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Leben in Ecuador – Der ganz normale Wahnsinn

Auch an uns geht der Gott Fussball nicht einfach so vorbei. Ecuador ist ein fussballfanatisches Land. Die ganze Nation fiebert und leidet mit, wenn ihr Team „La Tri“, spielt. Auch bei uns im Regenwald. Am Tag des Spiels tragen geschätzt 75 Prozent aller Leute das Nationaltrikot und das schon früh morgens. In einigen Supermärkten und sogar in Banken wird es ganz selbstverständlich zur Uniform. Ausser der Polizei und dem Militär tragen alle die Nationalfarben. Als Ecuador den Überraschungssieg gegen Deutschland schaffte und so eine Runde weiterkam, stand alles kopf. Die Hälfte der Leute konnte am nächsten Tag nicht zur Arbeit gehen, da sie immer noch betrunken waren. Auch so bei uns mit César, aber er rief wenigstens an. Als danach Ecuador gegen Mexiko ausschied, war auch aufs Mal die WM vorbei; zumindest hier bei uns im Regenwald. In den Grossstädten ist das Interesse auch auf ein Minimum geschrumpft. Wir fieberten mit der Schweiz mit und für uns waren die Anspielzeiten viel freundlicher. Nun nur noch das Finale und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Odin ist Fan der Schweizer Nati

Michael wollte ein zweites Bankkonto mit höheren Zinsen eröffnen und das bei der Bank, wo er schon ein Konto hat. Ja, ein Geschäftskonto hat hier einen normalen Zins von 4.75%. Das ist wie früher, als wir als Kinder ein Sparbüchlein mit dem gleichen Zinssatz hatten. Da unsere kleine Firma auf Joëlles Steuernummer läuft, musste sie versichern, dass Michael da arbeitet. Ausgesprochen – und gut wars. Also bekam Michael das neue Konto. Das heisst, nachdem er die Hürde mit der Unterschrift schaffte. Ganz wichtig beim Unterzeichnen ist es, dass die Unterschrift ganz genau so aussieht wie auf der Identitätskarte. Nun kann man sich gut vorstellen, dass eine Unterschrift auf einer kreditkartengrossen Karte in einem kleinen Feld nie gleich aussieht wie eine Unterschrift auf einem A4 Dokument – das muss sie aber! In der Schweiz genügt es, wenn sie sehr ähnlich ist. Abhängig von der Tagesform und der emotionalen Stimmung verändert sich die Unterschrift auch mal. Das aber darf sie bei der Bank in Ecuador nicht. Deshalb prägte sich Michael seine Unterschrift genau ein und übte dann auch ein wenig auf einem neutralen Blatt. Der erste Versuch wurde dann prompt nicht akzeptiert. Die Bankangestellte musste das Dokument erneut ausdrucken und bat Michael um mehr Genauigkeit. Schon lustig, dass man in der Bank seine eigene Unterschrift üben muss. Das ging nicht nur Michael so; wir kennen da eine Person die A4-Blätter voll mit ihrer Unterschrift üben musste 😉. Ein Waldhüter von Selva Viva hat sogar bei seiner neuen Identitätskarte eine neue und viel einfachere Unterschrift eingesetzt; sie besteht jetzt nur noch aus seinen Initialen.  

Wir haben gerade Streitigkeiten über Grundstücksgrenzen mit einem Nachbarn oder eher mit dem Onkel der Frau dieses Nachbarn. Tja, das gibt es leider auch hier. Obwohl wir fast komplett von geschütztem Wald umgeben sind (Selva Viva und Schutzwald von Casa del Suizo), gibt es ein Nachbarsgrundstück, das sich eine Familie vor vier Jahren unrechtmässig angeeignet hat. Wir wussten damals bereits davon, hofften jedoch, dass alles seine Richtigkeit habe – vor allem, weil der damalige Geschäftsführer von Selva Viva stark involviert war. Heute wissen wir es leider besser. Als damals die Grenzen vermessen wurden, stimmten diese mit unseren Papieren sowie den langjährigen Grenzpunkten und -linien im Gelände überein. Heute, nur vier Jahre später, soll das plötzlich nicht mehr gelten. Die Grenze wurde erneut ohne unser Wissen und ohne unser Einverständnis neu vermessen. Dabei wurden die Grenzpunkte frech um rund 20 Meter zu unseren Ungunsten verschoben.

Berechtigterweise wollten wir wissen, warum die Grenze nach nur vier Jahren neu vermessen werden musste und weshalb sie so stark abweicht. Den offiziellen Besitzer des Grundstücks können wir nicht kontaktieren, da uns niemand seine Nummer geben will. Stattdessen hat sich herausgestellt, wie könnte es auch anders sein, dass der ehemalige Geschäftsführer von Selva Viva einmal mehr involviert ist. Er war übrigens auch derjenige, der die Neuvermessung in Auftrag gegeben und seine Leute zum Freischneiden geschickt hat. Auf Michaels Nachfrage zu dieser unverständlichen Situation, kam seine allbekannte und arrogante Antwort die er jedes Mal, wenn er in die Enge getrieben wird von sich gibt: „Das geht dich nichts an!“ und „Warum hinterfragst du, was ich hier mache?“. Michaels logische Antwort, dass wir die Besitzer des Nachbargrundstücks sind und es uns sehr wohl etwas angeht, blieb unkommentiert. Der Topograf selbst bestand darauf, dass er nur den ihm übertragenen Auftrag ausführe und keinen direkten Kontakt zu den offiziellen Eigentümern habe.

Topograf und sein Mitarbeiter

Bei uns wirft das viele Fragen auf, und wir werden das keinesfalls einfach so hinnehmen. Anfangs hatten wir Vermutungen, die sich durch weitere Recherchen erhärtet haben. Da nicht nur unsere Grenze, sondern auch jene von Selva Viva betroffen ist, werden weitere Abklärungen folgen müssen. Besonders auffällig ist, dass die Grenze von Selva Viva so verschoben wurde, dass laut neuer Vermessung nun ein Gebiet mit mutmasslich viel Goldvorkommen zum Grundstück ebendieses Besitzers gehört, den wir nicht erreichen können. Unsere logische Frage lautet daher: Warum lässt man eine Grenze, die vier Jahre lang der historischen und dokumentierten Grenze entsprach, plötzlich neu vermessen? Die naheliegendste Antwort für uns ist, dass die Gier nach Gold und Bestechlichkeit eine grosse Rolle spielen. So kann man Grenzen schön flexibel zugunsten der zahlenden Partei hin- und herschieben. Wir werden sehen, was da noch alles auf uns zukommt. Mit Sicherheit werden wir herausfinden, wer alles dahintersteckt.

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Der Wald braucht Schutz, mehr denn je

In unserem letzten Beitrag haben wir über die Wespen bei uns berichtet und wie wir immer wieder Begegnungen der schmerzhaften Art hatten. Es gibt über 600 Wildbienenarten in Ecuador. Die meisten leben im Amazonasbecken und sind die wichtigsten Bestäuber. Was alle Wildbienen in Ecuador gemeinsam haben, ist, dass sie keinen Stachel besitzen. Sie produzieren alle Honig, aber nur gerade so viel, wie sie wirklich für ihr Volk brauchen. Wenn Personen einen Wildbienenstock finden, wird er meist geöffnet und der Honig rausgenommen. Dabei stirbt die Königin meistens und als Folge stirbt das ganze Volk. Es gibt nur eine einheimische Biene, die man für die Honiggewinnung nutzt. Sie wird oft in Bioplantagen eingesetzt, da sie sehr sensibel ist. Die meisten Honigbienen werden aber aus Zuchten aus Amerika oder Europa importiert und haben dann auch wieder einen Stachel. Sie sind leider sehr invasiv und verdrängen die einheimischen Bienen und auch andere Insekten. Die ecuadorianischen Wildbienen können zwar nicht stechen, aber sie können durchaus nerven oder sogar Panikattacken bei Menschen auslösen. Eine Erdbienenart hat sich als Verteidigung ihres Stockes etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie fliegt in die Haare und beginnt sogleich daran zu zupfen und mit den Flügeln zu schlagen. Wer langes Haar hat, bringt die Bienen nicht mehr so einfach raus. Die Einheimischen nennen diese Biene auch «Haarschneider-Biene» und das ist wirklich passend. Es gibt aber auch Elfenbienen, die so klein und dünn sind, dass man sie kaum sehen kann. Die kleinsten Bienen sind nur rund ein bis zwei Millimeter gross und auch die können sehr nervig werden, besonders dann, wenn sie in die Augen fliegen, um die Mineralien zu holen, die in der Augenflüssigkeit sind. Einige Bienen leben in Termitenbauten oder in Nestern der Blattschneiderameisen. Dort leben sie in Symbiose mit den Termiten und Ameisen: Das eine Volk beschützt das andere und sie warnen sich gegenseitig vor Fressfeinden und anderen Gefahren.

In den letzten Wochen wurden wir immer mal wieder durch dumpfes Knallen aus dem Schlaf geholt. Das erste Mal wussten wir noch nicht, was los war. Auch César wurde geweckt und hatte keine Ahnung, was es war. Nach längerem Recherchieren hat Joëlle herausgefunden, dass die Armee dafür verantwortlich ist. Das Militär geht nun noch schärfer gegen das illegale Goldwaschen vor und hat seine Taktik geändert. Eine Sondereinheit spioniert am Tag in Zivil die Region aus und schlägt dann in der Nacht zu. Früher mussten die Bagger bei der Arbeit sein, um festzustellen, dass sie für das Goldwaschen eingesetzt werden, worauf die Bagger angezündet wurden. Jetzt reichen Bilder aus, die zeigen, wie mit dem jeweiligen Bagger Gold gewaschen wurde. Wenn das belegt ist, werden die Bagger in der Nacht mit Sprengstoff gesprengt. Dabei geht es darum, dass niemand sehen kann, dass die Soldaten kommen.

Allein in unserer direkten Umgebung wurden in diesem Monat mehr als 10 Bagger und unzählige Goldwaschmaterialien vernichtet. In einem Fall wurden USD 15 000 und 200 Gramm Gold beschlagnahmt. Leider liegt der Fokus der Armee vorwiegend auf den Baggern und nicht auf den schwimmenden Goldwaschanlagen (Dragas), die seit geraumer Zeit überall wie die Pilze an den Flüssen und Bächen aus dem Boden schiessen. Auch unser Wald wird von Goldwäschern durchquert.

Da sie auf einem Nachbargrundstück waschen, können wir nichts dagegen unternehmen. Auf unseren Wildkameras haben wir wieder vermehrt Wilderer, die auch gleichzeitig Goldwäscher sind.

Diese bewaffnete Person gehört zur Familie…
…dieses weitherum bekannten Wilderers und Goldwäschers, welcher uns bereits nachweislich mind. zwei Fotofallen gestohlen hat.

Eine Anzeige bringt nichts, da wir zu weit draussen im Wald leben und die Polizei dafür keine Zeit hat. Wir fühlen uns sehr allein und hilflos. Besonders befremdlich ist für uns, dass sich selbst die benachbarte Organisation, die Tiere auswildert und ihnen damit eine vermeintliche zweite Chance gibt, nicht gegen die Wilderei ausspricht. Da sie weder mit uns kommuniziert noch öffentlich Stellung bezieht und ihr Verhalten teilweise sogar kontraproduktiv erscheint, entsteht bei uns der Eindruck, dass diesem Problem nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wir waren letzte Woche auf unserem neuen Grundstück in Cosanga und haben einem Nachbarn einige Arbeiten in Auftrag gegeben. Mal schauen, ob das was wird. Wir müssen die Fläche, auf der wir unser Haus bauen wollen, vorbereiten. Denn voraussichtlich im August wird durch die Gemeinde der Flusslauf des angrenzenden Rio Cosanga «korrigiert» werden. Bei dieser Gelegenheit werden wir unseren Bauplatz mithilfe der Bagger einebnen und ein Steinfundament machen lassen. Zudem werden Drainagen gemacht, um Wasser in den Hängen auszuleiten. Aufs Neue waren wir von unserem Grundstück verzaubert. Wir haben so viele Ideen und Vorstellungen. Mal schauen, ob und wie wir alles umsetzen können.

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Langeweile? Nicht bei uns!

Bei uns hat die Regenzeit begonnen. Bis jetzt hatten wir in unserer Region noch nicht viel Niederschlag, aber es regnet täglich. In den Voranden regnet es hingegen stark und intensiv. Das hat zur Folge, dass es vermehrt Erdrutsche und Murgänge gibt. Die Strasse nach Quito ist immer wieder gesperrt und es ist jedes Mal eine kleine Lotterie, ob man bis nach Quito kommt, wenn man dorthin muss. Das viele Wasser lässt auch die Flüsse ansteigen, was wiederum zur Folge hat, dass die am Rio Napo liegenden Orte zum Teil überschwemmt werden. Auch die Insel Anaconda ist davon betroffen und die niedriger angelegten Plantagen werden überschwemmt. Aber im Moment, also heute, fehlen noch rund 1,5 Meter, bis die ganze Insel überschwemmt wird. Eine Überschwemmung bedeutet zwar, einen Ernteausfall zu erleiden, aber der Sand und die Sedimente, die neu abgelagert werden, sind so nährstoffreich, dass die Plantagen mit super Biodünger angereichert werden. Der Rio Napo und der Arajuno steigen jeweils sehr schnell an, laufen aber auch genauso schnell wieder ab. Ob wir den Höchststand erreicht haben, werden wir sehen. Bei all dem Wasser darf man aber nicht vergessen: Auch bei uns scheint die Sonne trotzdem täglich mindestens eine Stunde lang.

Riesen Brama Küken

Als Michael aus der Schweiz zurückkam, hat er die Eier von den Riesen Brahma Hühnern mitgenommen, darüber haben wir im letzten Blog berichtet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft. Leider haben wir einige Eier aufgrund des Stromausfalls in den ersten drei Nächten verloren. Genau wegen solcher Ereignisse haben wir einige Eier bei unseren Nachbarn ausbrüten lassen. Insgesamt haben wir fünf Küken, die wir mit grosser Vorsicht aufziehen. Sie sind schon ein kleiner Hingucker und mit ihren befiederten Füssen sind sie sehr lustig.

Küken verstecken sich hinter ihrem Häusschen

Die Riesen Brahmas sind die grösste Hühnerrasse der Welt, sie wachsen sehr schnell und man kann ihnen dabei zusehen. Viele Leute, die sie bei uns sehen, wollen jetzt unbedingt auch diese Rasse haben. Mal abwarten, wie die Geschlechtsverteilung ist. Es steht bereits fest, dass ein Hahn zur Blutauffrischung zu unserem Nachbar geht.

Wir haben bereits mehrmals über Joëlles Wanderweg berichtet, nun ist er fertig. Begehen konnte man ihn schon lange. Michael hat einfach immer noch mehr Verbesserungen gemacht, bis es für Joëlle stimmte.

neue Bank beim Wasserfall

Er hat auch eine Bank gebaut, sie befindet sich am tiefsten Punkt des Weges. Man kann sich da etwas ausruhen, bevor man den Anstieg in Angriff nimmt oder man kann auch einfach nur den Wasserfall geniessen oder den Kolibris dabei zusehen, wie sie Nektar aus den vielen Helikonien trinken.

Insgesamt hat es auf dem ganzen Rundweg sechs verschiedene Helikonienarten.

Es gibt in Ecuador mehrere hundert Wespenarten. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Dies beruht auf der einzigartigen Vielfalt Ecuadors mit den verschiedensten Klimazonen und Klimaregionen, vom Meer über die Anden hinunter zum Amazonasregenwald und nicht zu vergessen Galapagos. Die meisten Arten sind sehr friedlich und lassen einen in Ruhe, wenn man sie nicht in ihrem Nest belästigt. Bei uns am Haus leben vier verschiedene Wespenarten, die man gar nicht bemerkt. Man sagt, dass die Wespen am Haus das Haus bewachen.

Wir haben eine für uns neue Wespenart entdeckt, die Weissflügelwespe. Sie ist schwarz und die Flügelenden sind weiss – daher der Name. Wir hatten schon einige Wespenstiche, meistens trifft es jedoch Michael im Wald, wenn sich ein Nest unterhalb eines Blattes befindet und er es mit dem Fuss berührt. Dann heisst es einfach rennen. Ok, César, unser Mitarbeiter, sagt, man soll stehen bleiben und sich nicht bewegen. Aber das ist Quatsch, auch er rennt, wenn er im Wald einem aufgeweckten, wildgewordenen Schwarm begegnet. Michael hat die Weissflügelwespen, die an unserem Hühnerhaus ein Nest gebaut haben, nicht gesehen, aber dafür gespürt. Er hat sich an der Verstrebung, an der sich das Nest befindet, festgehalten, als er die Hühner reingebracht hat.

Nest der Weissflügelwespen am Hühnerhaus

Die Vibrationen haben gereicht, dass einige der Wespen losflogen und Michael rennen musste. Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft, im Vergleich dazu ist der Stich einer Schweizer Biene Wellness. Jetzt, wo wir wissen, dass sie dort nisten, leben wir gut miteinander. Aber nicht alle Wespen leben im Schwarm. Es gibt viele Arten, die nur in ganz kleinen Gruppen leben (vier bis zwölf Tiere) und es gibt sogar einige Arten, die alleine unterwegs sind, wie z. B. die Hummel in Europa. Eine ganz spezielle Wespenfamilie sind die Wegwespen. Nun werden sich alle, die sich vor Spinnen fürchten, über diese Wespen freuen. Die Wegwespen bauen Höhlen aus Erde oder graben sogar Löcher direkt in die Erde. Dann betäuben sie eine Spinne und tragen diese in ihre Höhle. Nun legen sie ein Ei auf die Spinne und verschliessen das Loch. Die Larve schlüpft und nistet sich in der betäubten Spinne ein, die ihre Nahrung ist, und sie frisst die Spinne auf.

Je nach Wegwespenart und Grösse sind auch die Spinnen grösser oder kleiner. Die Wespe «Tarantulafalke» ist die grösste der Familie und macht, wie der Name schon sagt, Jagd auf Taranteln, die sie in ein Erdloch zieht und so ihre Nachkommen ernährt.

einige Arten bilden Lebendnester

Bei uns läuft gerade sehr viel. Wir knüpfen bereits die ersten wichtigen Kontakte bei unserem neuen Grundstück in der Gemeinde Cosanga. Da werden wir nächstes Wochenende den Bürgermeister treffen. Er wird mit den Leuten aus der Region besprechen, wie man den Fluss bzw. das Flussufer sicherer machen kann. Wenn dann die schweren Maschinen vor Ort sein werden, möchten wir das gleichzeitig auch für das Fundament und die Zufahrt unseres neuen Hauses nutzen. Die Zusage dafür haben wir bereits bekommen. Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Michael arbeitet gerade auch sehr viel für SelvaViva, denn da stehen «Grenzreinigungen» an. Das ist mal wieder so eine Sache, denn der eine Nachbar von SelvaViva ist (wenig überraschend) einmal mehr nicht einverstanden und benimmt sich komplett daneben. Über das leidige Thema der Goldwäscher können wir leider keine Infos mehr geben, da wir über unsere eigene Homepage ausspioniert werden. Kein Scherz! Aber so viel sei gesagt: Wir bleiben dran.

Fluss Cosanga
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Ein Koffer voll mit Geschenken und neue Herausforderungen

Michael ist wieder zurück aus seinen Ferien. Er hat viele Geschenke und auch einiges für das leibliche Wohl mitgebracht. Ein grosses Dankeschön an alle die uns so grosszügig beschenkt haben. Zum ersten Mal wurde Michael bei der Einreise nach Ecuador kontrolliert, das war bisher nie der Fall. Die Beamten hatten beim Röntgen eines seiner Koffer verdächtig viele Wildkameras entdeckt. Michael musste den Koffer öffnen und zeigte sie ihnen sofort in der Hoffnung, dass sie den Rest des Koffers nicht interessierte. Sie wollten den Kaufpreis der acht Wildkameras wissen. Das waren aber Geschenke. Michael zeigte ihnen im Internet die Preise und so war der Warenwert unter den erlaubten $ 300 Freibetrag für die Einfuhr und er konnte den Koffer wieder schliessen. Zum Glück, denn wenn sie genauer hingeschaut hätten, wäre da noch viel mehr gewesen! Vor allem, wenn sie den zweiten Koffer mitgerechnet hätten. Da waren nochmals fünf Wildkameras drin und natürlich noch viel mehr. Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn man freundlich ist und mithilft, kann man viel erreichen. Die 26 Bruteier von den Riesen Brahma Hühnern, die höchst illegal eingeführt wurden, sind jetzt bereits im Inkubator. Ein Teil der Eier ist bei uns und ein Teil bei unseren Nachbarn.

Wildkamera

Wir hatten letzte Woche über drei Tage hinweg keinen Strom bei uns. Glücklicherweise haben wir einen Generator, den wir aber nur während des Tages laufen lassen. Gut, dass wir einen Teil der Bruteier unseren Nachbarn gegeben haben, denn die sind an einer anderen Stromline angeschlossen. Aber was war denn überhaupt geschehen? Letze Woche kamen Verantwortliche der Stromgesellschaft auf die Insel Anaconda und nahmen alle Haushalte, welche die Stromrechnung schon länger nicht bezahlt haben vom Netz (länger bedeutet zwei bis drei Jahre und aufgelaufene Beträge in der Höhe zwischen $600 bis $900). Das hat sehr viel Missmut verursacht und es wurden Bäume so gefällt, dass sie die Stromleitungen runtergerissen haben. Einige haben sich direkt mit dem Stromnetz verbunden und so einen Kurzschluss verursacht. Die Techniker der Stromgesellschaft wurden stark beschimpft und bedroht was dazu führte, dass bis jetzt einige noch immer keinen Strom haben. Viele haben das Gefühl, dass sie alles bekommen ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Es sind leider die Familien, mit den grossen Alkoholproblemen und das sind nicht gerade wenige.

abendlicher Ausblick vom Aussichtstrum

Bevor Michael in die die Ferien ging, hatten wir noch viel Bambus eingekauft. César musste die Arbeiten noch zu ende bringen. Das hat er auch getan unter dem kontrollierenden Auge von Joëlle. Nun ist unser Lager wieder gefüllt und wir können wieder tüchtig Abverkaufen. Leider haben wir keinen Grossauftrag, dafür aber immer wieder kleinere Verkäufe. Die Architekten kaufen lieber an der Küste ein; mit diesen Preisen können wir nicht mithalten. Dafür liefern die aber auch viel Schlechtes und das Material muss dann ersetzt werden und da kommen wir wieder ins Spiel. Wir haben «Laufkundschaft», die auch mal nur zwei oder drei Stangen für Dekorzwecke kaufen.

Heuschrecke

Wir engagieren uns sehr für den Umweltschutz und machen uns bekannterweise nicht nur Freunde damit. Wir mussten uns eingestehen, dass wir oft nicht «abschalten» können und wir uns Tag und Nacht mit diesem Thema beschäftigen. Besonders dann, wenn wieder neue Goldminen gefunden werden oder der Waldschutz von benachbarten Organisationen mit Füssen getreten wird. Das geht auf die Dauer nicht gut und schadet unserer Gesundheit. Wir müssen ab und zu etwas Distanz gewinnen und dabei abschalten können. Für uns hat sich eine riesen Chance ergeben. Wir haben ein Grundstück gefunden, das zwar etwas entfernt liegt aber dennoch genügend nah, um es innert nützlicher Zeit zu erreichen. Es liegt in den Voranden auf 2200 m ü. M. Gemeinsam mit unseren niederländischen Nachbarn, Ciska und André, haben wir 14 ha Nebelwald gekauft. Das Ziel ist es einen Rückzugsort zu bauen, wo wir uns wirklich erholen können – einen Ort wo es kein Gold gibt, den wir für uns alleine haben und den wir ausschliesslich mit unseren Freunden teilen werden. Dennoch werden wir unsere Projekte nicht aufgeben und wir werden uns weiterhin für den Natur- und Umweltschutz einsetzen, einfach mit einem Rückzugsort. Wie wir das genau Managen werden, wissen wir auch noch nicht. Ideen haben wir einige; ob wir sie umsetzen können, wird sich zeigen. Zuerst müssen wir jetzt wieder Sparen, so dass wir uns ein Haus bauen können. Und dann wird sich sicher wieder eine Türe öffnen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.

Odin reicht ein Bettchen nicht…

Zum Schluss noch dies: Als Michael in der Schweiz war wurde er von einem lieben Freund gefragt, warum er all die Strapazen und Schwierigkeiten auf sich nimmt, und was die Motivation dahinter sei. Michael ist durch und durch Tierpfleger und wenn er solche Wildtieraufnahmen in unserem Wald machen kann und weiss, dass diese Tiere nur noch da sind, weil wir uns für sie einsetzten, ist das Motivation genug.

Jaguar

Leider können wir hier nicht alle Aufnahmen zeigen, aber in den letzten zwei Monaten hatten wir vor der Linse: Jaguar, Tapir, Ozelot, Margay, Aguti, Paka, Pekari, Schneebussard, Hirsche und noch viele Tiere mehr.

Agutis sind unsere fleissigen Helfer bei der Aufforstung
neugieriger Tapir
scheue Pekaris durchstreifen unseren Wald
zwei entspannte Tapire
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Guadua, Hera und unsere Grundsätze

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, sind wir dabei, unser Bambuslager zu füllen. Wir hatten die Chance, über 700 Stangen einzukaufen und so unser Lager auf einen Schlag wieder aufzufüllen. Die Verhandlungen gestalteten sich etwas schwieriger als erwartet. Der Verkäufer hatte leider keine Ahnung von Guadua. César und Michael besichtigten vorab den Guaduawald, der einer Plantage weichen musste. Es waren sehr schöne Stangen, und wir einigten uns auf einen Preis und trafen eine Abmachung. César half die ersten zwei Tage bei der Ernte mit, sodass er ihnen das korrekte Schneiden und den richtigen Umgang mit den Stangen zeigen konnte. Sie hatten für die Ernte genau 14 Tage Zeit, und nach fünf Tagen bekamen wir auch schon die erste Lieferung von 350 Guaduas. Aber leider war die Qualität nicht so überwältigend wie ursprünglich vereinbart. Wir zahlten dafür aber auch einen niedrigeren Preis, was dem Verkäufer natürlich gar nicht gefiel. Nun, im Nachhinein ist man immer schlauer, und so wissen wir, dass Michael besser auf einen anderen Deal hätte bestehen sollen.

Die zweite Lieferung war dann doch etwas besser. Um die Stangen zu säubern, zuzuschneiden, zu lochen und in Matten zu schlagen, hatte César wieder eine Gruppe von Frauen und jungen Männern organisiert.

Die Frauen waschen die Stangen

Leider haben wir es noch nicht ganz geschafft, fertig zu werden, bevor Michael in seine grossen Ferien in die Schweiz geht. César, unser langjähriger Mitarbeiter, weiss aber, was noch zu tun ist.

die ersten Stagen sind bereits draussen und werden besonnt

Hera, unsere Hündin, wurde vor einer Woche kastriert. Sie hat nun ein Spielverbot, das sie überhaupt nicht versteht. Erstaunlicherweise leckt sie nicht an der Wunde, sodass sie den lästigen Kragen nach zwei Tagen ausziehen und ihn gegen ein T-Shirt eintauschen konnte.

Joëlle ist Ersatzmutter eines Hühnerkükens. Leider ist aus den letzten Eiern nur ein Küken geschlüpft, und keine Ammenmutter wollte es akzeptieren. So ist es nun im Büro, bis es gross genug ist, in den Hühnerstall umzuziehen.

So süss das kleine Ding auch ist, es kann bereits gewaltig nerven. Dann zum Beispiel, wenn Joëlle nur kurz das Büro verlässt oder für den Zwerg nicht mehr sichtbar ist. Dann ruft es laut und rennt herum; es kommt sogar ins Haus hinein, um nach uns zu suchen. Wer das Haus kennt, in dem wir wohnen, weiss, dass es keinen eigentlichen Eingangsbereich hat, sondern man direkt die Küche betritt. Wenn also das kleine Vögelchen in der Küche herumrennt und dabei seine Notdurft verrichtet (was Vögel bekanntlich sehr häufig und ohne Zurückhaltung tun), ist das nicht besonders hygienisch…

zum Glück schläft es auch ab und zu

Die vergangenen Wochen waren von intensiven Herausforderungen geprägt. Der ständige Einsatz die bekannten Goldwäscher von Selva Viva und unserem Land fernzuhalten, kostet uns enorm viel Kraft und bindet wesentliche Ressourcen. Besonders zermürbend sind Auseinandersetzungen mit Akteuren, deren Auftreten und Verhalten die Situation zusätzlich verschärfen und konstruktive Lösungen verhindern.

Momentan können wir aus politischen Gründen noch keine Details offenlegen. Klar ist jedoch: Wir werden die bestehenden Missstände nicht mehr stillschweigend hinnehmen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Transparenz zu schaffen. Zu gegebener Zeit werden wir einen Beitrag verfassen, in dem wir die Vorgänge umfassend darstellen und Missstände sowie Verantwortlichkeiten klar benennen und dies mit entsprechenden Beweisen untermauern.

Aber Michael wird jetzt erst einmal eine kleine Auszeit nehmen. Er fliegt in die Schweiz, um sich zu erholen und frische Energie zu tanken, um dann mit neuem Mut und Motivation wieder ans Werk zu gehen.

Orchideen
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Blitze und Goldrausch, unser Alltag im Regenwald

Im Dezember hatten wir wieder einmal einen richtigen Gewittertag. Michael machte gerade eine Siesta und Joëlle war noch im Büro als ein Blitz am Haus vorbei zischte und es um ein Haar getroffen hätte. Michael stand senkrecht im Bett und Joëlle schrie und kam rennend aus dem Büro. Zum Glück hat er aber in den Fluss eingeschlagen. Einmal tief durchgeatmet und den Schreck halb verdaut, merkten wir schnell, dass etwas mit unserem Internet nicht mehr stimmte. Wir haben Satelliteninternet. Durch die Überspannung, die der Blitz verursacht hatte, war der WLAN-Router hinüber. Auch allen Ladegeräten der Werkzeuge, die gerade am Strom waren, hat die Überspannung nicht gutgetan und es hat sie «gelupft». Nun hatte Joëlle eine neue Mission, es galt rauszufinden, wo genau bei der Internet-Installation das Problem lag. Das kann in Ecuador recht schnell zu einer Lebensaufgabe werden. Zuerst mal aber musste sie mit Starlink, dem Internetanbieter, in Kontakt treten. Die haben umgehend Ersatzteile geschickt. Leider wurde aber dadurch nicht der Fehler behoben. Kulanterweise tauschten sie nun das ganze System aus und wir sollten die Ausrüstung der neuesten Generation erhalten. Um Zeit zu sparen, durften wir es in Ecuador kaufen und sie schrieben uns den Kaufpreis auf unserem Konto gut. Wir bestellten es im Online-Shop eines spezialisierten Anbieters und konnten es eine Woche später in deren Filiale in Tena abholen gehen. Da staunten wir dann nicht schlecht. Im Online-Shop kostete es USD 311.00, aber wenn man es direkt im Laden und auf Raten kauft, kostet es USD 848.88. Nicht schlecht… Nach gut zwei Monaten haben wir nun wieder alles wie beim Alten und auch unsere Kameras sind wieder online.

So kostet das Set unglaubliche 173 % mehr!

Unsere beiden jungen Hunde, Hera und Odin, hatten Geburtstag und sind ein Jahr alt geworden. Sie wachsen und ihre Charakter kommen immer mehr zur Geltung. Bei Odin unserem American Bully zeigt sich immer mehr, dass er lieber zu Hause bleibt und Joëlle bewacht als mit den anderen beiden eine Streiftour durch den Wald zu unternehmen. Er ist sehr gesellig aber auch ein aufmerksamer Wachhund, sein Charakter ist stark und er hat einen extremen Beschützerinstinkt.

Hera ist unsere Rottweilerdame. Sie liebt es rumzurennen und stundenlang mit Odin und Hector zu spielen. Bei ihr zeigt sich sehr schön, dass die körperliche Grösse nichts mit innerer Grösse zu tun hat. Manchmal glauben wir, dass sie sich für einen kleinen Hund hält. Sie sucht sich Streicheleinheiten und versucht immer ganz sanft einem auf den Schoss zu klettern. Zum Glück springt sie nicht hoch, denn mit ihren bereits 35 kg ist sie schon recht schwer für ein «Schosshündchen».

Hera, das zu gross geratene Schosshündchen

Wenn wir Besuch haben müssen wir immer gut aufpassen, dass sich der Besuch beim ersten Mal nicht erschrickt. Natürlich darf sie das nicht, aber bei Fremden kann man es ja trotzdem mal probieren. Wenn es um das Bewachen geht, steht sie lieber hinter Hector und Odin. Sie ist misstrauisch und hat eher Angst und geht lieber ins Haus. Das ist auch gut so, mit ihrem Aussehen und dem leider schlecht behafteten Ruf der Rottweiler, schreckt sie genug ab. Hector macht seine Sache als unangefochtene Nummer eins sehr gut und die zwei Jungen lernen viel von ihm.

Einer unserer Holzbänke ist leider der Witterung erlegen. Michael hatte wieder eine spezielle Idee für eine neue Bank die dauerhaft halten sollte. Aus Zement und Altglas machten César und Michael unsere neue Bank, wo wir nun den Kolibris beim Nektar suchen zu schauen können.

Neue Sitzbank

Wir sind gerade daran eine grössere Menge Bambus einzukaufen. Wir haben uns entschieden unser Lager zu füllen, um Reserven zu haben, falls es mit dem Tourismus wieder hoch gehen sollte und alle wieder investieren. Ja, die Hoffnung stirbt zum Schluss. Wir haben so auch wieder einmal Arbeit für einige Personen und können weitere junge Leute schulen.

Unser Lager wird wieder aufgefüllt

Leider zieht sich das Thema mit dem Goldwaschen seit einigen Jahren wie ein roter Faden durch unser Leben was extrem an unserer Energie zerrt. Wir sind in diese Region gekommen, um Umweltschutz und insbesondere Waldschutz mit Einbezug der lokalen Bevölkerung zu betreiben. Da der Goldpreis aber stetig steigt und die Bevölkerung immer gieriger wird, gestaltet sich das zunehmend schwieriger. Besonders schwierig ist für uns zu sehen, dass es ansässige Organisationen gibt, die beim maschinellen Goldwaschen vor der eigenen Haustüre einfach wegschauen und nichts dagegen unternehmen. Unserer Meinung nach ist das Doppelmoral und dadurch belügt man auch seine Gönner. Für Organisationen, die sich den Umweltschutz auf die Flagge schreiben ist nichts zu tun genauso schlimm, wenn nicht sogar schlimmer. Wenn Goldwäscher keinerlei Konsequenzen erfahren, entsteht der Eindruck sie seien im Recht und ihr Handeln habe keine Folgen.

Wir unterstützen das illegale Goldwaschen nicht. Es widerspricht unserem Verständnis von nachhaltiger Entwicklung und verantwortungsvollem Umgang mit der Umwelt. Unsere Haltung ist klar: Unser Engagement gilt dem Schutz der Wälder und Tiere und der Unterstützung nachhaltiger Perspektiven für die Region, nicht der kurzfristigen Ausbeutung ihrer Ressourcen.

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Die Ungewissheit

Das Jahresende haben wir mit Christine, die uns wieder besucht hat, und unseren niederländischen Nachbarn verbracht. Christine hatte dafür extra Käsefondue aus der Schweiz mitgebracht. Es war sehr lecker und Ciska und Andre assen sogar das erste Mal Fondue. Auch dieses Jahr haben wir den Jahreswechsel mit den Sandwich-Insel gefeiert. Wir haben wieder Puppen gebastelt und verbrannt. Damit lassen wir das alte Jahr hinter uns und wünschen uns, dass das neue Jahr das Gute bringt, was wir uns erhoffen.

Leider hat aber das neue Jahr gleich begonnen wie das alte aufgehört hat. Schon in der ersten Woche sind die Goldwäscher bei uns in den Wald gegangen und haben mit Waschen begonnen. Die Waldhüter von Selva Viva haben sie dabei ertappt und uns dies gleich mitgeteilt. Wir haben daraufhin viele Kamerafallen sowohl in unserem als auch im Schutzwald von Selva Viva aufgestellt, um sie direkt bei der Arbeit zu filmen. Nur so haben wir genügend Beweise für eine allfällige Anzeige. Es handelt sich wie immer um die gleiche Familie die neben dem Goldwaschen auch illegal Jagt. Sie haben sich wohl ertappt gefühlt und sind nicht mehr gekommen, das heisst sie sind einfach auf das Nachbargrundstück weitergezogen und waschen nun da die Ufer der kleinen Bäche ab. Wir haben die Nachbarn informiert.

Seit wir in Ecuador sind, misst Michael täglich den Regen. Bis anhin tat er dies von Hand mit einem selbst umfunktionierten Regenmesser. Der war aber nur auf 0.5mm genau. Neu hat sich Michael eine kleine Wetterstation zugelegt, die den Regen genauer misst und zudem noch viele andere Daten erfasst. Die gesammelten Daten sind nicht nur für uns interessant, auch Institutionen wie z. B. die Universität IKIAM in Tena haben Interesse daran. Prof. Wilfredo Franco kommt regelmässig bei uns vorbei, um die neuesten Messungen abzuholen. Wir wurden auch schon zu einem Umweltforum mit dem Thema Klimawandel eingeladen. Da hat Joëlle gerne teilgenommen, aber nur als Gast. Wir stellten Wilfredo alle unsere gesammelten Daten zur Verfügung und er hat sie dann vorgetragen und dabei die regionalen Unterschiede hervorgehoben. Die verschiedenen Vorträge waren sehr spannend, aber noch wichtiger waren die Begegnungen mit vielen neuen Personen. So können wir unser Netzwerk stets vergrössern.

Joëlle durfte Anfang Januar eine Reisegruppe als Übersetzerin begleiten. Sie war zehn Tage mit der Gruppe unterwegs und musste feststellen, dass der Tourismus nicht nur bei uns Tod ist, er ist im ganzen Land zum Stillstand gekommen. In fast allen Hotels waren sie jeweils alleine und auch bei den Ausflugzielen gab es kein anderes Bild. Ecuador befindet sich in einer tiefen Krise und das mehr denn je zuvor. Der Drogenkrieg welcher in ganz Südamerika herrscht schreckt viele ab. Nach dem die USA Venezuela angriffen hat und Kolumbien ebenfalls bedrohten ist die Lage hier recht unübersichtlich geworden. Der Präsident Ecuadors hat die Landgrenzen zu Kolumbien (bis auf eine die sehr genau kontrolliert wird) geschlossen um die grossen Drogenrouten zu schliessen – aber Kolumbien hilft da nicht mit, weshalb der Präsident Ecuadors die Zölle auf Importe aus Kolumbien erhöht hat. Ecuador bezieht sehr viel Elektrizität aus Kolumbien, was wiederum dazu führte, dass Kolumbien die Stromlieferungen einstellte. Nun steht uns ein Wirtschaftskrieg mit Kolumbien bevor. Ecuador ist das grösste Transitland für Drogen aus Kolumbien und Peru. Der Präsident würde ja gerne mit den Amerikanern gegen die Drogenkartelle und die damit verbundene Korruption vorgehen, kann es aber nicht, da sich die Opposition dagegen wehrt. Wir sind gespannt, wie es weiter geht, es wird auf jedenfall richtungsweisend sein.

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Weihnachtszeit

Wir konnten noch vor Weihnachten die geplante Pergola in Tena aufstellen und so der neuen Besitzerin übergeben. Durch die gute Planung und Vorarbeit waren wir schneller als gedacht.

Nachdem der Zement ausgehärtet war, half Michi die Hängematte aufzuhängen. Er war ein wenig nervös, ob die Konstruktion dem Schaukeln standhalten würde. Zur Freude von allen steht die Pergola wie eine EINS. Das war der letzte anstehende Auftrag, den wir hatten.

Pergola mit Hängematte

Als Bernd uns Besuchen kam, konnten wir mal einige Tage sorgenfrei wegfahren. Daraus wurde eine ganze Woche, die wir seit langem wieder einmal zusammen verbringen konnten. Wir waren in den Anden und haben zum ersten Mal (fast) alle grossen Vulkane gesehen – das heisst, der Sangay hat sich uns auch dieses Mal nicht gezeigt. Nun ist er der letzte Vulkan Ecuadors, den wir noch nie gesehen haben. Wir sind ins Refugio (Schutzhütte) vom Chimborazo hochgefahren, das liegt auf 4800 m.ü.M. Der Chimborazo ist mit 6263 Metern Höhe der höchste Berg (Vulkan) Ecuadors.

Anfahrt zum Chimborazo

Vom Refugio aus sind wir zur nächsthöheren Hütte gewandert, die befindet sich auf 5000 m.ü.M. Die Luft ist da schon sehr dünn und man kommt nicht mehr so schnell voran.

5000 m.ü.M. reichten, mehr musste wirklich nicht sein

Michi hatte noch etwas mehr Puste und Motivation und ist bis zum Gletschersee weiter gegangen der sich auf 5100 m.ü.M. befindet.

In diesen Ferien haben wir auch die Lagune vom Quilotoa zum ersten Mal gesehen. Wir waren bereits vor zwei Jahren da, aber da regnete es und der Nebel war sehr dick. Dieses Mal zeigte sie sich von ihrer schönsten Seite. Der Vulkansee wird häufig als der schönste von ganz Südamerika betitelt, was wir gut glauben können.

Wir liessen uns vom schönen Wetter und der traumhaften Aussicht hinreissen und sind den Kraterrundweg gegangen – einmal rund herum. Der Weg befindet sich (konstant) auf 4000 m.ü.M., mit einigen Hügeln dazwischen. Die Wanderung war wunderschön, aber auch sehr anstrengend. An dieser Stelle sei gesagt, dass man für diesen Weg schwindelfrei sein muss.

Zum Abschluss unserer kleinen Andenreise, genossen wir noch die heissen Quellen von Papallacta. Von unserm Pool aus hatten wir die perfekte Sicht auf den Antisana. Wir konnten es so richtig geniessen, denn wir wussten ja, dass unser Haus und Hof bei Bernd in guten Händen sind. Nochmals DANKE, lieber Bernd, und wir werden dich ja sicher bald wieder sehen 😊.

Antisana

Und zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln und Staunen: Unsere Gemeinde Ahuano ist, was die Bevölkerungszahl betrifft, nicht besonders gross und zählt lediglich rund 4.000 Einwohner. Leider ist Ahuano jedoch weithin bekannt für die sich dort befindenden illegalen Goldminen. Innerhalb der gesamten Provinz Napo liegt hier das zweitgrösste illegale Abbaugebiet. Es werden täglich rund 20 kg Gold illegal gewaschen. Die grossen Minen werden von den Drogenkartellen geleitet und die Korruption in der Gemeinde ist riesig. Um die Bevölkerung zu besänftigen, die unter der immensen Umweltzerstörung, zunehmender Kriminalität und Prostitution leidet hat die Gemeinde ein Fussballstadion gebaut. Brot und Spiele – das haben auch schon die Römer so gehalten. Ein Fussballstadion klingt zunächst nicht nach etwas Besonderem, aber das ist es durchaus wenn es das erste Fussballstadion dieser Grösse der ganzen Provinz Napo ist. Nicht einmal die Provinzhauptstadt Tena hat ein Stadion diesen Ausmasses. Und was auch sehr erstaunlich ist, es gibt hier keine Mannschaft, die in einer Liga spielt. In dieser Region wird fast ausschliesslich «Indoor» gespielt. Das bedeutet, die Spielfelder sind kleiner und es spielen nur sieben Personen pro Mannschaft. Bei der Eröffnungsfeier Ende Oktober, waren dann aber alle korrupten Politiker anwesend und haben es sich nicht nehmen lassen ein Spiel zwischen der Provinz- und der Gemeinderegierung zu machen. Der Einsatz war, man höre und staune, die Installation der Lichtmasten. Ja, es gibt keine Spiele nach 18.00 Uhr, denn es hat kein Licht im Stadion. So war das Fest dann auch bereits um 18.30 Uhr vorbei. Übrigens die Provinzregierung hat gewonnen, aber bis heute gibt es noch immer kein Licht und das Stadion wurde auch nie wieder benutzt.

Wir wünschen allen noch weiterhin erholsame Festtage. Allen ein grosses Dankeschön die uns immer wieder unterstützen mit Spenden, mit aufmunternden Gesprächen, guten Ideen, oder auch mit ihren guten Gedanken.  Ein spezielles Dankeschön denen die bei uns tatkräftig mit anpacken und immer wieder vor Ort mithelfen.  Euch allen wünschen wir einen guten Start ins neue Jahr.

Links im Hintergrund die Spitze vom Altar und rechts der Tungurahua
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Alle (halbe) Jahre wieder!

Gastbeitrag von Bernd Villwock

Gerade einmal ein halbes Jahr ist vergangen, seit ich zuletzt auf der Finca war! Joëlle hat nur gelacht, als sie es erfuhr – genau das hatte sie mir beim letzten Besuch prophezeit. Die Blog-Einträge aus den vergangenen Monaten hatten mich schon ein wenig auf die jüngsten Entwicklungen vorbereitet, aber vor Ort war das natürlich noch sehr viel eindrücklicher.

Viele Veränderungen in kurzer Zeit!

Als Erstes fiel mir das neue, tolle Büro von Joëlle ins Auge, später dann entdeckte ich auch eine Reihe weiterer von Michis neuesten Arbeiten. Er hat nicht nur ein gutes Händchen für schöne Möbel, sondern auch für kunstvolle Dekorationen. Inklusive „Upcycling at it’s best“! – zum Beispiel in Form von in die Wände eingelassenem Buntglas und fantasievollen Kerzenhaltern.

Schon bei der ersten gemeinsamen Tour durch den Schutzwald sind aber auch die Zerstörungen durch die letzten Starkregen nicht zu übersehen. Wo sich vorher Wald oder Kuhweiden befanden, ragen nun an verschiedenen Stellen senkrechte Absturzkanten auf. Leider hat es auch einen von Joëlles Spazierwegen erwischt. Er endet nun unversehens mit einer einsamen Stufe…

Natürlich lässt sich Michi davon nicht unterkriegen. In einem anderen Teil des Farm-Geländes, ausgehend vom Aussichts-Turm, entsteht gerade ein neuer, noch schönerer Weg. César hat den Wegesverlauf bereits freigeschlagen, der auch an einem kleinen Wasserfall vorbeiführt. Am folgenden Tag gehen Michi und César den Weg gemeinsam ab und verabreden letzte Veränderungen.

An einer anderen Absturz-Stelle, mitten im Wald, zeigt Michi mir einen wunderschönen großen Urwaldbaum. Um ihn herum stehen hunderte, aus den Baumsamen ausgekeimte Sprösslinge. Die stärksten davon werden César und Michi ausgraben, erzählt er mir, um sie auf der ehemaligen Kuhweide unterhalb der Absturzstelle einzupflanzen. So wird die Wiederbewaldung Stück für Stück fortgeführt, ein wirklich schöner Gedanke!

Als ziemlich bedrückend dagegen empfinde ich, wie sehr das Gold-Schürfen in den letzten Monaten näher an die Finca herangerückt ist: Unmittelbar neben dem Gelände der Casa Liza zum Beispiel ist eine Sand- und Lehm-Wüste mit großen eckigen Löchern entstanden, die mit Wasser vollgelaufen sind. Nachdem an dieser Stelle bereits einmal das Schutzgebiet von Selva Viva missachtet wurde, bringt Michi nun an der Gebietsgrenze weitere Schilder an, auf denen vor einer Anzeige gewarnt wird. Eines davon tauschen wir aus, denn es wurde von einer Machete zerstört. Bei anderer Gelegenheit stoßen wir etwas weiter entfernt am Rio Napo auf die ersten Vorbereitungen für eine neue illegale Schürfstelle…

Beim Nachrecherchieren finde ich die Erläuterungen von Michi und Joëlle bestätigt: Mit dem astronomisch hohen Goldpreis haben sich die illegalen Goldminen wie ein Krebsgeschwür im tropischen Regenwald Südamerikas ausgebreitet und erschreckende Dimensionen angenommen. Und speziell der Einzugsbereich des Rio Napo, zu dem auch die Fließgewässer in und um Selva Viva gehören, hat es inzwischen zu einer traurigen internationalen Berühmtheit gebracht (siehe z. B. den Fernsehbeitrag: „Ecuador – Kampf gegen illegalen Goldabbau im Regenwald“; 09.11.2025 ∙ Weltspiegel ∙ ARD Beitrag in der ARD Mediathek – hier klicken).
-> die Comunidad Serena, von der in diesem Beitrag die Rede ist, befindet sich nur ca. 40 km Flussaufwärts von der Finca Don Sigifredo und Selva Viva

Joëlle und Michi kämpfen rund um Selva Viva weiter dagegen an, wenn auch nach offenen Anfeindungen und Drohungen etwas vorsichtiger. Und mit ihrer Hartnäckigkeit haben sie inzwischen eine Gruppe von Unterstützern aktivieren können, zu denen neben touristischen Einrichtungen auch heimische Kichwa-Initiativen gehören. Auch wenn Joëlle sich zurzeit nicht viele Hoffnungen macht: mit der „Nachrichten-Kette“ und der gemeinsamen Veröffentlichung ihres „Manifestes“ gegen das Gold-Schürfen setzen sie Zeichen und bringen auch Aktionen in Bewegung.

Ein paar Tage „Einhüten“

Wie schon bei meinen Besuchen zuvor nutzen Joëlle und Michi die Gelegenheit, für ein paar Tage Urlaub zu machen. Ich halte sehr gerne die Stellung und kümmere mich um die Tiere. Wie immer gibt es dabei Überraschungen: Dieses Mal ist es die Hündin Hera, die ausgerechnet in dieser Zeit zum ersten Mal läufig wird. Das beschert ihr schon bald einen Fanclub von Hunden aus der Nachbarschaft, die Hector, Odin und ich jedoch mit vereinten Kräften abwehren können. Trotzdem muss Hera leider ein paar Tage lang an der Leine bleiben.

Die Hühner hingegen sind dieses Mal eine uneingeschränkte Freude – nicht nur wegen der zuverlässig gelegten Eier! Wenn sie, einige schneeweiß, frühmorgens im Gelände ausschwärmen und an der Terrasse vorbeiziehen, hat das etwas Engelsgleiches. Die fünf Küken, noch im Laufstall, schauen ihnen zu und träumen von der Freiheit. Zwei andere Hühner, noch nicht ganz ausgewachsen, machen immer alles anders als der Rest und brauchen jeden Abend eine Extraeinladung zum Schlafen gehen. Das ist wirklich lustig!

In der Mehrzahl der „Einhüte-Tage“-Tage sind auch wieder Vorarbeiter César und seine Frau Hilda bis zum Nachmittag auf der Finca. Wie immer erzählt César über das Leben und die Geschichte der Menschen, die wie er und seine Familie auf der anderen Seite vom Fluss auf „der Insel“ leben. Das ist besonders interessant, weil César selbst seit seiner Jugend mit Ausländern zu tun hat, schon ziemlich viel gereist ist und deshalb beide „Welten“ kennt. Umso deutlicher wird mir wieder einmal, wie sehr sich das ländliche Kichwa-Leben immer noch von meinem eigenen unterscheidet. Sehr schade finden die beiden – wie auch ich selbst – die Entwicklung ihres jüngsten Sohns, Lizandro. Er war der letzte Schützling des Studentenhauses des Schulvereins und alle hofften, dass er die Schule abschließen würde. Noch in der kleinen Urwaldschule hatte ich Lizandro vor sechs Jahren kennengelernt und als besonders begabt erlebt. Nun aber hat er letztlich doch abgebrochen und sich entschieden, in einer weit entfernten legalen Goldmine zu arbeiten…

Immer wieder schön!

Nachdem ich mich wie immer ein wenig an das Klima und die Stechtiere in Puerto Barantilla gewöhnen musste, sind die letzten Tage auf der Finca wieder ein großartiges Naturerlebnis. Jeder Morgen und jeder Abend haben etwas unvergleichbar Schönes.
Und wenn ich mit den Hunden durch den Wald streife, freue ich mich über die Vögel und die Bäume und die kunstvoll verschlungenen Lianen…

Rund um das Haus sind es dieses Mal vor allem die Insekten, die mir interessante Erlebnisse bieten. Zum Beispiel baut eine Lehmwespe am Eingangsgitter ein Nest aus Lehm. Über mehrere Tage baut sie verschiedene Röhren an, in die sie jeweils eine gefangene Spinne als Futter für ihre zukünftigen Larven einmauert. Faszinierend!

Eines Tages hat sich eine Königin der äußerst schmerzhaft stechenden Konga-Ameise in die Küche verirrt (ich fange sie ein und setze sie an einem weit entfernten Ort aus). Vor dem Schulhäuschen verspeist eine besonders schöne Spinnenart eine Raupe. Und während meiner Siesta auf dem Balkon schwärmt unmittelbar daneben ein Wespenvolk herbei und beginnt, sein neues Haus zu bauen. Nach der Rückkehr von Joëlle und Michi kann ich dann auch noch etwas mehr bei den Arbeiten mit anpacken. Ich putze die Stufen auf den älteren von „Joëlles“ Wegen rund um die Finca von Lehm und Blättern frei und schneide nochmal für eineinhalb Stunden Bambus-Triebe. Am letzten Tag helfe ich César ein klein wenig dabei, zwei Tore an Joëlles neuem Rundweg zu installieren. César macht das in seinem gewohnten handwerklichen Geschick und seiner Improvisationskunst.

Am letzten Tag komme ich sogar noch in den Genuss eines von Joëlle und Michi ausgerichteten Weihnachtsessens für die Waldhüter von Selva Viva. Ohne die Waldhüter wäre es mit den beständig wachsenden Herausforderungen sicher nicht möglich, den Schutz des Stiftungswaldes auch in Zukunft zu gewährleisten. Und dieses große Anliegen verlieren Joëlle und Michi nie aus dem Blick.

Bis bald, liebe Joëlle und lieber Michi, und danke für euren Einsatz!
Bis bald, liebe Tiere und faszinierende Natur!
Bis bald, Puerto Barantilla!

Anmerkung von Joëlle und Michi:
Vielen herzlichen Dank lieber Bernd, dass du uns so regelmässig besuchst! Wir freuen uns jedes Mal wenn du bei uns bist.
Bis bald, lieber Bernd (in einem halben Jahr?)

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Sach- und Lachgeschichten

Wir sind bekannt dafür, dass wir einen verfügbaren Stock von Bambus haben, und darum meldet man sich bei uns, wenn es eilt. Aber manchmal können auch wir nicht helfen. Besonders interessant ist die Auffassung des Wortes «Stock». Sowohl für uns als auch hier bedeutet das «Lager». An Lager haben wir natürlich nur, was schon behandelt ist und direkt zum Bauen verwendet werden kann. Also, wenn sich ein Architekt bei uns meldet, weil er morgen 150 grüne Stangen benötigt, ist das nicht verfügbar; denn frisch geerntet an Lager – wie soll das gehen? Wir benötigen gut zwei Wochen für Ernte und Behandlung. Ja, wir können viel, aber das ist auch für uns unmöglich. Zuletzt hatten wir eine Expresslieferung nach Quito. Das war auch so ein unmöglicher Auftrag, den wir aber mit einer Nachtschicht erfüllen konnten. Sie brauchten zur Deko für eine Neueröffnung eines Restaurants 300 Bambuslatten, auf 4 cm zugeschnitten, in richtiger Länge und Breite, und dazu noch 50 dünne Bambusse. Das hatten wir zum Glück im Stock und innert zwei Tagen bereitgestellt. Nun ist unser Lager gerade wieder mal etwas leerer. Wir haben schon vor Längerem einen kleinen Auftrag in Tena erhalten, wo wir eine Pergola bauen dürfen. Wir haben versprochen, dass sie zu Weihnachten stehen wird. Also haben wir letzte Woche damit begonnen, das Fundament vorzubereiten, sodass wir am Montag zementieren können. Deshalb muss die Lageraufstockung jetzt etwas warten.

Vor rund einem Jahr haben wir berichtet, dass die Hauptbrücke über den Río Napo zwischen uns und Tena repariert werden musste und sie deswegen zwei Monate lang gesperrt war. Nun gut, sie wurde so gründlich repariert, dass sie jetzt wieder gesperrt ist und erneut repariert werden muss – diesmal sogar für ein halbes Jahr. Aber es gibt noch die kleine Brücke; da dürfen leider nur Fahrzeuge bis maximal 15 Tonnen drüberfahren. Zum Glück wiegt ein voller Reisebus nur 14 Tonnen – wenn man beide Augen zudrückt. Für LKW wurde eine Fähre eingerichtet. Da passt aber kein Sattelschlepper darauf. Die müssen nun die Umfahrungsstrasse via Coca nehmen. Das bedeutet, sie müssen bei uns durch den Regenwald – erst 100 Kilometer bis nach Coca, wo sich die nächste Brücke befindet, und von dort weitere 150 Kilometer über Loreto nach Tena. Die Umfahrung dauert nur rund sieben Stunden. Vor fünf Jahren gab es noch eine Brücke in Misahuallí; die wurde aber von einem LKW zerstört. Zweimal wurden schon Gelder für den Neubau gesprochen, und zweimal sind die jeweiligen Bürgermeister damit verschwunden. So wurde die Brücke nicht mehr aufgebaut. Für uns bedeutet die Reparatur der Brücke am Río Napo vor allem, viel Geduld zu bewahren, denn die kleine Brücke kann nur einspurig befahren werden.

Vorne auf der Brücke ist bereits ein Reisebus

Wer uns schon mal besucht hat und mit Michi einen Waldspaziergang machte, kennt die Instruktionen, bevor es losgeht. Eine Regel lautet: «Halte dich an nichts fest – niemals, denn man kann nie wissen, was dort ist». Michi hat vor Kurzem mit den Hunden eine grössere Runde durch den Wald gemacht, wo er dann auch die Waldhüter von Selva Viva, Ruben und Jairo, antraf. Sie kamen ins Gespräch, und Michi stützte sich an einem kleinen Baum ab. Immer gut, wenn sich der Führer selbst nicht an das hält, was er erzählt. Sogleich schoss ihm ein Schmerz durch die Hand, als ob ihm jemand einen Nagel reinhauen würde. Nach Betrachtung des Baumes durch Ruben stellten sie ein Konganest fest. Der Stich der Konga, oder auf Deutsch der 24-Stunden-Ameise, ist der schmerzhafteste Insektenstich der Welt. Michi musste einmal mehr die Schmerzhaftigkeit spüren. Selbst schuld, wenn man seinen eigenen Anweisungen nicht folgt.

Abends, wenn wir unsere Hühner in den Stall begleiten, nehmen wir auch immer gleich die gelegten Eier raus, und das gibt uns immer ein Gefühl von Ostern. Unsere zusammengewürfelte Hühnerschar besteht zurzeit aus einer schwarzen, drei braunen und drei weissen Hennen (davon ein Schweizerhuhn) mit unserem Schweizerhahn. Alle Eier sind unterschiedlich gefärbt – von schneeweiss über verschiedene Brauntöne bis zu olivgrün.

Wir haben eine kleine Brutmaschine gekauft, um sicherzustellen, dass wir ab und zu Küken haben. Die Naturbrut ist hier etwas schwieriger als in der Schweiz, da es viel mehr Fressfeinde gibt. Abgesehen vom Tayra (sowas wie ein Marder), der am Tag vorbeikommt, über das Opossum, das in der Nacht unterwegs ist, und die Schlangen, die immer kommen, gibt es da auch noch die Eifersucht untereinander. Das beste Beispiel dafür sind Maria und Maite. Sie sind Geschwister, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Maria ist schwarz gefiedert und legt die olivgrünen Eier, und Maite ist weiss gefiedert und legt cremefarbene Eier. Sie kommen immer gleichzeitig ins Brutverhalten, und natürlich lassen wir ihnen auch immer einige Eier. Die beiden wechseln die Nester und klauen sich jeden Tag gegenseitig die Eier. Wir wissen nicht genau, wie sie das anstellen, aber dabei gehen immer welche zu Bruch. Wieder ist nur ein Küken geschlüpft, und erneut teilen sich die beiden Hennen die Aufzucht eines einzigen Kükens. Sie haben bereits Erfahrung darin, denn das haben sie schon zweimal gemacht. Sehr lustig mit anzusehen – man könnte sie durchaus als Helikoptermütter betiteln.

Leider haben wir ein kleines Problem. Seit wir den Schweizerhahn haben, schlüpfen immer nur Hähne – wir hatten mittlerweile schon 20. Zum Glück lassen sie sich gut verkaufen.

Unsere lustige Hühnerschar