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Generalstreik – mittendrin und live dabei

Bereits im letzten Blog haben wir über den Generalstreik in Ecuador geschrieben. Mittlerweile sind fast zwei Wochen vergangen und ein Ende ist leider noch nicht in Sicht. Der Streik betrifft das ganze Land aber er wirkt sich am stärksten in sechs Provinzen aus. Eine davon ist unsere Provinz Napo wo es bis jetzt zum Glück noch recht friedlich zu und her geht. Seit einer Woche ist Tena komplett abgeschlossen. Dies zum einen weil alle Zufahrtsstrassen blockiert sind aber zum anderen auch weil die angrenzenden Provinzen ebenfalls blockiert werden. Laut Medienberichten sind zehntausende Indigene an den Protesten beteiligt. Leider sind nicht alle freiwillig dabei und stehen nicht unbedingt hinter ihrem Anführer. Wie kann das sein, haben wir uns gefragt. Sie werden regelrecht gezwungen. In einer unserer Nachbargemeinden sind Kleintransporter eingefahren welche die Leute zwangen mitzukommen. Falls sich die Leute weigern sollten bekommen sie Bussen von ihren Organisationen und werden in Zukunft von sozialen Anlässen ausgeschlossen.

Immerhin sind die Organisatoren so fair, dass immer mind. eine männliche Person zuhause bleiben darf um Arbeiten weiterzuführen und das Haus zu beschützen. So wurden tausende Personen, teils gegen Ihren Willen, nach Quito gefahren. Da diese Leute weit weg von zuhause sind führte dies zu chaotischen Zuständen und Vandalismus bis hin zum Abbrennen von Polizeistationen und sehr gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Toten und vielen Verletzten.

Foto: Ecuador Willana

Von unseren Mitarbeitern wissen wir, dass sich die Leute in Ahuano und auf der Insel Anaconda „verstecken“ weil sie nicht abgeholt werden wollen. In Tena begannen die Proteste erst diese Woche. Die Protestierenden kommen alle aus der Region und somit befinden sie sich in ihrer eigenen Provinzhauptstadt. Sie stehen nicht alle hinter der CONAIE (Dachorganisation der indigenen Völker Ecuadors) und auch nicht hinter allen Forderungen. So kommt es, dass gestern in Tena das Gebäude der Provinzregierung eingenommen wurde aber dies auf sehr friedliche Art. Die Protestierenden haben sich vor dem Gebäude aufgestellt um es einzunehmen und die Polizei ist einfach zur Seite getreten. Die Protestanten sind aber nicht ins Gebäude eingedrungen sondern warten friedlich vor dem Gebäude auf die Regierung. Die Blockaden haben leider zur Folge, dass seit zwei Wochen weder frische Lebensmittel noch Benzin nach Tena durchkommen. Wenn dann doch ein kleiner Laster durchkommt, der natürlich bei jeder Blockade Bestechungsgeld zahlen musste, führt dies zu extrem hohen Preisen. So kostete gestern eine Lage Eier (30 Stück) sechs bis acht Dollar, der normale Preis wäre ca. drei Dollar. Dies wiederum schürt den Unmut der Bewohner Tenas gegen die Streikenden.

Auch wir können natürlich nicht mehr nach Tena, da es ja komplett abgeriegelt ist. So leben wir noch von unseren letzten Vorräten die wir hier haben. Das Arbeiten bei uns wird auch schwieriger, da wir keine Materialien mehr für die Konstruktionen beziehen können. Somit steht jetzt alles still und wir erledigen die täglichen Arbeiten soweit das möglich ist. Zum Glück hatten wir vor vier Wochen unseren letzten Kakao geerntet. Den könnten wir ja jetzt nicht mehr verkaufen und er würde hier einfach verrotten. Ab Montag können wir keine zusätzlichen Arbeiter mehr anstellen, da wir kein Geld und zu wenig Lebensmittel für das Mittagessen im Haus haben. Nicht nur wir haben keine Arbeit mehr, sämtliche Bauarbeiten mussten eingestellt werden. Es ist ein Teufelskreis, wegen der Blockaden ist der erst seit kurzem wieder aufkommende Tourismus erneut komplett weg was wiederum zu Lohnausfall führt. Das Wenige was es noch gibt kann sich fast niemand mehr leisten, es gibt kein Öl, Reis, Zucker usw. mehr. Tatsächlich gibt es jetzt sogar noch weniger als während des Lockdowns in der Corona Krise.

Trotzdem steht bei uns nicht ganz alles still. Diese Woche starteten wir den Versuch einer natürlichen Immunisierung von Bambus (Caña Boracha). Rund 40 Bambusstangen wurden präpariert um eine natürliche Fermentation in Gang zu setzten.

Die Immunisierung im Becken ist wegen des Streiks jetzt nicht mehr möglich da wir dafür Arbeiter bräuchten, César und Michi können das alleine nicht machen. So erledigen wir hier draussen unsere täglichen Arbeiten und geniessen dabei die Ruhe. Da es kein Benzin mehr gibt hat es keinen Verkehr auf der Strasse, keine Kanus und keine Flugzeuge. Man muss es ja doch auch etwas positiv sehen. Aber keine Sorge, wir werden nicht verhungern. Unsere Vorräte an Lebensmitteln reichen noch ein Weilchen und sollten sie aufgebraucht sein können wir von den Familien um uns herum Yucca, Bananen, Ananas und andere Früchte kaufen. Eier haben wir genug, dank unsere Hühner. Das Hundefutter könnte etwas knapp werden, aber zum Glück haben wir ja unseren Fischteich. Davon können sowohl wir als auch die Hunde essen. Ach, und Bier haben wir auch noch.

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Baggermangel in Tena

Heute Mal was Anderes zum Anfang. Im Napo Fluss gibt es bekanntlich viel Gold und da der Goldpreis in den letzten Jahren stark gestiegen ist lohnt es sich nun auch das Gold abzubauen. So entstand ganz in der Nähe von Tena ein unvorstellbar grosses Abbaugebiet am Rio Napo, wo man mit Baggern die Ufer und angrenzendes Land abgetragen hat umso an das Gold zu kommen. Die Bevölkerung hat während mehrerer Monate immer wieder dagegen protestiert. Es wurde kurzerhand auch einfach bewirtschaftetes Land umgebaggert und hat so viele Leute von ihrem zu Hause vertrieben. Da das ganze illegal war, und schon seit 2018 keine Lizenzen mehr für den Abbau von Gold vergeben werden, wurden leider auch Chemikalien wie Quecksilber eingesetzt. Das hat dann auch Umwelt Organisationen und die Presse auf den Platz gerufen. Der Druck auf die Behörden wurde schlussendlich zu stark. In einer grossangelegten Aktion sind das Militär und die Polizei auf gefahren und haben die Mine geschlossen. Vorgängig wurde weiträumig alles abgesperrt (ca. drei Quadratkilometer) und dann fand der Zugriff statt. Sämtliche Maschinen wurden beschlagnahmt und alle Anwesenden wurden verhaftet, auch wenn sie nur für gerade einen Tag ins Gefängnis mussten. Während drei Wochen wurde das beschlagnahmte Material abtransportiert und auf dem Polizeigelände geparkt. Es waren mehr als 150 Bagger, über 20 grosse und unzählige kleine Waschanlagen. Der Parkplatz war so voll, dass wir das Ausmass nicht auf ein einzelnes Foto gebracht haben. Mit der Drohne durften wir kein Foto machen da wir nicht von der Presse sind.

Nun hat es in der Provinz Napo zu wenig Bagger, weil jeder der keinen Bauauftrag hatte da am Goldwaschen war. Wenn man jetzt einen Bagger braucht muss man lange warten bis er kommt, denn um einen Bagger auszulösen muss man tief in die Taschen greifen. Zwischen 20`000 bis 30`000 Dollar kostet das Auslösen, das ist hier extrem viel Geld. Alle Maschinen die nicht innerhalb von zwei Jahren ausgelöst sein werden, werden dann versteigert. Solange stehen sie einfach rum und rosten vor sich hin. Es gibt immer noch viele kleine illegale Minen entlang des Napos. Die werden aber von Familien betrieben und dort wird von Hand abgetragen und häufig wird kein Quecksilber eingesetzt. Denn dafür haben die Meisten kein Geld und so ist der Schaden an der Umwelt auch nicht ganz so gross.

Der Jaguar geht bei uns um und macht die Kühe sehr nervös. Als Michael letzte Woche unsere Kühe kontrollieren ging stellte es fest, dass sie alle sehr dicht beieinander standen. Sie waren auf der hintersten Weide direkt am Waldrand. Obwohl es noch genügend Grass hatte, wollten sie nicht da bleiben. Michael war etwas irritiert wegen ihres Verhaltens. Auf dem nachhause Weg nahm er die Wildkameras mit die um die Weide herum platziert waren. Beim Auswerten der Fotos wurde ihm klar warum die Kühe so nervös waren. Nur vier Stunden zuvor hatte die Kamera einen Jaguar aufgenommen und das nur 100 Meter neben der Kuhweide. In den letzten vier Wochen wurden die Kameras dreimal durch den Jaguar ausgelöst.

Jaguar ganz in der Nähe unserer Kühe

Normalerweise zieht ein Jaguar herum und bleibt nicht so lange am gleichen Ort. Warum er nun so lange da ist wissen wir nicht, wir können nur spekulieren. Vielleicht blieb er länger weil es wieder mehr Wild bei uns hat.

Der Jaguar ist sogar am Tag unterwegs

Auf Grund der Kameraauswertungen wissen wir, dass der Wildbestand in den letzten Monaten zugenommen hat. Es wurden auch vermehrt seltene Tiere aufgenommen wie zum Beispiel Tayra, Tamandua (Kleiner Ameisenbär) oder auch Krabbenwaschbären. Uns freut es sehr wenn der Wald wieder anfängt zu leben und unsere Kühe sind zum Glück noch alle da. Ja, in der Schweiz haben die Schäfer es mit dem Wolf zu tun und wir hier mit dem Jaguar.

Krabbenwaschbären

Unser Bambus Projekt nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir müssen auch sicherstellen, dass wir in Zukunft zu genügend Bambus kommen. Wir können uns da nicht nur auf die einheimische Bevölkerung verlassen. Darum haben wir einen Vertag mit unseren Niederländischen Nachbarn gemacht. Sie haben ca. drei Hektaren Bambus den wir für die nächsten vier Jahre ernten können. Diese Woche haben wir das erste Mal geerntet. Der Bambus wächst direkt an einem Fluss der in den Arajuno mündet der wiederum vor unsere Haustür vorbei fliesst. So haben wir kurzum die geschnittenen Stangen zu Flössen zusammen gebunden und sind den Fluss runter getrieben.

Touristen zahlen viel Geld dafür sich mal auf einem Floss den Fluss runter treiben zu lassen. Mal schauen ob wir das nächste Mal zahlende Begleitung finden. So sind nun die nächsten 65 Bambusstangen im Becken und wir fangen langsam an einen Grundstock an immunisiertem Bambus anzulegen.

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