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Strasse, Fische und Gewächshaus

Über den Strassenbau und deren Verbreiterung haben wir bereits schon einmal berichtet. Seit wir darüber geschrieben haben läuft da aber gar nichts mehr; es gibt einen Baustopp. Nicht etwa weil sie nicht arbeiten möchten, nein sondern weil die Baufirma es versäumt hatte eine Lizenz zu beantragen um Baumaterial wie Steine und Sand aus dem Fluss zu fördern. Jetzt müssen sie bei der Umweltbehörde die versäumte Lizenz beantragen damit sie weiter arbeiten können. Und das kann dauern… Wer jetzt meint sie könnten ja in der Zwischenzeit die abgerutschten Hänge und Brücken reparieren der täuscht sich. Zuerst wird die Strasse fertig gebaut und erst danach wird entschieden welche Firma die ganzen Schäden reparieren darf. Der Zustand der Strasse ist bereits wieder so, und teilweise noch schlimmer als vor Baubeginn. Auch bei uns hat der Bau erneut Spuren hinterlassen. Durch die Vibrationen der schweren Maschinen und durch den anhaltenden Regen der Regenzeit ist uns die Zufahrtsstrasse etwas eingebrochen und der Hang droht abzurutschen.

Deshalb haben wir uns entschieden erneut eine Stützmauer zu bauen um den Hang zu sichern bevor er ganz abrutscht. Wir verwenden auch diesmal alte Autoreifen da sich dies das letzte Mal gut bewährt hat. Der bereits abgestützte Hang hat sich seitdem nicht mehr bewegt. Wir haben bereits über 70 LKW- und Autoreifen verbaut. Wir haben bereits einige Erfahrung und sind jetzt bei der zweiten Mauer viel schneller. Wir verbauen die Reifen so schnell, dass unser Chauffeur nicht nachkommt mit der Beschaffung und wir brauchen nochmals ca. 150 Stück.

In unserem Fischteich sind nun auch neue Bewohner eingezogen. Wir hatten ja den alten Teich ausgraben lassen um ihn wieder in Betrieb zunehmen. Wir liessen ihn rund zwei Wochen leer um ihn vom Regen auswaschen zu lassen.

César beim Reinigen des Fischteichs

Dann haben wir ihn noch einmal mit Hilfe des Regens gefüllt und ihn wieder ausgelassen um alle Rückstände raus zu schwemmen. Danach liessen wir ihn erneut volllaufen und warteten bis sich die Sandpartikel etwas gesenkt hatten. Nun war es endlich soweit und wir konnten 500 junge Tilapias einsetzen. Tilapia ist eine Barsch Art die ursprünglich aus Afrika kommt. Da sie sehr gut in stehenden Gewässern zurechtkommen, sich schnell Fortpflanzen und auch noch gut schmecken, ist das der meistverbreitete Zuchtfisch in den Tropen. Die Tilapias fressen Insektenlarven und verrottende Pflanzen. So müssen wir nicht viel zu füttern. In rund zwei Wochen werden wir noch eine zweite Fischart dazu geben, der Cachama (Schwarzer Pacu). Das ist eine einheimische Fischart die auch in stehenden Gewässern vorkommt. Sie fressen aber nur verrottende Pflanzen und sind somit keine Futterkonkurenz für die Tilapias. Für uns ist das gut, denn wir haben einige Bäume rund um den Teich stehen wovon viele Blätter und Früchte in den Teich fallen.

Unser Teich hätte Platz für rund 2000 Fische, da würde aber das natürliche Futterangebot zu knapp sein und wir müssten sehr viel zu füttern. Das würde bedeuten, dass wir eine Massenproduktion ansteuern und das passt nicht zu unserer Philosophie. Darum werden wir mit 1000 Fischen anfangen und dann schauen wie viele es verträgt um es dann so einpendeln zu lassen, dass es nachhaltig bleibt. Jetzt hoffen wir, dass wir Ende des Jahres unsere ersten eigenen Fische essen können.

Unser Gewächshaus platzt aus allen Nähten. Michael hat einen wirklich grünen Daumen. Über 80 Prozent der gesäten Samen spriessen. Durch das gezielte Umpflanzen und der speziell gemischten Erde hat er auch grossen Erfolg mit den Setzlingen. Von der Aufzucht bis zum Auspflanzen hat er nur einen geringen Verlust von Pflanzen. Wir haben zurzeit über 1000 Setzlinge von über 50 verschieden Pflanzenarten. Das Angebot ist sehr vielseitig, von Edelhölzern über Fruchtbäume zu Palmen und Lianen bis hin zum einheimischen Pfeffer.

In der hier bisher verbrachten Zeit haben wir so einiges gezogen und auch schon wieder im Wald ausgepflanzt. Durch unsere Baumpatenschaften konnte sogar ein kleiner Teil der Kosten gedeckt werden. Zusätzlich konnten wir auch schon ein paar Pflanzen verkaufen, die waren aber für den eigenen Garten der Käuferin. Jeder fängt mal klein an, unser Hauptziel ist es nach wie vor unseren Wald wieder aufzuforsten und ihn nachhaltig zu nutzen.

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Erfahrungsbericht von Adele

Es ist genau einen Monat her, dass Joëlle und Michi mich am Flughafen von Quito abgeholt haben. Ich denke dies ist ein guter Zeitpunkt um euch über meine Erfahrungen als Volontärin hier zu berichten und euch eine neue Perspektive auf die Abenteuer der Finca Don Sigifredo zu vermitteln.
Ich bin eine ehemalige Arbeitskollegin von Joëlle, interessiere mich für Permakultur und möchte die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen fördern. Ich habe beschlossen ein ganzes Jahr lang zu reisen und als Volontärin in verschiedenen Projekten, die in diesem Bereich aktiv sind, mitzuwirken. Dort zu helfen, wo es nötig ist und so viel wie möglich von denjenigen zu lernen, die bereits Erfahrungen auf diesem Feld gesammelt haben. Die Pandemie hielt mich in Europa etwas länger fest als erwartet. Aber mit dem Eintreffen der Kälte auf der Nordhemnisphäre erinnerte ich mich sofort daran, dass in der Wärme, kurz hinter dem Äquator, noch ein Projekt auf mich wartete. Ohne zu viel Zeit zu verlieren packte ich meine Koffer, kaufte mein Flugticket und weniger als eine Woche später stand ich bereits am Gate.
Als ich hier auf der Finca Don Sigifredo ankam, war es bereits Nacht. Das Aufwachen in der Morgendämmerung des nächsten Tages war unglaublich! Der Morgen ist die Zeit der Vögel: ein Chor aus Pfeifen, Rufen, Zwitschern und buntem Flattern. Das Licht enthüllt langsam die atemberaubende Aussicht auf den Rio Arajuno und den umliegenden Wald. Es fühlt sich an, als befänden wir uns mitten im Nirgendwo, isoliert von allem und jedem, aber das sind wir nicht. Der Wald ist bewohnt und übersät mit Holzhäusern der Kichwas mit ihren traditionellen Plantagen von Yucca, Platano und Mais, die unter dem Blätterdach des Waldes unsichtbar sind. Manchmal kommt aus dem Dschungel das Geräusch des Motors eines Kanus oder der Gesang eines Hahns. An den Wochenenden wird gefeiert und man hört die Musik bis zum Morgengrauen.

Eine Mission der Finca Don Sigifredo in Zusammenarbeit mit Selva Viva ist die Wiederaufforstung des Waldes mit Baumarten, die durch die Ausbeutung des Holzes bedroht sind. Leider hat der illegale Holzeinschlag die Präsenz erwachsener Bäume selbst im Primärwald so drastisch reduziert, dass es schwierig ist noch Bäume zu finden die groß genug sind um Samen zu produzieren. Selva Viva hat beschlossen die ausgewachsenen Bäume von seltenen Arten, die Samen produzieren können, zu kartieren. Die Samen werden dann gekeimt und die Setzlinge so lange gepflegt, bis sie eine geeignete Grösse für die Verpflanzung in den Wald erreicht haben. Als ich ankam hatte Michi bereits viele Samen der Spanischen Zeder (Cedro) erfolgreich gekeimt. Eine meiner ersten Aufgaben auf der Finca war es, sie in Säcke mit fruchtbarer Erde zu verpflanzen um sie wachsen zu lassen. Das Ergebnis waren 150 gesunde Setzlinge der Spanischen Zeder.
Die Finca will nicht nur Edelholz (madera fina), sondern auch Setzlinge von Obstbäumen produzieren. Diese sollen auf den Weiden gepflanzt werden. Diese Bäume haben eine doppelte Funktion: Schatten zu spenden und eine natürliche Nahrungsergänzung für die Kühe zu produzieren. Die Kühe scheinen die reifen Früchte, die von den Bäumen fallen, besonders zu lieben. Dazu sind weitere Früchte wie Arazá oder Grapefruit lecker für die Zubereitung von erfrischenden Säften. Aus den Früchten wird Saatgut gewonnen, in der Hoffnung neue Setzlinge zu erzeugen. Es ist nicht einfach zu erraten, welche die beste Bedingung für die Keimung der einzelnen Arten ist. Nicht alles keimt, aber so ist das Leben. Durch Versuch und Irrtum lernt man immer etwas.

150 Setzlinge der Spanischen Zeder
Hochbeete für die Keimung
Setzlinge der Grapefruit

Die erste Woche hier war eine Mischung aus tropischem Gärtnern und Macheten-Dschungel-Fitness. Hier wachsen die Pflanzen schnell, sehr schnell. Die Weiden müssen regelmässig gereinigt werden sonst verwandeln sie sich in wenigen Monaten in einen Sekundärwald. Unerwünschte Sträucher werden mit Machetenschlägen entfernt. Bei dieser Arbeit zeigt der Dschungel all seine Unwirtlichkeit: Ameisenbisse, Mückenstiche, brennende Raupen, giftige Spinnen, dornige Sträucher und sogar Blätter mit irritierendem Haar… Ich trage lange Hosen und Gummistiefel. Habe die Socken in die Hose gesteckt, um unerwünschte Eindringlinge von unten zu verhindern. Mein langärmeliges T-Shirt stecke ich auch in meine Hose. Dazu kommen noch die Lederhandschuhe und die Mütze um mich vor allem zu schützen, was von oben herabfallen könnte. Das gesamte Outfit ist sicher nicht stylish, aber es ist auch der einzige Weg unangenehme Interaktionen zu minimieren. Selbst zu Hause, weit weg vom Wald, ist man nie in Sicherheit. Der Abend in Flip-Flops ist ein bisschen zu gewagt gewesen. Die Sandfliegen hier sind skrupellos. Dasselbe gilt für das kurzärmelige Hemd. Es gibt kein Antibrumm das wirklich funktioniert. Unbedeckte Haut = Sandfliegenbisse.
Zu meinem Glück bin ich nie alleine wenn ich die Weiden reinige. Joëlle und Michi haben zwei Helfer aus der lokalen indigenen Gemeinschaft eingestellt, César und sein Sohn Widison. In der Vergangenheit hatte César als Touristenführer gearbeitet. Er kennt die lokale Fauna und Flora sehr gut und erklärt mir die Namen und Gewohnheiten der Tiere und die Eigenschaften einiger Pflanzen. Bei der Arbeit mit ihm gibt es immer etwas Interessantes zu lernen und es ist auch eine gute Gelegenheit mein Spanisch zu üben.
Mit der Machete wird in der Regel nur morgens gearbeitet, weil es nachmittags zu heiss wird. Obwohl ich mich in der Hitze immer sehr wohl gefühlt habe muss ich sagen, dass die Arbeit unter diesen Bedingungen für den Körper ziemlich schwer sein kann. Da wir uns nur ein Grad südlich des Äquators befinden, ist die Sonneneinstrahlung hier wirklich stark. Die Sonne, wenn sie scheint, sie brennt; die Feuchtigkeit in der Luft lässt einen fast ertrinken; und wenn es regnet dann sieht es aus als ob ein Wasserhahn gebrochen wäre. An heissen Tagen, nach der Arbeit gibt es nichts Besseres als ein schönes Bad im Fluss oder ein kühles Bier, um Körper und Geist zu regenerieren.
Am Wochenende kann man die Batterien wieder richtig aufladen und die Lage geniessen. Ein Spaziergang im Wald auf der Suche nach wilden Vanille- oder Zimtsetzlingen, ein guter Brunch nach Schweizer Art mit Rösti und Spiegelei oder einfach nur mit einem guten Buch in der Hängematte schaukeln. Hier zu leben ist ein bisschen wie ein digitales Detox. Das Internet ist da und es funktioniert aber es ist sooo laaaaangsam, dass seine Nutzung auf das Unverzichtbare reduziert wird.

Feierabend

Neben dem Wiederaufforstungsprojekt will Finca Don Sigifredo die Produktion und Verwendung von Bambus als alternatives Baumaterial fördern. Bambus wächst schnell und ist sehr widerstandsfähig, was ihn zu einer ausgezeichneten Alternative zu Holz als Baumaterial macht. Im Moment mangelt es auf der Finca jedoch nicht an Holz, es ist sogar fast unmöglich zu wissen wohin mit dem ganzen Holz. Vor vielen Jahren deponierte der Fluss einen Stamm Mindal (rosa Edelholz) am Strand vor dem Haus. Einige Bäume, die vom früheren Pächter gefällt wurden, liegen jetzt ungenutzt auf den Weiden. Andere sind aus natürlichen Gründen umgestürzt. César schneidet diese Stämme mit seiner Kettensäge in Scheiben als wären sie aus Butter. Das Ergebnis sind Bretter für die Herstellung von Möbeln, Pfosten für die Renovierung der Einzäunung der Kühe und Platten die für die Zementierung des Corrals (Sammelplatz für die Kühe) und der Kompostanalage verwendet werden. Alles wird aus Recyclingholz oder anderweitig Unbenutztem gebaut. Die Kettensäge habe ich natürlich nicht benutzt, aber ich konnte helfen das Holz aus dem Wald zu tragen und die Bretter für den Möbelbau zu schleifen und zu polieren.

Mindal
Latten geschnitten
noch mehr gefundenes Holz
Schleifen von Mindal

Die Erneuerung einiger der Zäune war wirklich dringend da die Kühe der Finca Don Sigifredo einen sehr eigenständigen Charakter haben. Manchmal entscheiden sie selbst, wann sie die Weide wechseln wollen und es gibt keinen Stacheldraht der sie zurückgehalten kann. Jeden Tag muss man sie suchen, prüfen wo sie sind, sich vergewissern, dass es ihnen gut geht und eventuelle Wunden behandeln. Sie sind sehr sportliche Kühe die keine Angst vor Schlamm oder steilen und rutschigen Hängen haben. Sie verstecken sich gerne in den Wäldern, es ist nicht immer leicht herauszufinden, wo sie alle sind.

Eines der letzten Projekte war die Restaurierung des Holzhauses in Chorongo Alpa. Dort war die Auswilderungsstation der Wollaffen, die in der Vergangenheit vom amaZOOnico benutzt wurde. Einige Teile der Struktur wurden von Termiten befallen und mussten ersetzt werden. Auch hier ist es der Wald der uns die Rohstoffe liefert: Bohlen und Balken werden aus einem riesigen Baumstamm gefertigt der in den nahe gelegenen Rio Rodrigues gefallen war. Gleichzeitig haben die Arbeiten zur Zementierung des Corrals begonnen. Dieser Ort ist besonders wichtig um die Kühe zu sammeln und zu kontrollieren. Aber wenn es regnet, verwandelt er sich in einen Sumpf und wird unbenutzbar. Die Zementierung war daher dringend nötig und wir müssen schnell arbeiten, da die Regenzeit immer näher rückt.

Für diese letzten Aufgaben brauchten wir ein paar zusätzliche Hände. Joëlle und Michi haben vorübergehend einige Mitarbeiter aus der lokalen Gemeinschaft eingestellt. Die Pandemie hat auch die Leute hier hart getroffen. Viele der Menschen die im Tourismus arbeiteten, haben keine Arbeit mehr. Auch dafür sind die Aktivitäten der Finca Don Sigifredo wichtig. Einerseits schafft sie Einkommen und Beschäftigung für die lokale Bevölkerung. Andererseits vermittelt sie den Menschen den Leitzweck der Finca, informiert sie über nachhaltigere Bauweisen, über konsistentere Einkommensquellen ohne Monokulturen und sensibilisiert für die Notwendigkeit des Schutzes des Waldes. Nur ein Beispiel: Gestern nach dem Mittagessen zeigten wir den Mitarbeitern die Bilder von einer Fotofalle, die einige Wochen in Wald aufgestellt war: Hirsche, Ameisenbären, Mardertiere, Warane, Wildschweine und viele Vögel.  Diese Aufnahmen weckten das Interesse unserer Mitarbeiter und zeigen die Wirksamkeit des Reservats für die Erhaltung der lokalen Wildbestände.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die einmonatige Volontärsarbeit mit ein wenig tropischem Gärtnern begann und nach einigen Schreinerarbeiten kamen wir zu echten Bauarbeiten.
Nach und nach ist die Arbeit physisch intensiver geworden. Ich versuche zu helfen so gut ich kann. Aber im Vergleich zu vier starken, gut akklimatisierten Einheimischen fühle ich mich etwas nutzlos. Bald erinnern mich Rücken- und Gelenkschmerzen daran, dass ich mich viel wohler fühle bei den Salaten im Garten als beim Sandschaufeln auf einer Baustelle.
Leider ist die Situation jedoch so, dass es im Moment nicht viele Gartenarbeiten auf der Finca Don Sigifredo gibt. Die Probleme mit dem vorherigen Pächter, der die Flächen der Plantage weiterhin ausbeutet als wären es seine eigenen, hindern uns daran mit der Arbeit auf diesem Land zu beginnen. Die Situation ist frustrierend. In Ecuador geht alles sehr langsam voran, aber Joëlle und Michi verlieren ihren Mut nicht. Sie wissen, dass derjenige vorankommt der am längsten durchhält. Früher oder später werden sie endlich in der Lage sein die Plantage einzurichten.
Im Allgemeinen war dieser Monat hier eine wunderbar abwechslungsreiche Erfahrung, die es mir ermöglicht hat viele Dinge zu lernen und auch meine Grenzen auszuloten. Ich bin sicher, dass ich vieles von dem was ich hier gelernt habe auch in anderen Projekten und neuen Situationen anwenden kann. Es ist jedoch schön zu wissen, dass ich zumindest einen kleinen Beitrag zu einem Projekt geleistet habe, das gleichzeitig in der nachhaltigen Landwirtschaft, der Wiederaufforstung des Waldes und der Förderung lokaler Gemeinschaften aktiv ist. Ausserdem, sollten alle 150 Setzlinge der Spanischen Zeder überleben und eine Höhe von 20 m erreichen, dann wäre der CO2-Ausstross meines Fluges (schätzungsweise 2,83 Tonnen) weitestgehend kompensiert. Sollte dieser Eintrag bei euch den Wunsch geweckt haben, dem Wintergrau zu entfliehen und in die Wärme hierher zu kommen dann wisst ihr auch, dass es hier an Arbeit nicht mangelt. Das Haus ist sehr gemütlich, Joëlle und Michi sind grossartige Gastgeber und ihr seid Alle willkommen!

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Stützmauer

Unsere Zufahrtsstrasse drohte immer mehr abzurutschen. Die letzten Regengüsse haben verursacht, dass die Strasse um weitere 50 cm abgebrochen ist. Wir mussten also handeln bevor wir nicht mehr zum Haus hochfahren konnten. Die Idee war mit alten LKW- und Autoreifen eine Stützmauer zu bauen, so dass der Hang nicht weiter abrutschen kann. Wir organisierten gebrauchte Reifen die man in Tena in jeder Werkstatt gratis mitnehmen darf. Jedes Mal wenn wir nach Tena fuhren, brachten wir eine Ladung gebrauchte Pneus mit zurück. Die Reifen mussten innen ausgefüllt werden, daher bestellten wir einen Lastwagen voller Steine in verschiedenen Grössen. 12 Kubik wurden uns angeliefert. Als wir ca. 50 Reifen zusammen hatten, begannen wir mit der ersten Lage.

Schnell stellte sich heraus, dass wir mit so wenigen Reifen nirgends hinkommen würden und es zu lange dauert um die nötige Anzahl selbst herzuschaffen. Deshalb beauftragten wir Fabian uns ausrangierte Reifen in Tena zusammen zu sammeln und zu uns zu bringen. Das klappte super, schnell hatten wir ca. 200 Stück zusammen. Lage für Lage füllten wir die alten Pneus mit Steinen und befestigten mit Metallröhren und Schrauben die einzelnen Lagen damit sich diese nicht mehr bewegen können. Leider reichten die 12 Kubik Füllmaterial nicht. Deshalb suchten wir grosse Steine am Strassenrand zusammen damit wir die Pneus ganz füllen konnten. Am Ende verarbeiteten wir 180 Reifen in verschiedenen Grössen, ca. 16 Kubik Steine, Schotter und Sand, 40 Meter Stangen und rund 150 Schrauben. Die Stützmauer ist soweit fertig, der Regen schwemmt den Sand immer wieder in die ungefüllten Stellen rein. Deshalb werden wir vorläufig immer wieder Sand nachfüllen müssen.

In rund zwei Wochen, wenn die Löcher gefüllt sein werden, wird die Stützmauer mit Vetiver (spezielle Grass Sorte) bepflanzen. Dieses Gras hat sehr lange Wurzeln die bis zu 5 Meter in den Boden reinwachsen und so Hänge stabilisiert. Vetiver wird deshalb häufig als „Hangschutz“ genutzt. Jetzt heisst es abwarten bis die nächste Regenzeit kommt. Dann sehen wir ob der Hang hält oder ob er wieder abrechen wird. Hier in Ecuador wird Kautschuk leider nicht rezykliert, alte Reifen werden in die Mülldeponie gebracht. Wir haben uns deshalb für diese Art von Zweitnutzung der Reifen entschieden. Sie wären leider sowieso nicht so entsorgt worden wie wir uns das wünschen.

Hier herrscht Zurzeit eine riesige Nachfrage nach Balsaholz. Das hat zur Folge, dass es fast keine grossen Balsabäume mehr gibt. Wir hatten bereits in einem früheren Beitrag berichtet, dass bei uns Bäume gefällt wurden. Mittlerweile wissen wir, dass es 14 Bäume waren die auf unserem Grundstück gestohlen wurden. Wenn man den Preis für einen Kubik Balsa von ca. 250 bis 300 Dollar bedenkt ist es nachvollziehbar, dass die Balsabäume überall rausgeholt wurden. Wir können uns noch an die Zeit von früher im amaZOOnico erinnern. Da mussten wir einige grosse Balsabäume fällen weil sie drohten auf Gehege und Bauten zu fallen. Damals hat man sie einfach liegen gelassen weil das Holz nur etwa 5 bis 10 Dollar pro Kubik wert war. Man konnte damals für ca. 20 Dollar ein Floss aus getrocknetem Balsaholz kaufen. Damit wurden Touren auf dem Napo gemacht. Heute würde so ein Balsafloss ca. 300 Dollar kosten. Sehr viele Leute pflanzen jetzt Balsa an. Natürlich in der Hoffnung, dass in 5 bis 6 Jahren, wenn die Bäume geerntet werden können, der Preis immer noch so hoch sein wird. Balsa boomt so extrem weil in China und in Russland heutzutage sehr viel Modellbau betrieben wird. Auch bei uns wachsen viele junge Balsabäume die man früher einfach weggeschnitten hätte. Wir nutzen jetzt diese Bäume als Schattenspender für unsere Jungpflanzen von Edelhölzern die wir anbauen werden. Wir haben nur noch einen einzigen grossen Balsabaum der zum Glück beim grossen Klauen übersehen wurde. Wer jedoch denkt, dass in fünf Jahren der Preis für Balsa immer noch so hoch sein wird ist wohl ein hoffnungsloser Träumer. Sobald der Markt in China und Russland gesättigt ist wird der Preis wieder tief sinken. Es wäre nachhaltiger und sinnvoller in Baufähiges Holz zu investieren oder noch besser einfach der Natur ihren Lauf zu lassen.

Eine kurze Beschreibung wie sich unsere Hunde die letzten Jahre verändert und entwickelt haben: Als wir damals noch im amaZOOnico lebten, durften sie nicht ins Haus. Ihr Reich war im Garten und geschlafen haben sie unter dem Haus. Mit dem Umzug in die Schweiz und in ein ganz anderes viel kühleres Klima war es uns klar, dass sie ins Haus reinkommen dürfen. Als wir noch in Wallbach lebten, war ihr Reich im Garten und im Erdgeschoss des Hauses. Wir zogen um nach Ittenthal und dort hatten sie einen riesigen Garten der nun ihr neues Reich war sowie der untere Stock des Hauses. Ausser bei Gewitter, dann durften sie ausnahmsweise in den oberen Stock. Jetzt wieder zurück in Ecuador haben sie ein noch viel grösseres Reich draussen, sie dürfen ins Haus und sie dürfen dort den unteren und den oberen Stock betreten. Schleichend haben sie sich alle Rechte jederzeit und überall mit dabei zu sein geholt…