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Der Wald braucht Schutz, mehr denn je

In unserem letzten Beitrag haben wir über die Wespen bei uns berichtet und wie wir immer wieder Begegnungen der schmerzhaften Art hatten. Es gibt über 600 Wildbienenarten in Ecuador. Die meisten leben im Amazonasbecken und sind die wichtigsten Bestäuber. Was alle Wildbienen in Ecuador gemeinsam haben, ist, dass sie keinen Stachel besitzen. Sie produzieren alle Honig, aber nur gerade so viel, wie sie wirklich für ihr Volk brauchen. Wenn Personen einen Wildbienenstock finden, wird er meist geöffnet und der Honig rausgenommen. Dabei stirbt die Königin meistens und als Folge stirbt das ganze Volk. Es gibt nur eine einheimische Biene, die man für die Honiggewinnung nutzt. Sie wird oft in Bioplantagen eingesetzt, da sie sehr sensibel ist. Die meisten Honigbienen werden aber aus Zuchten aus Amerika oder Europa importiert und haben dann auch wieder einen Stachel. Sie sind leider sehr invasiv und verdrängen die einheimischen Bienen und auch andere Insekten. Die ecuadorianischen Wildbienen können zwar nicht stechen, aber sie können durchaus nerven oder sogar Panikattacken bei Menschen auslösen. Eine Erdbienenart hat sich als Verteidigung ihres Stockes etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie fliegt in die Haare und beginnt sogleich daran zu zupfen und mit den Flügeln zu schlagen. Wer langes Haar hat, bringt die Bienen nicht mehr so einfach raus. Die Einheimischen nennen diese Biene auch «Haarschneider-Biene» und das ist wirklich passend. Es gibt aber auch Elfenbienen, die so klein und dünn sind, dass man sie kaum sehen kann. Die kleinsten Bienen sind nur rund ein bis zwei Millimeter gross und auch die können sehr nervig werden, besonders dann, wenn sie in die Augen fliegen, um die Mineralien zu holen, die in der Augenflüssigkeit sind. Einige Bienen leben in Termitenbauten oder in Nestern der Blattschneiderameisen. Dort leben sie in Symbiose mit den Termiten und Ameisen: Das eine Volk beschützt das andere und sie warnen sich gegenseitig vor Fressfeinden und anderen Gefahren.

In den letzten Wochen wurden wir immer mal wieder durch dumpfes Knallen aus dem Schlaf geholt. Das erste Mal wussten wir noch nicht, was los war. Auch César wurde geweckt und hatte keine Ahnung, was es war. Nach längerem Recherchieren hat Joëlle herausgefunden, dass die Armee dafür verantwortlich ist. Das Militär geht nun noch schärfer gegen das illegale Goldwaschen vor und hat seine Taktik geändert. Eine Sondereinheit spioniert am Tag in Zivil die Region aus und schlägt dann in der Nacht zu. Früher mussten die Bagger bei der Arbeit sein, um festzustellen, dass sie für das Goldwaschen eingesetzt werden, worauf die Bagger angezündet wurden. Jetzt reichen Bilder aus, die zeigen, wie mit dem jeweiligen Bagger Gold gewaschen wurde. Wenn das belegt ist, werden die Bagger in der Nacht mit Sprengstoff gesprengt. Dabei geht es darum, dass niemand sehen kann, dass die Soldaten kommen.

Allein in unserer direkten Umgebung wurden in diesem Monat mehr als 10 Bagger und unzählige Goldwaschmaterialien vernichtet. In einem Fall wurden USD 15 000 und 200 Gramm Gold beschlagnahmt. Leider liegt der Fokus der Armee vorwiegend auf den Baggern und nicht auf den schwimmenden Goldwaschanlagen (Dragas), die seit geraumer Zeit überall wie die Pilze an den Flüssen und Bächen aus dem Boden schiessen. Auch unser Wald wird von Goldwäschern durchquert.

Da sie auf einem Nachbargrundstück waschen, können wir nichts dagegen unternehmen. Auf unseren Wildkameras haben wir wieder vermehrt Wilderer, die auch gleichzeitig Goldwäscher sind.

Diese bewaffnete Person gehört zur Familie…
…dieses weitherum bekannten Wilderers und Goldwäschers, welcher uns bereits nachweislich mind. zwei Fotofallen gestohlen hat.

Eine Anzeige bringt nichts, da wir zu weit draussen im Wald leben und die Polizei dafür keine Zeit hat. Wir fühlen uns sehr allein und hilflos. Besonders befremdlich ist für uns, dass sich selbst die benachbarte Organisation, die Tiere auswildert und ihnen damit eine vermeintliche zweite Chance gibt, nicht gegen die Wilderei ausspricht. Da sie weder mit uns kommuniziert noch öffentlich Stellung bezieht und ihr Verhalten teilweise sogar kontraproduktiv erscheint, entsteht bei uns der Eindruck, dass diesem Problem nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wir waren letzte Woche auf unserem neuen Grundstück in Cosanga und haben einem Nachbarn einige Arbeiten in Auftrag gegeben. Mal schauen, ob das was wird. Wir müssen die Fläche, auf der wir unser Haus bauen wollen, vorbereiten. Denn voraussichtlich im August wird durch die Gemeinde der Flusslauf des angrenzenden Rio Cosanga «korrigiert» werden. Bei dieser Gelegenheit werden wir unseren Bauplatz mithilfe der Bagger einebnen und ein Steinfundament machen lassen. Zudem werden Drainagen gemacht, um Wasser in den Hängen auszuleiten. Aufs Neue waren wir von unserem Grundstück verzaubert. Wir haben so viele Ideen und Vorstellungen. Mal schauen, ob und wie wir alles umsetzen können.

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Langeweile? Nicht bei uns!

Bei uns hat die Regenzeit begonnen. Bis jetzt hatten wir in unserer Region noch nicht viel Niederschlag, aber es regnet täglich. In den Voranden regnet es hingegen stark und intensiv. Das hat zur Folge, dass es vermehrt Erdrutsche und Murgänge gibt. Die Strasse nach Quito ist immer wieder gesperrt und es ist jedes Mal eine kleine Lotterie, ob man bis nach Quito kommt, wenn man dorthin muss. Das viele Wasser lässt auch die Flüsse ansteigen, was wiederum zur Folge hat, dass die am Rio Napo liegenden Orte zum Teil überschwemmt werden. Auch die Insel Anaconda ist davon betroffen und die niedriger angelegten Plantagen werden überschwemmt. Aber im Moment, also heute, fehlen noch rund 1,5 Meter, bis die ganze Insel überschwemmt wird. Eine Überschwemmung bedeutet zwar, einen Ernteausfall zu erleiden, aber der Sand und die Sedimente, die neu abgelagert werden, sind so nährstoffreich, dass die Plantagen mit super Biodünger angereichert werden. Der Rio Napo und der Arajuno steigen jeweils sehr schnell an, laufen aber auch genauso schnell wieder ab. Ob wir den Höchststand erreicht haben, werden wir sehen. Bei all dem Wasser darf man aber nicht vergessen: Auch bei uns scheint die Sonne trotzdem täglich mindestens eine Stunde lang.

Riesen Brama Küken

Als Michael aus der Schweiz zurückkam, hat er die Eier von den Riesen Brahma Hühnern mitgenommen, darüber haben wir im letzten Blog berichtet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft. Leider haben wir einige Eier aufgrund des Stromausfalls in den ersten drei Nächten verloren. Genau wegen solcher Ereignisse haben wir einige Eier bei unseren Nachbarn ausbrüten lassen. Insgesamt haben wir fünf Küken, die wir mit grosser Vorsicht aufziehen. Sie sind schon ein kleiner Hingucker und mit ihren befiederten Füssen sind sie sehr lustig.

Küken verstecken sich hinter ihrem Häusschen

Die Riesen Brahmas sind die grösste Hühnerrasse der Welt, sie wachsen sehr schnell und man kann ihnen dabei zusehen. Viele Leute, die sie bei uns sehen, wollen jetzt unbedingt auch diese Rasse haben. Mal abwarten, wie die Geschlechtsverteilung ist. Es steht bereits fest, dass ein Hahn zur Blutauffrischung zu unserem Nachbar geht.

Wir haben bereits mehrmals über Joëlles Wanderweg berichtet, nun ist er fertig. Begehen konnte man ihn schon lange. Michael hat einfach immer noch mehr Verbesserungen gemacht, bis es für Joëlle stimmte.

neue Bank beim Wasserfall

Er hat auch eine Bank gebaut, sie befindet sich am tiefsten Punkt des Weges. Man kann sich da etwas ausruhen, bevor man den Anstieg in Angriff nimmt oder man kann auch einfach nur den Wasserfall geniessen oder den Kolibris dabei zusehen, wie sie Nektar aus den vielen Helikonien trinken.

Insgesamt hat es auf dem ganzen Rundweg sechs verschiedene Helikonienarten.

Es gibt in Ecuador mehrere hundert Wespenarten. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Dies beruht auf der einzigartigen Vielfalt Ecuadors mit den verschiedensten Klimazonen und Klimaregionen, vom Meer über die Anden hinunter zum Amazonasregenwald und nicht zu vergessen Galapagos. Die meisten Arten sind sehr friedlich und lassen einen in Ruhe, wenn man sie nicht in ihrem Nest belästigt. Bei uns am Haus leben vier verschiedene Wespenarten, die man gar nicht bemerkt. Man sagt, dass die Wespen am Haus das Haus bewachen.

Wir haben eine für uns neue Wespenart entdeckt, die Weissflügelwespe. Sie ist schwarz und die Flügelenden sind weiss – daher der Name. Wir hatten schon einige Wespenstiche, meistens trifft es jedoch Michael im Wald, wenn sich ein Nest unterhalb eines Blattes befindet und er es mit dem Fuss berührt. Dann heisst es einfach rennen. Ok, César, unser Mitarbeiter, sagt, man soll stehen bleiben und sich nicht bewegen. Aber das ist Quatsch, auch er rennt, wenn er im Wald einem aufgeweckten, wildgewordenen Schwarm begegnet. Michael hat die Weissflügelwespen, die an unserem Hühnerhaus ein Nest gebaut haben, nicht gesehen, aber dafür gespürt. Er hat sich an der Verstrebung, an der sich das Nest befindet, festgehalten, als er die Hühner reingebracht hat.

Nest der Weissflügelwespen am Hühnerhaus

Die Vibrationen haben gereicht, dass einige der Wespen losflogen und Michael rennen musste. Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft, im Vergleich dazu ist der Stich einer Schweizer Biene Wellness. Jetzt, wo wir wissen, dass sie dort nisten, leben wir gut miteinander. Aber nicht alle Wespen leben im Schwarm. Es gibt viele Arten, die nur in ganz kleinen Gruppen leben (vier bis zwölf Tiere) und es gibt sogar einige Arten, die alleine unterwegs sind, wie z. B. die Hummel in Europa. Eine ganz spezielle Wespenfamilie sind die Wegwespen. Nun werden sich alle, die sich vor Spinnen fürchten, über diese Wespen freuen. Die Wegwespen bauen Höhlen aus Erde oder graben sogar Löcher direkt in die Erde. Dann betäuben sie eine Spinne und tragen diese in ihre Höhle. Nun legen sie ein Ei auf die Spinne und verschliessen das Loch. Die Larve schlüpft und nistet sich in der betäubten Spinne ein, die ihre Nahrung ist, und sie frisst die Spinne auf.

Je nach Wegwespenart und Grösse sind auch die Spinnen grösser oder kleiner. Die Wespe «Tarantulafalke» ist die grösste der Familie und macht, wie der Name schon sagt, Jagd auf Taranteln, die sie in ein Erdloch zieht und so ihre Nachkommen ernährt.

einige Arten bilden Lebendnester

Bei uns läuft gerade sehr viel. Wir knüpfen bereits die ersten wichtigen Kontakte bei unserem neuen Grundstück in der Gemeinde Cosanga. Da werden wir nächstes Wochenende den Bürgermeister treffen. Er wird mit den Leuten aus der Region besprechen, wie man den Fluss bzw. das Flussufer sicherer machen kann. Wenn dann die schweren Maschinen vor Ort sein werden, möchten wir das gleichzeitig auch für das Fundament und die Zufahrt unseres neuen Hauses nutzen. Die Zusage dafür haben wir bereits bekommen. Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Michael arbeitet gerade auch sehr viel für SelvaViva, denn da stehen «Grenzreinigungen» an. Das ist mal wieder so eine Sache, denn der eine Nachbar von SelvaViva ist (wenig überraschend) einmal mehr nicht einverstanden und benimmt sich komplett daneben. Über das leidige Thema der Goldwäscher können wir leider keine Infos mehr geben, da wir über unsere eigene Homepage ausspioniert werden. Kein Scherz! Aber so viel sei gesagt: Wir bleiben dran.

Fluss Cosanga
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Ein Koffer voll mit Geschenken und neue Herausforderungen

Michael ist wieder zurück aus seinen Ferien. Er hat viele Geschenke und auch einiges für das leibliche Wohl mitgebracht. Ein grosses Dankeschön an alle die uns so grosszügig beschenkt haben. Zum ersten Mal wurde Michael bei der Einreise nach Ecuador kontrolliert, das war bisher nie der Fall. Die Beamten hatten beim Röntgen eines seiner Koffer verdächtig viele Wildkameras entdeckt. Michael musste den Koffer öffnen und zeigte sie ihnen sofort in der Hoffnung, dass sie den Rest des Koffers nicht interessierte. Sie wollten den Kaufpreis der acht Wildkameras wissen. Das waren aber Geschenke. Michael zeigte ihnen im Internet die Preise und so war der Warenwert unter den erlaubten $ 300 Freibetrag für die Einfuhr und er konnte den Koffer wieder schliessen. Zum Glück, denn wenn sie genauer hingeschaut hätten, wäre da noch viel mehr gewesen! Vor allem, wenn sie den zweiten Koffer mitgerechnet hätten. Da waren nochmals fünf Wildkameras drin und natürlich noch viel mehr. Aber es hat sich wieder einmal gezeigt, wenn man freundlich ist und mithilft, kann man viel erreichen. Die 26 Bruteier von den Riesen Brahma Hühnern, die höchst illegal eingeführt wurden, sind jetzt bereits im Inkubator. Ein Teil der Eier ist bei uns und ein Teil bei unseren Nachbarn.

Wildkamera

Wir hatten letzte Woche über drei Tage hinweg keinen Strom bei uns. Glücklicherweise haben wir einen Generator, den wir aber nur während des Tages laufen lassen. Gut, dass wir einen Teil der Bruteier unseren Nachbarn gegeben haben, denn die sind an einer anderen Stromline angeschlossen. Aber was war denn überhaupt geschehen? Letze Woche kamen Verantwortliche der Stromgesellschaft auf die Insel Anaconda und nahmen alle Haushalte, welche die Stromrechnung schon länger nicht bezahlt haben vom Netz (länger bedeutet zwei bis drei Jahre und aufgelaufene Beträge in der Höhe zwischen $600 bis $900). Das hat sehr viel Missmut verursacht und es wurden Bäume so gefällt, dass sie die Stromleitungen runtergerissen haben. Einige haben sich direkt mit dem Stromnetz verbunden und so einen Kurzschluss verursacht. Die Techniker der Stromgesellschaft wurden stark beschimpft und bedroht was dazu führte, dass bis jetzt einige noch immer keinen Strom haben. Viele haben das Gefühl, dass sie alles bekommen ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Es sind leider die Familien, mit den grossen Alkoholproblemen und das sind nicht gerade wenige.

abendlicher Ausblick vom Aussichtstrum

Bevor Michael in die die Ferien ging, hatten wir noch viel Bambus eingekauft. César musste die Arbeiten noch zu ende bringen. Das hat er auch getan unter dem kontrollierenden Auge von Joëlle. Nun ist unser Lager wieder gefüllt und wir können wieder tüchtig Abverkaufen. Leider haben wir keinen Grossauftrag, dafür aber immer wieder kleinere Verkäufe. Die Architekten kaufen lieber an der Küste ein; mit diesen Preisen können wir nicht mithalten. Dafür liefern die aber auch viel Schlechtes und das Material muss dann ersetzt werden und da kommen wir wieder ins Spiel. Wir haben «Laufkundschaft», die auch mal nur zwei oder drei Stangen für Dekorzwecke kaufen.

Heuschrecke

Wir engagieren uns sehr für den Umweltschutz und machen uns bekannterweise nicht nur Freunde damit. Wir mussten uns eingestehen, dass wir oft nicht «abschalten» können und wir uns Tag und Nacht mit diesem Thema beschäftigen. Besonders dann, wenn wieder neue Goldminen gefunden werden oder der Waldschutz von benachbarten Organisationen mit Füssen getreten wird. Das geht auf die Dauer nicht gut und schadet unserer Gesundheit. Wir müssen ab und zu etwas Distanz gewinnen und dabei abschalten können. Für uns hat sich eine riesen Chance ergeben. Wir haben ein Grundstück gefunden, das zwar etwas entfernt liegt aber dennoch genügend nah, um es innert nützlicher Zeit zu erreichen. Es liegt in den Voranden auf 2200 m ü. M. Gemeinsam mit unseren niederländischen Nachbarn, Ciska und André, haben wir 14 ha Nebelwald gekauft. Das Ziel ist es einen Rückzugsort zu bauen, wo wir uns wirklich erholen können – einen Ort wo es kein Gold gibt, den wir für uns alleine haben und den wir ausschliesslich mit unseren Freunden teilen werden. Dennoch werden wir unsere Projekte nicht aufgeben und wir werden uns weiterhin für den Natur- und Umweltschutz einsetzen, einfach mit einem Rückzugsort. Wie wir das genau Managen werden, wissen wir auch noch nicht. Ideen haben wir einige; ob wir sie umsetzen können, wird sich zeigen. Zuerst müssen wir jetzt wieder Sparen, so dass wir uns ein Haus bauen können. Und dann wird sich sicher wieder eine Türe öffnen. Wir werden euch auf dem Laufenden halten.

Odin reicht ein Bettchen nicht…

Zum Schluss noch dies: Als Michael in der Schweiz war wurde er von einem lieben Freund gefragt, warum er all die Strapazen und Schwierigkeiten auf sich nimmt, und was die Motivation dahinter sei. Michael ist durch und durch Tierpfleger und wenn er solche Wildtieraufnahmen in unserem Wald machen kann und weiss, dass diese Tiere nur noch da sind, weil wir uns für sie einsetzten, ist das Motivation genug.

Jaguar

Leider können wir hier nicht alle Aufnahmen zeigen, aber in den letzten zwei Monaten hatten wir vor der Linse: Jaguar, Tapir, Ozelot, Margay, Aguti, Paka, Pekari, Schneebussard, Hirsche und noch viele Tiere mehr.

Agutis sind unsere fleissigen Helfer bei der Aufforstung
neugieriger Tapir
scheue Pekaris durchstreifen unseren Wald
zwei entspannte Tapire
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Erfahrungsbericht aus dem Regenwald von Milena

Ankunft und Wartezeit

Nach meiner Ankunft holte mich Joëlle in Quito mit dem Auto ab. Auf unserer Fahrt in den Regenwald sahen wir bereits wunderschöne Landschaften und ich war fasziniert von dem fremden neuen Land. Joëlle erzählte mir, dass sie mit Luca festgesteckt war, weil die Strasse aufgrund eines Erdrutsches gesperrt war. Zuerst lachten wir noch darüber aber als wir an besagter Stelle ankamen, stand bereits eine Schlange an Autos und Lastwagen in dem kleinen Dörfchen. Nach Erkundigungen stellte sich heraus, dass ein Träger der Brücke eingestürzt war und diese repariert werden musste. Der erste Kulturschock; es gab keine Möglichkeit diese kaputte Brücke etwas weiter unten oder oben zu umfahren. Die nächste Umfahrungsstrasse, welche bereits einen grossen Umweg dargestellt hätte, war ebenfalls durch Bauarbeiten gesperrt und so haben wir gewartet. Und wir haben gewartet und gewartet und gewartet. Insgesamt standen wir ca. 11 Stunden und bewegten uns nicht vom Fleck.

warten, warten, warten…

Eingewöhnungszeit und Alltag

In der ersten Woche konnte ich es gemütlich angehen. Joëlle und Michi zeigten mir das Haus und die Umgebung. Die Sandfliegen und ihre vielen Stiche machte mir am Anfang ziemlich zu schaffen. Nach circa einem Monat hier, verheilten die aufgekratzten Stellen aber langsam und ich reagierte weniger extrem auf neue Stiche.
Ich lernte bald, wie die Meerschweinchen, Hühner, Hunde und die Katze gefüttert werden und durfte dies selbständig erledigen. Da ich Tiere liebe machte mir diese Arbeit viel Freude.

Yuma freut sich

Nach kurzer Zeit wurde ich zur Pflanzenfrau gekürt und pflanzte ums Haus herum Jamaica und Chili. Das Bambusprojekt von Joëlle und Michi war während meines Aufenthalts voll im Aufbau. Um zu verhindern, dass die Hänge rund um die Baustelle abrutschen, war ich dafür zuständig, Vetiver, eine Pflanze deren Wurzeln bis zu 5 Meter lang werden, zur Stabilisierung in die Hänge einzusetzen. Dabei habe ich mehr als 400 Pflänzchen gesetzt und es warten noch mehr Hänge darauf bepflanzt zu werden.

Passionsblumen-Käfer

Der Bau der Bambus-Immunisierungsanlage beanspruchte mehr Zeit als geplant und ich konnte mich dort nicht wirklich gut einsetzen. So arbeitete ich viel ums und im Haus. Joëlle und Michi gaben sich Mühe, mir immer passende und abwechslungsreiche Arbeiten zu übergeben. Zu meinen Tätigkeiten gehörten zum Beispiel in Bambusbehälter eingepflanzte Setzlinge und Weiden von Unkraut zu befreien, die Fliegengitter in den Fenstern zu reinigen und neue Gitter zuzuschneiden. Ab und zu am Mittag für uns und die Arbeiter zu kochen, was eine interessante Herausforderung war, da ich bis anhin noch nie für so viele Leute gekocht hatte. Zudem durfte ich Fondue Gabeln, welche von César und seiner Familie aus Bambus geschnitzt wurden, schleifen, damit Michi diese in die Schweiz zu seinem Bruder für dessen Restaurant schicken konnte. Diese Arbeit war total meditativ und hat mir viel Spass gemacht. In meiner letzten Woche habe ich noch meinen eigenen Baum gepflanzt, für den ich direkt eine Baumpatenschaft abgeschlossen habe. Dies war mir sehr wichtig.

Kühe pflegen

Am Ende meiner ersten Woche bei Joëlle und Michi stand ein Verkauf von Kühen an. Das bedeutete die Kühe von der Weide zum Haus zurücktreiben. Diese fanden wir allerdings nicht auf der Weide, wo sie sein sollten, sondern in einem steilen Waldstück. Das zurücktreiben, war für mich am Anfang ziemlich respekteinflössend, da die Kühe zum Teil recht ungehalten den Hang im Wald runter kamen. Ich ahmte so gut es ging die Rufe der anderen Arbeiter nach, um die Kühe anzutreiben und es machte mir mit der Zeit echt Spass. Beim Haus wurden die Kühe zuerst nach Verletzungen untersucht, eingefangen und behandelt. Ich sah, dass Michi und Joëlle sehr gut zu den Tieren und ihrem Wohlbefinden schauen.
Während meines ganzen Aufenthalts half ich immer wieder die Kühe zum Haus zurückzutreiben, da diese bei Weidenwechsel jeweils spezielles Futter bekamen und die verletzten Tiere gründlich versorgt wurden. Auch bei der Verarztung konnte ich assistieren.

Waldspaziergänge

Ich durfte Michael einmal nach Chorongo Alpa begleiten, um dort aufgestellte Wildkameras einzusammeln. Auf diesem Spaziergang durch den Regenwald erklärte mir Michi viele spannende Details über den Wald, die Pflanzen welche dort wachsen und die Tiere die dort leben. Die Vielfältigkeit des Waldes zu erleben, war für mich wunderschön und ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Auch die Reinheit der Luft fand ich überwältigend.

Ein anderes Mal konnte ich mit Michi ausgepflanzte Baumsetzlinge kontrollieren gehen. Danach führte er mich noch in den Primärwald und ich durfte Urwaldriesen bestaunen. Auf diesem Ausflug, erlebte ich den Regenwald hautnah. Uns überraschten zwei Regenschauer während wir im Wald waren und wir kamen klitschnass zum Haus zurück.

Freizeit und Kultur

In der Hängematte zu liegen, ein Buch zu lesen oder den Tieren zuzuhören, spazieren oder im nahgelegenen Fluss schwimmen zu gehen, gehörten zu meinen Lieblingsaktivitäten während meiner Freizeit. Sehr gerne verbrachte ich auch Zeit mit Joëlle und Michi auf der Veranda, wo ich eine Antwort auf alle möglichen Fragen erhielt und ich sehr viel über das Land Ecuador, die Politik, die Kultur und die Verhaltensweisen und Eigenarten der Menschen erfahren konnte sowie ganz viele Tipps für meine weitere Reise erhielt.
In Tena, der nächstgelegenen Stadt, durfte ich gratis im Studentenwohnheim von Christine übernachten, was ich sehr schätze. Es gibt keinen Fahrplan für den Bus von Puerto Barantialla nach Tena. Einfach an der Bushaltestelle warten bis der nächste kommt, auch etwas an das man sich als europäische Person zuerst gewöhnen muss.
Während meiner Zeit auf der Finca durfte ich zusammen mit Joëlle an eine traditionelle Kichwa Hochzeit gehen. So nahe an der Kultur von indigenen Menschen zu sein war für mich unglaublich spannend und eindrücklich.

Hochzeitsfest mit vielen Gästen und Geschenken

Kurz vor Weihnachten begleitete ich Joëlle an das Weihnachtsfest der Schule, was auch eine interessante und lustige Erfahrung war.
Michi und Joëlle waren immer sehr rücksichtsvoll und haben mir einen wundervollen Aufenthalt bereitet. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte und werde die Erlebnisse hier nie vergessen.