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Sach- und Lachgeschichten

Wir sind bekannt dafür, dass wir einen verfügbaren Stock von Bambus haben, und darum meldet man sich bei uns, wenn es eilt. Aber manchmal können auch wir nicht helfen. Besonders interessant ist die Auffassung des Wortes «Stock». Sowohl für uns als auch hier bedeutet das «Lager». An Lager haben wir natürlich nur, was schon behandelt ist und direkt zum Bauen verwendet werden kann. Also, wenn sich ein Architekt bei uns meldet, weil er morgen 150 grüne Stangen benötigt, ist das nicht verfügbar; denn frisch geerntet an Lager – wie soll das gehen? Wir benötigen gut zwei Wochen für Ernte und Behandlung. Ja, wir können viel, aber das ist auch für uns unmöglich. Zuletzt hatten wir eine Expresslieferung nach Quito. Das war auch so ein unmöglicher Auftrag, den wir aber mit einer Nachtschicht erfüllen konnten. Sie brauchten zur Deko für eine Neueröffnung eines Restaurants 300 Bambuslatten, auf 4 cm zugeschnitten, in richtiger Länge und Breite, und dazu noch 50 dünne Bambusse. Das hatten wir zum Glück im Stock und innert zwei Tagen bereitgestellt. Nun ist unser Lager gerade wieder mal etwas leerer. Wir haben schon vor Längerem einen kleinen Auftrag in Tena erhalten, wo wir eine Pergola bauen dürfen. Wir haben versprochen, dass sie zu Weihnachten stehen wird. Also haben wir letzte Woche damit begonnen, das Fundament vorzubereiten, sodass wir am Montag zementieren können. Deshalb muss die Lageraufstockung jetzt etwas warten.

Vor rund einem Jahr haben wir berichtet, dass die Hauptbrücke über den Río Napo zwischen uns und Tena repariert werden musste und sie deswegen zwei Monate lang gesperrt war. Nun gut, sie wurde so gründlich repariert, dass sie jetzt wieder gesperrt ist und erneut repariert werden muss – diesmal sogar für ein halbes Jahr. Aber es gibt noch die kleine Brücke; da dürfen leider nur Fahrzeuge bis maximal 15 Tonnen drüberfahren. Zum Glück wiegt ein voller Reisebus nur 14 Tonnen – wenn man beide Augen zudrückt. Für LKW wurde eine Fähre eingerichtet. Da passt aber kein Sattelschlepper darauf. Die müssen nun die Umfahrungsstrasse via Coca nehmen. Das bedeutet, sie müssen bei uns durch den Regenwald – erst 100 Kilometer bis nach Coca, wo sich die nächste Brücke befindet, und von dort weitere 150 Kilometer über Loreto nach Tena. Die Umfahrung dauert nur rund sieben Stunden. Vor fünf Jahren gab es noch eine Brücke in Misahuallí; die wurde aber von einem LKW zerstört. Zweimal wurden schon Gelder für den Neubau gesprochen, und zweimal sind die jeweiligen Bürgermeister damit verschwunden. So wurde die Brücke nicht mehr aufgebaut. Für uns bedeutet die Reparatur der Brücke am Río Napo vor allem, viel Geduld zu bewahren, denn die kleine Brücke kann nur einspurig befahren werden.

Vorne auf der Brücke ist bereits ein Reisebus

Wer uns schon mal besucht hat und mit Michi einen Waldspaziergang machte, kennt die Instruktionen, bevor es losgeht. Eine Regel lautet: «Halte dich an nichts fest – niemals, denn man kann nie wissen, was dort ist». Michi hat vor Kurzem mit den Hunden eine grössere Runde durch den Wald gemacht, wo er dann auch die Waldhüter von Selva Viva, Ruben und Jairo, antraf. Sie kamen ins Gespräch, und Michi stützte sich an einem kleinen Baum ab. Immer gut, wenn sich der Führer selbst nicht an das hält, was er erzählt. Sogleich schoss ihm ein Schmerz durch die Hand, als ob ihm jemand einen Nagel reinhauen würde. Nach Betrachtung des Baumes durch Ruben stellten sie ein Konganest fest. Der Stich der Konga, oder auf Deutsch der 24-Stunden-Ameise, ist der schmerzhafteste Insektenstich der Welt. Michi musste einmal mehr die Schmerzhaftigkeit spüren. Selbst schuld, wenn man seinen eigenen Anweisungen nicht folgt.

Abends, wenn wir unsere Hühner in den Stall begleiten, nehmen wir auch immer gleich die gelegten Eier raus, und das gibt uns immer ein Gefühl von Ostern. Unsere zusammengewürfelte Hühnerschar besteht zurzeit aus einer schwarzen, drei braunen und drei weissen Hennen (davon ein Schweizerhuhn) mit unserem Schweizerhahn. Alle Eier sind unterschiedlich gefärbt – von schneeweiss über verschiedene Brauntöne bis zu olivgrün.

Wir haben eine kleine Brutmaschine gekauft, um sicherzustellen, dass wir ab und zu Küken haben. Die Naturbrut ist hier etwas schwieriger als in der Schweiz, da es viel mehr Fressfeinde gibt. Abgesehen vom Tayra (sowas wie ein Marder), der am Tag vorbeikommt, über das Opossum, das in der Nacht unterwegs ist, und die Schlangen, die immer kommen, gibt es da auch noch die Eifersucht untereinander. Das beste Beispiel dafür sind Maria und Maite. Sie sind Geschwister, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Maria ist schwarz gefiedert und legt die olivgrünen Eier, und Maite ist weiss gefiedert und legt cremefarbene Eier. Sie kommen immer gleichzeitig ins Brutverhalten, und natürlich lassen wir ihnen auch immer einige Eier. Die beiden wechseln die Nester und klauen sich jeden Tag gegenseitig die Eier. Wir wissen nicht genau, wie sie das anstellen, aber dabei gehen immer welche zu Bruch. Wieder ist nur ein Küken geschlüpft, und erneut teilen sich die beiden Hennen die Aufzucht eines einzigen Kükens. Sie haben bereits Erfahrung darin, denn das haben sie schon zweimal gemacht. Sehr lustig mit anzusehen – man könnte sie durchaus als Helikoptermütter betiteln.

Leider haben wir ein kleines Problem. Seit wir den Schweizerhahn haben, schlüpfen immer nur Hähne – wir hatten mittlerweile schon 20. Zum Glück lassen sie sich gut verkaufen.

Unsere lustige Hühnerschar
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Wintereinbruch

Wir haben Hilfe bekommen, Carmelo ist gerade für einige Zeit bei uns und hilft tatkräftig mit. Auch Britta, die Lehrerin, ist wieder da und hält den Sommerkurs für die Kinder ab. Bei uns ist gerade viel Betrieb auf der Farm. Da wir so viele Leute bei uns haben, wollten wir uns eine kleine Auszeit nehmen, aber eben: wollten. Auf Grund der starken Niederschläge in den Voranden hat es viele Erdrusche und Murgänge gegeben. Die direkte Strasse Tena-Quito ist verschüttet und/oder abgerutscht, sie wird für längere Zeit geschlossen sein. Auf der anderen Seite in Richtung Baños ist die Strasse auch immer wieder geschlossen wegen Murgängen. Die dritte Strasse via Macas ist auch nicht dauerhaft offen. So ist Tena immer wieder abgeschnitten. Deshalb haben wir uns entschieden unsere Auszeit zu verschieben.

Odin, zusammengerollt kuschelt er sich fest an Hera

Die anhaltenden Regenfälle in den Voranden haben den Winter bei uns so richtig eingeläutet. Die kalten Fallwinde aus den Bergen kühlen alles ab. Die Temperaturen sind in der letzten Woche kaum über 23°C gestiegen und in der Nacht sind sie unter 20°C gefallen. Ja, wir wissen in der Schweiz wünschen sich das einige. Hier haben wir eine viel höhere Luftfeuchtigkeit rund 85 bis 95 Prozent, darum ist das Kälteempfinden bei uns anders. Auch Britta, Carmelo und die Einheimischen tragen Fliesjacken und hoffen auf die wärmende Sonne.

Neue T-Shirts werden eingepackt

Wir haben neue T-Shirts machen lassen. Sie sind uns ausgegangen da wir sie auch als Arbeitskleidung abgeben. Wir mussten uns eine neue Schneiderei suchen, denn die letzte ist umgezogen und wir wissen nicht wohin. Für uns ist es wichtig die T-Shirts wieder in der Region herzustellen zu lassen. Sie sind zwar fast doppelt so teuer, als wenn wir sie direkt in China bestellen würden. Die T-Shirts werden nicht nur hier bedruckt, sie werden auch hier zugeschnitten und zusammengenäht und dies wird sicher ohne Kinderarbeit gemacht. In der Schneiderei haben wird zumindest keine gesehen. Dieses Mal konnten wir die T-Shirts auch in Grössen für «Durchschnittseuropäer» anfertigen lassen.

Einige junge Frauen von der Insel Anaconda haben uns gefragt, ob wir ihnen beim Aufbau eines Auftritts ihres Unternehmens in den sozialen Medien helfen würden. Ihr Wunsch ist es, den Auftritt selbständig zu verwalten. Da ist Joëlle der Profi, da sie ein Tourismusstudium mit Fokus auf Marketing absolviert hat. Joëlle organisierte einen Schulungstag und half den jungen Frauen in einem ersten Schritt beim Erstellen eines eigenen Kontos und beim Hochladen der ersten, einfachen Inhalte. Sie kreierten auch ein neues Logo, denn das alte gefiel ihnen nicht.

Rosy, Fidencia und Joëlle kreiren das neue Logo

Joëlle gab ihnen praktische Tipps und riet ihnen regelmässig Aktualitäten zu veröffentlichen und mit aussergewöhnlichen und neuen Ideen ihr Profil interessant zu gestalten. Das Ganze so einfach wie möglich, damit die Frauen sich selbst um die Administration und Bearbeitung kümmern können. Wir fragten beim Förderverein der Schule Sacha Yachana Wasi nach, ob sie einen Kostenbeitrag zum Schulungstag übernehmen würden. Sie waren begeistert von der Erwachsenenbildung und übernahmen gerne die Verpflegungskosten. Das Ganze ist natürlich noch nicht abgeschlossen, es werden weitere Schulungstage stattfinden und für Fragen und weitere Hilfe ist Joëlle weiterhin für sie da. Vorerst können sie mit dem neu erworbenen Grundwissen arbeiten und ihre Erfahrungen sammeln, um dann Schritt für Schritt ihren digitalen Auftritt zu verbessern.

Mit dicken Jacken sitzen wir am Computer

Michi hat die ruhige Zeit genutzt mal wider seine Kreativität ausleben zu können. Er machte verschiedene Windlichter sowohl kleine als auch grosse für den Garten. Klar ist es nie so richtig ruhig bei uns, aber wir haben zumindest den Druck nicht mehr des Grossauftrags. Da werden nächste Woche die letzten Bambusstangen und Bambusmatten ausgeliefert. Für kleinere Aufträge haben wir auch schon wieder einen Stock an Lager. Wir werden das Lager nun kontinuierlich wieder auffüllen. Wir haben die Zeit auch genutzt, um ein weiteres Projekt anzugehen. Joëlle wünscht sich schon länger ein separates Büro. Michi hat es geplant und er wird es als Lehrobjekt umsetzen. Selbstverständlich wird es aus Bambus gebaut. Zudem soll es auch ein Vorzeigebungalow für allfällige Interessenten werden. Nächste Woche wird der Spatenstich erfolgen. Wir sind gespannt, ob es so herauskommt, wie Michi es sich vorstellt.

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Aktuelle Entwicklungen, Wildtiere und Strassenbau

Die letzten Monate waren von der Bambusernte und dem illegalen Goldwaschen sehr geprägt. Wir haben mit dieser Mondphase die letzten Bambusstangen für den Grossauftrag geerntet und im Becken zur Behandlung eingelegt. Ende Juli werden wir die letzten Stangen und Matten ausliefen. Dann können wir unser Lager wieder füllen und uns um Kleinanfragen kümmern; aber vor allem können wir uns auch wieder anderen Dingen widmen, die leider etwas zu kurz gekommen sind. Die letzte Zeit hat bei uns Spuren hinterlassen, ganz besonders das Goldwaschen mit den Problemen drum herum.

Leider gibt es einige Personen, denen es gar nicht recht ist, wenn wir die Wahrheit sagen oder, wie hier, in unserem privaten Blog schreiben. Denen sei Folgendes gesagt: Wenn ihr die Wahrheit nicht ertragen könnt, lest einfach unseren Blog nicht! Denn alles, was wir sagen oder schreiben, können wir belegen. Wer das Material einsehen möchte, darf das gerne tun – wir stellen es zur Verfügung. Wir haben von einem Freund ein Zitat zu diesem Thema erhalten, welches zu unserer Aufheiterung gedacht war. Es trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf:

«Ich habe nicht schlecht über dich geredet. Ich habe nur erzählt, was passiert ist. Wenn dich das schlecht dastehen lässt, liegt das nicht an mir.»

Entschuldigung an alle die das nicht betrifft, aber es musste jetzt mal raus.

Die Regenzeit geht dem Ende zu und die Niederschlagsmengen werden langsam weniger und sind nicht mehr so intensiv. Das lässt auch wieder vermehrt längere trockene Waldspaziergänge zu. Als Michi letzte Woche die Wildkameras kontrollieren ging haben wir mit Freude festgestellt, dass wir wieder vermehrt Jaguare auf unserem Land haben. Die letzten Jahre waren sie nur jeweils ca. einen Monat lang bei uns. Jetzt sieht es so aus, als dass ein Jaguar unser Land zu seinem Kernrevier gemacht hat, da er regelmässig, jeden Monat, von den Wildkameras aufgenommen wurde.

Jaguar

Wir haben mehrere Kameras an wichtigen Wegpunkten und Tierpfaden auf unserem Land platziert. So haben wir einen guten Überblick, wer wann und wo durch unsere Grundstücke läuft. Seit der Jaguar vermehrt da ist, ging der Bestand von Hirschen, Pekaris (so eine Art Wildschweine) und Pakas (sowas wie grosse und nachtaktive Meerschweinchen) zurück. Erstaunlicherweise hat es jetzt viel mehr Bodenvögel wie z. B. Tinamus, Tauben, Wildhühner und Hokkos. Die wiederum ziehen Jaguarundis (Wieselkatze) und Ozelote an. Auch ein Margay (Baumozelot) ist uns zum ersten Mal vor die Linse gelaufen. Es freut uns sehr, dass der Wald bei uns wieder so eine Dynamik bekommt. Das sicherlich auch, weil wir die Wilderei verbannt haben und sie nicht zulassen. Seit der Anzeige gegen den Wilderer, wegen des Diebstahls der Wildkameras, haben wir keine Jäger mehr auf den Fotos.

Hokko

Seit Jahren wird davon gesprochen, dass man die Strasse, die bei uns vorbeiführt, verbreitern und asphaltieren wird. Wir haben bereits einige Male darüber berichtet. Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob es gemacht werden wird. Vor einiger Zeit hat Michael Personen gesehen, die auf einigen Bäumen Nummern angebracht haben. Als sie das auch auf unserem Land taten, fragte er sie was und warum sie es tun. Sie meinten das gehöre zur Studie für die Stassenverbreiterung. Sie markierten alle Bäume, die gefällt werden müssen. Die Bäume werden gezählt und auch katalogisiert, um festzustellen ob es wertvolles Holz ist oder nicht. Bei uns werden mehr als 50 Bäume gefällt werden. Die Strasse durch Selva Viva ist um vieles länger, dort sollen sogar mehr als 350 Bäume gefällt werden. Der Witz am Ganzen ist, das sind nur die Bäume die innerhalb der Verbreiterung stehen. Die Bäume, die gefällt werden müssen um eine Brücke oder Stützmauer zu bauen, sind da nicht mit einbezogen. Bei den hiesigen topographischen Verhältnissen sind das aber leider sehr viele mehr. Ja, den Fortschritt kann man nicht aufhalten und sicherlich darf man ihn niemandem verwehren. Wir werden bestimmt noch einige Male darüber berichten, denn das Ganze ist sicherlich nicht in einer Woche gebaut.

Baum Nr. 188 auf unserem Grundstück
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Goldrausch

Wir haben ja bereits der Öfteren über den illegalen Goldabbau berichtet. Nun hat es ein Ausmass angenommen, welches uns sehr nachdenklich stimmt. Wir müssen uns gut überlegen, was wir hier noch machen können, aber vor allem abwarten ob und wie die Regierung auf die Eskalation der letzten Tage reagiert. Das wird für uns wegweisend sein. Aber hier erst einmal was geschehen ist: Diese Woche wollte die Armee eine der grössten illegalen Minen im ecuadorianischen Amazonasbecken schliessen. Die mehrere Kilometer lange Mine befindet sich am Rio Punino an der Provinzgrenze zwischen Napo und Orellana. Es wurden mehrere Quadratkilometer Regenwald gerodet und der Fluss Punino ist für Tod erklärt worden, wegen der hohen Schwermetallbelastung. Aber tausende Indigene leben an und von diesem Fluss. Die Minenbetreiber sind Mitglieder von Narco-Banden und/oder Anhänger von Ablegern der ehemaligen FARC aus Kolumbien. Als die Soldaten ankamen, wurden sie von den Betreibern beschossen und mit Sprengstoff zurückgedrängt. Es starben elf Soldaten! Der Rio Punino liegt Luftlinien etwa 75 Kilometer von uns entfernt. Untenstehender Link führt zum detaillierten Bericht (Plan V ist eine digitale Plattform für investigativen Journalismus, Nachrichten und Analysen).

Masacre en el Alto Punino revela el avance de los Comandos de la Frontera en la Amazonía – Plan V

Diese Aktivitäten sind so aus dem Ruder gelaufen, dass sie sogar ganz einfach in GoogleMaps sichtbar sind:

Link zu GoogleMaps – Alto Punino

„Unsere“ illegale Mine hinter Ahuano nimmt auch solche Züge an. Keiner kennt die Leute die dort Gold waschen, man weiss lediglich, dass ein korrupter Exbürgermeister die Fäden vor Orte in der Hand hat. Wer aber genau dahintersteckt, weiss niemand der es preisgeben würde.

Treffen der lokalen Akteure
Foto: Sebastian Jahnke, 03.05.2025

Da auch die Gemeinderegierung von Ahuano die hohle Hand macht und deshalb in die andere Richtung schaut, wird sehr offensichtlich nichts dagegen unternommen. Denn „wo kein Kläger – da kein Richter“. All diejenigen die das bis jetzt schöngeredet haben, können sich den Tatsachen nicht mehr entziehen. Leider sind das auch Personen von befreundeten Organisationen. Solange der Goldpreis so hoch ist und immer weiter steigt, wird sich das auch nicht ändern.

Ohne den Versuch es zu Verschleiern, wird direkt an der Strasse gebaggert
Foto: Sebastian Jahnke, aktuelle Aufnahme vom 03.05.2025

Auch diese Tätigkeiten sind auf GoogleMaps sichtbar:

Link zu GoogleMaps – Huambuno (Ahuano)

Leider hat das auch Auswirkungen auf andere illegale Tätigkeiten wie z. B. die Jagd. Es gibt viele neue Personen, die gerne mal Wildfleisch essen und dadurch die illegale Jagd fördern. Wir wissen gleich von zwei Fällen, wo man einen Tapir geschossen und auf der Strasse an die Goldwäscher verkauft hat. Es sind leider die altbekannten Jäger die übrigens sehr aktiv im Nachbarsgrundstück illegal Goldwaschen und dabei die Gelegenheit zum Jagen nutzen. Die illegale Jagd nimmt wieder sichtlich zu. Wir, aber auch die Waldhüter von Selva Viva, haben vermehrt Unterstände oder Hochsitze an strategischen punkten gefunden und dann sofort zerstört. Seit die Tierauffangstation amaZOOnico wieder Tapire auswildert, hatte sich der Bestand in der Region erholt. Nun aber nimmt er rasant ab. Leider interessiert sich der Besitzer vom amaZOOnico nur dafür, was auf seinem eigenen Land geschieht. Wenn die Tiere auf fremden Grundstücken geschossen werden, will er nichts unternehmen. Verständlich, die altbekannten Jäger sind seine Freunde. Wir, die Finca Don Sigifredo, haben mit Selva Viva, Hotel La Casa del Suizo, Grand Selva Lodge, Comunidad 27 de Febrero, Comunidad Campococha, Frauenorganisation Campococha und weiteren Privatpersonen und Nachbarn eine kleine Allianz gebildet die sich gegenseitig hilft und im Fall eines illegalen Eindringens sofort warnt. Leider will der amaZOOnico und die Liana Lodge davon nichts wissen und sie hatten bis jetzt einfach keine Zeit. Auch bei der letzten Einladung zu einem Treffen wegen einer akuten Situation, hatten sie keine Zeit und so haben sie einmal mehr keine Stellung gegenüber des illegalen Goldwaschens bezogen. Traurig.

Das grüne Paradies ist am Untergehen. Sei es wegen des Abholzens für die Goldwäscher oder durch das Verschmutzen der Flüsse durch Schwermetalle als Folge des Goldwaschens. Wir versuchen das Paradies so lange es geht zu schützen. Durch die Aufklärungsarbeit, die wir betreiben und durch den Schutz des Waldes von Selva Viva hoffen wir und unsere Verbündeten das wir noch lange was davon haben. Der Schutz des Waldes ist aber teuer. Nicht alle arbeiten ehrenamtlich so wie wir. Die Waldhüter von Selva Viva bekommen Löhne und die Anwälte arbeiten zwar zum Selbstkostenpreis, aber verständlicherweise auch nicht gratis. Selva Viva braucht Unterstützung und sucht immer wieder Genossenschafter oder Spender, die mithelfen den Regenwald zu schützen. Du kannst unter Angabe des Zwecks direkt Spenden an:

Postfinance: CH42 0900 0000 1514 4267 7
BIC: POFICHBEXXX
Genossenschaft zum Schutz des Regenwaldes (GSR)

Oder einen Anteilsschein für CHF 1 000 per Einzahlung an obenerwähntes Konto erwerben. Wichtig, bei der Einzahlung den Hinweis «Anteilsschein» nicht vergessen.

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Wieder auf der Finca! 😀

Gastbeitrag von Bernd Villwock

In der ersten April-Hälfte war ich zum 4. Mal am Rio Barrantilla, wenn auch nur für 10 Tage – und mehr zu Besuch als zum Arbeiten. Herzlich wie immer nahmen mich Joëlle und Michi in Empfang. Und beim Anblick der kleinen Nebelschwaden über den benachbarten Hügeln ergriff mich augenblicklich eine tiefe Ruhe…

Die Tage waren wesentlich von den beiden erst 14 Wochen alten Hunden geprägt, die seit kurzem das Leben der Farm bereicherten (und manchmal auch ein wenig durcheinanderwirbelten). Wenn sie nicht gerade schliefen, tollten Hera und Odin lustig herum, balgten sich und erkundeten die Umgebung. Wie auf kleine Kinder musste man beständig ein Auge auf sie haben.


Joëlle war zusätzlich wegen ihrer Lektorinnen-Tätigkeit im Stress. Um die Farm finanziell über Wasser zu halten, hatte sie diese Tätigkeit bei einem Schweizer Unternehmen angenommen. Und vor dem geplanten Kurzurlaub waren noch mehrere Aufträge zu erledigen…

Wieder schlug ich mein Lager im Schulhäuschen auf. Dort hatte ich meine erste Volontärsstelle als Hilfslehrer vor 6 Jahren. Auch 3 Jahre nach der Pandemie ruht das Schul-Projekt noch – machtlos angesichts der verheerenden Auswirkungen auf die Lernstände einer ganzen Schüler-Generation…
Die Hoffnungen ruhen nun auf eine Reihe von Initiativen, die sich aus dem Bambus-Projekt ergeben, das Michi und Joëlle vor mehr als 3 Jahren in Gang gebracht haben. Auch in diesen Wochen waren wieder einer Reihe von Arbeitern mit dem Schneiden und der Weiterverarbeitung von Bambus beschäftigt – neben alten Hasen auch wieder 2 junge Anfänger. Auf diese Weise bietet das Projekt nicht nur Einkommensmöglichkeiten, sondern vermittelt auch zahlreiche Kompetenzen, die den jungen Männern berufliche Chancen eröffnen. Beim Bau des ersten Hauses auf der Insel vor 2 Jahren hatte ich mich selbst davon überzeugen können, und inzwischen hatte Michi auch Möbel und dekorative Gegenstände «im Programm».

Besonders schön war es für mich, beim Mittagessen mit Vorarbeiter César und weiteren bekannten Gesichtern ein paar Erinnerungen auszutauschen…
Mein eigener Beitrag zum Bambusprojekt bestand dieses Mal lediglich darin, ab und zu für 1-2 Stunden in dem kleinen, zur Farm gehörenden Guadua-Wäldchen die langen, stachelbewehrten Triebe abzuschneiden und an geeigneter Stelle zu stapeln. Nur wenn man diese Arbeit planvoll, umsichtig und voll konzentriert durchführt, vermeidet man schmerzhafte Stiche und zerrissene Kleidung – deshalb schätze ich diese Tätigkeit als eine Art Lebensschule.

Ansonsten versuchte ich, ein wenig Entlastung zu bringen, indem ich auf die kleinen Hunde aufpasste und jeden Tag einmal mit dem inzwischen erwachsenen Hund Hektor längere Zeit spazieren ging. Sehr genoss ich dabei die tollen, von César und Michi angelegten Wege rund um die Farm – und auch den schönen Ausblick von dem neu errichteten Beobachtungsturm.


Fast jeden Tag lockte es mich auch auf den Rundweg zu den oberen, ehemaligen Weiden. Einerseits vermisste ich die Kühe, die mir bei den letzten Aufenthalten ans Herz gewachsen waren. Andererseits freute ich mich zu sehen, wie auf den aufgelassenen Weiden die Natur zurückkam. Und anstelle der Kuhtritte entdeckte ich nun Fussspuren von Tapiren. Michi erzählte mir, dass auf den Fotofallen auf den Waldwegen nun häufiger auch Pumas zu sehen seien, und auch nächtliche Fotos eines Jaguars seien keine Seltenheit mehr – fantastisch!

Weit weniger schön zu hören war, dass sich die illegalen Goldwäscher-Aktivitäten zu einer dauerhaften Bedrohung der Flüsse entwickelt haben, die auch vor der Gesundheit der Insel-Gemeinschaft nicht Halt macht. Da sich Quecksilber und andere toxische Stoffe durch Abkochen nicht entschärfen lassen, hat Joëlle vor, zu diesem Thema Aufklärungsarbeit zu leisten. Um die erwünschte Wirkung zu erreichen, setzt sie auf die Zusammenarbeit mit einer anderen betroffenen Kichwa-Gemeinschaft…

Was aus dieser weiteren guten Idee geworden ist, werde ich bei meinem nächsten Besuch erfahren. Denn das scheint mir sicher: dem Zauber vom Puerto Barrantilla und der Neugier auf das Lebensprojekt von Joëlle und Michi werde ich mich auch in Zukunft nicht entziehen können!

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Doktorarbeit

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Die Arbeit lässt nicht nach und das ist auch gut und schön so. Michi hat den Auftrag für den Bau einer Bar aus Bambus zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers erfüllen können.

Die Bar hat Michi mit unserem Auto transportiert und persönlich geliefert

Die Kunden waren überrascht, dass die Bar sogar noch besser aussieht als sie es sich vorgestellt hatten. Auch der Zeitplan wurde eingehalten. Jetzt kann man in der Grand Selva Lodge an der Bambusbar gemütlich ein kühles Bier trinken. Michi war froh, dass er in der Zeit fertig wurde, denn auf ihn wartete schon die nächste Herausforderung.

Die Bambusbar in der Grand Selva Lodge

Es hatte sich eine Doktorandin mit vier Helfern via Selva Viva bei uns angemeldet, weil sie mit den Waldhütern (von Selva Viva) im Schutzwald eine Bestandesaufnahme machen wollten. Die Gruppe hat das Schulhäuschen für sieben Tage bekommen. Wir wurden angefragt, ob wir für sie kochen und sie rumfahren können. Das mussten wir erst mal besprechen und haben dann eine Offerte gemacht, die angenommen wurde. Der Einkauf muss hier im Wald draussen gut geplant werden. Besonders wichtig ist dabei, was wird gegessen oder eben auch nicht. Bestellt wurde das Frühstück am Morgen, ein Lunch für den Mittag im Wald und das Abendessen für fünf Personen. Tatsächlich kamen dann aber sechs Personen. Erstes Problem: ein Bett zu wenig (schnell Platz geschafft und noch eine Matratze von unserem Gästezimmer ins Schulhäuschen gebracht). Zweites Problem: eine Person mehr zum Essen (Michi hat es hingekriegt, ohne dass wir dafür hungern mussten). Als sie dann auch noch für die Waldhüter Lunch bestellen, kam Michi dann doch etwas ins Rudern. Ja, so läuft es halt hier und man muss immer flexibel bleiben. Der nächste Supermarkt ist ja eine Stunde entfernt. Michi stand also eine Woche lang um 4.30 Uhr auf und bereitete Frühstück und Lunch für alle vor. Anschliessend fuhr er sie in den Wald. Joëlle holte sie am Abend um 18.00 Uhr ab, weil Michi da schon wieder am Kochen war, denn um 19.00 Uhr gab es das Abendessen. In den sieben Tagen wurde es uns nicht langweilig. Es ist eine sehr interessante Arbeit, die da entsteht. Ihre Arbeit baut auf den gleichen Untersuchungen auf, die bereits 2006 und 2011 im selben Planquadrat durchgeführt wurden. Wir hoffen, dass wir dann auch einen Einblick in die fertige Arbeit bekommen werden. Denn es soll festgestellt werden, wie sich die Natur im Schutzwald von Selva Viva in den letzten knapp 20 Jahren verändert hat.

Greifstachler knabbert am Zement des Aussichtsturms

Am Samstag der gleichen Woche kam auch noch ein Filmteam vom ecuadorianischen Fernsehen zu Besuch. Auch da haben wir uns als Anlaufstelle vor Ort für Selva Viva angeboten. Einer der Waldhüter hat sie bei uns abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Unsere Nerven wurden jedoch schon etwas strapaziert. Wir haben schon einige Erfahrungen mit Filmteams gemacht, besonders Michi in der Schweiz, aber so was haben wir noch nie erlebt. Sie kamen um 10.00 Uhr morgens an und hatten genau sechs Stunden Zeit in denen sie einen Jaguar, einen Puma und Klammeraffen filmen wollten. Sie konnten nicht verstehen, dass die Tiere nicht einfach so schnell mal vor die Kamera hüpfen. Dem Waldhüter wurde, vereinfacht gesagt, Inkompetenz vorgeworfen, weil er nicht wusste, wo sich diese Tiere im Wald aufhielten. Zuerst glaubten wir es sei ein Scherz, bis wir begriffen, dass sie das mit den Wildkatzen und Affen ernst meinten. Michi schenkte ihnen dann eigenes Filmmaterial von den Wildkameras, so konnten wir sie wenigstens etwas beruhigen. Die Nerven zu behalten hat sich definitiv gelohnt. Sie haben einen gut fünfminütigen Bericht über Selva Viva gemacht, der wirklich schöne Werbung für den Schutzwald ist.

Währen dieser turbulenten Zeit ist ausgerechnet auch noch César ausgefallen. Er hat eine Entzündung im Ellenbogen und darf drei Mal die Woche (während drei Wochen) nach Tena zur Physiotherapie. Die Tage an denen er bei uns ist, kann er aber natürlich auch nur eingeschränkt arbeiten. So ist der Hühnerstall etwas später als geplant fertig geworden. Jetzt müssen die Hühner ihre neue Villa einfach noch akzeptieren. Hühner sind halt auch nur Gewohnheitstiere und man muss ihnen zu ihrem Glück verhelfen.

Die Studentengruppe musste nach sieben Tagen wieder abreisen, denn es standen die Präsidentschaftswahlen an und in Ecuador herrscht so etwas wie ein Wahlzwang. Wer nicht wählen geht bekommt eine Busse. Und seine Stimme kann man nur im Heimatort bzw. dort, wo man sich registriert hat, abgeben. Die diesjährigen Wahlen sind richtungsweisend. Es stehen zwei Arten von Regierungen zur Auswahl. Zum einen eine sozialistische Diktatur wie man sie aus Venezuela oder Kuba kennt oder zum anderen die jetzige Politik des harten Durchgreifens (mano dura) im Kampf gegen die Korruption und den Krieg gegen die Drogenbanden und Kartelle. Das Volk ist gespalten. Im April kommt es zur Stichwahl. Wir persönlich hoffen, dass der jetzige Überganspräsident bleiben wird. Er hat viel erreicht in den letzten 12 Monaten und den Drogenbanden den Krieg erklärt, ohne die Bevölkerung zu sehr mit reinzuziehen. Es würde uns aber wahrscheinlich nicht verwundern, wenn auch er den zweiten Wahlgang nicht erleben würde, denn er ist wirklich vielen auf die Füsse getreten. Am Ende wird es für die Wähler wohl so wie immer sein, sie werden sich wahrscheinlich für die Person, die sie als das kleinere Übel sehen, entscheiden. Wen es interessiert hier geht es zu einem Beitrag der das Thema gut auf den Punkt bringt: https://insightcrime.org/news/organized-crime-agenda-ecuadors-presidential-elections/

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Das Jahr geht zu Ende

Wir sassen mal wieder wegen eines Streiks fest und mussten einmal mehr improvisieren. Als uns die Materialen für die Renovation des Hauses ausgingen, nutzten wir die Zeit um Bäume zu pflanzen. Bei uns hat es endlich begonnen regelmässig zu regnen und die Böden sind auch wieder gut getränkt. Also passte alles und wir konnten in drei Tagen 50 neue Bäume pflanzen. Michi hatte einen wichtigen Zahnarzttermin in Quito und am gleichen Tag erwarteten wir Besuch aus der Schweiz. Da die Strassen aber wegen des Streiks alle blockiert waren, konnte er nicht den normalen Weg fahren und musste einen Umweg von vier Stunden in Kauf nehmen. Er hat deshalb viele neue Strassen und Fähren gefunden, die nirgends verzeichnet sind und die man nur findet, wenn man die jeweiligen Anwohner fragt, wo der schnellste Weg nach Loreto ist.

Auf der Fähre über den Rio Napo

Am Tag darauf, bei der Rückfahrt mit Christine (unsere Besucherin) waren dann bereits die Strassenblockaden verschwunden und man konnte wieder den normalen Weg fahren. Bis sich nach einem Streik in Tena wieder alles normalisiert und alles wieder vorrätig ist, dauert es schon einige Tage. Die Streikenden haben sich, Tena und uns immerhin 14 Tage von der Umwelt abgeschnitten. Ob sie mit dieser Aktion Erfolg hatten, wird sich erst nach den Feiertagen zeigen. Falls nicht, wird der Irrsinn wieder von vorne beginnen. Wir verstehen das Anliegen, welches an den Präsidenten gerichtet ist sehr gut und finden das neue Gefängnis mitten in der Stadt auch idiotisch. Die eigene Stadt aber von der Aussenwelt abzuschneiden ist garantiert nicht der richtige Weg und bringt vor allem viel Unverständnis in der eigenen Bevölkerung.

Auch wir versuchen die Weihnachtstage etwas ruhiger zu gestalten. Leider war die Vorweihnachtszeit überhaupt nicht ruhig. Einmal mehr war es Michi der festgestellt hat, dass man im Schutzwald von Selva Viva aktiv Gold wäscht. Es wurden zwar keine Bagger eingesetzt, aber mit Wasserpumpen wurde das Ufer abgewaschen. Nach Rücksprache mit dem neuen Geschäftsführer von Selva Viva, Lester Espin, stellten wir Fotofallen auf und konnten so innert weniger Tage die Personen identifizieren. Der Geschäftsführer ist dann auch gleich mit den drei Waldhütern und Christine, die ja Präsidentin von Selva Viva ist, zu diesen Personen hin gegangen und hat das Gespräch gesucht. Mal schauen, ob sie nochmal auf den Kameras auftauchen werden, denn davon wissen sie nichts.

ausgewaschene Uferböschung

Nur gerade einen Tag später hat uns unser niederländischer Nachbar angerufen und erzählt, dass er soeben einen Bagger mit einer Waschanlage von seinem Grundstück verscheucht hat. Der Bagger sei im Fluss in unsere Richtung unterwegs.

Bagger mit Waschanlage im Rio Cusano

Da liegt aber noch ein Grundstück des Hotels Casa del Suizo dazwischen. Und genau da hat sie Michi dann auch mit der Drohne gefunden. Joëlle hat sofort die Besitzer vom Casa del Suizo und noch viele Personen mehr informiert. Damit die Kommunikation aller involvierten Personen einfacher wurde und alle auf dem gleichen Stand gebracht werden mussten, eröffnete Joëlle eine WhatsApp Gruppe. Innert weniger Stunden konnte so die Umweltpolizei und das Militär informiert werden und sie warteten nur noch auf den Befehl zum Ausrücken. Der Geschäftsführer von Selva Viva hat es sogar geschafft den Gouverneur der Provinz Napo auf den Plan zu rufen.

Michi schaute mit Hilfe der Drohne immer wieder, wo die Goldwäscher sich gerade befanden und Casa del Suizo ging direkt vor Ort, um nachzuschauen.

Bagger im Rio Cusano und flussaufwärts die Waschanlage

Noch in der gleichen Nacht wurde es den Goldwäschen vermutlich zu gefährlich und sie haben sich aus dem Staub gemacht. Casa del Suizo hat die Verantwortlichen dieser illegalen Goldwaschaktion enttarnt und mit ihnen gesprochen. Das war eine extrem erfolgreiche Aktion, bei der alle am gleichen Strick zogen und dem illegalen Goldwaschen in unserer Region der Kampf angesagt wurde. Es zeigt uns endlich, dass wir doch nicht die einzigen sind die dieses grüne Paradies hier, solange dies noch möglich ist, erhalten wollen. Leider hat sich aber auch einmal mehr gezeigt, dass die vermeintlich gleichgesinnten Projekte dem Umweltschutz doch nicht so nahestehen, aber dafür andere, von denen wir es nicht erwartet hätten, uns tatkräftig beistanden und mithalfen.

Bagger auf der Isla Anaconda geparkt, bis zum Einbruch der Dunkelheit

Für uns neigt sich ein schwieriges Jahr dem Ende zu. Wir mussten viele schwere Entscheidungen treffen, was unser Projekt Finca Don Sigifredo betrifft. Wir erlitten viele Rückschläge und hatten so einige Zweifel. Joëlles Job hat uns aber in finanzieller Hinsicht viel Ruhe gebracht und sichert die Existenz der Finca Don Sigifredo. Die erfolgreiche Aktion gegen die Goldwäscher war ein sehr versöhnlicher Abschluss für uns. Klar ist, wir werden uns selber treu bleiben und uns auch nächstes Jahr wieder für den Umweltschutz stark machen, auch wenn das natürlich nicht allen gefällt.

Sonnenaufgang im Nebel

Nachträglich noch schöne und besinnliche Weihnachten, die ihr alle hoffentlich hattet, und dann vor allem einen guten Start ins neue Jahr.

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Ferien mal anders

Michis Bruder Thomas und seine Partnerin Tina sind uns besuchen kommen. Sie haben uns viele Leckereien und noch andere Überraschungen aus der Schweiz mit gebracht. Danke vielmals dafür! Die Chance, mal wieder gemeinsam Ferien zu machen, haben wir natürlich genutzt. Wir haben so daraufhin gearbeitet, dass alle offenen oder dringenden Arbeiten bei ihrer Ankunft erledigt sein sollten. Es hätte fast geklappt, aber wir hatten ja noch Zeit während ihrer Akklimatisierung den Rest zu erledigen. César und seine Familie passten in den zehn Tagen unsere Abwesenheit auf unser Haus und die Tiere auf. So konnten wir dann auch zusammen losfahren. Wir waren an Orten, die man als Tourist ohne ein Auto nicht einfach besuchen kann. Ecuador leidet immer noch unter der grössten Dürre aller Zeiten und so hatten wir also auch in den Ferien «Strom-Abschaltungen». Das waren recht spezielle Situationen, wenn im Hotel auf einmal alles dunkel und ruhig wurde. Wir legten uns einfach früher schlafen und standen dafür etwas früher auf. Wir waren auch im Intag Tal das bekannt ist für seine schönen Nebelwälder. Es hatte schon Wälder, die waren aber nicht grün und sämtliche Kulturflächen waren braun und ausgetrocknet. Es hatte da seit Mitte Juni nie mehr geregnet, weshalb alles ausgetrocknet ist. Von Nebel war weit und breit nichts zu sehen. Leider hatte es auch sehr viele Waldbrände die nicht nur Anbauflächen, sondern auch Wälder verbrannten.

Sichtbare Spuren der Trockenheit und der Brände

Wir erkundeten das Tal und waren völlig überrascht eine uralte Kulturstätte zu finden: Wariman oder auch Gualimàn mit dem Sonnentempel der Cara Kultur bzw. der Cacicazgos. Diese Zivilisation lebte dort vor den Inkas, also vor über 3000 Jahren.

Es befindet sich auf einem Hochplateau mitten im Tal. Die Hänge sind senkrecht abfallend und es gib nur eine Zufahrt, sie ist sehr, sehr steil und man kommt nur mit einem 4X4-Fahrzeug hoch.

Drohnenfoto des Hochplateaus

Wir bekamen eine ausgiebige Führung, die super interessant war und wir lernten viel über die Kultur und von den Vorfahren der Inkas. Alles hat ein Ende, so auch unser Urlaub, der aber sehr erholsam war. Thomas und Tina blieben noch einige Tage länger als wir in Mindo, dem grössten Vogelparadies der Welt. Nirgendwo sonst gibt es so viele verschiedene Vogelarten. Als die beiden wieder bei uns waren, machten wir noch einige Ausflüge und Waldspaziergänge von hier aus. Auch ihre Ferien gingen vorbei und Michi brachte sie für Ihre Rückreise zum Flughafen nach Quito.

Kaum waren sie abgeflogen tauchten wir wieder in die Arbeitswelt ein und es kam der nächste Schock. In der Provinz Napo in der wir leben, wird gestreikt. Das bedeutet das öffentliche Leben wird mittels Strassenblockaden zum stillstandgebracht. Seit einer Woche sind alle wichtigen Verkehrsknotenpunkte blockiert, wir kommen nicht mehr nach Tena. Der Grund für die Proteste ist das geplante neue Hochsicherheitsgefängnis in Archidona. Bis jetzt war das Gefängnis eins für Leute, die ihre Busen nicht bezahlen konnten oder wollten. Also eher leichte Vergehen wie z.B. Trunkenheit am Steuer, nicht Bezahlen der Alimente oder Diebstahl. Nun soll es umgebaut werden und daraus ein Hochsicherheitsgefängnis für Schwerkriminelle entstehen. Das jetzige Gefängnis steht mitten im Dorf umgeben von Schulen. Nicht unbedingt der passende Ort für ein Gefängnis nach Bukele-Manier. Mal sehen, wie lange die Proteste andauern werden. Unsere Vorräte halten noch einige Tage, nur mit dem Benzin für den Generator könnte es knapp werden.

Strassensperre in Archidona – Foto: PRIMICIAS

Mittlerweile ist unser Bambusprojekt bekannt dafür, dass wir über Lagerbestand verfügen und somit kleine bis mittlere Mengen sofort abgeholt bzw. geliefert werden können. Genau jetzt hatten wir so eine Expressbestellung von einem Architekten der schlechte Ware eingekauft hat. Ja, das passiert, wenn man nur auf den Preis achtet. Leider können wir wegen des Streiks nicht liefern und so geht uns einmal mehr ein guter Auftrag verloren. Das ganze Bambusprojekt ist ins Stocken geraten da Ecuador von einer Krise in die nächste schlittert und somit der Tourismus komplett eingebrochen ist. Kaum jemand investiert in Neubauten oder Renovationen. Alle geplanten Projekte, für die wir liefern sollten, sind auf Eis gelegt oder ganz abgesagt worden. Seit Joëlle einen zusätzlichen Job hat und damit ein Zusatzeinkommen, das im Moment unser Haupteinkommen ist, können wir auch wieder ruhiger schlafen, weil wir dadurch abgesichert sind. Sie redigiert Dokumente für ein Schweizer Unternehmen. Dazu braucht sie Internet und hat einen Laptop des Unternehmens. Um während der Stromunterbrüche trotzdem arbeiten zu können, ist auch dafür der Generator und das Benzin so wichtig.

Michi hat festgestellt, dass am Haus ein tragender Balken am Verfaulen ist und der drohte durchzubrechen. Er musste ihn ersetzen und da hat er gleich einen resp. zwei Stahlträger verwendet. Er hatte das noch mit Thomas angeschaut der ihm viele Tipps geben konnte. Danke dafür! Es war nicht ganz einfach. César und Michi haben es aber geschafft, ohne weiteren grösseren Schaden anzurichten. Beim Kontrollieren des Nachbarbalkens stellten sie dann fest, dass der inwendig komplett am Verfaulen ist. Auch den müssten sie schnellstmöglich ersetzten, aber da ist ja der Streik und wir können keine Träger kaufen gehen. Nun muss das warten weshalb der Balkon aus Sicherheitsgründen bis dahin gesperrt bleibt.

Bei UNS gab es, zumindest in der letzten Zeit, wieder einige Regengüsse. Die Böden sind zwar noch nicht gesättigt aber wir hoffen auf mehr Regen. So planen wir endlich unsere 100 neuen Bäume auszupflanzen. Die sollten eigentlich schon im Juli eingepflanzt werden aber wegen der Trockenheit war das unmöglich. Es sind hauptsächlich Nussbäume und zwei Harthölzer die wir am Waldrand einpflanzen werden. Wir müssen Platz schaffen für die neue Samenzeit die Im Januar beginnen sollte.

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Der Kampf gegen die Goldwäscher

Durch den stetig steigenden Goldpreis wird der illegale Goldabbau immer attraktiver. In der Provinzhauptstadt Tena gibt es kein einziges Autohaus; in der ganzen Provinz Napo kann man keinen Neuwagen kaufen. Aber in Tena hat vor zwei Monaten bereits das FÜNFTE «Baggerhaus» eröffnet, dort kann man sich direkt einen neuen Bagger besorgen. Wir haben schon mehrmals über den illegalen Goldabbau in unseren Beiträgen berichtet. Jetzt konnten wir leider auch viele Beweise sammeln, die Personen vom benachbarten Umweltprojekt betreffen. Für uns ist klar, dass wir nicht mehr mit diesem Projekt oder diesen Personen zusammenarbeiten werden und sie auch nicht mehr unterstützen, solange diese Doppelmoral herrscht. Wir bedauern sehr, dass all die gutgläubigen Spender vom betreffenden Projekt so dreist hinters Licht geführt werden.

Dragas (rechts) im Einsatz am Rio Arajuno auf der Höhe des amaZOOnicos (links) am 12. Oktober 2024

Ecuador ist das erste Land der Welt welches den Natur- und Tierschutz in der Verfassung verankert hat; somit haben die Natur und die Tiere Rechte. Leider ist die Korruption in Ecuador sehr gross. Es werden Millionen an Schmiergeldern bezahlt, so dass viele Beamte nicht hin- bzw. wegsehen. Der Übergangpräsident, Daniel Noboa, hat diesen Sommer ein Gesetz gegen den Terrorismus verabschiedet. Der Präsident kann nun selbst bestimmen, welche Organisationen oder sogar einzelne Personen als Terroristen eingestuft werden und kann diese mit Hilfe des Militärs bekämpfen, ohne zuvor den Notstand ausrufen zu müssen. Das ist eine gefährliche Macht, die sich da der Präsident verschafft hat. Das einzig positive ist, dass Präsident Noboa ein vermeintlich grünes Gewissen hat und den illegalen Bergbau als terroristischen Akt an der Natur betrachtet und so das Militär losschicken kann. In der letzten Woche kam es gleich zu zwei Aktionen in unserer direkten Umgebung gegen das illegale Goldwaschen. Das Militär ist aufgetaucht und hat sogleich Personen verhaftet und mit der Zerstörung der insgesamt 10 Bagger und einigen Waschanlagen begonnen. Das Militär muss jetzt nicht mehr Abklärungen treffen oder Material beschlagnahmen, es kann direkt Zerstören. Eine Aktion fand in unserer Gemeinde, Ahuano, statt.

Natürlich haben das die Goldwäscher bei uns am Arajuno mitbekommen und ihre Arbeiten eingestellt. Keiner will, dass das Militär auch hier auftaucht. Mal schauen, wie lange dieser positive Effekt anhält.

AmaSelva hat vor gut zwei Jahren eine Drohne gekauft, die sie bei uns auf der Finca Don Sigifredo stationiert haben. Wir fliegen sie sowohl im Auftrag von AmaSelva als auch von Selva Viva, haben aber auch die Erlaubnis sie anderweitig einzusetzen. In der Zeit, seit wir die Drohne bei uns haben, konnten wir schon vieles aufdecken. Sie ist besonders hilfreich gegen das illegale Goldwaschen. Da viele Minen nicht so einfach einzusehen sind, entdecken wir sie schnell bei einem Überflug. So können wir das Wachstum der Mine gut verfolgen und auch ganz genaue Koordinatenpunkte nehmen. Bei Überfügen über den Wald kontrollieren wir auch, ob es illegalen Holzschlag gibt. Besonders bei Sekundärwäldern mit hohem Aufkommen von Balsabäumen müssen wir gut schauen; die sind schnell geerntet. Wir setzten die Drohne aber auch ein, wenn wir das dumpfe Knallen von Dynamit im Fluss hören. Wir schicken sie gleich los, um zu schauen welche Personen mit Dynamit am Fischen sind. Auf den hochaufgelösten Bildern sind auch aus sicherer Entfernung die Gesichter gut erkennbar.

MIne am Rio Rodriguez angrenzend an Selva Viva

Solche Daten geben wir immer an Selva Viva weiter und informieren auch die Besitzer der Drohne, AmaSelva. Wir machen uns so natürlich nicht immer beliebt und wir müssen uns auch immer wieder bedeckt halten und die Drohne einige Zeit am Boden lassen. Leider gibt es eine Flugverbotszone quer über dem Schutzwald von Selva Viva. Das ist die Anflugschneise vom hiesigen Flughafen. Leider erkennt unsere Drohne das, und so können wir dort nicht fliegen. Als die Goldwäscher gerade in dieser Zone Gold abbauten, hat sich Michi dazu hinreissen lassen die Drohne mit einem Trick trotzdem Starten zu lassen. Zweimal hat es für zwei Minuten funktioniert und er konnte gut festhalten, wo und auf welchem Land gewaschen wurde. Aller guten Dinge sind drei, oder eben auch nicht. Das dritte Mal hat sich die Drohne zu schnell mit dem GPS verbunden und sogleich eine Notlandung in der verbotenen Zone eingeleitet – zum Schreck über dem Fluss. Michi konnte sie nur noch schnell ans Ufer fliegen, wo sie dann im Wasser verschwand. Er tauchte gleich hinterher, aber fand sie nicht sofort. Es dauerte etwa zwei bis drei Minuten, bis er sie am Grund ertastete. Sofort nahm er den Akku ab und versuchte so viel Wasser auszuschütteln, wie es ging. Zu Hause schraubte er alles, was möglich war auf und legte es in Reis an die Sonne. Nach einer Woche und vielen Stunden der Reinigung setzte er sie dann wieder zusammen. Der Akku hat es nicht überlebt, er hat sich gebläht und droht zu platzen. Die Stunde der Wahrheit war gekommen, und Michi wollte die Drohne zum Testen starten. Die Motoren sprangen an und die Drohne hob wieder ab. Glück gehabt! Privat nutzen wir sie hauptsächlich, um schöne Bilder zu machen.

Im Hintergrund ist Ahuano sichtbar

Die Wasserknappheit hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ecuador trocknet aus. Die Stauseen sind fast leer und das bedeutet das noch verschärfter Wasser gespart werden muss. Seit bereits fünf Wochen wird der Strom abgeschaltet, um Wasser zu sparen. Am Anfang waren es sieben Stunden, dann acht und dann wurde zehn Stunden lang der Strom abgeschaltet. Inzwischen sind es sogar 14 Stunden am Tag, in denen wir nicht mit Strom versorgt werden. In gewissen Regionen wird sogar das Wasser für die Haushalte abgestellt. In Tena haben viele Geschäfte keinen Generator und schliessen einfach in dieser Zeit. Für uns ist das eine Herausforderung, was die Organisation betrifft. Wenn wir etwas besorgen müssen, wissen wir nie genau ob geöffnet ist oder nicht und wir fahren einfach mal auf gut Glück nach Tena. Am Anfang des «Stromsparens» haben wir uns einen grösseren Generator gekauft. Michi hat eine Installation gemacht, so dass nun das ganze Haus angeschlossen ist. Danke Claudio für die Info, Tipps und Tricks! So ein grosser Generator ist auch nicht der leiseste, die Lärmbelastung ist stark und kann einem recht auf die Nerven gehen. Michi hatte aber auch da eine Idee und hat Lärmschutzwände gebaut. Die reduzieren den Lärm hörbar, so dass man sich bei der Arbeit auch wieder konzentrieren kann.

Wir haben immer wieder kleine Aufträge, bei denen wir einige Bambus Stangen oder Latten verkaufen können. Kleine Mengen haben wir an Lager. Als kürzlich von einem bestehenden Kunden von uns eine neue Bestellung für 50 Stangen dünnwachsenden Bambus kam, waren wir sehr erfreut darüber. Er wollte ihn gewaschen, grün und auf vier Meter zugeschnitten. Ja, darüber freute sich auch der Bauer, bei dem wir diese spezielle Bambussorte einkaufen. Wir wollten die seit rund einem Jahr im Bau befindlichen Gebäude mal anschauen und haben deshalb den Transport gleich selbst übernommen. So machten wir einen schönen Ausflug in das Luxus Resort Richtung Puyo.

Bereits zur Abfahrt

In der Hotelanlage Heimatlos hat man eine wunderschöne Aussicht über das ganze Amazonasbecken von Ecuador. Die neuen Bungalows, die aus unserem Bambus gebaut wurden und immer noch werden sind traumhaft! Der Ausblick vom eigenen Whirlpool ist atemberaubend, aber eben im Luxusbereich. Eine Nacht wird rund USD 450 kosten, das ist nichts für unser Budget.

Es würde uns sehr freuen, wenn die zukünftigen Bungalows auch mit unserem Bambus gebaut würden.

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Rundumblick

Vor gut drei Wochen hatten wir einen gewaltigen Sturm. Der Wind kam den Rio Napo hoch gefegt und traf ungebremst auf die Insel Anaconda, es hat uns sehr hart getroffen. So starke Winde haben wir hier noch nie erlebt und in der Schweiz auch erst einmal, bei Lothar (1999). Es bildete sich eine Windhose, weshalb der Sturm von allen Seiten kam. Das der Strom ausfiel war mehr als verständlich. Der Sturm brachte auch etwas Regen mit sich, der dann von allen Seiten ins Haus rein gepeitscht wurde und so das ganze Haus unter Wasser setzte. Wir haben ja keine Glasfenster, die man schliessen kann. So waren wir vor allem damit beschäftigt alle elektrischen bzw. elektronischen Geräte ins Trockene zu bringen oder abzudecken. Das Ganze dauerte nur etwa eine Stunde und dann war der Spuck auch schon wieder vorbei. Als wir raus konnten um zu schauen was alles zerstört wurde stellten wir schnell fest, dass die Wasserleitung gerissen war. Zum Glück war das in der Nähe unseres Hauses und wir reparierten sie noch in der gleichen Nacht provisorisch, so dass der Tank sich nicht leerte. Am Haus waren nur kleine Schäden entstanden und bei der Werkstatt hatte sich eine Dachplatte verabschiedet und ein Balken wurde aus der Verankerung gerissen.

Schaden am Dach der Werkstatt

Am nächsten Morgen sahen wir dann aber das ganze Ausmass der Zerstörung. Bäume wurden entwurzelt und/oder einfach enthauptet. Urwaldriesen, die schon über hundert Jahre alt waren, wurden zu Fall gebracht.

Plantagen auf der Insel Anaconda wurden platt gewalzt und viele Häuser wurden abgedeckt. Wir waren einige Tage damit beschäftigt aufzuräumen und zu reparieren was möglich war. Ja, das Reparieren war eine Geduldssache da der Strom erst nach vier Tagen wieder floss. Die Hauptleitung wurde zerrissen und 12 Pfosten sind umgefallen, dass musste die Stromfirma auch erst mal reparieren und ersetzen.

Joëlles Weg, der Waldlehrpfad, wurde vom Sturm auch nicht verschont und so mussten wir da ebenfalls den Weg freischneiden und teilweise sogar neu anlegen. Michi hatte die Idee am höchsten Punkt des Weges einen Aussichtsturm zu bauen. Von dort oben hat man einen wunderschönen Rundumblick. Der Sturm hat die ehemalige Weidefläche zusätzlich gerodet, so dass die Aussicht dadurch noch erweitert wurde. Da Michi das schon lange geplant hatte, wurden die Fundamente bereits vor dem Sturm gegossen. Mit dem Bau, natürlich wieder aus Bambus, hat es dann aber etwas gedauert. Das langwierigste war das ganze Material da hochzubringen – Steine, Sand, Zement und wegen der Trockenzeit auch das Wasser. Wir kamen uns schon manchmal so vor wie Sisyphus der den ganzen Tag da Steine hoch trug, immerhin kamen wir oben an und es hat sich auch gelohnt.

Michi und César haben beim Bauen auch diesmal wieder junge Männer ausgebildet. Das Grundgerüst mit dem Dach war schnell erstellt, so dass wir im Schatten arbeiten konnten. Aufgrund der exponierten Lage müssen wir den Turm vor Sonne, Wind und Regen schützen. Die alten Dachplatten, die sich beim Sturm von der Werkstatt gelöst hatten, konnten wir hier gleich wieder verwenden und haben damit den Aussichtsturm eingekleidet.

Der einmalige Rundumblick lädt zum Verweilen ein. Für Ornithologen ist der Turm ein super Ort um Vögel zu beobachten. Wir werden auch noch einige spezielle Busch- und Baumsorten in der Umgebung pflanzen um noch eine höhere Vogelvielfalt anzulocken. Die Tukane und Arassaris haben uns aber zuerst genau beobachtet und aufgepasst, dass da ja alles mit rechten Dingen zu und her geht. Nun können wir im Gegenzug sie und viele andere Arten in Ruhe beobachten.

Wir haben uns bei «Red de Bosques (CNBRPE)» als Mitglieder beworben. «Red de Bosques» ist eine Organisation von privaten Waldbesitzern bzw. -schützern aus ganz Ecuador. Wir kennen sie von früher, aus der Zeit als wir den amaZOOnico leiteten. Damals war Selva Viva ein aktives Mitglied dieser Organisation und wir haben an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen bzw. mitgeholfen. Nun wird Finca Don Sigifredo aufgenommen. Das freut uns sehr, denn das Netzwerk was da besteht ist sehr gross und über ganz Ecuador verteilt. Unser Wald wird über «Red de Bosques» beim Umweltamt als privates Naturschutzgebiet registriert werden, was leider für Privatpersonen nicht möglich ist. Als privates Naturschutzgebiet haben wir aber auch Verpflichtungen und dürfen dann in unserem als geschützt deklarierten Wald keine Bäume mehr fällen. Im Gegenzug erhalten wir aber durch das Netzwerk oder vom Umweltamt Hilfe im Falle von illegalen Tätigkeiten auf unserem Land. Durch eine einmalige Aufnahmegebühr wird die Registrierung durch «Red de Bosques» vorgenommen, was Joëlle natürlich sehr freut. Doch Papiere musste sie trotzdem ausfüllen und das waren nicht gerade wenige, aber wenigstens muss sie die Behördengänge nicht selbst machen. Für unser Projekt ist das ein Meilenstein und es freut uns sehr, dass wir bald ein deklariertes Naturschutzgebiet haben das unter Schutz steht und anerkannt ist. Wir werden euch auf dem Laufenden halten und euch mitteilen, so bald wir den Status erhalten haben.