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Wir haben noch viel vor

Für unser Bambusprojekt sind die Lagerhalle und die ersten Regale endlich fertig errichtet und wir haben bereits begonnen sie langsam zu füllen. Wir hatten extra ein Becken von 13 Metern gebaut um zwölf Meter Stangen immunisieren zu können, was wir nun auch das erste Mal taten.

Der Riesenbambus (bambú gigante) ist über 20 Meter lang und hat einen Durchmesser von bis zu 25 cm am Fuss. Er wächst auch in unserer Region und bei einigen Familien ist er erntereif. Wir haben uns mit Remigio geeinigt, dass wir zehn Stangen ernten dürfen um so Erfahrung sammeln zu können. Denn Riesenbambus so zu schneiden das er nicht splittert und dadurch unbrauchbar wird, muss gelernt werden. Wir hatten uns zum Glück gute Instruktionen von einem Spezialisten geholt und so ist uns tatsächlich keine Stange kaputt gegangen. Remigio staunte darüber nicht schlecht, denn ihm sind leider alle gesplittert. Wir schnitten den Bambus auf die richtige Länge zu und danach transportierten wir die Stangen per Kanu und zu Fuss bis zum Becken. Das ist einfacher gesagt als es getan war. Zwölf Meter (frischer) Bambus hat ein Gewicht von über 500 kg. Fünf starke Männer brauchte es um die Stangen zu tragen.

Bevor die Stangen ins Becken gelegt werden können, müssen sie zuerst gewaschen und danach durchbohrt werden. Dafür hat Michael extra einen Bohrer XXL von 7 Metern hergestellt in dem er den Bohrer auf ein Armierungseisen schweisste. Zu Dritt werden dann damit die Stangen durchbohrt. Nach diesem Arbeitsschritt müssen die Stangen vom Riesenbambus für 14 Tage im Becken bzw. in der Salzwasserlösung bleiben. Da wir schon einige Erfahrung damit haben sechs Meter Stangen aus dem Becken zu nehmen ist das für uns „einfach“ geworden. Zwölf Meter Stangen sind jedoch etwas anderes und wir haben bei der ersten schon gemerkt, dass wir die Höhe des Daches leider etwas knapp berechnet haben. Wir mussten gut überlegen wie wir die Stangen wieder aus dem Becken rausbringen, so dass kein zu grosser Wasserverlust entsteht. Nach der vierten Stange hatten wir den Dreh raus. Das aufrechte Besonnen geht leider nicht, das hatte sich Mich doch etwas zu einfach vorgestellt. Diese Stangen werden nun liegend besonnt und danach gehen sie ins Regal zum Trocknen.

Wir haben viel gelernt und können nun auf Wunsch zwölf Meter Stangen behandeln und liefern. Wir werden nächsten Monat nochmals zehn Stangen Riesenbambus einkaufen, zum einen um zu üben und zum anderen um einen kleinen Vorrat anzulegen. Wir sind aber auch dabei den Vorrat der sechs Meter Stangen zu erhöhen, vor allem da wir für das nächste Jahr einen Grossauftrag in Aussicht haben. Das alles kostet Geld und unsere Reserven neigen sich dem Ende zu. Da ist uns jetzt im richtigen Augenblick ein Auftrag in den Schoss gefallen, wir dürfen ein kleines Bambushaus bauen. Es ist ein Geschenk von der Mutter von Christine von Steiger an ihren (mittlerweile erwachsenen) Patensohn. Für uns und seine Familie ist es ein Lehrobjekt. Unser Ziel ist es aufzuzeigen, dass man ganz ohne Holz ein Haus bauen kann. Das Budget ist leider nicht so hoch und die Familie die es bekommt, muss unentgeltlich mit helfen. Das machen sie aber gerne. So ist Michi nun am Planen, Rechnen und Vorbereiten – er wird jetzt auch noch „Architekt“. Nein, es wird eine ganz einfache Konstruktion sein die aber trotzdem geplant werden muss.

Wir schreiben so viel über das Bambusprojekt und dabei geht oft vergessen, dass wir ja noch viele andere Projekte am Laufen haben. Wir haben es endlich geschafft die Kakaoplantage fertig aus zu schneiden bzw. zu putzen – sie hatte dringend einen Verjüngungsschnitt nötig. Dabei haben wir sie auch gleich erweitert und ca. 50 neue Kakaobäume gepflanzt. In die Erweiterung der Plantage haben wir auch gleich noch einige Chuncho-Bäume gepflanzt. Das sind Bäume mit gutem Holz die man in zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren ernten werden kann. Die Vanille wächst gut und deshalb überlegen wir uns die Plantage zu vergrössern.

Leider brauchen die Kühe die meiste Aufmerksamkeit und viel zu viel Geld. Der Unterhalt der Weiden braucht viel Zeit und ist sehr teuer geworden. Leider hat der letzte Generalstreik dem Fleischpreis nichts gebracht, er ist noch immer auf demselben Stand wie vor zwölf Jahren. So vieles ist teurer geworden auch Kraftfutter, Mineralsalz, Medikamente und sogar der Transport der Tiere und dies obwohl der Benzinpreis gesenkt wurde. Wir haben unsere Kosten erneut durchgerechnet und sind zum Schluss gekommen, dass wir die Kuhherde verkleinern müssen damit wir weniger Weidefläche brauchen. Wir haben leider fast keine geraden Flächen die einfach und schnell von Unkräutern zu reinigen sind. In der Schweiz würden wir mit unseren Weideflächen wahrscheinlich «Subventionen für Bergbauern» bekommen doch verständlicherweise gibt es so etwas in Ecuador nicht. So haben wir uns schweren Herzens entschieden von elf auf vier Mutterkühe zu reduzieren, der Stier und die Kälber bleiben. Nun sind wir auf der Suche nach Käufern. Einige Kühe sind schon so alt, dass sie mit den jungen Stieren zum Metzger gegeben werden müssen. Da wir nun auf die Zucht von zukünftigen Zuchttieren umstellen behalten wir die vier schönsten und unserer Meinung nach besten Kühe. Wir sind nicht die Einzigen die unter dem Preisdruck leiden, auch unsere Niederländischen Nachbarn sind aus der Milchwirtschaft ausgestiegen. Sie bekamen für die Kuhfladen (als Dünger) mehr Geld als für die Milch. Jetzt haben sie noch ca. elf Tiere die zum einen ein Hobby sind und zum anderen als Düngerlieferant für ihre Vanilleplantage dienen.

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Baggermangel in Tena

Heute Mal was Anderes zum Anfang. Im Napo Fluss gibt es bekanntlich viel Gold und da der Goldpreis in den letzten Jahren stark gestiegen ist lohnt es sich nun auch das Gold abzubauen. So entstand ganz in der Nähe von Tena ein unvorstellbar grosses Abbaugebiet am Rio Napo, wo man mit Baggern die Ufer und angrenzendes Land abgetragen hat umso an das Gold zu kommen. Die Bevölkerung hat während mehrerer Monate immer wieder dagegen protestiert. Es wurde kurzerhand auch einfach bewirtschaftetes Land umgebaggert und hat so viele Leute von ihrem zu Hause vertrieben. Da das ganze illegal war, und schon seit 2018 keine Lizenzen mehr für den Abbau von Gold vergeben werden, wurden leider auch Chemikalien wie Quecksilber eingesetzt. Das hat dann auch Umwelt Organisationen und die Presse auf den Platz gerufen. Der Druck auf die Behörden wurde schlussendlich zu stark. In einer grossangelegten Aktion sind das Militär und die Polizei auf gefahren und haben die Mine geschlossen. Vorgängig wurde weiträumig alles abgesperrt (ca. drei Quadratkilometer) und dann fand der Zugriff statt. Sämtliche Maschinen wurden beschlagnahmt und alle Anwesenden wurden verhaftet, auch wenn sie nur für gerade einen Tag ins Gefängnis mussten. Während drei Wochen wurde das beschlagnahmte Material abtransportiert und auf dem Polizeigelände geparkt. Es waren mehr als 150 Bagger, über 20 grosse und unzählige kleine Waschanlagen. Der Parkplatz war so voll, dass wir das Ausmass nicht auf ein einzelnes Foto gebracht haben. Mit der Drohne durften wir kein Foto machen da wir nicht von der Presse sind.

Nun hat es in der Provinz Napo zu wenig Bagger, weil jeder der keinen Bauauftrag hatte da am Goldwaschen war. Wenn man jetzt einen Bagger braucht muss man lange warten bis er kommt, denn um einen Bagger auszulösen muss man tief in die Taschen greifen. Zwischen 20`000 bis 30`000 Dollar kostet das Auslösen, das ist hier extrem viel Geld. Alle Maschinen die nicht innerhalb von zwei Jahren ausgelöst sein werden, werden dann versteigert. Solange stehen sie einfach rum und rosten vor sich hin. Es gibt immer noch viele kleine illegale Minen entlang des Napos. Die werden aber von Familien betrieben und dort wird von Hand abgetragen und häufig wird kein Quecksilber eingesetzt. Denn dafür haben die Meisten kein Geld und so ist der Schaden an der Umwelt auch nicht ganz so gross.

Der Jaguar geht bei uns um und macht die Kühe sehr nervös. Als Michael letzte Woche unsere Kühe kontrollieren ging stellte es fest, dass sie alle sehr dicht beieinander standen. Sie waren auf der hintersten Weide direkt am Waldrand. Obwohl es noch genügend Grass hatte, wollten sie nicht da bleiben. Michael war etwas irritiert wegen ihres Verhaltens. Auf dem nachhause Weg nahm er die Wildkameras mit die um die Weide herum platziert waren. Beim Auswerten der Fotos wurde ihm klar warum die Kühe so nervös waren. Nur vier Stunden zuvor hatte die Kamera einen Jaguar aufgenommen und das nur 100 Meter neben der Kuhweide. In den letzten vier Wochen wurden die Kameras dreimal durch den Jaguar ausgelöst.

Jaguar ganz in der Nähe unserer Kühe

Normalerweise zieht ein Jaguar herum und bleibt nicht so lange am gleichen Ort. Warum er nun so lange da ist wissen wir nicht, wir können nur spekulieren. Vielleicht blieb er länger weil es wieder mehr Wild bei uns hat.

Der Jaguar ist sogar am Tag unterwegs

Auf Grund der Kameraauswertungen wissen wir, dass der Wildbestand in den letzten Monaten zugenommen hat. Es wurden auch vermehrt seltene Tiere aufgenommen wie zum Beispiel Tayra, Tamandua (Kleiner Ameisenbär) oder auch Krabbenwaschbären. Uns freut es sehr wenn der Wald wieder anfängt zu leben und unsere Kühe sind zum Glück noch alle da. Ja, in der Schweiz haben die Schäfer es mit dem Wolf zu tun und wir hier mit dem Jaguar.

Krabbenwaschbären

Unser Bambus Projekt nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir müssen auch sicherstellen, dass wir in Zukunft zu genügend Bambus kommen. Wir können uns da nicht nur auf die einheimische Bevölkerung verlassen. Darum haben wir einen Vertag mit unseren Niederländischen Nachbarn gemacht. Sie haben ca. drei Hektaren Bambus den wir für die nächsten vier Jahre ernten können. Diese Woche haben wir das erste Mal geerntet. Der Bambus wächst direkt an einem Fluss der in den Arajuno mündet der wiederum vor unsere Haustür vorbei fliesst. So haben wir kurzum die geschnittenen Stangen zu Flössen zusammen gebunden und sind den Fluss runter getrieben.

Touristen zahlen viel Geld dafür sich mal auf einem Floss den Fluss runter treiben zu lassen. Mal schauen ob wir das nächste Mal zahlende Begleitung finden. So sind nun die nächsten 65 Bambusstangen im Becken und wir fangen langsam an einen Grundstock an immunisiertem Bambus anzulegen.

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Das Bambusbecken ist in Betrieb

Letze Woche war es endlich soweit, dass wir unser Becken für die Immunisierung von Bambus in Betrieb nehmen konnten. Es hat viele Arbeitstage und noch mehr schlaflose Nächte gebraucht bis es endlich so weit war. Uns ist eine schwere Last von den Schultern gefallen als wir das gefüllte Becken sahen. Michi hat sich so sehr gefreut, dass er beim rumalbern hingefallen ist und sich einige Schürfwunden und Prellungen zu zog. Aber alles war nur halb so schlimm, er hatte mal wieder Glück im Unglück. Ja, das passiert halt wenn man das Gefühl hat noch zwanzig zu sein.

Bambusanlieferung

Bis eine Stange ins Becken eingelegt werden kann sind einige Arbeitsschritte nötig. Zuerst müssen sie Stangen gewaschen werden, danach werden sie auf die richtige länge zugeschnitten und dann müssen sie noch durchbohrt werden. Man muss alle Kammern öffnen, so dass der Bambus nicht an der Oberfläche schwimmt und die Boraxsalzlösung in die Stange reinfliessen kann. Damit die osmoseartige Wirkung (Austausch von Stärke mit Borax) erzielt wird muss sich der ganze Halm unter Wasser befinden. Das durchbohren von sechs Meter langen Stangen ist eine Herausforderung, Michi hat dafür extra einen dreieinhalb Meter langen Bohrer zusammen geschweisst.

Widinson und César durchbohren die Bambushalme

Wenn alle Schritte durchlaufen sind kommen die Stangen für fünf bis zehn Tage, je nach Dicke der Kammerwände, in die Salzwasserlösung. Jeder Schritt wird jetzt mit der «Stoppuhr» gemessen damit wir den Arbeitsaufwand für eine Stange berechnen und so auch einen Verkaufspreis kalkulieren können.

Nach dem Immunisierungsbad geht der Bambus in die Besonnungsanlage, da wechselt er die Farbe von Grün auf Braun, eine erste Trocknung findet schon statt. Anschliessend werden die Stangen im Trocknungsraum gelagert wo sie einfach noch etwas rumliegen. Unsere Trocknungsanlage bzw. Lagerhalle werden wir mit dem ersten selber immunisierten Bambus bauen. Bis dahin nutzen wir ein Provisorium gleich neben dem Becken.

Leider zeigt der Krieg in der Ukraine auch hier seine Auswirkungen. Wir hatten Kaufzusicherungen für Bambus von zwei Bauprojecken. Diese Projekte sind aber bis auf weiteres auf Eis gelegt worden da jetzt die Finanzierung aus Europa fehlt. Mit dem Bau sind wir ein hohes Risiko eingegangen und haben unsere letzten finanziellen Reserven reingesteckt. Da wir aber das einzige, fix gebaute, 13 Meter Immunisierungsbecken von ganz Ecuador-Amazonien haben stehen die Chancen trotzdem gut in den Markt zu kommen. Joëlle bemüht sich mit verschiedenen Organisationen in Kontakt zu treten und uns so bekannt zu machen. Als wir mit dem ersten Einkauf von den ersten 100 Stangen begonnen haben sind nur wenige Tage später viele Familien auf uns zu gekommen um Bambus zu verkaufen. Es hat sich sehr schnell rumgesprochen und wir könnten tatsächlich tausende von Stangen kaufen. Leider müssen wir momentan die Familien auf später vertrösten. Wir erklären ihnen aber dennoch wie sie ihre Bambushaine pflegen sollten, so dass wir ihn dann später kaufen können. Wir kaufen nur guten, zur richtigen Zeit frisch geernteten, Bambus weil wir viel Wert auf gute Qualität legen. Die hohe Qualität wird dann auch unser Verkaufs Argument sein.

Die letzte Woche haben wir Holz verkauft. Der starke Regen hatte die Böden so sehr aufgeweicht, dass gleich fünf Pigüe Bäume die an der Strasse standen umzufallen drohten. Pigües sind Sekundärbäume aus deren Holz man Kisten oder Verschalungsbretter herstellt. Wir haben uns entschieden sie zu fällen bevor sie umfallen und so keinen Nutzen mehr haben werden. Viel verdient man aber nicht damit. Immerhin wurden unsere Kosten gedeckt und zwei Personen hatten für drei Tage Arbeit.

Yuma hilft bei der Kakaoernte

Die Kakaoernte ist in vollem Gange und wir konnten wieder über 100 kg ernten. Wir werden sicher noch drei bis vier Mal ernten können. Danach müssen wir die Bäume richtig zurück schneiden um nächstes Jahr mehr Ertrag erzielen zu können. Unsere Mittarbeiter können es jetzt schon kaum glauben, dass wir so viel ernten ohne Chemie einzusetzen.

Uriel und Café au Lait

Unsere Kuh „Café au Lait“ hat ihr erstes gesundes Kalb geboren. Sie hatte letztes Jahr leider eine Todgeburt, vermutlich weil sie noch zu jung war. Darum hielten wir sie die letzten Wochen ganz besonders im Blick. „Uriel“ ist ihr erstes Kalb und sie macht es hervorragend. Sie liess den Kleinen in den ersten fünf Tagen nicht aus den Augen, wenn er sich ausruhen musste stand sie daneben und beschützte ihn. Nicht so wie die anderen erfahreneren Kühe die Ihr Junges ins Gebüsch legen und dann einfach fröhlich weiter Grasen gehen. Der Kleine wächst schnell und sie lässt ihn jetzt auch schon mit den andern Kälbern rumtollen.

Uriel

Letzte Woche haben wir erneut eine alte Plantage aufgeforstet. Wir liessen das Gelände bewusst ein Jahr zuwachsen. Jetzt haben wir Wege frei gemacht, so dass wir im Schatten der Sekundärbäume die über hundert Primär- und Fruchtbäume pflanzen konnten. Da unsere Pflanzenschule immer grösser wird konnten wir ein breit gefächertes Sortiment auspflanzen und hoffen so eine bessere Durchmischung einzubringen. Wir haben trotz der vielen Arbeit mit dem Bambusprojekt die Grundidee des Waldschutzes durch Aufforstung nicht vernachlässigt.

Aufladen der Pflänzchen zum Transport für die Aufforstung
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Die Brücke

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir eine Brücke über ein Schlammloch gebaut, so dass die Kühe einfacher die Weide wechseln konnten. Als letzte Woche unser Mittarbeiter Frank die Kühe kontrollieren ging hatte er festgestellt, dass es Löcher in den Bretten gab. Deshalb war klar, dass diese Bretter so rasch als möglich ersetzt werden mussten. In der Nähe lagen noch ein paar übriggebliebene Stücke von einem umgefallenen Mahagonibaum und so liessen wir diese richtig zuschneiden um die Brücke reparieren zu können. Das war ja recht und gut aber die Kühe wollten genau wissen was Frank da repariert und sind gleich zu fünft auf die Brücke gegangen um zu schauen, dass er es auch richtig macht. Wenn der Chef nicht kontrolliert machen es halt die Begünstigten. Das war aber zu viel Gewicht für den mittleren Balken und so ist dieser unter der immensen Last eingebrochen. Nur gut, dass nichts passiert ist. Frank hat alles beobachtet und uns gesagt die Kühe seien einfach von der Brücke runter spaziert und weg gegangen. Jetzt war das Ganze etwas schwieriger zu reparieren. Zuerst musste ein neuer Mittelbalken her und das musste hartes Holz sein. Dafür mussten wir einen kleinen Baum fällen der das Gewicht aushält und auch einige Zeit bestand haben wird. Den Stamm zu tragen war nicht einfach. Zu sechst haben wir ihn über unwegsames Gelände hingetragen und dann in die Brücke eingesetzt. Jetzt steht die Brücke wieder wie eine Eins. Wir haben auch den Kühen mitgeteilt, dass maximal drei Tiere darauf dürfen Mal schauen wie lange sie sich daran halten werden.

Auf Grund der immer noch anhaltenden Arbeitslosigkeit werden wir immer wieder um Arbeit gebeten. Leider haben wir aber nur begrenzt Arbeit und unser Budget ist nicht mehr so gross wie es auch schon war. Viele Leute versuchen nun Arbeit im ganzen Land zu finden. Der Bruch der Ölpipeline oberhalb des Rio Cocas ist eine Katastrophe mit einem Ausmass das man sich kaum vorstellen kann. Einige Leute aus der Region, besonders erfahrene Kanufahrer, haben da vorübergehend Arbeit gefunden.

Ein Gewitter zieht auf

Um die Familien zu unterstützen starteten wir ein neues kleines Projekt. Wir lassen bei den Familien verschiedene Sachen herstellen die wir dann in die Schweiz bringen lassen und dort probieren zu verkaufen. Die (erweiterte) Familie von César hat uns über hundert Fonduegabeln aus Bambus geschnitzt. Wir haben pro Rohling 1 $ bezahlt und sie bei uns noch etwas nach geschliffen und poliert.

Milena beim Fonduegabeln schleifen

Eine andere Familie hat uns 100 Armbänder geknüpft. Auch da haben wir einen fairen Preis bezahlt, 2.50 $, was normalerweise der Verkaufspreis für Touristen ist (die ja leider fehlen).

Wir bekommen aber nicht nur Verkaufsangebote von Kichwas auch die Waoranis (eine andere indigene Ethnie die noch tiefer im Wald lebt) kommen vorbei und brauchen Geld. Da haben wir dann eine Hängematte bestellt. Als sie zwei Monate später wieder kamen, was wir nicht geglaubt hätten, brachten sie gleich zwei Hängematten mit. Natürlich haben wir sie beide gekauft. Die Eine hat Michael selber behalten und die Andere wurde in die Schweiz gebracht. So eine Hängematte wird ausschliesslich aus Palmfasern gemacht. Es braucht rund 500 Meter Seil das aus einem einzigen Stück besteht, was natürlich selber von Hand hergestellt wird. Alleine für das verweben des Seils brauchen sie zwei Wochen. Der Handel mit den Waoranis ist immer etwas Spezielles. Sie laufen oft tagelang durch den Wald um zu uns zu kommen. Die Frauen verkaufen ihre Handarbeit um Geld für Salz, Öl, Seife, Reis und andere benötigte Dinge zu bekommen. Die Männer verkaufen manchmal Wildfleisch von Tieren die sie auf dem Weg erlegt haben. Jedes Mal wenn sie da sind kaufen wir etwas von den Frauen und geben ihnen auch noch was zu Essen mit auf den Weg. Uns ist wichtig nicht nur eine Frau oder Familie zu berücksichtigen. Deshalb kaufen wir immer jeder Person etwas ab, so dass alle etwas verdienen können. So konnten wir einen vollen Koffer mit diversen Sachen gratis in die Schweiz schicken (vielen Dank Christine!).

Waoranifrauen die uns die Hängematten verkauft haben

Wir haben auch viel Schokolade von Kallari mit geschickt. Kallari kauft unseren Kakao.

Michaels Bruder Stefan verkauft im Gasthaus Bad, Hemberg (077 444 81 65) diese Produkte. Dort bekommt man auch mehr Infos zu den Produkten und ihren Produzenten. Der Verkaufserlös wird direkt wieder in unser Projekt gesteckt. Wenn es Anklang findet werden wir versuchen das Angebot auszubauen um so ein weiteres kleines Einkommen für die umliegende Bevölkerung zu schaffen. Wir würden uns sehr freuen wenn wir zumindest die Kosten decken könnten. Falls jemand einen speziellen Wunsch hat, z.B. nur die Naturfäden aus Palmfasern (Armbänder sowie Hängematte sind daraus gefertigt) oder eine extragrosse Hängematte und es nicht eilt, der kann sich direkt bei uns melden:

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    Erfahrungsbericht aus dem Regenwald von Milena

    Ankunft und Wartezeit

    Nach meiner Ankunft holte mich Joëlle in Quito mit dem Auto ab. Auf unserer Fahrt in den Regenwald sahen wir bereits wunderschöne Landschaften und ich war fasziniert von dem fremden neuen Land. Joëlle erzählte mir, dass sie mit Luca festgesteckt war, weil die Strasse aufgrund eines Erdrutsches gesperrt war. Zuerst lachten wir noch darüber aber als wir an besagter Stelle ankamen, stand bereits eine Schlange an Autos und Lastwagen in dem kleinen Dörfchen. Nach Erkundigungen stellte sich heraus, dass ein Träger der Brücke eingestürzt war und diese repariert werden musste. Der erste Kulturschock; es gab keine Möglichkeit diese kaputte Brücke etwas weiter unten oder oben zu umfahren. Die nächste Umfahrungsstrasse, welche bereits einen grossen Umweg dargestellt hätte, war ebenfalls durch Bauarbeiten gesperrt und so haben wir gewartet. Und wir haben gewartet und gewartet und gewartet. Insgesamt standen wir ca. 11 Stunden und bewegten uns nicht vom Fleck.

    warten, warten, warten…

    Eingewöhnungszeit und Alltag

    In der ersten Woche konnte ich es gemütlich angehen. Joëlle und Michi zeigten mir das Haus und die Umgebung. Die Sandfliegen und ihre vielen Stiche machte mir am Anfang ziemlich zu schaffen. Nach circa einem Monat hier, verheilten die aufgekratzten Stellen aber langsam und ich reagierte weniger extrem auf neue Stiche.
    Ich lernte bald, wie die Meerschweinchen, Hühner, Hunde und die Katze gefüttert werden und durfte dies selbständig erledigen. Da ich Tiere liebe machte mir diese Arbeit viel Freude.

    Yuma freut sich

    Nach kurzer Zeit wurde ich zur Pflanzenfrau gekürt und pflanzte ums Haus herum Jamaica und Chili. Das Bambusprojekt von Joëlle und Michi war während meines Aufenthalts voll im Aufbau. Um zu verhindern, dass die Hänge rund um die Baustelle abrutschen, war ich dafür zuständig, Vetiver, eine Pflanze deren Wurzeln bis zu 5 Meter lang werden, zur Stabilisierung in die Hänge einzusetzen. Dabei habe ich mehr als 400 Pflänzchen gesetzt und es warten noch mehr Hänge darauf bepflanzt zu werden.

    Passionsblumen-Käfer

    Der Bau der Bambus-Immunisierungsanlage beanspruchte mehr Zeit als geplant und ich konnte mich dort nicht wirklich gut einsetzen. So arbeitete ich viel ums und im Haus. Joëlle und Michi gaben sich Mühe, mir immer passende und abwechslungsreiche Arbeiten zu übergeben. Zu meinen Tätigkeiten gehörten zum Beispiel in Bambusbehälter eingepflanzte Setzlinge und Weiden von Unkraut zu befreien, die Fliegengitter in den Fenstern zu reinigen und neue Gitter zuzuschneiden. Ab und zu am Mittag für uns und die Arbeiter zu kochen, was eine interessante Herausforderung war, da ich bis anhin noch nie für so viele Leute gekocht hatte. Zudem durfte ich Fondue Gabeln, welche von César und seiner Familie aus Bambus geschnitzt wurden, schleifen, damit Michi diese in die Schweiz zu seinem Bruder für dessen Restaurant schicken konnte. Diese Arbeit war total meditativ und hat mir viel Spass gemacht. In meiner letzten Woche habe ich noch meinen eigenen Baum gepflanzt, für den ich direkt eine Baumpatenschaft abgeschlossen habe. Dies war mir sehr wichtig.

    Kühe pflegen

    Am Ende meiner ersten Woche bei Joëlle und Michi stand ein Verkauf von Kühen an. Das bedeutete die Kühe von der Weide zum Haus zurücktreiben. Diese fanden wir allerdings nicht auf der Weide, wo sie sein sollten, sondern in einem steilen Waldstück. Das zurücktreiben, war für mich am Anfang ziemlich respekteinflössend, da die Kühe zum Teil recht ungehalten den Hang im Wald runter kamen. Ich ahmte so gut es ging die Rufe der anderen Arbeiter nach, um die Kühe anzutreiben und es machte mir mit der Zeit echt Spass. Beim Haus wurden die Kühe zuerst nach Verletzungen untersucht, eingefangen und behandelt. Ich sah, dass Michi und Joëlle sehr gut zu den Tieren und ihrem Wohlbefinden schauen.
    Während meines ganzen Aufenthalts half ich immer wieder die Kühe zum Haus zurückzutreiben, da diese bei Weidenwechsel jeweils spezielles Futter bekamen und die verletzten Tiere gründlich versorgt wurden. Auch bei der Verarztung konnte ich assistieren.

    Waldspaziergänge

    Ich durfte Michael einmal nach Chorongo Alpa begleiten, um dort aufgestellte Wildkameras einzusammeln. Auf diesem Spaziergang durch den Regenwald erklärte mir Michi viele spannende Details über den Wald, die Pflanzen welche dort wachsen und die Tiere die dort leben. Die Vielfältigkeit des Waldes zu erleben, war für mich wunderschön und ich kam gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Auch die Reinheit der Luft fand ich überwältigend.

    Ein anderes Mal konnte ich mit Michi ausgepflanzte Baumsetzlinge kontrollieren gehen. Danach führte er mich noch in den Primärwald und ich durfte Urwaldriesen bestaunen. Auf diesem Ausflug, erlebte ich den Regenwald hautnah. Uns überraschten zwei Regenschauer während wir im Wald waren und wir kamen klitschnass zum Haus zurück.

    Freizeit und Kultur

    In der Hängematte zu liegen, ein Buch zu lesen oder den Tieren zuzuhören, spazieren oder im nahgelegenen Fluss schwimmen zu gehen, gehörten zu meinen Lieblingsaktivitäten während meiner Freizeit. Sehr gerne verbrachte ich auch Zeit mit Joëlle und Michi auf der Veranda, wo ich eine Antwort auf alle möglichen Fragen erhielt und ich sehr viel über das Land Ecuador, die Politik, die Kultur und die Verhaltensweisen und Eigenarten der Menschen erfahren konnte sowie ganz viele Tipps für meine weitere Reise erhielt.
    In Tena, der nächstgelegenen Stadt, durfte ich gratis im Studentenwohnheim von Christine übernachten, was ich sehr schätze. Es gibt keinen Fahrplan für den Bus von Puerto Barantialla nach Tena. Einfach an der Bushaltestelle warten bis der nächste kommt, auch etwas an das man sich als europäische Person zuerst gewöhnen muss.
    Während meiner Zeit auf der Finca durfte ich zusammen mit Joëlle an eine traditionelle Kichwa Hochzeit gehen. So nahe an der Kultur von indigenen Menschen zu sein war für mich unglaublich spannend und eindrücklich.

    Hochzeitsfest mit vielen Gästen und Geschenken

    Kurz vor Weihnachten begleitete ich Joëlle an das Weihnachtsfest der Schule, was auch eine interessante und lustige Erfahrung war.
    Michi und Joëlle waren immer sehr rücksichtsvoll und haben mir einen wundervollen Aufenthalt bereitet. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte und werde die Erlebnisse hier nie vergessen.

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    Erfahrungsbericht aus dem Regenwald von Luca

    Nach fast zwei Monaten hier auf der Finca Don Sigifredo im Regenwald von Ecuador geht mein Abenteuer langsam zu enden und es ist an der Zeit mein Erlebtes noch einmal Revue passieren zu lassen. Es war eine schöne Zeit mit vielen neuen Eindrücken und tollen Erfahrungen. Alles begann damit das Joëlle mich in Quito am Flughafen abholte und wir gemeinsam die Fahrt von Quito zu ihnen nach Hause in den Regenwald starteten. Nachdem wir mehrere Stunden gefahren sind mussten wir eine ungeplante Pause von zwei Stunden einlegen da die Straße auf Grund eines Erdrutsches nicht mehr befahrbar war. Nach langem Warten konnte ein großer Bagger die Straße von Schlamm und großen Steinen endlich befreien. Nach insgesamt acht Stunden haben wir dann bei Nacht endlich die Finca Don Sigifredo erreicht und ich wurde gleich von Michi und den drei Hunden herzlich empfangen. Nachdem ich von Michi und Joëlle alles gezeigt bekommen habe und die ersten Eindrücke verarbeiten konnte ging es auch schon los mit der Arbeit. So bin ich als erstes mit Michi zu den Kühen gewandert und er erklärte mir viele interessante Dinge die man in Bezug auf die Haltung und den Umgang mit Kühen beachten muss. So fingen wir dann an die ganze Herde von einer Weide zurück Richtung Haus zu treiben wo Sie einen betonierten und eingezäunten Platz haben um die Kühe auf mögliche Verletzungen und Parasiten zu untersuchen. Nach getaner Arbeit nahm mich Michi mit und zeigte mir die schönste Ecke ihres Landes. Dort wollen sie in hoffentlich naher Zukunft ihr eigenes Haus und angrenzende Volontärs Unterkünfte komplett aus Bambus bauen. Michi zeigte mir ebenfalls wo Sie vorhaben ein Haus mit Becken für die Behandlung und Verarbeitung von Bambus zu Bauen. Er erklärte mir, dass die vielseitige Nutzung des Bambus in dieser Region früher sehr verbreitet war aber seit die Leute die Kettensäge entdeckt haben kaum noch Bambus als Baumaterial eingesetzt wird und man lieber große dicke Bäume fällt um Häuser zu bauen. Das Ziel von Michi und Joëlle ist die nachhaltige Bewirtschaftung und Aufforstung des Regenwaldes. Dafür tun Sie auch sehr viel, in einem aus Bambus gebauten Gewächshaus ziehen sie viele verschieden Baumarten wie z.B Mindal, Cedro, Chuncho, Moral Bobo u. v. m. die mit viel Arbeit zu kleinen Setzlingen heranwachsen. Aktuell warten mehr als 500 Bäumchen darauf bald ausgepflanzt zu werden und das bringt uns der Wiederaufforstung des Regenwaldes einen Schritt näher.

    Gewächshäus aus Bambus

    Das nächste große Projekt an dem ich mitwirken durfte war eine Stützmauer aus alten Auto- und LKW-Reifen zu bauen. Es drohte ein großer Hang direkt an der Zufahrtsstraße zum Haus ab zu rutschen was dringend verhindert werden musste da die Straße ebenfalls drohte mit ab zu rutschen und es dann nicht mehr möglich wäre das Haus zu erreichen. So lernte ich dann auch César kennen der bei Michi und Joëlle angestellt ist. Er wirkte direkt sehr sympathisch und wir konnten uns auch recht gut auf Englisch verständigen was hier bei den einheimischen Kichwas, zu denen César gehört, nicht selbstverständlich ist da der Großteil kein Englisch spricht. César ist nicht nur für die Durchführung von den Arbeiten die bei Finca Don Sigifredo anfallen zuständig sondern er sorgt auch dafür, dass für große Projekt wie die Stützmauer auch passende Aushilfsarbeiter da sind. Und so organisierte er vier Arbeiter die ebenfalls alle von der Indigenen Gemeinde der Kichwas stammen. So bekommen Joëlle und Michi nicht nur große Projekte schneller fertig sondern unterstützen zu gleich die verschiedenen Familien der Kichwas mit Arbeit und fördern den sozialen Austausch mit den Einheimischen. Die Stützmauer zu bauen war sehr anstrengend und nach einer Woche Arbeit mit stundenlangem Kies schaufeln, Pfosten in den Boden schlagen und Reifen verdichten waren mehr als 400 Reifen in den Hang eingebaut und ich war erstaunt wie stabil so eine Mauer aus Reifen sein kann.

    Arbeiten an der Stützmauer aus alten Reifen

    Das schönste nach getaner Arbeit ist es abends ein kühles Bier zu trinken und interessante Gespräche mit Michi und Joëlle zu führen oder einfach mit Kopfhören in der Hängematte zu liegen und den Sonnenuntergang zu genießen. So kann sich mein Körper perfekt von der kräftezehrenden Arbeit erholen und wieder Energie aufladen für den nächsten Tag. Ein weiteres großes Projekt war es die Kakao Plantage, die lange nicht mehr bewirtschaftet wurde, von den ganzen Pflanzen zu befreien die in der Zwischenzeit die ganze Plantage überwachsen haben. Bei dieser Arbeit ist es von Vorteil wenn man langärmlige Kleidung trägt sowie Handschuhe und Kappe. Überall sind haarige Raupen oder Ameisen die man nicht gerne auf seinem Körper haben will. Es war viel Arbeit die ganze Plantage wieder frei zu schneiden aber die Arbeit hat sich gelohnt nun können Michi und Joëlle anfangen die Kakao Plantage zu bewirtschaften und so ein Nebeneinkommen aufbauen.

    Finca Don Sigifredo
    Bild: Luca Reinwald

    Es gibt aber nicht nur Arbeit bei Finca Don Sigifredo sondern es gibt auch viele tolle Sachen in der Region in der wir uns befinden zu entdecken. So waren wir einmal im amaZOOnico. Die Auffang- und Auswilderungsstation für viele verschiedene Tiere die im Dschungel Leben liegt nur fünf Minuten mit dem Kanu Fluss abwärts. Es gibt aber auch eine kleine Schokoladen Produktion die man besuchen kann und wo man eigene Schokolade herstellt. Oder einen botanischer Garten in dem man viele verschieden Pflanzen und Kräuter sehen kann die in der Kichwa Kultur heute noch als Medizin oder für schamanische Rituale eingesetzt werden. Dort bekommt man auch eine Vielzahl unterschiedlicher Fallen für die Jagd zu sehen und einem wird demonstriert wie sie funktionieren. Aber das schönste finde ich, war der Besuch bei César daheim der uns zum Fußball und Volleyball spielen eingeladen hat. Dort konnte man noch einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen wie die Kichwas heute leben. Es war ein tolle Erfahrung mit der ganzen Familie ob Jung oder Alt zu Spielen und Spaß zu haben. Alles im allem bin sehr glücklich das Abenteuer gewagt zu haben und zwei Monate hier mit Michi und Joëlle gelebt und gearbeitet zu haben. Es hat mir viele neue Erkenntnisse und viele schöne Momente beschert die ich ganz sicher nicht mehr so schnell vergessen werde. Das Projekt Finca Don Sigifredo kann ich jedem empfehlen der sich für den Schutz des Regenwaldes einsetzen möchte und gerne neue Kulturen kennenlernen will.

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    Das erste Jahr

    Ein Jahr geht schnell vorbei, besonders wenn man etwas Neues aufbaut. Die Zeit flog nur so an uns vorbei und dies ist der Zeitpunkt um uns einen Überblick zu verschaffen was wir schon erreicht oder leider auch noch nicht erreicht haben. Unser Lebenstraum war leider auch zeitweise ein Albtraum. Wir haben 35 Blogbeiträge geschrieben und es fiel insgesamt 4045 mm Regen in diesem Jahr. Es gab 13 Vollmondnächte und einmal erlebten wir ein richtiges Hochwasser als der Fluss Arajuno über vier Meter anstieg, sich mit dem Fluss Napo vereinigte und dabei die Insel dazwischen teilweise überschwemmte. Seit einem halben Jahr ist Yuma, unser neues Familienmitglied, bei uns. OK, das sind Dinge die nicht so interessant, aber dennoch geschehen sind.

    Yuma

    Unsere Vanilleplantage befindet sich im Aufbau und es gedeihen bereits über 100 Pflanzen. Wir experimentieren seit unserer Ankunft mit wilder Vanille (aus dem Wald) und wir fanden bis jetzt vier verschiedene Arten. Ebenfalls lassen wir die Vanille an verschiedenen Pflanzen wie z.B. an Kakao oder Edelhölzern hoch wachsen. Bis jetzt wächst noch alles gut und in rund einem Jahr werden wir wissen ob es funktioniert hat wenn dann (oder auch nicht) die ersten Blüten wachsen werden. Mit dem Ausschneiden der Kakaoplantage konnten wir endlich beginnen und hoffen nun auf einen grösseren Ertrag für nächstes Jahr.

    Vanillepflanze

    Mit unseren Kühen haben wir viel Geduld, denn sie sind erfolgreiche Ausbrecherkönige und haben kein bisschen Respekt vor den Zäunen. Aber auch dafür haben wir eine Lösung gefunden. Die Zäune haben wir verstärkt und mehr Pfosten gesetzt, so dass die Rindviecher nicht mehr ausbüxen können. Erstaunlicherweise hat das gut funktioniert und sie sind seither nicht mehr abgehauen. Mal sehen wie lange sie brav bleiben werden. Es wurden dieses Jahr neun Kälber geboren wovon leider eines eine Todgeburt war – es war das erste Kalb dieser jungen Kuh. Die anderen acht Kälber wuchsen gut und sind wohlauf. Wir haben ebenfalls vier Kälber von unseren Nachbarn übernommen wovon leider zwei gestorben sind. Das eine ist kopfvoran in ein riesiges Erdloch gefallen, wir haben es leider zu spät gefunden. Das andere ist dem Zeckenfieber erlegen. Aktuell haben wir einen Kuhbestand von 26 Tieren die alle gesund sind. Dank dem Verkauf von insgesamt sieben Rindern hatten wir zumindest ein kleines Einkommen.

    Am meisten freut es uns, dass die Baumschule so gut gedeiht und wir bereits über 1000 Pflanzen ziehen konnten. Mit dem Auspflanzen der Setzlinge haben wir bereits begonnen. Rund 120 neue Jungbäume stehen jetzt in unserem Wald verteilt. Das ist der Beginn der Vermehrung der Artenvielfalt in gewissen Waldabschnitten. Da wir viel Sekundärwald haben, wird noch viel mehr zu pflanzen sein. Momentan warten wir auf die nächste Samenzeit der Bäume und hoffen, dass wir da auch noch andere Baumsorten ziehen werden können. Es gibt Bäume die nur alle zwei bis drei Jahre Samen tragen. Wir sind gespannt was nächstes Jahr alles blühen wird und hoffen sehr, dass uns die Wildtiere einige Samen übriglassen werden.

    Unser neustes Projekt des „nachhaltigen Bauens mit Bambus“ haben wir langsam begonnen. César hat einen Monat lang einen Kurs besucht und durfte beim Bau eines Bambushauses mithelfen. Er ist derjenige der unser luxuriöses Hühnerhaus gebaut hat. Im Moment sind wir auf der Suche nach neuen Spendern oder Investoren für das Projekt. Falls jemand von Euch jemanden kennen sollte der evtl. jemanden kennt (ach ihr wisst schon J) der Interesse daran haben könnte, der soll sich bitte bei uns melden. Wir schicken gerne den Projektplan zu.

    Luxusvilla der Hühner

    Leider hatten wir auch einige grosse Rückschläge. Michis Beinbruch war natürlich nicht so toll und hat uns sehr ausgebremst. Aber es geht ihm schon wieder viel besser und die Knochen sind zusammen gewachsen. Die Muskulatur muss nun noch komplett wieder aufgebaut werden und das dauert eben einen Moment. Auch der Rechtsstreit mit dem Vorpächter hat uns viel Zeit und Geld gekostet. Aber bekannter Weise haben wir auch diese Hürde gemeistert und können nun endlich besser voraus planen. Dass uns eine grosse Kuh an einer Limone erstick ist, war einfach ein riesen Pech und natürlich ein erheblicher finanzieller Verlust. Da hat sich zum Glück jemand an den Kosten beteiligt und uns einen Teil des verlorenen Ertrags gespendet und somit den Familien mit dem Fleisch geholfen. Ein sehr grosses DANKESCHÖN dafür! Am Meisten hat uns aber Corona oder besser gesagt viel mehr die Corona Krise zugesetzt. Wir können nicht sagen ob es uns eher mehr Geld als eingeplant gekostet hat oder uns mehr ausbremste. Sicher ist, dass wir unsere Pläne und Vorhaben stark ändern mussten und wir uns deshalb viel stärker sozial engagieren. Ja, die Krise hat in unserer Region die meisten arbeitslos gemacht und wir versuchen so viele verschiedene Familien wie möglich bei der Arbeitsvergabe zu berücksichtigen. Aber genau das hat leider auch unser Budget der Löhne gesprengt. Immerhin konnten wir einigen Familien helfen ihre Kredite bei der Bank zurück zu bezahlen ohne dass man ihnen das Haus und Land weggenommen hat. Ja, Umweltschutz beginnt immer bei der Bevölkerung.

    Viele Familien freuten sich über das Fleisch

    Das alles konnten wir nur dank unseren lieben Familien, Freunden, Spendern und Gönnern erreichen. Danke an Alle die an uns glauben und Vertrauen in uns haben!

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    Kühe und ihre Behandlung

    Wir haben zurzeit 27 Kühe, davon sind 25 in einer Gruppe. Zwei kleine Stierchen haben wir von Nachbarn gekauft um sie gross zu ziehen und um sie später weiterverkaufen zu können. Sobald sie gross genug sind, werden sie auch in die Gruppe integriert werden.

    Rambo und Luke

    Wir haben reine Fleischkühe und betreiben Muttertierhaltung mit einem Zuchtstier. Wir werden immer wieder gefragt: „Warum habt ihr Kühe im Regenwald, die zerstören doch alles?“ Es stimmt natürlich, dass Kühe viel Platz brauchen und leider auch viel Regenwald dafür verschwindet. Wir haben deshalb begonnen die Weiden und Plantagen zu kombinieren. Damit möchten wir aufzeigen, dass ein Ertrag von beidem kombiniert möglich ist. Wenn man eine Kakaoplantage nicht zu dicht bepflanzt, also nicht intensiv sondern extensiv bewirtschaftet, können Kühe gut darin umhergehen und Gras und Kräuter fressen. Damit helfen sie sogar mit bei der Pflege der Plantage. Dies geht natürlich auch mit anderen Fruchtbäumen. Sobald unsere Setzlinge gross genug sind werden wir mit einer gemischten Fruchtbaumplantage beginnen. Solange die Nutzung nicht intensiv ist und der Kuhbestand klein bleibt kann man dies, wie gesagt, gut kombinieren. Die Früchte sind für den Eigenbedarf und für ein kleines Einkommen.

    Hueca mit Tatiana (unser jüngstes Kalb)

    Die lokale Bevölkerung ist „Fleisch-Esser“ und hat früher einfach Fleisch aus dem Wald geholt. Die Leute sind jagen gegangen und haben jedes Tier bejagt. Man kann ihnen das Jagen nicht verbieten ohne ihnen eine Alternative zur Fleischbeschaffung aufzuzeigen. Kühe halten ist aber nicht so einfach wie es klingt. Man muss sie jeden Tag kontrollieren und nach Wunden untersuchen. Eine kleine Wunde kann sich innert 48 Stunden zu einer grossen Entzündung mit Maden darin entwickeln. Das muss man dann gut behandeln und immer wieder reinigen.

    Die Wunde auf dem Foto zeigt eine Wunde nach der ersten Reinigung, Michael hat hunderte von Maden rausgenommen (zum Glück gibt es keine Geruchsfotos). Das war ein entzündeter Vampirbiss, ja hier gibt es Vampirfledermäuse. Sie kommen in der Nacht und machen mit ihren messerscharfen Zähnen einen kleinen Schnitt am Hals eines Tieres und geben ihren Speichel dazu, sodass das Blut nicht mehr gerinnt. Dann kann die Fledermaus in Ruhe das auslaufende Blut ablecken. Bei ausgewachsenen Kühen ist das nicht so schlimm, bei Kälbern aber schon. Die Wundheilung dauert etwas länger und darum gibt es oft Entzündungen und Infektionen. Das kann man aber gut ohne Antibiotika behandeln. Zecken, Milben und Deichselfliegenlarven sind die Hautparasiten der Kühe die man gut im Auge behalten muss. Sie haben einen Zyklus und treten  rund drei Mal pro Jahr in grossen Mengen auf. Dann müssen wir einfach schnell genug sein und den Kühen ein Insektenschutzmittel auftragen. Wenn man nicht schnell genug ist kann es zu Zeckenfieber kommen oder zu schweren Hautinfektionen. Bis jetzt haben wir alles gut im Griff und haben noch keine grösseren Infektionen gehabt.

    Madonna, Lady Gaga, Bonnie und Bruce

    Da unser Hühnerhaus fertig ist haben wir auch schon Bewohner dafür gesucht und gefunden. Wir haben drei Hennen und einen Hahn gekauft. Es ist nicht leicht hier eine Rasse zu finden die gross ist und zugleich Eier legt. Der Hahn ist noch jung und wie alt die Hennen sind können wir nicht genau sagen. Der Verkäufer meinte sie seien etwa ein Jahr alt, das kann sein oder auch nicht. Sie haben auf Jeden Fall schon die ersten Eier gelegt.

    Sie wollen auch in unser Haus

    Der Fischteich ist durch die starken Regenfälle in den letzten Tagen gut ausgewaschen worden und wir haben mit dem Füllen begonnen. Mit 27 Metern Länge und 8 Metern Breite bei einer Tiefe von über 1,5 Metern müsste man meinen dies dauere ein Weilchen. Aber nicht wenn es an Ostersonntag einen Dauerregen gab. Innert vier Stunden war er schon halb voll und wir können nächste Woche die ersten Fische kaufen gehen.

    Fischteich halb voll
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    Limonen, Tierärzte und die Post

    Wir haben bisher auf unseren Weiden zehn verschiedene Zitrusbäume gefunden. Von Mandarinen über Grapefruit bis hin zu sieben verschiedenen Limonen, die Auswahl ist gross. Wie die Limonen genau heissen weiss niemand, hier unterteilt man sie in Orangenlimonen, Mandarinenlimonen, grosse Limonen, kleine Limonen, Grapefruit, Lima (Zuckerlimone) und Mandarinen. Die Mandarinen tragen gerade keine Früchte darum haben wir leider kein Bild von ihnen. Wer nun denkt, dass die orangefarbenen am süssesten sind der täuscht sich sehr. Im Gegenteil dies sind die sauersten. Uns sind die grossen, schrumpelig aussehenden Limonen am liebsten weil sie am wenigsten Säure haben. Wir nennen Sie Titilimonen wegen eines Erlebnisses mit dem Totenkopfäffchen Titi, damals im amaZOOnico. Die Lima schmeckt wie Zuckerwasser und ist sehr erfrischend. Die Grapefruit ist auch sehr erfrischend und lange nicht so bitter wie die, die man in der Schweiz kaufen kann. Wir haben begonnen Grapefruit und Lima zu ziehen und sie zu pflanzen, so dass wir mehr von ihnen haben oder die Setzlinge verkaufen können. Sie sind nämlich selten geworden und die Leute lieben sie. An Vitamin C wird es uns also niemals mangeln.

    Unser Kuhsammelplatz (Corral) ist fertig und die Kühe und wir können nun ohne grosse Schlammschlacht dort die Behandlungen und Impfungen durchführen. Obwohl wir täglich unsere Rindviecher anschauen gehen nehmen wir trotzdem jede zweite Wochen alle Kühe in den Corral und schauen sie dort genauer an. Sie bekommen extra Kraftfutter und Mineralsalze zugefüttert. Letzte Woche stellten wir fest, dass eine Kuh das Schultergelenk ausgekugelt hatte und wir nahmen sie sofort in den Corral. Es war ein grosser Schreckmoment, denn eine ausgekugelte Schulter ist hier ein Todesurteil. Wir informierten um 8.30 Uhr den Tierarzt vom Veterinäramt da wir sicher gehen wollten, dass es auch wirklich so ist. Der meinte ein Kollege komme gleich vorbei. Der Kuh hat die Isolation nicht gefallen und sie versuchte über die Abzäunung zu springen mit dem Gelenk das 20 cm vorstand. Ja, sie hat es dann tatsächlich gemacht und bei der Landung auf den Vorderbeinen sprang dann das Gelenk wieder rein. Sie hatte aber sehr grosse Schmerzen und belastete das Bein nicht. Also die Kuh wieder zurück in den Corral und auf den Tierarzt warten. Je länger wir warteten belastete sie mehr und mehr das Bein. Tja, wenn hier ein Tierarzt sagt er komme gleich bedeutet das er kommt erst um 17.30 Uhr. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt als er endlich auftauchte. Er schaute sie dafür gut und gründlich an und konnte keine Frakturen oder Musskelabgänge feststellen. Er verordnete ihr Schmerzmittel für vier bis fünf Tage. Nein er verabreichte ihr nichts, denn Tierärzte gehen hier ohne Medikamente auf Krankenbesuch. Er schrieb uns den Namen des Medikaments auf und Michael fuhr am nächsten Morgen nach Tena und kaufte einfach so Schmerzmittel vom Stärksten. Keiner hier interessiert sich für was man es braucht und ein Rezept benötigt man nicht. Die Kuh hat das Schmerzmittel bekommen und ist nun wieder in der Herde zurück. Sie läuft normal mit den andern rum und es scheint als ob nie etwas gewesen wäre. Unsere Erleichterung ist riesengross, da wir bis zum ersehnten Eintreffen des Tierarztes mit dem Schlimmsten gerechnet hatten.

    Wir werden häufig angefragt ob wir schon etwas aus der Schweiz vermissen würden und ob man uns was schicken könne. Da gibt es natürlich schon einige Gelüste aber uns kann man leider nichts schicken. Nachdem die Corona Krise ausbrach musste gespart werden in Ecuador und so schloss man als eine der ersten Institutionen die Post. Kaum vorstellbar für den Europäer ohne Postversand zu leben, insbesondere in dieser Krise wo die Post wieder extrem an Wichtigkeit zugenommen hat. Es gibt hier zwar einige private Zustellservice die liefern aber nicht über Landesgrenzen hinweg. Darum danken wir allen die uns was zukommen lassen wollten. Der Wille zählt und es ist schön zu sehen, dass wir nicht in Vergessenheit geraten sind.

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    Erfahrungsbericht von Adele

    Es ist genau einen Monat her, dass Joëlle und Michi mich am Flughafen von Quito abgeholt haben. Ich denke dies ist ein guter Zeitpunkt um euch über meine Erfahrungen als Volontärin hier zu berichten und euch eine neue Perspektive auf die Abenteuer der Finca Don Sigifredo zu vermitteln.
    Ich bin eine ehemalige Arbeitskollegin von Joëlle, interessiere mich für Permakultur und möchte die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen fördern. Ich habe beschlossen ein ganzes Jahr lang zu reisen und als Volontärin in verschiedenen Projekten, die in diesem Bereich aktiv sind, mitzuwirken. Dort zu helfen, wo es nötig ist und so viel wie möglich von denjenigen zu lernen, die bereits Erfahrungen auf diesem Feld gesammelt haben. Die Pandemie hielt mich in Europa etwas länger fest als erwartet. Aber mit dem Eintreffen der Kälte auf der Nordhemnisphäre erinnerte ich mich sofort daran, dass in der Wärme, kurz hinter dem Äquator, noch ein Projekt auf mich wartete. Ohne zu viel Zeit zu verlieren packte ich meine Koffer, kaufte mein Flugticket und weniger als eine Woche später stand ich bereits am Gate.
    Als ich hier auf der Finca Don Sigifredo ankam, war es bereits Nacht. Das Aufwachen in der Morgendämmerung des nächsten Tages war unglaublich! Der Morgen ist die Zeit der Vögel: ein Chor aus Pfeifen, Rufen, Zwitschern und buntem Flattern. Das Licht enthüllt langsam die atemberaubende Aussicht auf den Rio Arajuno und den umliegenden Wald. Es fühlt sich an, als befänden wir uns mitten im Nirgendwo, isoliert von allem und jedem, aber das sind wir nicht. Der Wald ist bewohnt und übersät mit Holzhäusern der Kichwas mit ihren traditionellen Plantagen von Yucca, Platano und Mais, die unter dem Blätterdach des Waldes unsichtbar sind. Manchmal kommt aus dem Dschungel das Geräusch des Motors eines Kanus oder der Gesang eines Hahns. An den Wochenenden wird gefeiert und man hört die Musik bis zum Morgengrauen.

    Eine Mission der Finca Don Sigifredo in Zusammenarbeit mit Selva Viva ist die Wiederaufforstung des Waldes mit Baumarten, die durch die Ausbeutung des Holzes bedroht sind. Leider hat der illegale Holzeinschlag die Präsenz erwachsener Bäume selbst im Primärwald so drastisch reduziert, dass es schwierig ist noch Bäume zu finden die groß genug sind um Samen zu produzieren. Selva Viva hat beschlossen die ausgewachsenen Bäume von seltenen Arten, die Samen produzieren können, zu kartieren. Die Samen werden dann gekeimt und die Setzlinge so lange gepflegt, bis sie eine geeignete Grösse für die Verpflanzung in den Wald erreicht haben. Als ich ankam hatte Michi bereits viele Samen der Spanischen Zeder (Cedro) erfolgreich gekeimt. Eine meiner ersten Aufgaben auf der Finca war es, sie in Säcke mit fruchtbarer Erde zu verpflanzen um sie wachsen zu lassen. Das Ergebnis waren 150 gesunde Setzlinge der Spanischen Zeder.
    Die Finca will nicht nur Edelholz (madera fina), sondern auch Setzlinge von Obstbäumen produzieren. Diese sollen auf den Weiden gepflanzt werden. Diese Bäume haben eine doppelte Funktion: Schatten zu spenden und eine natürliche Nahrungsergänzung für die Kühe zu produzieren. Die Kühe scheinen die reifen Früchte, die von den Bäumen fallen, besonders zu lieben. Dazu sind weitere Früchte wie Arazá oder Grapefruit lecker für die Zubereitung von erfrischenden Säften. Aus den Früchten wird Saatgut gewonnen, in der Hoffnung neue Setzlinge zu erzeugen. Es ist nicht einfach zu erraten, welche die beste Bedingung für die Keimung der einzelnen Arten ist. Nicht alles keimt, aber so ist das Leben. Durch Versuch und Irrtum lernt man immer etwas.

    150 Setzlinge der Spanischen Zeder
    Hochbeete für die Keimung
    Setzlinge der Grapefruit

    Die erste Woche hier war eine Mischung aus tropischem Gärtnern und Macheten-Dschungel-Fitness. Hier wachsen die Pflanzen schnell, sehr schnell. Die Weiden müssen regelmässig gereinigt werden sonst verwandeln sie sich in wenigen Monaten in einen Sekundärwald. Unerwünschte Sträucher werden mit Machetenschlägen entfernt. Bei dieser Arbeit zeigt der Dschungel all seine Unwirtlichkeit: Ameisenbisse, Mückenstiche, brennende Raupen, giftige Spinnen, dornige Sträucher und sogar Blätter mit irritierendem Haar… Ich trage lange Hosen und Gummistiefel. Habe die Socken in die Hose gesteckt, um unerwünschte Eindringlinge von unten zu verhindern. Mein langärmeliges T-Shirt stecke ich auch in meine Hose. Dazu kommen noch die Lederhandschuhe und die Mütze um mich vor allem zu schützen, was von oben herabfallen könnte. Das gesamte Outfit ist sicher nicht stylish, aber es ist auch der einzige Weg unangenehme Interaktionen zu minimieren. Selbst zu Hause, weit weg vom Wald, ist man nie in Sicherheit. Der Abend in Flip-Flops ist ein bisschen zu gewagt gewesen. Die Sandfliegen hier sind skrupellos. Dasselbe gilt für das kurzärmelige Hemd. Es gibt kein Antibrumm das wirklich funktioniert. Unbedeckte Haut = Sandfliegenbisse.
    Zu meinem Glück bin ich nie alleine wenn ich die Weiden reinige. Joëlle und Michi haben zwei Helfer aus der lokalen indigenen Gemeinschaft eingestellt, César und sein Sohn Widison. In der Vergangenheit hatte César als Touristenführer gearbeitet. Er kennt die lokale Fauna und Flora sehr gut und erklärt mir die Namen und Gewohnheiten der Tiere und die Eigenschaften einiger Pflanzen. Bei der Arbeit mit ihm gibt es immer etwas Interessantes zu lernen und es ist auch eine gute Gelegenheit mein Spanisch zu üben.
    Mit der Machete wird in der Regel nur morgens gearbeitet, weil es nachmittags zu heiss wird. Obwohl ich mich in der Hitze immer sehr wohl gefühlt habe muss ich sagen, dass die Arbeit unter diesen Bedingungen für den Körper ziemlich schwer sein kann. Da wir uns nur ein Grad südlich des Äquators befinden, ist die Sonneneinstrahlung hier wirklich stark. Die Sonne, wenn sie scheint, sie brennt; die Feuchtigkeit in der Luft lässt einen fast ertrinken; und wenn es regnet dann sieht es aus als ob ein Wasserhahn gebrochen wäre. An heissen Tagen, nach der Arbeit gibt es nichts Besseres als ein schönes Bad im Fluss oder ein kühles Bier, um Körper und Geist zu regenerieren.
    Am Wochenende kann man die Batterien wieder richtig aufladen und die Lage geniessen. Ein Spaziergang im Wald auf der Suche nach wilden Vanille- oder Zimtsetzlingen, ein guter Brunch nach Schweizer Art mit Rösti und Spiegelei oder einfach nur mit einem guten Buch in der Hängematte schaukeln. Hier zu leben ist ein bisschen wie ein digitales Detox. Das Internet ist da und es funktioniert aber es ist sooo laaaaangsam, dass seine Nutzung auf das Unverzichtbare reduziert wird.

    Feierabend

    Neben dem Wiederaufforstungsprojekt will Finca Don Sigifredo die Produktion und Verwendung von Bambus als alternatives Baumaterial fördern. Bambus wächst schnell und ist sehr widerstandsfähig, was ihn zu einer ausgezeichneten Alternative zu Holz als Baumaterial macht. Im Moment mangelt es auf der Finca jedoch nicht an Holz, es ist sogar fast unmöglich zu wissen wohin mit dem ganzen Holz. Vor vielen Jahren deponierte der Fluss einen Stamm Mindal (rosa Edelholz) am Strand vor dem Haus. Einige Bäume, die vom früheren Pächter gefällt wurden, liegen jetzt ungenutzt auf den Weiden. Andere sind aus natürlichen Gründen umgestürzt. César schneidet diese Stämme mit seiner Kettensäge in Scheiben als wären sie aus Butter. Das Ergebnis sind Bretter für die Herstellung von Möbeln, Pfosten für die Renovierung der Einzäunung der Kühe und Platten die für die Zementierung des Corrals (Sammelplatz für die Kühe) und der Kompostanalage verwendet werden. Alles wird aus Recyclingholz oder anderweitig Unbenutztem gebaut. Die Kettensäge habe ich natürlich nicht benutzt, aber ich konnte helfen das Holz aus dem Wald zu tragen und die Bretter für den Möbelbau zu schleifen und zu polieren.

    Mindal
    Latten geschnitten
    noch mehr gefundenes Holz
    Schleifen von Mindal

    Die Erneuerung einiger der Zäune war wirklich dringend da die Kühe der Finca Don Sigifredo einen sehr eigenständigen Charakter haben. Manchmal entscheiden sie selbst, wann sie die Weide wechseln wollen und es gibt keinen Stacheldraht der sie zurückgehalten kann. Jeden Tag muss man sie suchen, prüfen wo sie sind, sich vergewissern, dass es ihnen gut geht und eventuelle Wunden behandeln. Sie sind sehr sportliche Kühe die keine Angst vor Schlamm oder steilen und rutschigen Hängen haben. Sie verstecken sich gerne in den Wäldern, es ist nicht immer leicht herauszufinden, wo sie alle sind.

    Eines der letzten Projekte war die Restaurierung des Holzhauses in Chorongo Alpa. Dort war die Auswilderungsstation der Wollaffen, die in der Vergangenheit vom amaZOOnico benutzt wurde. Einige Teile der Struktur wurden von Termiten befallen und mussten ersetzt werden. Auch hier ist es der Wald der uns die Rohstoffe liefert: Bohlen und Balken werden aus einem riesigen Baumstamm gefertigt der in den nahe gelegenen Rio Rodrigues gefallen war. Gleichzeitig haben die Arbeiten zur Zementierung des Corrals begonnen. Dieser Ort ist besonders wichtig um die Kühe zu sammeln und zu kontrollieren. Aber wenn es regnet, verwandelt er sich in einen Sumpf und wird unbenutzbar. Die Zementierung war daher dringend nötig und wir müssen schnell arbeiten, da die Regenzeit immer näher rückt.

    Für diese letzten Aufgaben brauchten wir ein paar zusätzliche Hände. Joëlle und Michi haben vorübergehend einige Mitarbeiter aus der lokalen Gemeinschaft eingestellt. Die Pandemie hat auch die Leute hier hart getroffen. Viele der Menschen die im Tourismus arbeiteten, haben keine Arbeit mehr. Auch dafür sind die Aktivitäten der Finca Don Sigifredo wichtig. Einerseits schafft sie Einkommen und Beschäftigung für die lokale Bevölkerung. Andererseits vermittelt sie den Menschen den Leitzweck der Finca, informiert sie über nachhaltigere Bauweisen, über konsistentere Einkommensquellen ohne Monokulturen und sensibilisiert für die Notwendigkeit des Schutzes des Waldes. Nur ein Beispiel: Gestern nach dem Mittagessen zeigten wir den Mitarbeitern die Bilder von einer Fotofalle, die einige Wochen in Wald aufgestellt war: Hirsche, Ameisenbären, Mardertiere, Warane, Wildschweine und viele Vögel.  Diese Aufnahmen weckten das Interesse unserer Mitarbeiter und zeigen die Wirksamkeit des Reservats für die Erhaltung der lokalen Wildbestände.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die einmonatige Volontärsarbeit mit ein wenig tropischem Gärtnern begann und nach einigen Schreinerarbeiten kamen wir zu echten Bauarbeiten.
    Nach und nach ist die Arbeit physisch intensiver geworden. Ich versuche zu helfen so gut ich kann. Aber im Vergleich zu vier starken, gut akklimatisierten Einheimischen fühle ich mich etwas nutzlos. Bald erinnern mich Rücken- und Gelenkschmerzen daran, dass ich mich viel wohler fühle bei den Salaten im Garten als beim Sandschaufeln auf einer Baustelle.
    Leider ist die Situation jedoch so, dass es im Moment nicht viele Gartenarbeiten auf der Finca Don Sigifredo gibt. Die Probleme mit dem vorherigen Pächter, der die Flächen der Plantage weiterhin ausbeutet als wären es seine eigenen, hindern uns daran mit der Arbeit auf diesem Land zu beginnen. Die Situation ist frustrierend. In Ecuador geht alles sehr langsam voran, aber Joëlle und Michi verlieren ihren Mut nicht. Sie wissen, dass derjenige vorankommt der am längsten durchhält. Früher oder später werden sie endlich in der Lage sein die Plantage einzurichten.
    Im Allgemeinen war dieser Monat hier eine wunderbar abwechslungsreiche Erfahrung, die es mir ermöglicht hat viele Dinge zu lernen und auch meine Grenzen auszuloten. Ich bin sicher, dass ich vieles von dem was ich hier gelernt habe auch in anderen Projekten und neuen Situationen anwenden kann. Es ist jedoch schön zu wissen, dass ich zumindest einen kleinen Beitrag zu einem Projekt geleistet habe, das gleichzeitig in der nachhaltigen Landwirtschaft, der Wiederaufforstung des Waldes und der Förderung lokaler Gemeinschaften aktiv ist. Ausserdem, sollten alle 150 Setzlinge der Spanischen Zeder überleben und eine Höhe von 20 m erreichen, dann wäre der CO2-Ausstross meines Fluges (schätzungsweise 2,83 Tonnen) weitestgehend kompensiert. Sollte dieser Eintrag bei euch den Wunsch geweckt haben, dem Wintergrau zu entfliehen und in die Wärme hierher zu kommen dann wisst ihr auch, dass es hier an Arbeit nicht mangelt. Das Haus ist sehr gemütlich, Joëlle und Michi sind grossartige Gastgeber und ihr seid Alle willkommen!

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