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Die schönen Seiten des Waldes und seine traurige Realität

Michael hat vor über vier Jahren einen alten Mahagonistamm am Ufer gefunden und ihn mit sieben Personen vors Haus geschleppt. Dort hat er den Baum so zusammengestellt, dass er gut stand. Dann haben wir begonnen, ihn mit Bromelien, Orchideen, Baumkakteen und Farnen zu bepflanzen. Wann immer Michael in den Wald ging und eine heruntergefallene Pflanze fand, hat er sie mitgebracht und auf dem Stamm angesiedelt. Nun ist der Unterbau der Witterung zum Opfer gefallen und das Ganze ist zusammengestürzt. Michael hatte natürlich gleich wieder eine neue Idee für einen Unterbau, der nicht so schnell der Witterung nachgibt. César und er bauten aus Altglas, Metallresten und Zement einen stabilen Unterbau, auf den wir die bewachsenen Stämme auch gleich wieder hinstellen konnten.

Einige Pflanzen haben den Sturz leider nicht überlebt. Aber Michael wird sicher wieder einige im Wald finden und sie so ersetzen können. Die ersten Echsen sind auch schon zurück und die Frösche werden sicher auch bald zurückkehren.

Unterbau abgeschlossen

Es gibt zwei Arten von Pekaris in Ecuador, das Halsbandpekari und das Weissbartpekari. Sie gehören zu der Familie der Neuweltschweine, Nabelschweine oder eben Pekari. Sie haben Ähnlichkeiten mit den Wildschweinen in Europa, haben aber anatomisch ganz viele Unterschiede. Das Auffälligste ist, dass die Pekaris nur Zwillingsgeburten haben. Altweltschweine hingegen bekommen bis zu 12 Junge. Die Halsbandpekaris leben in Gruppen von bis zu 20 Tieren und sind immer in unserem Wald anzutreffen. Auch auf den Aufnahmen unserer Fotofallen sind sie sehr häufig zu sehen.

Aufnahme Halsbandpekaris

Sie sind aber sehr scheu und darum kann man sie tatsächlich selten im Wald antreffen. Zu ihrer Nahrung zählt fast alles, von Jungpflanzen über Knollen, Früchte, Nüsse bis hin zu kleinen Säugetieren. Sie fressen also fast alles und darum sind sie auch ortstreu. Das Weissbartpekari lebt in Rotten von über 200 Tieren. Auch sie sind Allesfresser, bevorzugen aber vor allem Palmnüsse und Samen. Aus diesem Grund haben sie ein über 100 Quadratkilometer grosses Revier, das sie immer im gleichen Turnus durchwandern. So finden sie immer frische Nüsse. Leider wird ihnen genau dieser Rhythmus zum Verhängnis. Wilderer wissen genau, wann und in etwa wo die Tiere durchkommen. Durch unseren Wald und den von Selva Viva kommen sie immer Mitte September; so auch dieses Jahr wieder. Die Wilderer hielten auch schon nach ihnen Ausschau und als die Tiere dann da waren, wurden leider wieder viele geschossen. Wir haben auf unseren Fotofallen sechs verschiedene Wilderer und sogar eine Aufnahme, auf der ein erlegtes Tier weggetragen wird.

Wilderer mit getötetem Weissbartpakari in unserem Wald

Es sind wie immer die gleichen leidigen Familien, die glauben, dass es ihr gutes Recht sei, auf Privatgrund im geschützten Wald zu jagen. Die Weissbartpekaris stehen leider in Anhang II der CITES-Liste der gefährdeten Tiere. Solange nicht alle lokalen Organisationen gemeinsam gegen die Wilderei vorgehen und wir auch die Polizei nicht bewegen können, gegen die Wilderer vorzugehen, werden wir vermutlich bald keine Pekaris mehr haben.

Ufer mit Schwemmholz am Rio Napo

Die Trockenzeit hält wieder einmal Einzug und der Super-El-Niño trocknet alles noch mehr aus. Die Flusspegel sind auf einem Rekordtiefstand. Wir haben es uns dennoch nicht nehmen lassen und eine Kanufahrt gemacht, um neues Schwemmholz für Michael zu suchen. Wir wurden auch fündig und haben einen riesigen «Palo de Hacha» (Axtstielbaum) gefunden. Das Holz dieses Baums ist sehr hart und sehr dekorativ, z. B. als Säulen beim Hausbau. César, der auch unser Kanufahrer war, hat mit Michael einige Stücke herausgeschnitten.

César schneidet Teile des gefundenen Stamms

Leider konnten wir den ganzen Stamm nicht mitnehmen, da der Wasserstand viel zu niedrig ist und wir dafür auch viel zu wenig Leute waren. Michael möchte ihn später holen gehen, wenn der Fluss wieder Normalpegel erreicht und man ihn mit zwei Kanus abschleppen kann. Mal schauen, ob wir es schaffen werden, denn der Baumstamm ist gute 15 Meter lang.

Michael, Joëlle und César im Kanu
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Orchideen, Bromelien und mehr

Wenn man bei uns durch den Wald geht, sieht man sehr selten Blumen. Die meisten Bäume blühen in der Baumkrone, es gibt nur wenige Stammblütler im Regenwald. Die meisten Orchideen, Bromelien, Baumfarne, Baumkakteen usw. sind nicht sichtbar, da sie ganz oben in den Ästen sitzen. Dort oben entsteht immer eine ganz eigene Welt. Man bekommt sie nur zu Gesicht, wenn ein Urwaldriese unter der Last seiner Parasiten/Aufsitzer zusammenbricht. Wann immer Michi durch den Wald geht und so einen abgebrochenen Ast findet, schaut er genauer hin. Er hat begonnen die einzelnen Pflanzen zu sammeln und bringt sie mit nach Hause.

Wir haben einen Schwemmholzstamm, Mahagoni der von Michi am Fluss gefunden wurde, in den Garten gestellt. Michi bindet dort alle gesammelten Pflanzen auf und schafft so eine eigene, sichtbare Mikrowelt.

Mittlerweile ist der Stamm von unzähligen verschieden Aufsitzerpflanzen bewachsen, so dass sich auch verschiedene Tiere darin niedergelassen haben. Wir entdeckten zwei Froscharten, die in den Bromelien ein Zuhause gefunden haben. Die vielen Insekten ziehen natürlich auch Reptilien an. So haben wir bereits Anolis und auch Geckos gesichtet. Wir staunen jeden Tag aufs Neue, was da alles blüht und lebt.

Die Samenzeit ist in vollem Gange. Michi sammelt natürlich nicht nur Orchideen, nein wann immer er oder César im Wald unterwegs sind, halten sie ausschau nach Samen von Bäumen. Wir bekommen auch viele Samen von den Waldhütern von Selva Viva, denen es ebenfalls ein grosses Anliegen ist, die Artenvielfalt zu erhalten. Es gibt sehr viele verschiedene Baumarten im Regenwald die wir natürlich nicht alle nachziehen können oder wollen. Wir haben uns spezialisiert auf Edelhölzer aber auch auf wichtige Frucht- und Nussbäume. Die Samen von einigen Baumarten kennen die Waldhüter nicht und im Internet findet man auch nichts darüber. Wir kennen aber die Standorte von Mutterpflanzen, wo immer Jungpflanzen wachsen. Die holen wir dort, um sie bei uns gross zu ziehen und sie dann an anderen Standorten wieder auszupflanzen.

Samenbeet

Unsere Samenbeete sind fast voll und sehr viele haben bereits angefangen zu keimen. Zum Glück kommt bald Roland, der Neue Volontär, um Michi zu helfen. So viele Pflanzen einzutopfen dauert seine Zeit, und wir haben ja bekanntlich auch noch die eine oder andere Arbeit.

In rund drei Wochen wird bei uns die Kakaoernte beginnen, aber das ist noch etwas vom Wetter abhängig. Wir haben die Plantage gereinigt und die Jungtriebe rausgeschnitten und sind nun bereit. Die einzelnen Pflanzen tragen gut Früchte und blühen immer noch. Nach dem Ausfall von 75 Prozent der Ernte in Afrika sind die Preise für Kakaobohnen in die Höhe geschnellt. Sie haben sich verdoppelt, je nach Qualität sogar verdreifacht. Erstaunlicherweise wird hier der höhere Wert des Rohkakaos grösstenteils an die Produzenten weitergegeben. Leider sind nicht alle Einkäufer so grosszügig. Erstaunlich ist, dass auch der Preis für den schlechten Kakao, der nur für die einheimische Produktion verwendet wird, in die Höhe geschnellt ist. Dies wäre der Moment gewesen um an der Qualität arbeiten zu können. Der hohe Preis der Bohnen verleitet aber leider auch dazu, sich heimlich auf fremden Plantagen zu bedienen. Wir haben Vorsichtsmassnahmen getroffen und versteckte Kameras aufgestellt, so dass wir allfällige Diebe identifizieren können. Sowas wie letztes Jahr wollen wir nicht nochmals erleben.

unsere glücklichen Kühe beim Wiederkäuen

Im Gegensatz zu Kakao sind die Preise für Rindfleisch nicht gestiegen und verharren auf einem niedrigen Stand wie vor zehn Jahren. Das wird leider künstlich so gehalten um den Import von Billigfleisch aus Uruguay zu verhindern. Die Regierung sollte sich schnellstens eine andere Lösung suchen, sonst wird vielleicht bald kein Rindfleisch mehr produziert. Die Löhne sind auch dieses Jahr wieder um fünf Prozent angehoben worden und werden nächstes Jahr erneut um fünf Prozent steigen. Damit erreicht der Staat das Ziel einer zwanzigprozentigen Erhöhung des Mindestlohns. Auch wir haben unsere Kuhherde stark reduziert. Wir brauchen nun weniger Weidefläche und können so Löhne für die Reinigung und den Unterhalt der Weiden sparen. Die aufgegebene Fläche forsten wir auf oder wir strukturieren sie neu, so dass neue Lebensräume in den Weiden entstehen. Was unser Fleisch anbelangt sind wir Selbstversorger. Wir produzieren in etwa so viel, wie wir und unsere Mitarbeiter pro Jahr bei uns essen. Weil wir nicht so grosse Kühltruhen besitzen und das mit dem Strom so eine Sache ist, verkaufen wir unsere Tiere immer dem gleichen, lokalen Metzger. Da er auf Qualität setzt und diese immer persönlich kontrolliert, kaufen wir unser Fleisch welches wir das Jahr über konsumieren, bei ihm ein.

die nächste Generation