Bei uns hat die Regenzeit begonnen. Bis jetzt hatten wir in unserer Region noch nicht viel Niederschlag, aber es regnet täglich. In den Voranden regnet es hingegen stark und intensiv. Das hat zur Folge, dass es vermehrt Erdrutsche und Murgänge gibt. Die Strasse nach Quito ist immer wieder gesperrt und es ist jedes Mal eine kleine Lotterie, ob man bis nach Quito kommt, wenn man dorthin muss. Das viele Wasser lässt auch die Flüsse ansteigen, was wiederum zur Folge hat, dass die am Rio Napo liegenden Orte zum Teil überschwemmt werden. Auch die Insel Anaconda ist davon betroffen und die niedriger angelegten Plantagen werden überschwemmt. Aber im Moment, also heute, fehlen noch rund 1,5 Meter, bis die ganze Insel überschwemmt wird. Eine Überschwemmung bedeutet zwar, einen Ernteausfall zu erleiden, aber der Sand und die Sedimente, die neu abgelagert werden, sind so nährstoffreich, dass die Plantagen mit super Biodünger angereichert werden. Der Rio Napo und der Arajuno steigen jeweils sehr schnell an, laufen aber auch genauso schnell wieder ab. Ob wir den Höchststand erreicht haben, werden wir sehen. Bei all dem Wasser darf man aber nicht vergessen: Auch bei uns scheint die Sonne trotzdem täglich mindestens eine Stunde lang.

Als Michael aus der Schweiz zurückkam, hat er die Eier von den Riesen Brahma Hühnern mitgenommen, darüber haben wir im letzten Blog berichtet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft. Leider haben wir einige Eier aufgrund des Stromausfalls in den ersten drei Nächten verloren. Genau wegen solcher Ereignisse haben wir einige Eier bei unseren Nachbarn ausbrüten lassen. Insgesamt haben wir fünf Küken, die wir mit grosser Vorsicht aufziehen. Sie sind schon ein kleiner Hingucker und mit ihren befiederten Füssen sind sie sehr lustig.

Die Riesen Brahmas sind die grösste Hühnerrasse der Welt, sie wachsen sehr schnell und man kann ihnen dabei zusehen. Viele Leute, die sie bei uns sehen, wollen jetzt unbedingt auch diese Rasse haben. Mal abwarten, wie die Geschlechtsverteilung ist. Es steht bereits fest, dass ein Hahn zur Blutauffrischung zu unserem Nachbar geht.


Wir haben bereits mehrmals über Joëlles Wanderweg berichtet, nun ist er fertig. Begehen konnte man ihn schon lange. Michael hat einfach immer noch mehr Verbesserungen gemacht, bis es für Joëlle stimmte.

Er hat auch eine Bank gebaut, sie befindet sich am tiefsten Punkt des Weges. Man kann sich da etwas ausruhen, bevor man den Anstieg in Angriff nimmt oder man kann auch einfach nur den Wasserfall geniessen oder den Kolibris dabei zusehen, wie sie Nektar aus den vielen Helikonien trinken.
Insgesamt hat es auf dem ganzen Rundweg sechs verschiedene Helikonienarten.




Es gibt in Ecuador mehrere hundert Wespenarten. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Dies beruht auf der einzigartigen Vielfalt Ecuadors mit den verschiedensten Klimazonen und Klimaregionen, vom Meer über die Anden hinunter zum Amazonasregenwald und nicht zu vergessen Galapagos. Die meisten Arten sind sehr friedlich und lassen einen in Ruhe, wenn man sie nicht in ihrem Nest belästigt. Bei uns am Haus leben vier verschiedene Wespenarten, die man gar nicht bemerkt. Man sagt, dass die Wespen am Haus das Haus bewachen.


Wir haben eine für uns neue Wespenart entdeckt, die Weissflügelwespe. Sie ist schwarz und die Flügelenden sind weiss – daher der Name. Wir hatten schon einige Wespenstiche, meistens trifft es jedoch Michael im Wald, wenn sich ein Nest unterhalb eines Blattes befindet und er es mit dem Fuss berührt. Dann heisst es einfach rennen. Ok, César, unser Mitarbeiter, sagt, man soll stehen bleiben und sich nicht bewegen. Aber das ist Quatsch, auch er rennt, wenn er im Wald einem aufgeweckten, wildgewordenen Schwarm begegnet. Michael hat die Weissflügelwespen, die an unserem Hühnerhaus ein Nest gebaut haben, nicht gesehen, aber dafür gespürt. Er hat sich an der Verstrebung, an der sich das Nest befindet, festgehalten, als er die Hühner reingebracht hat.

Die Vibrationen haben gereicht, dass einige der Wespen losflogen und Michael rennen musste. Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft, im Vergleich dazu ist der Stich einer Schweizer Biene Wellness. Jetzt, wo wir wissen, dass sie dort nisten, leben wir gut miteinander. Aber nicht alle Wespen leben im Schwarm. Es gibt viele Arten, die nur in ganz kleinen Gruppen leben (vier bis zwölf Tiere) und es gibt sogar einige Arten, die alleine unterwegs sind, wie z. B. die Hummel in Europa. Eine ganz spezielle Wespenfamilie sind die Wegwespen. Nun werden sich alle, die sich vor Spinnen fürchten, über diese Wespen freuen. Die Wegwespen bauen Höhlen aus Erde oder graben sogar Löcher direkt in die Erde. Dann betäuben sie eine Spinne und tragen diese in ihre Höhle. Nun legen sie ein Ei auf die Spinne und verschliessen das Loch. Die Larve schlüpft und nistet sich in der betäubten Spinne ein, die ihre Nahrung ist, und sie frisst die Spinne auf.


Je nach Wegwespenart und Grösse sind auch die Spinnen grösser oder kleiner. Die Wespe «Tarantulafalke» ist die grösste der Familie und macht, wie der Name schon sagt, Jagd auf Taranteln, die sie in ein Erdloch zieht und so ihre Nachkommen ernährt.

Bei uns läuft gerade sehr viel. Wir knüpfen bereits die ersten wichtigen Kontakte bei unserem neuen Grundstück in der Gemeinde Cosanga. Da werden wir nächstes Wochenende den Bürgermeister treffen. Er wird mit den Leuten aus der Region besprechen, wie man den Fluss bzw. das Flussufer sicherer machen kann. Wenn dann die schweren Maschinen vor Ort sein werden, möchten wir das gleichzeitig auch für das Fundament und die Zufahrt unseres neuen Hauses nutzen. Die Zusage dafür haben wir bereits bekommen. Wir werden sehen, wie das weitergeht.
Michael arbeitet gerade auch sehr viel für SelvaViva, denn da stehen «Grenzreinigungen» an. Das ist mal wieder so eine Sache, denn der eine Nachbar von SelvaViva ist (wenig überraschend) einmal mehr nicht einverstanden und benimmt sich komplett daneben. Über das leidige Thema der Goldwäscher können wir leider keine Infos mehr geben, da wir über unsere eigene Homepage ausspioniert werden. Kein Scherz! Aber so viel sei gesagt: Wir bleiben dran.







































































