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Aktuelle Entwicklungen, Wildtiere und Strassenbau

Die letzten Monate waren von der Bambusernte und dem illegalen Goldwaschen sehr geprägt. Wir haben mit dieser Mondphase die letzten Bambusstangen für den Grossauftrag geerntet und im Becken zur Behandlung eingelegt. Ende Juli werden wir die letzten Stangen und Matten ausliefen. Dann können wir unser Lager wieder füllen und uns um Kleinanfragen kümmern; aber vor allem können wir uns auch wieder anderen Dingen widmen, die leider etwas zu kurz gekommen sind. Die letzte Zeit hat bei uns Spuren hinterlassen, ganz besonders das Goldwaschen mit den Problemen drum herum.

Leider gibt es einige Personen, denen es gar nicht recht ist, wenn wir die Wahrheit sagen oder, wie hier, in unserem privaten Blog schreiben. Denen sei Folgendes gesagt: Wenn ihr die Wahrheit nicht ertragen könnt, lest einfach unseren Blog nicht! Denn alles, was wir sagen oder schreiben, können wir belegen. Wer das Material einsehen möchte, darf das gerne tun – wir stellen es zur Verfügung. Wir haben von einem Freund ein Zitat zu diesem Thema erhalten, welches zu unserer Aufheiterung gedacht war. Es trifft tatsächlich den Nagel auf den Kopf:

«Ich habe nicht schlecht über dich geredet. Ich habe nur erzählt, was passiert ist. Wenn dich das schlecht dastehen lässt, liegt das nicht an mir.»

Entschuldigung an alle die das nicht betrifft, aber es musste jetzt mal raus.

Die Regenzeit geht dem Ende zu und die Niederschlagsmengen werden langsam weniger und sind nicht mehr so intensiv. Das lässt auch wieder vermehrt längere trockene Waldspaziergänge zu. Als Michi letzte Woche die Wildkameras kontrollieren ging haben wir mit Freude festgestellt, dass wir wieder vermehrt Jaguare auf unserem Land haben. Die letzten Jahre waren sie nur jeweils ca. einen Monat lang bei uns. Jetzt sieht es so aus, als dass ein Jaguar unser Land zu seinem Kernrevier gemacht hat, da er regelmässig, jeden Monat, von den Wildkameras aufgenommen wurde.

Jaguar

Wir haben mehrere Kameras an wichtigen Wegpunkten und Tierpfaden auf unserem Land platziert. So haben wir einen guten Überblick, wer wann und wo durch unsere Grundstücke läuft. Seit der Jaguar vermehrt da ist, ging der Bestand von Hirschen, Pekaris (so eine Art Wildschweine) und Pakas (sowas wie grosse und nachtaktive Meerschweinchen) zurück. Erstaunlicherweise hat es jetzt viel mehr Bodenvögel wie z. B. Tinamus, Tauben, Wildhühner und Hokkos. Die wiederum ziehen Jaguarundis (Wieselkatze) und Ozelote an. Auch ein Margay (Baumozelot) ist uns zum ersten Mal vor die Linse gelaufen. Es freut uns sehr, dass der Wald bei uns wieder so eine Dynamik bekommt. Das sicherlich auch, weil wir die Wilderei verbannt haben und sie nicht zulassen. Seit der Anzeige gegen den Wilderer, wegen des Diebstahls der Wildkameras, haben wir keine Jäger mehr auf den Fotos.

Hokko

Seit Jahren wird davon gesprochen, dass man die Strasse, die bei uns vorbeiführt, verbreitern und asphaltieren wird. Wir haben bereits einige Male darüber berichtet. Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob es gemacht werden wird. Vor einiger Zeit hat Michael Personen gesehen, die auf einigen Bäumen Nummern angebracht haben. Als sie das auch auf unserem Land taten, fragte er sie was und warum sie es tun. Sie meinten das gehöre zur Studie für die Stassenverbreiterung. Sie markierten alle Bäume, die gefällt werden müssen. Die Bäume werden gezählt und auch katalogisiert, um festzustellen ob es wertvolles Holz ist oder nicht. Bei uns werden mehr als 50 Bäume gefällt werden. Die Strasse durch Selva Viva ist um vieles länger, dort sollen sogar mehr als 350 Bäume gefällt werden. Der Witz am Ganzen ist, das sind nur die Bäume die innerhalb der Verbreiterung stehen. Die Bäume, die gefällt werden müssen um eine Brücke oder Stützmauer zu bauen, sind da nicht mit einbezogen. Bei den hiesigen topographischen Verhältnissen sind das aber leider sehr viele mehr. Ja, den Fortschritt kann man nicht aufhalten und sicherlich darf man ihn niemandem verwehren. Wir werden bestimmt noch einige Male darüber berichten, denn das Ganze ist sicherlich nicht in einer Woche gebaut.

Baum Nr. 188 auf unserem Grundstück
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Erfahrungsbericht von Louis Müller

Nach vier Jahren war es endlich wieder so weit: Südamerika und Regenwald! Im Rahmen meines Studiums an der ZHAW habe ich die Möglichkeit, für mindestens 12 Wochen ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Nach langer Suche wurde ich auf das Projekt einer Modellfarm im ecuadorianischen Regenwald aufmerksam gemacht: die Finca Don Sigifredo (FS). Da ich auf früheren Reisen bereits im Amazonasgebiet unterwegs war und diese Region zu lieben gelernt habe, war es für mich schnell klar. Da will ich hin.

Da ich früher bereits einige Wochen im Regenwald gearbeitet habe, hätte man meinen können, dass ich mir den hiesigen klimatischen Bedingungen bewusst wäre. Nach einem von der Sonne verbrannten Nacken und den ersten Arbeitstagen, an welchen ich vor Erschöpfung teilweise bereits vor dem Nachtessen eingeschlafen bin, wurde mir schnell bewusst, dass ich wohl doch ein bisschen Angewöhnungszeit brauchen würde und nicht jede Minute 110 Prozent geben könnte. Das war aber überhaupt kein Problem und es war seitens der Besitzer der FS Joëlle und Michael viel Verständnis vorhanden. Generell wurde ich sehr herzlich auf der Finca aufgenommen und bei allem unterstützt. Obwohl die beiden genug Arbeit haben, nehmen sie sich immer Zeit für mich, egal, ob ich schon die 20. Frage am Tag stelle oder sonst ein Anliegen habe. Auch bei den verschiedenen Arbeiten, bei welchen ich als Volontär mithelfe, wird mir immer genau erklärt, was zu tun ist. Aufgrund ihres grossen Fachwissens in verschiedenen Bereichen wie beispielsweise der Verarbeitung von Bambus oder dem Verhalten von (Wild)tieren, kann ich viel von ihnen lernen.

Bereits in der ersten Arbeitswoche lernte ich mehrere Personen kennen. Dazu gehören der langjährige Angestellte César und seine Frau Hilda, seine Söhne Widinson und John, sowie weitere Verwandte und Bekannte. César und seine Familie leben in der Nähe der FS, auf der Isla Anaconda zwischen dem Rio Arajuno und dem Rio Napo. Sie gehören zu der einheimischen Kichwa-Gemeinschaft, welche eine eigene Sprache und eine eigene Kultur haben. Ich durfte sie bereits zweimal bei ihnen zuhause besuchen und hatte somit die Möglichkeit, ihre Kultur und Gastfreundlichkeit näher kennenzulernen. Zusammen mit César habe ich auch während dem Arbeiten viele interessante Gespräche über Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Kulturen, Heimatländer, Wildtiere, Fussballmannschaften, Biersorten usw.

Nebst den vielen neuen Persönlichkeiten lernte ich auch die Hunde Floh, Hector, Yuma und Sinchi kennen. Anfangs hatte ich noch ein bisschen Angst vor den Tieren, da sie beim Betreten des Grundstücks bellend auf einen zu rennen. Mir wurde aber schnell bewusst, dass sie nur ihren Job als Wachhunde ausüben und ansonsten sehr liebevoll sind und jede Streicheleinheit noch so gerne annehmen.

Die letzten 6 Wochen waren sehr lehrreich. So wurde ich z.B. mit den verschiedenen Prozessschritten der nachhaltigen Ressource und Baumaterial Bambus vertraut gemacht. Ich habe gelernt, wie Bambusstangen immunisiert resp. von den unzählbaren Insekten geschützt und gelagert werden, wie eine einheitlichen Faserfarbe erreicht wird, wie der Bambus in der Plantage gepflegt wird und last but not least: Wie damit etwas gebaut werden kann, beispielsweise eine Garage.
Während den morgendlichen Spazierwanderungen zu den Kühen (manchmal 20 Minuten, manchmal 1 bis 2 Stunden) und einigen längeren Urwaldrundgängen konnte ich bereits viel über die vorhandene Flora und Fauna und deren Dynamik lernen. Das Schöne, wenn man vor Ort ist: Man kann nicht nur Theoretisches lernen, sondern auch Praktisches sehen. Sichtungen von Wildtieren wie z.B. den Baumsteigerfrosch Rana venenosa ecuatoriana oder zahlreiche Spinnen sind für mich immer wieder ein Highlight.


Zu sehen gibt es leider auch Negatives. Zusammen mit Michi kontrollierten wir die Entwicklung einer illegalen Goldmiene, welche sich nur wenige Autominuten von der FS entfernt befindet. Voller Ernüchterung mussten wir feststellen, dass sie in wenigen Wochen stark gewachsen ist und die Betreiber bereits daran sind, weitere Bäume zu fällen und das Abbaugebiet zu erweitern. Des Weiteren fahren zurzeit täglich mehrere Sattelschlepper vorbei und beliefern eine Erdölförderungsfirma, welche sich wenige Stunden von der FS befindet. Nichtsdestotrotz geniesse ich meine Zeit hier und ich freue mich, auf die nächsten Projekte und Erfahrungen, welche wir in Angriff nehmen werden.