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Langeweile? Nicht bei uns!

Bei uns hat die Regenzeit begonnen. Bis jetzt hatten wir in unserer Region noch nicht viel Niederschlag, aber es regnet täglich. In den Voranden regnet es hingegen stark und intensiv. Das hat zur Folge, dass es vermehrt Erdrutsche und Murgänge gibt. Die Strasse nach Quito ist immer wieder gesperrt und es ist jedes Mal eine kleine Lotterie, ob man bis nach Quito kommt, wenn man dorthin muss. Das viele Wasser lässt auch die Flüsse ansteigen, was wiederum zur Folge hat, dass die am Rio Napo liegenden Orte zum Teil überschwemmt werden. Auch die Insel Anaconda ist davon betroffen und die niedriger angelegten Plantagen werden überschwemmt. Aber im Moment, also heute, fehlen noch rund 1,5 Meter, bis die ganze Insel überschwemmt wird. Eine Überschwemmung bedeutet zwar, einen Ernteausfall zu erleiden, aber der Sand und die Sedimente, die neu abgelagert werden, sind so nährstoffreich, dass die Plantagen mit super Biodünger angereichert werden. Der Rio Napo und der Arajuno steigen jeweils sehr schnell an, laufen aber auch genauso schnell wieder ab. Ob wir den Höchststand erreicht haben, werden wir sehen. Bei all dem Wasser darf man aber nicht vergessen: Auch bei uns scheint die Sonne trotzdem täglich mindestens eine Stunde lang.

Riesen Brama Küken

Als Michael aus der Schweiz zurückkam, hat er die Eier von den Riesen Brahma Hühnern mitgenommen, darüber haben wir im letzten Blog berichtet. Mittlerweile sind die Küken geschlüpft. Leider haben wir einige Eier aufgrund des Stromausfalls in den ersten drei Nächten verloren. Genau wegen solcher Ereignisse haben wir einige Eier bei unseren Nachbarn ausbrüten lassen. Insgesamt haben wir fünf Küken, die wir mit grosser Vorsicht aufziehen. Sie sind schon ein kleiner Hingucker und mit ihren befiederten Füssen sind sie sehr lustig.

Küken verstecken sich hinter ihrem Häusschen

Die Riesen Brahmas sind die grösste Hühnerrasse der Welt, sie wachsen sehr schnell und man kann ihnen dabei zusehen. Viele Leute, die sie bei uns sehen, wollen jetzt unbedingt auch diese Rasse haben. Mal abwarten, wie die Geschlechtsverteilung ist. Es steht bereits fest, dass ein Hahn zur Blutauffrischung zu unserem Nachbar geht.

Wir haben bereits mehrmals über Joëlles Wanderweg berichtet, nun ist er fertig. Begehen konnte man ihn schon lange. Michael hat einfach immer noch mehr Verbesserungen gemacht, bis es für Joëlle stimmte.

neue Bank beim Wasserfall

Er hat auch eine Bank gebaut, sie befindet sich am tiefsten Punkt des Weges. Man kann sich da etwas ausruhen, bevor man den Anstieg in Angriff nimmt oder man kann auch einfach nur den Wasserfall geniessen oder den Kolibris dabei zusehen, wie sie Nektar aus den vielen Helikonien trinken.

Insgesamt hat es auf dem ganzen Rundweg sechs verschiedene Helikonienarten.

Es gibt in Ecuador mehrere hundert Wespenarten. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Dies beruht auf der einzigartigen Vielfalt Ecuadors mit den verschiedensten Klimazonen und Klimaregionen, vom Meer über die Anden hinunter zum Amazonasregenwald und nicht zu vergessen Galapagos. Die meisten Arten sind sehr friedlich und lassen einen in Ruhe, wenn man sie nicht in ihrem Nest belästigt. Bei uns am Haus leben vier verschiedene Wespenarten, die man gar nicht bemerkt. Man sagt, dass die Wespen am Haus das Haus bewachen.

Wir haben eine für uns neue Wespenart entdeckt, die Weissflügelwespe. Sie ist schwarz und die Flügelenden sind weiss – daher der Name. Wir hatten schon einige Wespenstiche, meistens trifft es jedoch Michael im Wald, wenn sich ein Nest unterhalb eines Blattes befindet und er es mit dem Fuss berührt. Dann heisst es einfach rennen. Ok, César, unser Mitarbeiter, sagt, man soll stehen bleiben und sich nicht bewegen. Aber das ist Quatsch, auch er rennt, wenn er im Wald einem aufgeweckten, wildgewordenen Schwarm begegnet. Michael hat die Weissflügelwespen, die an unserem Hühnerhaus ein Nest gebaut haben, nicht gesehen, aber dafür gespürt. Er hat sich an der Verstrebung, an der sich das Nest befindet, festgehalten, als er die Hühner reingebracht hat.

Nest der Weissflügelwespen am Hühnerhaus

Die Vibrationen haben gereicht, dass einige der Wespen losflogen und Michael rennen musste. Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft, im Vergleich dazu ist der Stich einer Schweizer Biene Wellness. Jetzt, wo wir wissen, dass sie dort nisten, leben wir gut miteinander. Aber nicht alle Wespen leben im Schwarm. Es gibt viele Arten, die nur in ganz kleinen Gruppen leben (vier bis zwölf Tiere) und es gibt sogar einige Arten, die alleine unterwegs sind, wie z. B. die Hummel in Europa. Eine ganz spezielle Wespenfamilie sind die Wegwespen. Nun werden sich alle, die sich vor Spinnen fürchten, über diese Wespen freuen. Die Wegwespen bauen Höhlen aus Erde oder graben sogar Löcher direkt in die Erde. Dann betäuben sie eine Spinne und tragen diese in ihre Höhle. Nun legen sie ein Ei auf die Spinne und verschliessen das Loch. Die Larve schlüpft und nistet sich in der betäubten Spinne ein, die ihre Nahrung ist, und sie frisst die Spinne auf.

Je nach Wegwespenart und Grösse sind auch die Spinnen grösser oder kleiner. Die Wespe «Tarantulafalke» ist die grösste der Familie und macht, wie der Name schon sagt, Jagd auf Taranteln, die sie in ein Erdloch zieht und so ihre Nachkommen ernährt.

einige Arten bilden Lebendnester

Bei uns läuft gerade sehr viel. Wir knüpfen bereits die ersten wichtigen Kontakte bei unserem neuen Grundstück in der Gemeinde Cosanga. Da werden wir nächstes Wochenende den Bürgermeister treffen. Er wird mit den Leuten aus der Region besprechen, wie man den Fluss bzw. das Flussufer sicherer machen kann. Wenn dann die schweren Maschinen vor Ort sein werden, möchten wir das gleichzeitig auch für das Fundament und die Zufahrt unseres neuen Hauses nutzen. Die Zusage dafür haben wir bereits bekommen. Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Michael arbeitet gerade auch sehr viel für SelvaViva, denn da stehen «Grenzreinigungen» an. Das ist mal wieder so eine Sache, denn der eine Nachbar von SelvaViva ist (wenig überraschend) einmal mehr nicht einverstanden und benimmt sich komplett daneben. Über das leidige Thema der Goldwäscher können wir leider keine Infos mehr geben, da wir über unsere eigene Homepage ausspioniert werden. Kein Scherz! Aber so viel sei gesagt: Wir bleiben dran.

Fluss Cosanga
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Guadua, Hera und unsere Grundsätze

Wie bereits im letzten Beitrag erwähnt, sind wir dabei, unser Bambuslager zu füllen. Wir hatten die Chance, über 700 Stangen einzukaufen und so unser Lager auf einen Schlag wieder aufzufüllen. Die Verhandlungen gestalteten sich etwas schwieriger als erwartet. Der Verkäufer hatte leider keine Ahnung von Guadua. César und Michael besichtigten vorab den Guaduawald, der einer Plantage weichen musste. Es waren sehr schöne Stangen, und wir einigten uns auf einen Preis und trafen eine Abmachung. César half die ersten zwei Tage bei der Ernte mit, sodass er ihnen das korrekte Schneiden und den richtigen Umgang mit den Stangen zeigen konnte. Sie hatten für die Ernte genau 14 Tage Zeit, und nach fünf Tagen bekamen wir auch schon die erste Lieferung von 350 Guaduas. Aber leider war die Qualität nicht so überwältigend wie ursprünglich vereinbart. Wir zahlten dafür aber auch einen niedrigeren Preis, was dem Verkäufer natürlich gar nicht gefiel. Nun, im Nachhinein ist man immer schlauer, und so wissen wir, dass Michael besser auf einen anderen Deal hätte bestehen sollen.

Die zweite Lieferung war dann doch etwas besser. Um die Stangen zu säubern, zuzuschneiden, zu lochen und in Matten zu schlagen, hatte César wieder eine Gruppe von Frauen und jungen Männern organisiert.

Die Frauen waschen die Stangen

Leider haben wir es noch nicht ganz geschafft, fertig zu werden, bevor Michael in seine grossen Ferien in die Schweiz geht. César, unser langjähriger Mitarbeiter, weiss aber, was noch zu tun ist.

die ersten Stagen sind bereits draussen und werden besonnt

Hera, unsere Hündin, wurde vor einer Woche kastriert. Sie hat nun ein Spielverbot, das sie überhaupt nicht versteht. Erstaunlicherweise leckt sie nicht an der Wunde, sodass sie den lästigen Kragen nach zwei Tagen ausziehen und ihn gegen ein T-Shirt eintauschen konnte.

Joëlle ist Ersatzmutter eines Hühnerkükens. Leider ist aus den letzten Eiern nur ein Küken geschlüpft, und keine Ammenmutter wollte es akzeptieren. So ist es nun im Büro, bis es gross genug ist, in den Hühnerstall umzuziehen.

So süss das kleine Ding auch ist, es kann bereits gewaltig nerven. Dann zum Beispiel, wenn Joëlle nur kurz das Büro verlässt oder für den Zwerg nicht mehr sichtbar ist. Dann ruft es laut und rennt herum; es kommt sogar ins Haus hinein, um nach uns zu suchen. Wer das Haus kennt, in dem wir wohnen, weiss, dass es keinen eigentlichen Eingangsbereich hat, sondern man direkt die Küche betritt. Wenn also das kleine Vögelchen in der Küche herumrennt und dabei seine Notdurft verrichtet (was Vögel bekanntlich sehr häufig und ohne Zurückhaltung tun), ist das nicht besonders hygienisch…

zum Glück schläft es auch ab und zu

Die vergangenen Wochen waren von intensiven Herausforderungen geprägt. Der ständige Einsatz die bekannten Goldwäscher von Selva Viva und unserem Land fernzuhalten, kostet uns enorm viel Kraft und bindet wesentliche Ressourcen. Besonders zermürbend sind Auseinandersetzungen mit Akteuren, deren Auftreten und Verhalten die Situation zusätzlich verschärfen und konstruktive Lösungen verhindern.

Momentan können wir aus politischen Gründen noch keine Details offenlegen. Klar ist jedoch: Wir werden die bestehenden Missstände nicht mehr stillschweigend hinnehmen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Transparenz zu schaffen. Zu gegebener Zeit werden wir einen Beitrag verfassen, in dem wir die Vorgänge umfassend darstellen und Missstände sowie Verantwortlichkeiten klar benennen und dies mit entsprechenden Beweisen untermauern.

Aber Michael wird jetzt erst einmal eine kleine Auszeit nehmen. Er fliegt in die Schweiz, um sich zu erholen und frische Energie zu tanken, um dann mit neuem Mut und Motivation wieder ans Werk zu gehen.

Orchideen
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Sach- und Lachgeschichten

Wir sind bekannt dafür, dass wir einen verfügbaren Stock von Bambus haben, und darum meldet man sich bei uns, wenn es eilt. Aber manchmal können auch wir nicht helfen. Besonders interessant ist die Auffassung des Wortes «Stock». Sowohl für uns als auch hier bedeutet das «Lager». An Lager haben wir natürlich nur, was schon behandelt ist und direkt zum Bauen verwendet werden kann. Also, wenn sich ein Architekt bei uns meldet, weil er morgen 150 grüne Stangen benötigt, ist das nicht verfügbar; denn frisch geerntet an Lager – wie soll das gehen? Wir benötigen gut zwei Wochen für Ernte und Behandlung. Ja, wir können viel, aber das ist auch für uns unmöglich. Zuletzt hatten wir eine Expresslieferung nach Quito. Das war auch so ein unmöglicher Auftrag, den wir aber mit einer Nachtschicht erfüllen konnten. Sie brauchten zur Deko für eine Neueröffnung eines Restaurants 300 Bambuslatten, auf 4 cm zugeschnitten, in richtiger Länge und Breite, und dazu noch 50 dünne Bambusse. Das hatten wir zum Glück im Stock und innert zwei Tagen bereitgestellt. Nun ist unser Lager gerade wieder mal etwas leerer. Wir haben schon vor Längerem einen kleinen Auftrag in Tena erhalten, wo wir eine Pergola bauen dürfen. Wir haben versprochen, dass sie zu Weihnachten stehen wird. Also haben wir letzte Woche damit begonnen, das Fundament vorzubereiten, sodass wir am Montag zementieren können. Deshalb muss die Lageraufstockung jetzt etwas warten.

Vor rund einem Jahr haben wir berichtet, dass die Hauptbrücke über den Río Napo zwischen uns und Tena repariert werden musste und sie deswegen zwei Monate lang gesperrt war. Nun gut, sie wurde so gründlich repariert, dass sie jetzt wieder gesperrt ist und erneut repariert werden muss – diesmal sogar für ein halbes Jahr. Aber es gibt noch die kleine Brücke; da dürfen leider nur Fahrzeuge bis maximal 15 Tonnen drüberfahren. Zum Glück wiegt ein voller Reisebus nur 14 Tonnen – wenn man beide Augen zudrückt. Für LKW wurde eine Fähre eingerichtet. Da passt aber kein Sattelschlepper darauf. Die müssen nun die Umfahrungsstrasse via Coca nehmen. Das bedeutet, sie müssen bei uns durch den Regenwald – erst 100 Kilometer bis nach Coca, wo sich die nächste Brücke befindet, und von dort weitere 150 Kilometer über Loreto nach Tena. Die Umfahrung dauert nur rund sieben Stunden. Vor fünf Jahren gab es noch eine Brücke in Misahuallí; die wurde aber von einem LKW zerstört. Zweimal wurden schon Gelder für den Neubau gesprochen, und zweimal sind die jeweiligen Bürgermeister damit verschwunden. So wurde die Brücke nicht mehr aufgebaut. Für uns bedeutet die Reparatur der Brücke am Río Napo vor allem, viel Geduld zu bewahren, denn die kleine Brücke kann nur einspurig befahren werden.

Vorne auf der Brücke ist bereits ein Reisebus

Wer uns schon mal besucht hat und mit Michi einen Waldspaziergang machte, kennt die Instruktionen, bevor es losgeht. Eine Regel lautet: «Halte dich an nichts fest – niemals, denn man kann nie wissen, was dort ist». Michi hat vor Kurzem mit den Hunden eine grössere Runde durch den Wald gemacht, wo er dann auch die Waldhüter von Selva Viva, Ruben und Jairo, antraf. Sie kamen ins Gespräch, und Michi stützte sich an einem kleinen Baum ab. Immer gut, wenn sich der Führer selbst nicht an das hält, was er erzählt. Sogleich schoss ihm ein Schmerz durch die Hand, als ob ihm jemand einen Nagel reinhauen würde. Nach Betrachtung des Baumes durch Ruben stellten sie ein Konganest fest. Der Stich der Konga, oder auf Deutsch der 24-Stunden-Ameise, ist der schmerzhafteste Insektenstich der Welt. Michi musste einmal mehr die Schmerzhaftigkeit spüren. Selbst schuld, wenn man seinen eigenen Anweisungen nicht folgt.

Abends, wenn wir unsere Hühner in den Stall begleiten, nehmen wir auch immer gleich die gelegten Eier raus, und das gibt uns immer ein Gefühl von Ostern. Unsere zusammengewürfelte Hühnerschar besteht zurzeit aus einer schwarzen, drei braunen und drei weissen Hennen (davon ein Schweizerhuhn) mit unserem Schweizerhahn. Alle Eier sind unterschiedlich gefärbt – von schneeweiss über verschiedene Brauntöne bis zu olivgrün.

Wir haben eine kleine Brutmaschine gekauft, um sicherzustellen, dass wir ab und zu Küken haben. Die Naturbrut ist hier etwas schwieriger als in der Schweiz, da es viel mehr Fressfeinde gibt. Abgesehen vom Tayra (sowas wie ein Marder), der am Tag vorbeikommt, über das Opossum, das in der Nacht unterwegs ist, und die Schlangen, die immer kommen, gibt es da auch noch die Eifersucht untereinander. Das beste Beispiel dafür sind Maria und Maite. Sie sind Geschwister, aber unterschiedlicher könnten sie nicht sein. Maria ist schwarz gefiedert und legt die olivgrünen Eier, und Maite ist weiss gefiedert und legt cremefarbene Eier. Sie kommen immer gleichzeitig ins Brutverhalten, und natürlich lassen wir ihnen auch immer einige Eier. Die beiden wechseln die Nester und klauen sich jeden Tag gegenseitig die Eier. Wir wissen nicht genau, wie sie das anstellen, aber dabei gehen immer welche zu Bruch. Wieder ist nur ein Küken geschlüpft, und erneut teilen sich die beiden Hennen die Aufzucht eines einzigen Kükens. Sie haben bereits Erfahrung darin, denn das haben sie schon zweimal gemacht. Sehr lustig mit anzusehen – man könnte sie durchaus als Helikoptermütter betiteln.

Leider haben wir ein kleines Problem. Seit wir den Schweizerhahn haben, schlüpfen immer nur Hähne – wir hatten mittlerweile schon 20. Zum Glück lassen sie sich gut verkaufen.

Unsere lustige Hühnerschar
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Aktuelle Entwicklungen, Wildtiere und Strassenbau

Die letzten Monate waren von der Bambusernte und dem illegalen Goldwaschen sehr geprägt. Wir haben mit dieser Mondphase die letzten Bambusstangen für den Grossauftrag geerntet und im Becken zur Behandlung eingelegt. Ende Juli werden wir die letzten Stangen und Matten ausliefen. Dann können wir unser Lager wieder füllen und uns um Kleinanfragen kümmern; aber vor allem können wir uns auch wieder anderen Dingen widmen, die leider etwas zu kurz gekommen sind. Die letzte Zeit hat bei uns Spuren hinterlassen, ganz besonders das Goldwaschen mit den Problemen drum herum.

Leider gibt es einige Personen, denen es gar nicht recht ist, wenn wir die Wahrheit sagen oder, wie hier, in unserem privaten Blog schreiben. Denen sei Folgendes gesagt: Wenn ihr die Wahrheit nicht ertragen könnt, lest einfach unseren Blog nicht! Denn alles, was wir sagen oder schreiben, können wir belegen. Wer das Material einsehen möchte, darf das gerne tun – wir stellen es zur Verfügung. Wir haben von einem Freund ein Zitat zu diesem Thema erhalten, welches zu unserer Aufheiterung gedacht war. Es trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf:

«Ich habe nicht schlecht über dich geredet. Ich habe nur erzählt, was passiert ist. Wenn dich das schlecht dastehen lässt, liegt das nicht an mir.»

Entschuldigung an alle die das nicht betrifft, aber es musste jetzt mal raus.

Die Regenzeit geht dem Ende zu und die Niederschlagsmengen werden langsam weniger und sind nicht mehr so intensiv. Das lässt auch wieder vermehrt längere trockene Waldspaziergänge zu. Als Michi letzte Woche die Wildkameras kontrollieren ging haben wir mit Freude festgestellt, dass wir wieder vermehrt Jaguare auf unserem Land haben. Die letzten Jahre waren sie nur jeweils ca. einen Monat lang bei uns. Jetzt sieht es so aus, als dass ein Jaguar unser Land zu seinem Kernrevier gemacht hat, da er regelmässig, jeden Monat, von den Wildkameras aufgenommen wurde.

Jaguar

Wir haben mehrere Kameras an wichtigen Wegpunkten und Tierpfaden auf unserem Land platziert. So haben wir einen guten Überblick, wer wann und wo durch unsere Grundstücke läuft. Seit der Jaguar vermehrt da ist, ging der Bestand von Hirschen, Pekaris (so eine Art Wildschweine) und Pakas (sowas wie grosse und nachtaktive Meerschweinchen) zurück. Erstaunlicherweise hat es jetzt viel mehr Bodenvögel wie z. B. Tinamus, Tauben, Wildhühner und Hokkos. Die wiederum ziehen Jaguarundis (Wieselkatze) und Ozelote an. Auch ein Margay (Baumozelot) ist uns zum ersten Mal vor die Linse gelaufen. Es freut uns sehr, dass der Wald bei uns wieder so eine Dynamik bekommt. Das sicherlich auch, weil wir die Wilderei verbannt haben und sie nicht zulassen. Seit der Anzeige gegen den Wilderer, wegen des Diebstahls der Wildkameras, haben wir keine Jäger mehr auf den Fotos.

Hokko

Seit Jahren wird davon gesprochen, dass man die Strasse, die bei uns vorbeiführt, verbreitern und asphaltieren wird. Wir haben bereits einige Male darüber berichtet. Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob es gemacht werden wird. Vor einiger Zeit hat Michael Personen gesehen, die auf einigen Bäumen Nummern angebracht haben. Als sie das auch auf unserem Land taten, fragte er sie was und warum sie es tun. Sie meinten das gehöre zur Studie für die Stassenverbreiterung. Sie markierten alle Bäume, die gefällt werden müssen. Die Bäume werden gezählt und auch katalogisiert, um festzustellen ob es wertvolles Holz ist oder nicht. Bei uns werden mehr als 50 Bäume gefällt werden. Die Strasse durch Selva Viva ist um vieles länger, dort sollen sogar mehr als 350 Bäume gefällt werden. Der Witz am Ganzen ist, das sind nur die Bäume die innerhalb der Verbreiterung stehen. Die Bäume, die gefällt werden müssen um eine Brücke oder Stützmauer zu bauen, sind da nicht mit einbezogen. Bei den hiesigen topographischen Verhältnissen sind das aber leider sehr viele mehr. Ja, den Fortschritt kann man nicht aufhalten und sicherlich darf man ihn niemandem verwehren. Wir werden bestimmt noch einige Male darüber berichten, denn das Ganze ist sicherlich nicht in einer Woche gebaut.

Baum Nr. 188 auf unserem Grundstück
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Goldrausch

Wir haben ja bereits der Öfteren über den illegalen Goldabbau berichtet. Nun hat es ein Ausmass angenommen, welches uns sehr nachdenklich stimmt. Wir müssen uns gut überlegen, was wir hier noch machen können, aber vor allem abwarten ob und wie die Regierung auf die Eskalation der letzten Tage reagiert. Das wird für uns wegweisend sein. Aber hier erst einmal was geschehen ist: Diese Woche wollte die Armee eine der grössten illegalen Minen im ecuadorianischen Amazonasbecken schliessen. Die mehrere Kilometer lange Mine befindet sich am Rio Punino an der Provinzgrenze zwischen Napo und Orellana. Es wurden mehrere Quadratkilometer Regenwald gerodet und der Fluss Punino ist für Tod erklärt worden, wegen der hohen Schwermetallbelastung. Aber tausende Indigene leben an und von diesem Fluss. Die Minenbetreiber sind Mitglieder von Narco-Banden und/oder Anhänger von Ablegern der ehemaligen FARC aus Kolumbien. Als die Soldaten ankamen, wurden sie von den Betreibern beschossen und mit Sprengstoff zurückgedrängt. Es starben elf Soldaten! Der Rio Punino liegt Luftlinien etwa 75 Kilometer von uns entfernt. Untenstehender Link führt zum detaillierten Bericht (Plan V ist eine digitale Plattform für investigativen Journalismus, Nachrichten und Analysen).

Masacre en el Alto Punino revela el avance de los Comandos de la Frontera en la Amazonía – Plan V

Diese Aktivitäten sind so aus dem Ruder gelaufen, dass sie sogar ganz einfach in GoogleMaps sichtbar sind:

Link zu GoogleMaps – Alto Punino

„Unsere“ illegale Mine hinter Ahuano nimmt auch solche Züge an. Keiner kennt die Leute die dort Gold waschen, man weiss lediglich, dass ein korrupter Exbürgermeister die Fäden vor Orte in der Hand hat. Wer aber genau dahintersteckt, weiss niemand der es preisgeben würde.

Treffen der lokalen Akteure
Foto: Sebastian Jahnke, 03.05.2025

Da auch die Gemeinderegierung von Ahuano die hohle Hand macht und deshalb in die andere Richtung schaut, wird sehr offensichtlich nichts dagegen unternommen. Denn „wo kein Kläger – da kein Richter“. All diejenigen die das bis jetzt schöngeredet haben, können sich den Tatsachen nicht mehr entziehen. Leider sind das auch Personen von befreundeten Organisationen. Solange der Goldpreis so hoch ist und immer weiter steigt, wird sich das auch nicht ändern.

Ohne den Versuch es zu Verschleiern, wird direkt an der Strasse gebaggert
Foto: Sebastian Jahnke, aktuelle Aufnahme vom 03.05.2025

Auch diese Tätigkeiten sind auf GoogleMaps sichtbar:

Link zu GoogleMaps – Huambuno (Ahuano)

Leider hat das auch Auswirkungen auf andere illegale Tätigkeiten wie z. B. die Jagd. Es gibt viele neue Personen, die gerne mal Wildfleisch essen und dadurch die illegale Jagd fördern. Wir wissen gleich von zwei Fällen, wo man einen Tapir geschossen und auf der Strasse an die Goldwäscher verkauft hat. Es sind leider die altbekannten Jäger die übrigens sehr aktiv im Nachbarsgrundstück illegal Goldwaschen und dabei die Gelegenheit zum Jagen nutzen. Die illegale Jagd nimmt wieder sichtlich zu. Wir, aber auch die Waldhüter von Selva Viva, haben vermehrt Unterstände oder Hochsitze an strategischen punkten gefunden und dann sofort zerstört. Seit die Tierauffangstation amaZOOnico wieder Tapire auswildert, hatte sich der Bestand in der Region erholt. Nun aber nimmt er rasant ab. Leider interessiert sich der Besitzer vom amaZOOnico nur dafür, was auf seinem eigenen Land geschieht. Wenn die Tiere auf fremden Grundstücken geschossen werden, will er nichts unternehmen. Verständlich, die altbekannten Jäger sind seine Freunde. Wir, die Finca Don Sigifredo, haben mit Selva Viva, Hotel La Casa del Suizo, Grand Selva Lodge, Comunidad 27 de Febrero, Comunidad Campococha, Frauenorganisation Campococha und weiteren Privatpersonen und Nachbarn eine kleine Allianz gebildet die sich gegenseitig hilft und im Fall eines illegalen Eindringens sofort warnt. Leider will der amaZOOnico und die Liana Lodge davon nichts wissen und sie hatten bis jetzt einfach keine Zeit. Auch bei der letzten Einladung zu einem Treffen wegen einer akuten Situation, hatten sie keine Zeit und so haben sie einmal mehr keine Stellung gegenüber des illegalen Goldwaschens bezogen. Traurig.

Das grüne Paradies ist am Untergehen. Sei es wegen des Abholzens für die Goldwäscher oder durch das Verschmutzen der Flüsse durch Schwermetalle als Folge des Goldwaschens. Wir versuchen das Paradies so lange es geht zu schützen. Durch die Aufklärungsarbeit, die wir betreiben und durch den Schutz des Waldes von Selva Viva hoffen wir und unsere Verbündeten das wir noch lange was davon haben. Der Schutz des Waldes ist aber teuer. Nicht alle arbeiten ehrenamtlich so wie wir. Die Waldhüter von Selva Viva bekommen Löhne und die Anwälte arbeiten zwar zum Selbstkostenpreis, aber verständlicherweise auch nicht gratis. Selva Viva braucht Unterstützung und sucht immer wieder Genossenschafter oder Spender, die mithelfen den Regenwald zu schützen. Du kannst unter Angabe des Zwecks direkt Spenden an:

Postfinance: CH42 0900 0000 1514 4267 7
BIC: POFICHBEXXX
Genossenschaft zum Schutz des Regenwaldes (GSR)

Oder einen Anteilsschein für CHF 1 000 per Einzahlung an obenerwähntes Konto erwerben. Wichtig, bei der Einzahlung den Hinweis «Anteilsschein» nicht vergessen.

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Bambusernte

Ein Architekt, mit dem wir schon einige Male zusammengearbeitet haben, hat bei uns eine grössere Bestellung an speziell behandeltem «Grossen Bambus» (Dendrocalamus) bestellt. Früher waren unsere Preise immer zu hoch und wir wurden nur im Notfall berücksichtigt. Nun aber braucht er Qualität, und da sind wir die Nummer eins. Wir erfüllen fast alle Wünsche unserer Kunden, aber das hat natürlich seinen Preis. Mehrere Folgeaufträge können bei guter Arbeit/Qualität folgen. Ja, wir sehen grosse Chancen für einen Auftrag, der über Monate laufen könnte. Aber zuerst mal müssen wir jetzt die erste Lieferung machen. Wir kaufen unseren Bambus, das Rohmaterial, ein. Den «Grossen Bambus» ernten wir selbst. Nur so können wir beste Qualität garantieren. Das Ernten von ca. 25 Meter langem Bambus muss gelernt sein und es ist auch gefährlich. Beim falschen Schneiden zerberstet schnell so ein Halm oder er bekommt kleine, kaum sichtbare Haarrisse.

Es war gerade die richtige Mondphase, um sofort mit der Ernte loslegen zu können. Bestellt waren 150 Stangen zu sechs Metern und sie sollten oben wie unten keine grossen Abweichungen beim Durchmesser aufweisen. Der Rest des Bambushalms werden wir zu Bambusmatten verarbeiten. Von einem ca. 25 Meter Halm kann man nur 12 – 15 Meter nutzen. Die ersten zwei bis drei Meter sind zu dick und zu stark verholzt. Die nächsten 12 – 15 Meter sind gut, wenn sie denn auch gerade gewachsen sind.

ca. 25 Meter langer Halm

Von da an wo die Blätter wachsen, ist der Halm zu dünn und instabil. Wir hatten leider kein Wetterglück. War es die letzten Monate immer zu trocken, hatten wir jetzt die verregnetsten zehn Tage seit über einem Jahr. Michi war also mit fünf Arbeitern und zwei neuen Auszubildenden bei der Ernte aber konnte nicht arbeiten. Wenn es mal kurz aufgehört hat zu schütten, haben sie kurz geerntet. In drei Tagen konnten sie gerade mal 33 Stangen schneiden. Dann ein Tag mit Sonne und an dem sie durcharbeiten konnten und zack, waren 30 Halme geschnitten.

Die Stangen müssen immer noch gewaschen werden, was wir in einem Bach direkt neben dem Bambus machten. Aber auch da mussten wir die Arbeit einstellen, denn das Bächlein wurde wegen des starken Regens zum reissenden Strom. So konnten wir leider nur 65 Halme ernten. Wir meldeten das unserem Auftraggeber. Er hatte Verständnis, denn auch er konnte wegen des Dauerregens nicht bauen.

Leider werden wir nichts an der ersten Lieferung verdienen, denn die Zeit vom «Unterstehen» müssen wir ja auch bezahlen aber können sie nicht auf den Käufer abwälzen. Nun sind die Stangen im Becken, wo sie veredelt werden. Am 17. März beginnt die nächste abnehmende Mondphase und wir werden dann das nächste Mal ernten. Nun hoffen wir auf besseres Wetter.

Stangen sind im Becken

Bei uns ist aber auch sonst noch vieles geschehen. Michi hat sich anerboten für die Waldschutzorganisation Selva Viva ehrenamtlich die Koordination der Waldhüter vor Ort zu übernehmen. Jeden Montag treffen sich die Waldhüter im Schulhäusschen auf der Finca Don Sigifredo und planen ihre Woche. Michi plant momentan die Renovation der beiden Häuser von Selva Viva. Um Kosten zu sparen, müssen die Waldhüter mitarbeiten und das erweist sich als schwieriger als gedacht. Der eine hat zwei linke Hände und die anderen arbeiten nur dann, wenn du danebenstehst. Trotzdem soll der Schutz des Waldes nicht zu kurz kommen. Das braucht gute Planung und das können wir beide gut, denn wenn Michi nicht kann, springt Joëlle ein.

Ruben, Saquiri und Elder (v.l.n.r.), die Waldhüter von Selva Viva

Joëlle hat auch immer noch viel Arbeit wegen des längeren Ausfalls einer Mittarbeiterin. Wir werden nächste Woche mal etwas kürzertreten und uns zwei Tage eine Auszeit gönnen und nach Quito reisen. Die Reise hat aber auch einen Hintergedanken. Joëlle wünscht sich schon immer eine spezielle Hunderasse. Für ihr Sicherheitsgefühl und ihren Schutz, hätte sie gerne einen Rottweiler. Wir haben uns ja leider nicht nur Freunde gemacht, sondern auch Feinde, besonders bei den Goldwäschern. So ein grosser, treuer Hund macht dann schon richtig Eindruck. Michi hat ja zum Glück die Ausbildung und viel Erfahrung bei der Hundeerziehung und auch Hector hilft auch mit, denn er weiss genau worauf es ankommt. Wir haben einen Züchter gefunden der Vertrauenswürdig scheint und auch gerade Welpen hat. Einen Rottweiler, aber generell Hunde, kauft man am besten immer bei einem guten Züchter und niemals übers Internet ohne ihn persönlich gesehen zu haben. Das ist leider hier oft der Fall und Tierheime gibt es fast keine in Ecuador. Das erste Gespräch mit dem Züchter war sehr gut und Michi hat ein gutes Gefühl bei ihm. Mal schauen, ob uns ein Welpe ansprechen wird.

Diese beiden Welpen gehen wir besuchen
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Doktorarbeit

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Die Arbeit lässt nicht nach und das ist auch gut und schön so. Michi hat den Auftrag für den Bau einer Bar aus Bambus zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers erfüllen können.

Die Bar hat Michi mit unserem Auto transportiert und persönlich geliefert

Die Kunden waren überrascht, dass die Bar sogar noch besser aussieht als sie es sich vorgestellt hatten. Auch der Zeitplan wurde eingehalten. Jetzt kann man in der Grand Selva Lodge an der Bambusbar gemütlich ein kühles Bier trinken. Michi war froh, dass er in der Zeit fertig wurde, denn auf ihn wartete schon die nächste Herausforderung.

Die Bambusbar in der Grand Selva Lodge

Es hatte sich eine Doktorandin mit vier Helfern via Selva Viva bei uns angemeldet, weil sie mit den Waldhütern (von Selva Viva) im Schutzwald eine Bestandesaufnahme machen wollten. Die Gruppe hat das Schulhäuschen für sieben Tage bekommen. Wir wurden angefragt, ob wir für sie kochen und sie rumfahren können. Das mussten wir erst mal besprechen und haben dann eine Offerte gemacht, die angenommen wurde. Der Einkauf muss hier im Wald draussen gut geplant werden. Besonders wichtig ist dabei, was wird gegessen oder eben auch nicht. Bestellt wurde das Frühstück am Morgen, ein Lunch für den Mittag im Wald und das Abendessen für fünf Personen. Tatsächlich kamen dann aber sechs Personen. Erstes Problem: ein Bett zu wenig (schnell Platz geschafft und noch eine Matratze von unserem Gästezimmer ins Schulhäuschen gebracht). Zweites Problem: eine Person mehr zum Essen (Michi hat es hingekriegt, ohne dass wir dafür hungern mussten). Als sie dann auch noch für die Waldhüter Lunch bestellen, kam Michi dann doch etwas ins Rudern. Ja, so läuft es halt hier und man muss immer flexibel bleiben. Der nächste Supermarkt ist ja eine Stunde entfernt. Michi stand also eine Woche lang um 4.30 Uhr auf und bereitete Frühstück und Lunch für alle vor. Anschliessend fuhr er sie in den Wald. Joëlle holte sie am Abend um 18.00 Uhr ab, weil Michi da schon wieder am Kochen war, denn um 19.00 Uhr gab es das Abendessen. In den sieben Tagen wurde es uns nicht langweilig. Es ist eine sehr interessante Arbeit, die da entsteht. Ihre Arbeit baut auf den gleichen Untersuchungen auf, die bereits 2006 und 2011 im selben Planquadrat durchgeführt wurden. Wir hoffen, dass wir dann auch einen Einblick in die fertige Arbeit bekommen werden. Denn es soll festgestellt werden, wie sich die Natur im Schutzwald von Selva Viva in den letzten knapp 20 Jahren verändert hat.

Greifstachler knabbert am Zement des Aussichtsturms

Am Samstag der gleichen Woche kam auch noch ein Filmteam vom ecuadorianischen Fernsehen zu Besuch. Auch da haben wir uns als Anlaufstelle vor Ort für Selva Viva angeboten. Einer der Waldhüter hat sie bei uns abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Unsere Nerven wurden jedoch schon etwas strapaziert. Wir haben schon einige Erfahrungen mit Filmteams gemacht, besonders Michi in der Schweiz, aber so was haben wir noch nie erlebt. Sie kamen um 10.00 Uhr morgens an und hatten genau sechs Stunden Zeit in denen sie einen Jaguar, einen Puma und Klammeraffen filmen wollten. Sie konnten nicht verstehen, dass die Tiere nicht einfach so schnell mal vor die Kamera hüpfen. Dem Waldhüter wurde, vereinfacht gesagt, Inkompetenz vorgeworfen, weil er nicht wusste, wo sich diese Tiere im Wald aufhielten. Zuerst glaubten wir es sei ein Scherz, bis wir begriffen, dass sie das mit den Wildkatzen und Affen ernst meinten. Michi schenkte ihnen dann eigenes Filmmaterial von den Wildkameras, so konnten wir sie wenigstens etwas beruhigen. Die Nerven zu behalten hat sich definitiv gelohnt. Sie haben einen gut fünfminütigen Bericht über Selva Viva gemacht, der wirklich schöne Werbung für den Schutzwald ist.

Währen dieser turbulenten Zeit ist ausgerechnet auch noch César ausgefallen. Er hat eine Entzündung im Ellenbogen und darf drei Mal die Woche (während drei Wochen) nach Tena zur Physiotherapie. Die Tage an denen er bei uns ist, kann er aber natürlich auch nur eingeschränkt arbeiten. So ist der Hühnerstall etwas später als geplant fertig geworden. Jetzt müssen die Hühner ihre neue Villa einfach noch akzeptieren. Hühner sind halt auch nur Gewohnheitstiere und man muss ihnen zu ihrem Glück verhelfen.

Die Studentengruppe musste nach sieben Tagen wieder abreisen, denn es standen die Präsidentschaftswahlen an und in Ecuador herrscht so etwas wie ein Wahlzwang. Wer nicht wählen geht bekommt eine Busse. Und seine Stimme kann man nur im Heimatort bzw. dort, wo man sich registriert hat, abgeben. Die diesjährigen Wahlen sind richtungsweisend. Es stehen zwei Arten von Regierungen zur Auswahl. Zum einen eine sozialistische Diktatur wie man sie aus Venezuela oder Kuba kennt oder zum anderen die jetzige Politik des harten Durchgreifens (mano dura) im Kampf gegen die Korruption und den Krieg gegen die Drogenbanden und Kartelle. Das Volk ist gespalten. Im April kommt es zur Stichwahl. Wir persönlich hoffen, dass der jetzige Überganspräsident bleiben wird. Er hat viel erreicht in den letzten 12 Monaten und den Drogenbanden den Krieg erklärt, ohne die Bevölkerung zu sehr mit reinzuziehen. Es würde uns aber wahrscheinlich nicht verwundern, wenn auch er den zweiten Wahlgang nicht erleben würde, denn er ist wirklich vielen auf die Füsse getreten. Am Ende wird es für die Wähler wohl so wie immer sein, sie werden sich wahrscheinlich für die Person, die sie als das kleinere Übel sehen, entscheiden. Wen es interessiert hier geht es zu einem Beitrag der das Thema gut auf den Punkt bringt: https://insightcrime.org/news/organized-crime-agenda-ecuadors-presidential-elections/

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Das Jahr geht zu Ende

Wir sassen mal wieder wegen eines Streiks fest und mussten einmal mehr improvisieren. Als uns die Materialen für die Renovation des Hauses ausgingen, nutzten wir die Zeit um Bäume zu pflanzen. Bei uns hat es endlich begonnen regelmässig zu regnen und die Böden sind auch wieder gut getränkt. Also passte alles und wir konnten in drei Tagen 50 neue Bäume pflanzen. Michi hatte einen wichtigen Zahnarzttermin in Quito und am gleichen Tag erwarteten wir Besuch aus der Schweiz. Da die Strassen aber wegen des Streiks alle blockiert waren, konnte er nicht den normalen Weg fahren und musste einen Umweg von vier Stunden in Kauf nehmen. Er hat deshalb viele neue Strassen und Fähren gefunden, die nirgends verzeichnet sind und die man nur findet, wenn man die jeweiligen Anwohner fragt, wo der schnellste Weg nach Loreto ist.

Auf der Fähre über den Rio Napo

Am Tag darauf, bei der Rückfahrt mit Christine (unsere Besucherin) waren dann bereits die Strassenblockaden verschwunden und man konnte wieder den normalen Weg fahren. Bis sich nach einem Streik in Tena wieder alles normalisiert und alles wieder vorrätig ist, dauert es schon einige Tage. Die Streikenden haben sich, Tena und uns immerhin 14 Tage von der Umwelt abgeschnitten. Ob sie mit dieser Aktion Erfolg hatten, wird sich erst nach den Feiertagen zeigen. Falls nicht, wird der Irrsinn wieder von vorne beginnen. Wir verstehen das Anliegen, welches an den Präsidenten gerichtet ist sehr gut und finden das neue Gefängnis mitten in der Stadt auch idiotisch. Die eigene Stadt aber von der Aussenwelt abzuschneiden ist garantiert nicht der richtige Weg und bringt vor allem viel Unverständnis in der eigenen Bevölkerung.

Auch wir versuchen die Weihnachtstage etwas ruhiger zu gestalten. Leider war die Vorweihnachtszeit überhaupt nicht ruhig. Einmal mehr war es Michi der festgestellt hat, dass man im Schutzwald von Selva Viva aktiv Gold wäscht. Es wurden zwar keine Bagger eingesetzt, aber mit Wasserpumpen wurde das Ufer abgewaschen. Nach Rücksprache mit dem neuen Geschäftsführer von Selva Viva, Lester Espin, stellten wir Fotofallen auf und konnten so innert weniger Tage die Personen identifizieren. Der Geschäftsführer ist dann auch gleich mit den drei Waldhütern und Christine, die ja Präsidentin von Selva Viva ist, zu diesen Personen hin gegangen und hat das Gespräch gesucht. Mal schauen, ob sie nochmal auf den Kameras auftauchen werden, denn davon wissen sie nichts.

ausgewaschene Uferböschung

Nur gerade einen Tag später hat uns unser niederländischer Nachbar angerufen und erzählt, dass er soeben einen Bagger mit einer Waschanlage von seinem Grundstück verscheucht hat. Der Bagger sei im Fluss in unsere Richtung unterwegs.

Bagger mit Waschanlage im Rio Cusano

Da liegt aber noch ein Grundstück des Hotels Casa del Suizo dazwischen. Und genau da hat sie Michi dann auch mit der Drohne gefunden. Joëlle hat sofort die Besitzer vom Casa del Suizo und noch viele Personen mehr informiert. Damit die Kommunikation aller involvierten Personen einfacher wurde und alle auf dem gleichen Stand gebracht werden mussten, eröffnete Joëlle eine WhatsApp Gruppe. Innert weniger Stunden konnte so die Umweltpolizei und das Militär informiert werden und sie warteten nur noch auf den Befehl zum Ausrücken. Der Geschäftsführer von Selva Viva hat es sogar geschafft den Gouverneur der Provinz Napo auf den Plan zu rufen.

Michi schaute mit Hilfe der Drohne immer wieder, wo die Goldwäscher sich gerade befanden und Casa del Suizo ging direkt vor Ort, um nachzuschauen.

Bagger im Rio Cusano und flussaufwärts die Waschanlage

Noch in der gleichen Nacht wurde es den Goldwäschen vermutlich zu gefährlich und sie haben sich aus dem Staub gemacht. Casa del Suizo hat die Verantwortlichen dieser illegalen Goldwaschaktion enttarnt und mit ihnen gesprochen. Das war eine extrem erfolgreiche Aktion, bei der alle am gleichen Strick zogen und dem illegalen Goldwaschen in unserer Region der Kampf angesagt wurde. Es zeigt uns endlich, dass wir doch nicht die einzigen sind die dieses grüne Paradies hier, solange dies noch möglich ist, erhalten wollen. Leider hat sich aber auch einmal mehr gezeigt, dass die vermeintlich gleichgesinnten Projekte dem Umweltschutz doch nicht so nahestehen, aber dafür andere, von denen wir es nicht erwartet hätten, uns tatkräftig beistanden und mithalfen.

Bagger auf der Isla Anaconda geparkt, bis zum Einbruch der Dunkelheit

Für uns neigt sich ein schwieriges Jahr dem Ende zu. Wir mussten viele schwere Entscheidungen treffen, was unser Projekt Finca Don Sigifredo betrifft. Wir erlitten viele Rückschläge und hatten so einige Zweifel. Joëlles Job hat uns aber in finanzieller Hinsicht viel Ruhe gebracht und sichert die Existenz der Finca Don Sigifredo. Die erfolgreiche Aktion gegen die Goldwäscher war ein sehr versöhnlicher Abschluss für uns. Klar ist, wir werden uns selber treu bleiben und uns auch nächstes Jahr wieder für den Umweltschutz stark machen, auch wenn das natürlich nicht allen gefällt.

Sonnenaufgang im Nebel

Nachträglich noch schöne und besinnliche Weihnachten, die ihr alle hoffentlich hattet, und dann vor allem einen guten Start ins neue Jahr.

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Swissness im Regenwald

Als Michael in der Schweiz war hat er eine Kuhschelle im Keller seiner Eltern entdeckt. Gleich kam ihm die Idee, daraus eine Hausklingel zu machen – wir hatten bis jetzt einen grossen Triangel. Leider haben das nicht alle Leute verstanden und mit dem Metallstab überall anders drauf gehauen als auf den Triangel. Britta, die Lehrerin der Sommerschule, hat uns dann die Kuhschelle aus der Schweiz mitgebracht. Michael hatte nämlich keinen Platz mehr in seinem Gepäck. Nun hängt die Schelle am Eingangstor. Wir hatten eine kleinere Diskussion, ob es denn eine Glocke oder Schelle ist. Eine Glocke ist gegossen und hat einen Widerhall im Klang. Eine Schelle wird aus einem Blech geformt und vernietet oder verschweisst. Ob Glocke oder Schelle hat nichts mit der Grösse zu tun, aber es ist natürlich auch umgangssprachlich je nach Region und Dialekt unterschiedlich. Es war ja auch der Schellenursli und nicht der Glockenursli. Michis Vater Hans ahnte 1979, als er das Winterschiessen gewonnen hatte und diese Schelle bekam, noch nichts davon, dass die mal im Regenwald von Ecuador als Hausklingel enden würde. 

Schelle mit eigenem Dach

Michi hatte aber noch was ganz anderes im Gepäck als er aus der Schweiz nach Hause kam. Er brachte 10 Bruteier vom Schweizerhuhn (alte ProSpecieRara Rasse) mit. Ob das legal war, wissen wir nicht – sie wurden aber auch nicht beschlagnahmt. Neun Eier kamen heil im Regenwald an. Walravens, unsere Nachbarn, haben eine Brutmaschine für ihre Geflügelzucht. Sie haben für uns freundlicherweise die Eier bebrütet. Trotz aller Ungläubigkeit von vielen Personen waren sechs Eier befruchtet und vier Küken sind dann auch geschlüpft. Leider ist eines noch am gleichen Tag gestorben. Nun rennen drei kleine Schweizerhühner bei uns im Garten rum. Es sind eine Henne und zwei Hähne. Für den überschüssigen Hahn haben wir schon einen Platz. Wir werden ihn unseren Nachbarn für die Blutauffrischung in der Geflügelzucht geben. 

Sina, Büne und Kuno

Wir haben begonnen eine zweite Lagerhalle für das Trocknen von Bambus zu bauen. Da wir immer mehr Erfahrung haben mit dem Bauen mit Bambus, kamen wir sehr schnell voran. Nach nur zwei Tagen war das Dach schon montiert und wir konnten bereits im Trockenen bzw. im Schatten arbeiten. Auch dieses Mal haben wir einen jungen Mann mitarbeiten lassen. So können wir immer mehr Personen im Bau von Bambus schulen. Bei der Trocknungshalle handelt es sich um eine einfache Bauweise, mit Verstrebungen wird sie gegen den Wind gestützt. Die Regale in der Halle, müssen aber sehr genau gearbeitet werden. Jedes Fach muss über drei Tonnen Bambus tragen können. Sie ist für 180 Stangen Bambus Gigante oder für 300 Stangen Bambus (Guadua) à je 6 Meter konzipiert. Bevor wir sie aber in Betrieb nehmen können, müssen wir noch den Boden zementieren. Das bedeutet Steine schleppen. Da haben wir gerade ein kleines Problem, denn uns fehlen die Steine und sie im Fluss zu holen ist sehr zeit- aber vor allem kostenintensiv. Da wir keine Eile haben zögern wir es noch etwas raus und warten bis die Strasse repariert wird. Da werden wir im gleichen Arbeitsaufwand einige Steine kaufen können, sie werden dann geliefert und mit dem Bagger hingelegt. Das wird hoffentlich in ca. zwei bis vier Wochen der Fall sein.

Als Britta einmal nach ihrer Joggingtour zurück kam fragte sie Michi ob er mit der Zahl 127 was anfangen könne. Es war die Anzahl PET-Flaschen die sie am Strassenrand im Wald von Selva Viva gezählt hatte. Ok dachten wir uns, da muss etwas geschehen. Deshalb organisierten wir einen «Clean Up Day» (Strassenreinigung) mit allen Partnerprojekten von Selva Viva um wieder einen sauberen Wald zu haben. Wir teilten unser Vorhaben der jeweiligen Geschäftsstelle von Selva Viva, amaZOOnico, Liana Loge und der Gemeinschaft 27 de Febrero mit. Die Finca Don Sigifredo übernahm dabei die Koordination von allen Helfern und spendierte die Verpflegung. Am letzten Freitag war es soweit und wir legten los mit dem «Wald putzen». Insgesamt waren 15 Personen gekommen, die nun gemeinsam die 4.5 Kilometer lange Strasse durch den Schutzwald reinigten.

Müllsammeltruppe

Bereits nach drei Stunden hatten wir es geschafft. Es türmten sich am Ende 6 Säcke mit PET-Flaschen, 5 Säcke mit Müll und ein halber Sack mit Metall. Die PET-Flaschen und das Metall geben wir zum Recyceln und der Rest nahm die Mühlabfuhr mit.

Jede Menge Müll wurde eingesammelt

Die Idee war aber auch, dass ein ungezwungener Austausch in lockerer Atmosphäre unter den einzelnen Projekten stattfinden könnte. Das war aber leider nur bedingt möglich. Einige Geschäftsführer haben ihre Abwesenheit entschuldigt und trotzdem Volontäre aus ihrem Projekt geschickt. Andere haben sicherlich in guter Absicht irgendwelche Personen geschickt, die nichts mit den Projekten zu tun haben. Und wieder andere sind gar nicht erst erschienen. So konnte nur bedingt ein Austausch beim Waldspaziergang und dem anschliessenden Essen stattfinden. Das war sehr schade, aber es war trotzdem ein gelungener Tag für die Umwelt. Der neue Geschäftsführer von Selva Viva, Lester Espin, der selbst mithalf hat sich bei allen beteiligten herzlichst für ihre Mithilfe bedankt. Bei allen Helfern kam die Aktion gut an. Wir freuen uns schon jetzt darauf, dieses tolle Event zu wiederholen! Dann werden wir versuchen alle Geschäftsführer zu motivieren, selbst mitzuhelfen. Unser Ziel ist es, beim gemeinsamen Müllsammeln einen lockeren und informellen Austausch zwischen den Partnerprojekten auf Leitungsebene zu schaffen.

Pause beim Waldhüterhaus «Casa Blanca»
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Aktiver Waldschutz

Letzte Woche mussten wir leider unseren lieben Bombi gehen lassen. Er ist am 26. Dezember 2011 zu uns in den amaZOOnico gekommen und hat von da an unser Leben bereichert.

Aufgewachsen ist er mit Navi, einem Tapir, der die ersten vier Monate seine Spielkameradin und beste Freundin war. Bis sie zu gross wurde und in ein eigenes Gehege umzog.

Er reiste mit uns in die Schweiz, wo er den Winter am liebsten mochte. Im Sommer fand er, dass der Garten für ihn völlig ausreichte. Noch besser fand er Wasser, zumindest solange er mit seinen Pfoten Bodenkontakt hatte, denn Schwimmen war nicht so sein Ding. Sinchi und Bombi waren ein unzertrennliches Team.

Bombi liebte es neue Wege zu erkunden, da war ihm kein Aufstieg zu steil. Aber erkunden bedeutete für ihn, nur ein einziges Mal den gleichen Weg zu gehen. Ein zweites Mal ging ja gerade noch, aber warum man ein drittes oder sogar ein viertes Mal den gleichen Weg gehen sollte, verstand er gar nicht. Familie Niebecker, die immer unsere Hunde in den Ferien hütete, kann davon ein Liedchen singen. Er kam auch wieder mit uns nach Ecuador. Die letzte Zeit verbrachte er noch mit dem Bewachen des Hauses und hatte, wen wundert’s, keine Lust mehr in den Wald zu gehen… den kannte er ja schon. Unsere anderen Hunde konnten von ihm Abschied nehmen. Sinchi war etwas verwirrt und hat lange nach seiner Nummer Zwei gesucht. Wir alle vermissen ihn sehr, er wird immer einen Platz in unseren Herzen haben.

Wir sind immer aktiv, um unseren Wald zu schützen. Michi und César laufen regelmässig durch den Wald, um die Wildkameras zu kontrollieren und um Drittpersonen zu zeigen, dass sie hier nichts verloren haben. Auch bei Selva Viva helfen wir mit. Dafür haben wir eine Drohne von AmaSelva – Bündnis Urwaldschutz e.V. bekommen. Als Michael einer seiner Drohnenflüge über Selva Viva machte, entdeckte er eine Goldmine direkt an der Grenze zum Schutzwald. Wir haben einen Zusammenarbeitsvertrag zwischen Finca Don Sigifredo und Selva Viva und sind Genossenschafter der GSR, aber nicht nur deshalb meldete er seine schreckliche Entdeckung umgehend dem Vorstand von Selva Viva. Es wurde eine Dringlichkeitssitzung einberufen mit verschiedenen Vertretern, unter anderem war auch ein Umweltanwalt dabei. Michi machte dafür nochmals aktuelle Aufnahmen. Mit Schrecken stellten wir fest, dass die Mine innert kurzer Zeit sehr schnell gewachsen ist. Noch am gleichen Abend bekam Joëlle einen Anruf vom Minen Betreiber. Michi war nach einem kurzen Schreckmoment so geistesgegenwärtig, dass er das Gespräch aufgezeichnet hat. Der Mann drohte nicht uns persönlich, da Joëlle ihm erklärte, dass wir im Auftrag von Selva Viva handelten. Er drohte aber Selva Viva mit dem Abholzen von einigen Hektaren Wald sollte er nicht in Ruhe weiter Goldwaschen können. An der Sitzung war man sich einig, dass man dringend etwas unternehmen muss. Es wurde ein Mandat an den Anwalt vergeben. Leider hat sind im Nachhinein herausgestellt, dass nicht alle Personen, die an der Sitzung dabei waren, ganz ehrlich gewesen sind. So stehen nun einer raschen Bearbeitung leider einige Hindernisse im Weg. Der Vorstand von Selva Viva und der Anwalt gehen aber weiter gegen die illegale Goldmine vor. Das ist auch gut so, denn Michi hat bereits wieder neue Fotos gemacht und die zeigen, wie rasant die Mine wächst und wie immer mehr Wald zerstört und der Fluss Rio Rodriguez verschmutz wird.

Starke Vermutzung des Wasser

Der Anwalt sieht gute Chancen, dass dem Treiben ein Ende gemacht wird, da die Regierung seit kurzem vermehrt und viel aggressiver gegen illegale Mienen vorgeht. Früher wurde, wenn überhaupt, die Gerätschaft beschlagnahmt. Heute wird sie vor Ort zerstört, das ist bedeutend billiger und effektiver. Vor einigen Tagen wurde in der Region Tena eine Mine samt Gerätschaften zerstört. Mit dem vor Ort beschlagnahmten Diesel wurden kurzerhand die Bagger und Waschanlagen in Brand gesetzt, oder sogar mit dem vorgefundenen Dynamit gesprengt. Dies belegen Bilder und Videos der Armee. So wurden in den letzten Wochen mehrere kleine und grosse Goldminen in der Amazonía zerstört, wir hoffen auf das Gleiche für die Bedrohung direkt vor unserer Haustür.

Aufnahme vom 23. August 2023
Aufnahme vom 12. September 2023
Aufnahme vom 29. September 2023

Bei uns ist auch sonst noch einiges los wir sind immer noch damit beschäftigt unser Bambuslager zu füllen. Die Trockenzeit ist sehr gut, um schnell Bambus zu trocknen und so unser Lager aufzufüllen. Michi nutz die Zeit auch um Möbel und sonstiges aus Bambus zu bauen. Die Verarbeitung wird immer sauberer und genauer. Das Bambusbett ist sein letztes Werk, das ebenfalls ohne Metall gebaut wurde.

Gecko aus einer Bambuswurzel mit Kokosnusskopf

Joëlle hat einen Nebenjob angenommen, um so unser Leben finanziell zu unterstützen. Sie redigiert Dokumente für eine Schweizer Firma. Das kann sie gut in Ecuador machen, dafür muss sie nicht in der Schweiz sein.

Leider haben wir einen grossen Rückschlag in unserer Vanilleplantage erlebt. Bei einer Nacht- und Nebelaktion wurden unsere Vanillepflanzen allesamt gestohlen, über 100 Pflanzen! Wir hatten ja die Idee, die Plantage in die bestehende Kuhweide am Waldrand zu integrieren. Das ist aber nicht direkt bei unserem Haus und das wurde uns zum Verhängnis da wir sie dort nicht unter Kontrolle hatten. 60 cm Vanillepflanze kostet rund 2 Dollar. Das ist viel Geld bei über 100 Pflanzen von insgesamt über 300 Metern. Das verlorene Geld ist das eine Übel, schlimmer sind die fast drei Jahre Arbeit die jetzt kurz vor der ersten Blühte weg sind, es ist alles vorbei. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und sind schon auf der Suche nach einem sichereren Standort für die neue Plantage.