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Guadua, Hera und unsere Grundsätze

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, sind wir dabei, unser Bambuslager zu füllen. Wir hatten die Chance, über 700 Stangen einzukaufen und so unser Lager auf einen Schlag wieder aufzufüllen. Die Verhandlungen gestalteten sich etwas schwieriger als erwartet. Der Verkäufer hatte leider keine Ahnung von Guadua. César und Michael besichtigten vorab den Guaduawald, der einer Plantage weichen musste. Es waren sehr schöne Stangen, und wir einigten uns auf einen Preis und trafen eine Abmachung. César half die ersten zwei Tage bei der Ernte mit, sodass er ihnen das korrekte Schneiden und den richtigen Umgang mit den Stangen zeigen konnte. Sie hatten für die Ernte genau 14 Tage Zeit, und nach fünf Tagen bekamen wir auch schon die erste Lieferung von 350 Guaduas. Aber leider war die Qualität nicht so überwältigend wie ursprünglich vereinbart. Wir zahlten dafür aber auch einen niedrigeren Preis, was dem Verkäufer natürlich gar nicht gefiel. Nun, im Nachhinein ist man immer schlauer, und so wissen wir, dass Michael besser auf einen anderen Deal hätte bestehen sollen.

Die zweite Lieferung war dann doch etwas besser. Um die Stangen zu säubern, zuzuschneiden, zu lochen und in Matten zu schlagen, hatte César wieder eine Gruppe von Frauen und jungen Männern organisiert.

Die Frauen waschen die Stangen

Leider haben wir es noch nicht ganz geschafft, fertig zu werden, bevor Michael in seine grossen Ferien in die Schweiz geht. César, unser langjähriger Mitarbeiter, weiss aber, was noch zu tun ist.

die ersten Stagen sind bereits draussen und werden besonnt

Hera, unsere Hündin, wurde vor einer Woche kastriert. Sie hat nun ein Spielverbot, das sie überhaupt nicht versteht. Erstaunlicherweise leckt sie nicht an der Wunde, sodass sie den lästigen Kragen nach zwei Tagen ausziehen und ihn gegen ein T-Shirt eintauschen konnte.

Joëlle ist Ersatzmutter eines Hühnerkükens. Leider ist aus den letzten Eiern nur ein Küken geschlüpft, und keine Ammenmutter wollte es akzeptieren. So ist es nun im Büro, bis es gross genug ist, in den Hühnerstall umzuziehen.

So süss das kleine Ding auch ist, es kann bereits gewaltig nerven. Dann zum Beispiel, wenn Joëlle nur kurz das Büro verlässt oder für den Zwerg nicht mehr sichtbar ist. Dann ruft es laut und rennt herum; es kommt sogar ins Haus hinein, um nach uns zu suchen. Wer das Haus kennt, in dem wir wohnen, weiss, dass es keinen eigentlichen Eingangsbereich hat, sondern man direkt die Küche betritt. Wenn also das kleine Vögelchen in der Küche herumrennt und dabei seine Notdurft verrichtet (was Vögel bekanntlich sehr häufig und ohne Zurückhaltung tun), ist das nicht besonders hygienisch…

zum Glück schläft es auch ab und zu

Die vergangenen Wochen waren von intensiven Herausforderungen geprägt. Der ständige Einsatz die bekannten Goldwäscher von Selva Viva und unserem Land fernzuhalten, kostet uns enorm viel Kraft und bindet wesentliche Ressourcen. Besonders zermürbend sind Auseinandersetzungen mit Akteuren, deren Auftreten und Verhalten die Situation zusätzlich verschärfen und konstruktive Lösungen verhindern.

Momentan können wir aus politischen Gründen noch keine Details offenlegen. Klar ist jedoch: Wir werden die bestehenden Missstände nicht mehr stillschweigend hinnehmen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Transparenz zu schaffen. Zu gegebener Zeit werden wir einen Beitrag verfassen, in dem wir die Vorgänge umfassend darstellen und Missstände sowie Verantwortlichkeiten klar benennen und dies mit entsprechenden Beweisen untermauern.

Aber Michael wird jetzt erst einmal eine kleine Auszeit nehmen. Er fliegt in die Schweiz, um sich zu erholen und frische Energie zu tanken, um dann mit neuem Mut und Motivation wieder ans Werk zu gehen.

Orchideen
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Rundumblick

Vor gut drei Wochen hatten wir einen gewaltigen Sturm. Der Wind kam den Rio Napo hoch gefegt und traf ungebremst auf die Insel Anaconda, es hat uns sehr hart getroffen. So starke Winde haben wir hier noch nie erlebt und in der Schweiz auch erst einmal, bei Lothar (1999). Es bildete sich eine Windhose, weshalb der Sturm von allen Seiten kam. Das der Strom ausfiel war mehr als verständlich. Der Sturm brachte auch etwas Regen mit sich, der dann von allen Seiten ins Haus rein gepeitscht wurde und so das ganze Haus unter Wasser setzte. Wir haben ja keine Glasfenster, die man schliessen kann. So waren wir vor allem damit beschäftigt alle elektrischen bzw. elektronischen Geräte ins Trockene zu bringen oder abzudecken. Das Ganze dauerte nur etwa eine Stunde und dann war der Spuck auch schon wieder vorbei. Als wir raus konnten um zu schauen was alles zerstört wurde stellten wir schnell fest, dass die Wasserleitung gerissen war. Zum Glück war das in der Nähe unseres Hauses und wir reparierten sie noch in der gleichen Nacht provisorisch, so dass der Tank sich nicht leerte. Am Haus waren nur kleine Schäden entstanden und bei der Werkstatt hatte sich eine Dachplatte verabschiedet und ein Balken wurde aus der Verankerung gerissen.

Schaden am Dach der Werkstatt

Am nächsten Morgen sahen wir dann aber das ganze Ausmass der Zerstörung. Bäume wurden entwurzelt und/oder einfach enthauptet. Urwaldriesen, die schon über hundert Jahre alt waren, wurden zu Fall gebracht.

Plantagen auf der Insel Anaconda wurden platt gewalzt und viele Häuser wurden abgedeckt. Wir waren einige Tage damit beschäftigt aufzuräumen und zu reparieren was möglich war. Ja, das Reparieren war eine Geduldssache da der Strom erst nach vier Tagen wieder floss. Die Hauptleitung wurde zerrissen und 12 Pfosten sind umgefallen, dass musste die Stromfirma auch erst mal reparieren und ersetzen.

Joëlles Weg, der Waldlehrpfad, wurde vom Sturm auch nicht verschont und so mussten wir da ebenfalls den Weg freischneiden und teilweise sogar neu anlegen. Michi hatte die Idee am höchsten Punkt des Weges einen Aussichtsturm zu bauen. Von dort oben hat man einen wunderschönen Rundumblick. Der Sturm hat die ehemalige Weidefläche zusätzlich gerodet, so dass die Aussicht dadurch noch erweitert wurde. Da Michi das schon lange geplant hatte, wurden die Fundamente bereits vor dem Sturm gegossen. Mit dem Bau, natürlich wieder aus Bambus, hat es dann aber etwas gedauert. Das langwierigste war das ganze Material da hochzubringen – Steine, Sand, Zement und wegen der Trockenzeit auch das Wasser. Wir kamen uns schon manchmal so vor wie Sisyphus der den ganzen Tag da Steine hoch trug, immerhin kamen wir oben an und es hat sich auch gelohnt.

Michi und César haben beim Bauen auch diesmal wieder junge Männer ausgebildet. Das Grundgerüst mit dem Dach war schnell erstellt, so dass wir im Schatten arbeiten konnten. Aufgrund der exponierten Lage müssen wir den Turm vor Sonne, Wind und Regen schützen. Die alten Dachplatten, die sich beim Sturm von der Werkstatt gelöst hatten, konnten wir hier gleich wieder verwenden und haben damit den Aussichtsturm eingekleidet.

Der einmalige Rundumblick lädt zum Verweilen ein. Für Ornithologen ist der Turm ein super Ort um Vögel zu beobachten. Wir werden auch noch einige spezielle Busch- und Baumsorten in der Umgebung pflanzen um noch eine höhere Vogelvielfalt anzulocken. Die Tukane und Arassaris haben uns aber zuerst genau beobachtet und aufgepasst, dass da ja alles mit rechten Dingen zu und her geht. Nun können wir im Gegenzug sie und viele andere Arten in Ruhe beobachten.

Wir haben uns bei «Red de Bosques (CNBRPE)» als Mitglieder beworben. «Red de Bosques» ist eine Organisation von privaten Waldbesitzern bzw. -schützern aus ganz Ecuador. Wir kennen sie von früher, aus der Zeit als wir den amaZOOnico leiteten. Damals war Selva Viva ein aktives Mitglied dieser Organisation und wir haben an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen bzw. mitgeholfen. Nun wird Finca Don Sigifredo aufgenommen. Das freut uns sehr, denn das Netzwerk was da besteht ist sehr gross und über ganz Ecuador verteilt. Unser Wald wird über «Red de Bosques» beim Umweltamt als privates Naturschutzgebiet registriert werden, was leider für Privatpersonen nicht möglich ist. Als privates Naturschutzgebiet haben wir aber auch Verpflichtungen und dürfen dann in unserem als geschützt deklarierten Wald keine Bäume mehr fällen. Im Gegenzug erhalten wir aber durch das Netzwerk oder vom Umweltamt Hilfe im Falle von illegalen Tätigkeiten auf unserem Land. Durch eine einmalige Aufnahmegebühr wird die Registrierung durch «Red de Bosques» vorgenommen, was Joëlle natürlich sehr freut. Doch Papiere musste sie trotzdem ausfüllen und das waren nicht gerade wenige, aber wenigstens muss sie die Behördengänge nicht selbst machen. Für unser Projekt ist das ein Meilenstein und es freut uns sehr, dass wir bald ein deklariertes Naturschutzgebiet haben das unter Schutz steht und anerkannt ist. Wir werden euch auf dem Laufenden halten und euch mitteilen, so bald wir den Status erhalten haben.