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Der Wald braucht Schutz, mehr denn je

In unserem letzten Beitrag haben wir über die Wespen bei uns berichtet und wie wir immer wieder Begegnungen der schmerzhaften Art hatten. Es gibt über 600 Wildbienenarten in Ecuador. Die meisten leben im Amazonasbecken und sind die wichtigsten Bestäuber. Was alle Wildbienen in Ecuador gemeinsam haben, ist, dass sie keinen Stachel besitzen. Sie produzieren alle Honig, aber nur gerade so viel, wie sie wirklich für ihr Volk brauchen. Wenn Personen einen Wildbienenstock finden, wird er meist geöffnet und der Honig rausgenommen. Dabei stirbt die Königin meistens und als Folge stirbt das ganze Volk. Es gibt nur eine einheimische Biene, die man für die Honiggewinnung nutzt. Sie wird oft in Bioplantagen eingesetzt, da sie sehr sensibel ist. Die meisten Honigbienen werden aber aus Zuchten aus Amerika oder Europa importiert und haben dann auch wieder einen Stachel. Sie sind leider sehr invasiv und verdrängen die einheimischen Bienen und auch andere Insekten. Die ecuadorianischen Wildbienen können zwar nicht stechen, aber sie können durchaus nerven oder sogar Panikattacken bei Menschen auslösen. Eine Erdbienenart hat sich als Verteidigung ihres Stockes etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie fliegt in die Haare und beginnt sogleich daran zu zupfen und mit den Flügeln zu schlagen. Wer langes Haar hat, bringt die Bienen nicht mehr so einfach raus. Die Einheimischen nennen diese Biene auch «Haarschneider-Biene» und das ist wirklich passend. Es gibt aber auch Elfenbienen, die so klein und dünn sind, dass man sie kaum sehen kann. Die kleinsten Bienen sind nur rund ein bis zwei Millimeter gross und auch die können sehr nervig werden, besonders dann, wenn sie in die Augen fliegen, um die Mineralien zu holen, die in der Augenflüssigkeit sind. Einige Bienen leben in Termitenbauten oder in Nestern der Blattschneiderameisen. Dort leben sie in Symbiose mit den Termiten und Ameisen: Das eine Volk beschützt das andere und sie warnen sich gegenseitig vor Fressfeinden und anderen Gefahren.

In den letzten Wochen wurden wir immer mal wieder durch dumpfes Knallen aus dem Schlaf geholt. Das erste Mal wussten wir noch nicht, was los war. Auch César wurde geweckt und hatte keine Ahnung, was es war. Nach längerem Recherchieren hat Joëlle herausgefunden, dass die Armee dafür verantwortlich ist. Das Militär geht nun noch schärfer gegen das illegale Goldwaschen vor und hat seine Taktik geändert. Eine Sondereinheit spioniert am Tag in Zivil die Region aus und schlägt dann in der Nacht zu. Früher mussten die Bagger bei der Arbeit sein, um festzustellen, dass sie für das Goldwaschen eingesetzt werden, worauf die Bagger angezündet wurden. Jetzt reichen Bilder aus, die zeigen, wie mit dem jeweiligen Bagger Gold gewaschen wurde. Wenn das belegt ist, werden die Bagger in der Nacht mit Sprengstoff gesprengt. Dabei geht es darum, dass niemand sehen kann, dass die Soldaten kommen.

Allein in unserer direkten Umgebung wurden in diesem Monat mehr als 10 Bagger und unzählige Goldwaschmaterialien vernichtet. In einem Fall wurden USD 15 000 und 200 Gramm Gold beschlagnahmt. Leider liegt der Fokus der Armee vorwiegend auf den Baggern und nicht auf den schwimmenden Goldwaschanlagen (Dragas), die seit geraumer Zeit überall wie die Pilze an den Flüssen und Bächen aus dem Boden schiessen. Auch unser Wald wird von Goldwäschern durchquert.

Da sie auf einem Nachbargrundstück waschen, können wir nichts dagegen unternehmen. Auf unseren Wildkameras haben wir wieder vermehrt Wilderer, die auch gleichzeitig Goldwäscher sind.

Diese bewaffnete Person gehört zur Familie…
…dieses weitherum bekannten Wilderers und Goldwäschers, welcher uns bereits nachweislich mind. zwei Fotofallen gestohlen hat.

Eine Anzeige bringt nichts, da wir zu weit draussen im Wald leben und die Polizei dafür keine Zeit hat. Wir fühlen uns sehr allein und hilflos. Besonders befremdlich ist für uns, dass sich selbst die benachbarte Organisation, die Tiere auswildert und ihnen damit eine vermeintliche zweite Chance gibt, nicht gegen die Wilderei ausspricht. Da sie weder mit uns kommuniziert noch öffentlich Stellung bezieht und ihr Verhalten teilweise sogar kontraproduktiv erscheint, entsteht bei uns der Eindruck, dass diesem Problem nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wir waren letzte Woche auf unserem neuen Grundstück in Cosanga und haben einem Nachbarn einige Arbeiten in Auftrag gegeben. Mal schauen, ob das was wird. Wir müssen die Fläche, auf der wir unser Haus bauen wollen, vorbereiten. Denn voraussichtlich im August wird durch die Gemeinde der Flusslauf des angrenzenden Rio Cosanga «korrigiert» werden. Bei dieser Gelegenheit werden wir unseren Bauplatz mithilfe der Bagger einebnen und ein Steinfundament machen lassen. Zudem werden Drainagen gemacht, um Wasser in den Hängen auszuleiten. Aufs Neue waren wir von unserem Grundstück verzaubert. Wir haben so viele Ideen und Vorstellungen. Mal schauen, ob und wie wir alles umsetzen können.

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Aktiver Waldschutz

Letzte Woche mussten wir leider unseren lieben Bombi gehen lassen. Er ist am 26. Dezember 2011 zu uns in den amaZOOnico gekommen und hat von da an unser Leben bereichert.

Aufgewachsen ist er mit Navi, einem Tapir, der die ersten vier Monate seine Spielkameradin und beste Freundin war. Bis sie zu gross wurde und in ein eigenes Gehege umzog.

Er reiste mit uns in die Schweiz, wo er den Winter am liebsten mochte. Im Sommer fand er, dass der Garten für ihn völlig ausreichte. Noch besser fand er Wasser, zumindest solange er mit seinen Pfoten Bodenkontakt hatte, denn Schwimmen war nicht so sein Ding. Sinchi und Bombi waren ein unzertrennliches Team.

Bombi liebte es neue Wege zu erkunden, da war ihm kein Aufstieg zu steil. Aber erkunden bedeutete für ihn, nur ein einziges Mal den gleichen Weg zu gehen. Ein zweites Mal ging ja gerade noch, aber warum man ein drittes oder sogar ein viertes Mal den gleichen Weg gehen sollte, verstand er gar nicht. Familie Niebecker, die immer unsere Hunde in den Ferien hütete, kann davon ein Liedchen singen. Er kam auch wieder mit uns nach Ecuador. Die letzte Zeit verbrachte er noch mit dem Bewachen des Hauses und hatte, wen wundert’s, keine Lust mehr in den Wald zu gehen… den kannte er ja schon. Unsere anderen Hunde konnten von ihm Abschied nehmen. Sinchi war etwas verwirrt und hat lange nach seiner Nummer Zwei gesucht. Wir alle vermissen ihn sehr, er wird immer einen Platz in unseren Herzen haben.

Wir sind immer aktiv, um unseren Wald zu schützen. Michi und César laufen regelmässig durch den Wald, um die Wildkameras zu kontrollieren und um Drittpersonen zu zeigen, dass sie hier nichts verloren haben. Auch bei Selva Viva helfen wir mit. Dafür haben wir eine Drohne von AmaSelva – Bündnis Urwaldschutz e.V. bekommen. Als Michael einer seiner Drohnenflüge über Selva Viva machte, entdeckte er eine Goldmine direkt an der Grenze zum Schutzwald. Wir haben einen Zusammenarbeitsvertrag zwischen Finca Don Sigifredo und Selva Viva und sind Genossenschafter der GSR, aber nicht nur deshalb meldete er seine schreckliche Entdeckung umgehend dem Vorstand von Selva Viva. Es wurde eine Dringlichkeitssitzung einberufen mit verschiedenen Vertretern, unter anderem war auch ein Umweltanwalt dabei. Michi machte dafür nochmals aktuelle Aufnahmen. Mit Schrecken stellten wir fest, dass die Mine innert kurzer Zeit sehr schnell gewachsen ist. Noch am gleichen Abend bekam Joëlle einen Anruf vom Minen Betreiber. Michi war nach einem kurzen Schreckmoment so geistesgegenwärtig, dass er das Gespräch aufgezeichnet hat. Der Mann drohte nicht uns persönlich, da Joëlle ihm erklärte, dass wir im Auftrag von Selva Viva handelten. Er drohte aber Selva Viva mit dem Abholzen von einigen Hektaren Wald sollte er nicht in Ruhe weiter Goldwaschen können. An der Sitzung war man sich einig, dass man dringend etwas unternehmen muss. Es wurde ein Mandat an den Anwalt vergeben. Leider hat sind im Nachhinein herausgestellt, dass nicht alle Personen, die an der Sitzung dabei waren, ganz ehrlich gewesen sind. So stehen nun einer raschen Bearbeitung leider einige Hindernisse im Weg. Der Vorstand von Selva Viva und der Anwalt gehen aber weiter gegen die illegale Goldmine vor. Das ist auch gut so, denn Michi hat bereits wieder neue Fotos gemacht und die zeigen, wie rasant die Mine wächst und wie immer mehr Wald zerstört und der Fluss Rio Rodriguez verschmutz wird.

Starke Vermutzung des Wasser

Der Anwalt sieht gute Chancen, dass dem Treiben ein Ende gemacht wird, da die Regierung seit kurzem vermehrt und viel aggressiver gegen illegale Mienen vorgeht. Früher wurde, wenn überhaupt, die Gerätschaft beschlagnahmt. Heute wird sie vor Ort zerstört, das ist bedeutend billiger und effektiver. Vor einigen Tagen wurde in der Region Tena eine Mine samt Gerätschaften zerstört. Mit dem vor Ort beschlagnahmten Diesel wurden kurzerhand die Bagger und Waschanlagen in Brand gesetzt, oder sogar mit dem vorgefundenen Dynamit gesprengt. Dies belegen Bilder und Videos der Armee. So wurden in den letzten Wochen mehrere kleine und grosse Goldminen in der Amazonía zerstört, wir hoffen auf das Gleiche für die Bedrohung direkt vor unserer Haustür.

Aufnahme vom 23. August 2023
Aufnahme vom 12. September 2023
Aufnahme vom 29. September 2023

Bei uns ist auch sonst noch einiges los wir sind immer noch damit beschäftigt unser Bambuslager zu füllen. Die Trockenzeit ist sehr gut, um schnell Bambus zu trocknen und so unser Lager aufzufüllen. Michi nutz die Zeit auch um Möbel und sonstiges aus Bambus zu bauen. Die Verarbeitung wird immer sauberer und genauer. Das Bambusbett ist sein letztes Werk, das ebenfalls ohne Metall gebaut wurde.

Gecko aus einer Bambuswurzel mit Kokosnusskopf

Joëlle hat einen Nebenjob angenommen, um so unser Leben finanziell zu unterstützen. Sie redigiert Dokumente für eine Schweizer Firma. Das kann sie gut in Ecuador machen, dafür muss sie nicht in der Schweiz sein.

Leider haben wir einen grossen Rückschlag in unserer Vanilleplantage erlebt. Bei einer Nacht- und Nebelaktion wurden unsere Vanillepflanzen allesamt gestohlen, über 100 Pflanzen! Wir hatten ja die Idee, die Plantage in die bestehende Kuhweide am Waldrand zu integrieren. Das ist aber nicht direkt bei unserem Haus und das wurde uns zum Verhängnis da wir sie dort nicht unter Kontrolle hatten. 60 cm Vanillepflanze kostet rund 2 Dollar. Das ist viel Geld bei über 100 Pflanzen von insgesamt über 300 Metern. Das verlorene Geld ist das eine Übel, schlimmer sind die fast drei Jahre Arbeit die jetzt kurz vor der ersten Blühte weg sind, es ist alles vorbei. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und sind schon auf der Suche nach einem sichereren Standort für die neue Plantage.