaufen sondern müssen ihn nun selber trocknen. Das wiederum ist mehr Arbeitsaufwand. Als ob es nicht genug zu tun gäbe aber es ist jetzt halt so. Die Tage gehen so viel zu schnell vorbei und die zwölf Stunden Tageslicht reichen oft nicht aus. Das aber freut die Gemeinschaft um uns herum, denn so haben sie immer mal wieder einen Job bei dem sie Geld verdienen können.

Trocknung der Kakaobohnen
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