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Sommerschule 2025

Gastbeitrag von Britta Scheunemann

Zum dritten Mal durfte ich nun schon die Sommerschule in Puerto Barantilla im Schulhäuschen auf der Finca Don Sigifredo durchführen – es ist ein bisschen wie Heimkommen und es ist schön zu wissen, dass auf die Sommerschule gewartet wird: Joëlle und Michi sind schon Monate vorher danach gefragt worden.

Rund 26 Kinder konnten wir in diesem Jahr erreichen – das sind ein paar weniger als im vergangenen Jahr. Über die Gründe dafür lässt sich nur spekulieren: Ist die Information möglicherweise nicht an alle gelangt? Es scheint Animositäten zwischen einigen Familien zu geben und auch die Kinder mussten zum Teil erst lernen, sich alle gegenseitig zu respektieren. Ich habe vorgängig versucht über alle möglichen Whatsappkontakte und natürlich über Joëlle und Michi die Information zu streuen, aber ich vermisse doch einige Kinder der letzten Jahre, insbesondere aus dem Colegio und Bachillerato. Und auffällig ist auch, wie wenig Mädchen aus den höheren Grados anwesend sind.

Dafür entwickelt sich das Ganze in diesem Jahr weitaus mehr zu einem Sommercamp, was ja ursprünglich meine Idee gewesen ist: Die Kinder und Jugendlichen kommen an mehreren Tagen, die in etwa ihrem Niveau entsprechen, oft auch ohne an einer fixen Einteilung an dem Grado (Schulstufe), in dem sie sich befinden, festzuhalten. Für die Eltern sind damit natürlich auch Betreuung und Verpflegung gesichert, aber als positiver Effekt sind deutliche Lernfortschritte bei denjenigen zu bemerken, die mehrmals in der Woche kommen. Mit zwei fortgeschritteneren Gruppen konnten wir im Englisch richtig vorwärtskommen und auch einige Mathedefizite aufarbeiten….wobei wir natürlich weit entfernt sind von dem, was wir aus unserem Schweizer Schulsystem kennen und erwarten. Nachsprechen und Auswendiglernen sind nach wie vor in allen Grados verbreitet und ich musste selbst die Arbeitsweise der Lückentexte wieder einmal erklären. Viele Kinder warten einfach darauf, dass ihnen die Lösung vorgesagt wird oder sie abschreiben können und es braucht nach wie vor viel Geduld und viele ganz kleine Spielchen, um sie an das Arbeiten zu zweit oder in Kleingruppen heranzuführen. Und leider gibt es immer noch einige Kinder, die weder lesen noch schreiben oder rechnen können.

Unsere Tage sind immer sehr strukturiert, das hilft den Kindern, sich zu orientieren. Ich danke immer noch den KollegInnen, die «Today’s Program» eingeführt haben, das wir jeden Morgen nach dem Begrüssungslied laut vorlesen.

Highlight sind jeden Tag die Essenzubereitungen (Haferbrei mit Obst und Mittagessen), aber auch Basteln und Experimente kommen gut an. Dazu später noch mehr.

Beim Essen gilt es immer noch zu warten, bis alle etwas auf dem Teller haben und gemeinsam zu beginnen. Neu in diesem Jahr habe ich eingeführt, dass wir auch warten, bis alle aufgegessen haben, dann die Teller durchreichen, stapeln und erst danach aufstehen. Ansonsten sprang jede und jeder auf, wenn er oder sie fertig war, trug seinen Teller in die Küche, um ihn mit viel Überschwemmung abzuwaschen und liess alle anderen am Tisch sitzen. Wir haben in diesem Jahr sogar regelmässig mit Servietten gedeckt und einen Dessertlöffel zu platzieren gelernt. Meine Schwiegermutter sagt zu ihm immer «kleiner Prophet» und so nennen wir ihn auch hier «profeta».

Natürlich haben wir nicht nur Englisch, Mathe und Lengua (Spanisch) gemacht, sondern auch diverse Dinge gebastelt und produziert; Anhänger, Seifen, Blumen aus Krepp und einiges mehr.  Niederschwellige physikalische Experimente mit den Grados des Colegio sorgen immer wieder für Erstaunen und mit der recht kleinen, aber neugierigen Freitagsgruppe habe ich sogar eine Einheit zu Mikroplastik durchführen können. Dafür mussten sie Sand mitbringen, den wir trocken, im Wasser und in Salzwasser unter einer Lupe angeschaut haben und so das Mikroplastik erkennen konnten. Dazu galt es, die Ergebnisse und Erkenntnisse auf einem Bogen zusammenzufassen und Evaluationfragen zu beantworten. Das Müllproblem ist ja nach wie vor recht erheblich und wir sammeln jeden Tag vom Bootsanleger bis zur Bushaltestelle rund einen kleinen Sack Müll auf – an der Sensibilisierung beissen sich ja schon seit Jahrzehnten die Unterrichtenden die Zähne  aus. Ausserdem habe ich die Grösseren Wasserproben mitbringen lassen, um einen Schnelltest auf Quecksilber zu machen. Zwar habe ich in den letzten Wochen keine Dragas gesehen und der Fluss führt sehr viel Wasser aufgrund der grossen Regenmengen, aber generell ist die Situation natürlich beunruhigend.  Und so haben wir uns dann an einem Freitag mit dem Thema «Mercurio» (d.i. Quecksilber auf Spanisch beschäftigt).

Mit einer ersten Ideensammlung ging es los, dann durfte im Internet nach Informationen gesucht werden (mit welchen Schlagwörtern muss man suchen, um Infos zu bekommen und was bedeutet eigentlich IA?) und dann haben wir uns noch einen eindrucksvollen Film zur Verseuchung des Rio Napo aufgrund der illegalen Goldwäscherei angeschaut. Und schliesslich haben wir die sehr groben Teststreifen in die Wasserproben hineingehalten und Farbvergleiche gemacht. Dabei stellten sich mindestens zwei Proben als eindeutig auffällig heraus. Ich werde nun Wasserproben mit in die Schweiz nehmen und dort in ein Labor geben und auf Schwermetalle untersuchen lassen. Die Lust aufs Baden oder auf Fisch ist mir aber erst einmal leicht vergangen.

Die Zeit ist wieder einmal rasend schnell vergangen und es gäbe noch viel mehr zu berichten, was diesen Blog vermutlich sprengen würde. Daher nur kurz zwei meiner schönsten Momente:

Der eine ist dieses unscheinbare Bild, aber die Situation dahinter hat mein Lehrerinnenherz höher schlagen lassen.

Wir hatten 10 Minuten Pause nach anstrengenden Matheübungen, die mit individuellen Aufgaben in einer Lernapp beendet wurden. Der junge Mann ganz rechts war so fasziniert von der schriftlichen Subtraktion, dass ihm die Pause egal war und er weitergearbeitet hat, der Junge in der Mitte hatte entdeckt, dass es in der App auch Aufgaben zur Geschichte gab und hat sich vollkommen fasziniert die Geschichte der Steinzeit angehört und Aufgaben gemacht und der Junge ganz hinten auf dem Boden hat mit seiner Schwester in der Pause ein Lernspiel (Wörter finden) gespielt. Einzig der Junge mit dem orangenen T-Shirt hat die Pause eingesetzt, um am Ipad zu spielen (dazu können die mit der Lernapp erworbenen Punkte eingesetzt werden und die 10 Minuten sind das einzige Zeitfenster am Tag, dies zu tun). Es war ein Montessorimoment !

Und der andere schöne Moment: Mehrere Mädchen stehen um mich herum und sagen «Maestra, te amamos».

Zum Abschluss haben die Kinder, die regelmässig da waren (teilweise bis zu 10 Mal) stolz ihre Teilnahmediplome erhalten und ihre Zahnbürsten sowie diverse Vorratsreste mit nach Hause genommen. Die Fertigrösti, die ich aus der Schweiz mitgebracht hatte, waren dabei besonders begehrt. Ihre Unterrichtsmappen haben sie «hasta el próximo año» im Schulhäuschen gelassen – wie könnten wir da die Sommerschule nicht weiterführen?!

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Edelholz und Internet

Wie wir schon in einem früheren Beitrag berichteten, fanden wir verschiedene Stämme von Edelhölzern am Fluss. Nach dem Ansteigen des Flusses hat der Rio Arajuno einen neuen Schatz preisgegeben. Eigentlich hat Michi Holz für Pfosten zum Reparieren der Weidezäune gesucht. Er gab César den Auftrag diesen freigeschwemmten Stamm zu Pfosten zu schneiden. Als César mit der Kettensäge losschnitt wurde ihm schnell klar, dass dieses Holz für Pfosten zu kostbar ist. Es handelte sich um Mindal (leider haben wir bis jetzt weder den deutschen, englischen oder lateinischen Namen herausgefunden). Das ist einer der seltensten Bäume die es im Regenwald von Ecuador gibt. Wenn man das Holz schneidet ist es leuchtend Pink. Dieses Holz ist so selten, dass auch Widison (er ist 19 Jahre alt) es noch nie in seinem Leben gesehen hat. César schnitt für uns den Stamm so zu, dass wir nun Bretter verschiedenster Art haben. Damit fertigen wir Möbel für unseren eigenen Bedarf an. Dies ist nicht ganz legal, da es sich dabei ja um sehr stark geschütztes Holz handelt. Aber der Baum wurde ja bedauerlicherweise bereits gefällt und wir haben den Stamm im Fluss gefunden wo er vermutlich die letzten zwanzig Jahre gelegen hatte. Es wär zu schade dieses Holz kaputt gehen zu lassen. Wenn das Holz trocknet verliert es diese wunderschöne leuchtende Farbe und wird braun. Michi experimentiert deshalb mit verschiedenen Techniken um die Farbe zu konservieren und diesen pinken Farbton zu erhalten. Er holt sich deshalb immer wieder Rat beim Farb- und Lackspezialisten in der Schweiz, DANKE Jürg!

Unser Engagement im Waldschutz beansprucht uns Zurzeit sehr. Wie bereits mehrmals erwähnt ist leider der Holzdiebstahl allgegenwärtig. Im Moment haben wir zwei Fälle in Selva Viva. Bei unseren Nachbarn und auch bei uns auf der Plantage wurden ebenfalls Palmen gefällt. Da Joëlle für Selva Viva arbeitet ist sie Zurzeit stark eingebunden betreffend des Vorgehens und der Anzeigen gegen die Diebstähle in Selva Viva. Leider machen wir uns damit nicht nur Freunde und unsere eigenen Arbeiten hinken deshalb auch hinterher.

Widison arbeitet ab und zu auch bei uns. Anfang des neuen Studienjahres wurde er nicht für das dritte Jahr zugelassen. Es hiess, dass er mit der Materie zu weit hinter den Anderen her hinkt. Dies war deshalb so, weil ab März kein Unterricht mehr stattfand und er keinen Zugang zum Internet hatte. Vor einigen Wochen hiess es plötzlich, falls er den Stoff nachholt und eine Prüfung ablegt würde er dann doch zugelassen werden. Er fragte uns ob es möglich sei nur morgens zu arbeiten um nachmittags den verpassten Stoff nachzuholen. Wir dachten an seine Zukunft und baten ihn vorläufig gar nicht mehr zu arbeiten. Doch das wollte er auf keinen Fall, da er ja mit seinem Einkommen auch einen Beitrag zur Unterstützung seiner Familie leistet. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass er das (momentan) unbenutzte Schulhäusschen hier auf Chrigis und Sigis Grundstück nutzen darf. Er hat die Zulassungsprüfung geschafft. Jetzt darf er am Nachmittag dem Online-Unterricht folgen. Aber wie gesagt, seine Familie hat kein Internet. Deshalb stellen wir ihm unseren Internetzugang gratis zur Verfügung. Die Verbindung ist leider sehr, sehr langsam. Wer schon mal mit uns per Whatsapp telefonierte weiss das leider allzu genau. Aber eine langsame Leitung ist immer noch besser als gar kein Unterricht. Wir freuen uns sehr, dass wir so Widison unterstützen können und dass er diese Chance nutzt.
Bis jetzt gibt es zwar bis zu einem gewissen Punkt auf der Insel Anaconda ein Internetkabel das von den Hotels und vom amaZOOnico genutzt wird. Doch das ist mehr als ein Kilometer von uns entfernt. Wenn wir das Kabel bis auf unser Grundstück ziehen lassen wollten, würde uns das ca. 3000 US-Dollar kosten. Da wir wegen Corona bisher schon viele unvorhergesehene Ausgaben hatten ist dieser Budgetpunkt für dieses Jahr bereits ausgeschöpft. Wir können uns im Moment solche Zusatzkosten nicht leisten weil sonst dringlichere Arbeiten wie z. B. der Aufbau der Plantage nicht realisiert werden kann.

Widison beim Lernen im Schulhäusschen